zurecht gerückt

“Du hast es gut, du hast wenigstens eine Familie, zu der du jetzt fährst!”, kommentiert Frau Abendroth, als ich nach der Konferenz schwer bepackt und gehetzt zum Lehrerparkplatz eile.

Ich denke an Abholzeiten und strenge Blicke auf die Uhr, an gellende Lautstärke, Streitereien zwischen den Wehwehchen, daran, dass ich so oft – und besonders nach langen Schultagen – nicht die Mutter bin, die ich gerne wäre. Ich denke an einen Haushalt, der sich an manchen Tagen ins Unermessliche dehnt, an Wäscheberge und die immer wiederkehrende Notwendigkeit der Zubereitung von Mahlzeiten, die Bestückung von Butterbrotdosen, das Lesen in Hausaufgabenheften und die ewige geforderte Aufmerksamkeit. Mir fallen Tausende von Tränen ein. Tränen der Wehwehchen bei Unfällen, Misserfolgen, Sorgen und Ängsten. Tränen, die ich immer wieder geduldig stillen will, obwohl mir doch manchmal eher nach Brüllen zumute ist. Ich denke an meine letzten Tränen, schnell weggewischt beim letzten Arztgespräch über das mittelgroße Wehwehchen, das seinen Lebensweg leider auch nicht ohne Rucksack geht. Ich denke an Sorgen, die tatsächlich mit den Kindern wachsen, an  Schlafmangel, Schlafentzug, gar keinen Schlaf. Ans Kuchenbackenmüssen und Unterschreiben endlos vieler Elternbriefe. Mir wird das Herz schwer.

“Wenn ich nach Hause komme, ist alles so still, dass ich sofort das Radio anschalte.”, fährt die Kollegin fort.

Mir fallen Kinderküsse ein, so zart und so vielzählig, ganze Hallen könnte ich damit füllen. Im Halbschlaf gemurmelte Ich liebe dichs, kleine Briefe auf meinem Schreibtisch, krakelige Bilder, mit Stolz für mich gemalt. Mir fallen Nachmittage voller Gekicher und Wuseleien ein, der Geruch von Sonnenmilch auf Kinderarmen, die sich um meinen Hals schlingen. Mir fallen Blicke im OP ein, im Moment des Wegschlummerns und das unendliche Vertrauen darin. Ich denke daran, wie es sich anhört, wenn sich der Atemrhythmus eines Kindes beim Einschlafen verändert, friedlich und ruhig wird. Ich denke an ausgerupfte Blumen, ausgetrocknete Regenwürmer und gesammelte Kronkorken. An Steine, Stöcke und Flaschenpost. An Sand und Wasser und Sonne. An glöckchenhelles Lachen. Und ich denke an Herrn Weh. Der mir Hafen und Anker ist. Der meinen Körper, meine Seele und besonders meinen Geist liebt. Der selbst die unruhigsten Träume einfach wegstreicheln kann und dessen Alles wird gut! an manchen Tagen reine Seelennahrung ist. Dankbarkeit.

Ich drücke die überraschte Kollegin an mich. “Danke!”, murmele ich.

Die Sache mit dem Stöckchen, Teil I

Das Werfen von Stöcken ist auf dem Schulhof verboten. Aus gutem Grund übrigens.

Da halten sich aber viele nicht dran. Zum Beispiel das Fräulein Rot nicht. Davor scherten sich bereits ein weiblicher Waldschrat, Herr Klinge (großartig, lesen!) und Embee, den ich ja schon länger wegen seines Bananenklaviers verehre, und viele andere nicht um gutes Benehmen. Jetzt hat es mich getroffen. Autsch. Hätte man diesen virtuellen Kettenbrief nicht wenigstens etwas cooler benennen können? Als Konsequenz verordne ich einen Aufsatz zum Thema Stöcke – Nutzgegenstand, Waffe oder beides?, 1 Seite A4. Gutes Gelingen!

Damit ihr versteht, was das hier überhaupt soll, kopiere ich schnell bei Frl. Rot:

Die Regeln sind folgende:

  1. Nenne den Stöckchenwerfer.
  2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers.
  3. Erzähle elf Dinge über dich.
  4. Entwirf elf Fragen, die der nächste beantworten soll.
  5. Wirf das Stöckchen an den nächsten Blogger.

 

1. Nenne den Stöckchenwerfer:

Habe ich ja schon erledigt, es war die reizende Kollegin Rot, die da so fürsorglich an mich gedacht hat.

2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers

(Elf!?? 11!? Verdammt, wer denkt sich sowas aus und vor allem, wer hat denn Zeit dafür? Aber siehe Punkt 2, ich fange einfach an.)

1. Die Helden deiner Kindheit? Ich habe schon immer viel gelesen, eigentlich alles, was mir in die Finger kam. Die rote Zora war mir große Schwester und Huckleberry Finn der erste feste Freund. Ich bin mit Ronja durch den Wald gelaufen und habe mit Asterix meine Vorliebe für stinkigen korsischen Käse entdeckt. Ich saß schon früh bei den Buddenbrooks am Mittagstisch und habe die Halblinge auf ihrer Suche nach dem Ring begleitet. Ich bin auf Fuchur geritten und habe mich vor den Titanen gefürchtet. Ja, manches habe ich zu früh gelesen. Aber ich war schon immer wie eins dieser kleinen roten Tierchen, die sich durch Bücher fressen. Mein größter Held, der allergrößte, war daher auch ein kleines mondlichtiges Kerlchen mit Igelstacheln auf dem Kopf – das Traumfresserchen von Michael Ende. Den Spruch, der vor dem Zubettgehen aufgesagt zuverlässig vor bösen Träumen schützt, kann ich bis heute auswendig und gebrauche ihn von Zeit zu Zeit am Bett der Wehwehchen. Was war ich froh, dass es da jemanden gab, dem böse Träume schmecken! Und davon hatte ich einige. Naja, kein Wunder…

2. Was schiebst du immer wieder auf? Ich bin kein Aufschieber, ich bin ein Listenschreiber und -abarbeiter.

3. Wenn du eine Sache an dir ändern könntest, welche wäre das? Oooooohoooo! Ich gestehe, in solchen Dingen bin ich oberflächlich: Ich hätte so gerne lange, rote Locken!

4. Welcher Spruch deiner Oma oder Mutter hat sich bewahrheitet? „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Das ist zwar nicht von Oma, aber aus dem Korintherbrief. Tief in mein Herz tätowiert.

5. Du kannst nicht ohne…? Kaffee. (Ja, langweilig, weiß ich.)

6. Fußball oder Eiskunstlauf? Da hat sich mit den Jahren etwas geändert. Früher stand ich sehr auf Eiskunstlauf: Glitzerkostüme, schöne Musik, das tolle Geräusch, wenn die Kufe das Eis schneidet. Herrlich. Dann kam der Angriff auf Nancy Kerrigan und außerdem wurden mir meine eigenen Schlittschuhe zu klein und das Thema war durch. Mittlerweile gucke ich lieber Fußball. Aber ich gebe zu, dass ich den meisten Spaß an netten Spieleroberkörpern oder rumsdödeligen Spielerinterviews habe. Der Rest tangiert mich peripher.

7. Deine Lieblingsblume ist…? Natürlich das GÄNSEBLÜMCHEN! Aufmerksame Leser wissen, warum.

8. Wenn Du auf eine einsame Insel fliegen würdest, was müsste unbedingt mit? Oh nein, der Klassiker der bescheuerten Freundebücherfragen! Frl. Rot, da hätte ich mir mehr erwartet. Jetzt müsste ich natürlich “meine Familie” antworten (auch wenn das in der Fragestellung erwähnte was so sicher nicht gemeint war). Die Vorstellung, mit Herrn Weh auf einer Insel zu sein, hat auch wirklich viel Schönes an sich, aber einer muss ja auf die Kinder aufpassen. Also fliege ich alleine und nehme eine Riesenflasche Sonnencreme (50+!) mit. Vor Ort kaufe ich mir eine Ukulele und warte darauf, dass Stoppok vorbeikommt (tut mir leid, Herr Rau, aber niemand sonst ist so verdammt cool) und mir Unterricht erteilt. Ich werde zum Kokovoren, lasse mir Rastazöpfe flechten, suche mir ein paar Mitspieler und mache lustige Sachen wie diese:

 

9. Wovor hast du die größte Angst? Das zu beantworten ist so einfach, wie schrecklich: Dass meinen Kindern etwas zustößt.

10. Würdest Du gerne mal in einem Kinofilm mitspielen? Nö! Aber ich würde gern das Catering testen :-)

11. Welche Frage würdest Du Dir selber stellen? Ich stelle mich und mein Handeln ständig in Frage. Insofern herrscht hier an Fragen kein Mangel. Viel lieber verweise ich daher an dieser Stelle auf das (leider vergriffene) beeindruckende Buch der Fragen von Pablo Neruda und die Umsetzung mit Grundschülern Wohin gehen die geträumten Dinge? von Marty Brito. Das hat nicht zufällig jemand rumfliegen…? Das hätte ich wirklich zu gerne!

 

Soviel für heute. Für den Rest müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Lieben Dank an Frl. Rot, die hiermit* bewiesen hat, dass das Bildungswesen nach unten hin tatsächlich durchlässig ist :mrgreen:

Falls ihr Brückentage habt, genießt sie!

Herzliche Grüße

Frau Weh

* Schreibt sie doch so schön: “Ich werfe das Stöckchen vor die Weh’sche Haustür. Ich schätze Frau Weh sehr und hoffe, dass sie Zeit finden wird. Außerdem finde ich, dass die Grundschulblogs zu Unrecht vernachlässigte Stiefkinder sind.” Das fand ich arg nett :-)

Über Triebe, Milchsäurebakterien und die Unfähigkeit daraus eine Überschrift zu machen

Frau Müller, ein für sich genommen eher unauffälliges, mittelaltes Mitglied des Kollegiums, erlebt gerade ihren zweiten Frühling. Wir alle dürfen daran teilhaben. Das ist angemessen, schließlich haben wir auch die Trauerphase nach der Trennung ihres Mannes (er hat sie wegen einer Jüngeren verlassen!), die Ignoranz- und die Wutphase zusammen durchgestanden. Dann hat sie sich auf einem Datingportal für Leute mit Niveau angemeldet und lässt es seitdem krachen. Aktuell schwelgen wir also in der Blütezeit neuer Lust und Triebe.

Es ist Montagmorgen, 7.32 Uhr, wir befinden uns im Lehrerzimmer.

“Ist ja ekelhaft, du mit deinen Karl-Heinzen!”, fällt Frau Abendroth der vom Wochenende erzählenden Kollegin ins Wort. Diese kontert beleidigt – erzählte sie doch gerade von einem äußerst vielversprechenden Date mit Dieter aus Dortmund, der ihr zunächst beim abendlichen Nudelgericht mit treuen Dackelaugen die Seelenverwandschaft an- und im Anschluss daran noch viel mehr abgetragen hat.

“Solltest du vielleicht auch mal ausprobieren!”, giftet sie nun also die ebenfalls unbemannte Kollegin an, die jedoch nur mit kehligem Lachen kontert. Frau Müller senkt die Stimme: “Das einzig Blöde an der Sache”, sie beugt sich vertraulich zu mir hinüber, “ist die Sache mit dem Pilz.” Ich rühre konzentriert in meinem Joghurt und versuche das eben Gehörte nicht in mein Gehirn vordringen zu lassen. Auch der Information, dass sie es leider erst morgen zum Arzt schaffe, versuche ich den Eintritt in mein Universum zu verweigern.

“Muhahaha!”, schaltet sich da nun wieder Kollegin Abendroth ein; offenbar war Frau Müllers Geraune nicht leise genug. “Uns allen gehst du mit deinen Männergeschichten auf den Keks, um uns neidisch zu machen, aber in dieser Frage wendest du dich dann doch lieber an eine verheiratete Kollegin. Mu-ha-ha-HAA!”

Während ich mich noch weit weg wünsche (immerhin ist es Montagmorgen, ein nicht in allen Punkten optimal entspannendes Familienwochenende liegt hinter mir und überhaupt, wen interessiert denn eigentlich Kollegin Müllers Intimregion?!), läuft Kollegin Abendroth zur Höchstform auf, knallt den großen Ordner Sexualerziehung auf den Lehrerzimmertisch und blättert “Verhüüüütung” flötend die Seiten durch. Wie eine äußerst vergnügte Spitzmaus sieht sie dabei aus.

“Du hast ja wohl voll einen Schaden!” ereifert sich da erwartungsgemäß schon Kollegin Müller. Es ist ein bisschen wie beim Schlammcatchen. Nur mit weniger Dreck. Bevor die Sache eskaliert, greife ich nach Frau Müllers Handgelenk und lenke ihre Aufmerksamkeit auf mich: “Versuch es mit Joghurttampons!” Frau Müller – unsicher, ob diese Information nun ernst gemeint ist – schaut wechselweise in mein Gesicht und dann auf den Becher in meiner Hand.

“So normaler Joghurt? Echt? Wie der da?”

Ich ziehe entsetzt meinen Arm zurück. “Nein, der ist aus Soja!!!”

Krieg und Frieden

“Und an diesem schrecklichen Tag kamen die Phosphorbomben. Phosphor bringt Leid, so großes Leid, denn es brennt die Haut weg. Wir hörten das Surren, die Motorengeräusche und sind nur noch gerannt, gerannt bis wir im Bunker waren.”

Oma Elsa erzählt von ihrer Schulzeit in den Kriegsjahren. Es ist totenstill in der Klasse, die Drittklässler sitzen wie erstarrt auf ihren Plätzen und hängen an ihren Lippen. Haben sie eben noch das ein oder andere cool! fallen lassen, als es um den Aufmarsch der Truppen, das Paradefahren der Panzer ging, so ringen sie nun um Fassung, als die alte Dame von Todesangst, Fliegeralarm und stundenlangem Ausharren in dunklen Kellern berichtet. Den ersten Toten hat sie mit 6 Jahren gesehen, einen Nachbarn, vor ihren Augen erschossen, an den Füßen die Treppe heruntergezerrt. Sie spricht mit fester Stimme von den Gräueln ihrer Kindheit. Einer Kindheit, die von Überlebensangst, Entbehrung und Hunger gekennzeichnet war.

In den meisten Augen sehe ich Entsetzen, in vielen auch Tränen schimmern. Die alte Dame erzählt packend und nimmt die Kinder mit auf ihre Reise in die Vergangenheit. Auch ich muss mich räuspern, als ich sie am Ende der Stunde frage, wie ihr Weiterleben nach diesen furchtbaren Erfahrungen möglich war. Sie blickt mich ruhig aus wasserblauen Augen an und denkt über die Antwort nach: “Sie werden es verstehen, Frau Weh. Es ist die Liebe.”  Die alte Dame streicht sanft über den Arm der neben ihr sitzenden Enkelin. “Es ist die Liebe zu Kindern, die mich mein Leben lang getragen hat. Die Welt für kleine Seelen ein bisschen besser zu machen. Ja, das war und ist es immer noch. Das ist mein Frieden.” Ich nicke, antworten ist mir nicht möglich.

Wie immer nach einem Besuch verabschiedet sich die Klasse mit einem Lied. Für Oma Elsa haben wir “Kein schöner Land” eingeübt. Sie freut sich. Als ich sie zur Türe begleite, greift die alte Dame nach meinem Arm und lächelt. “Danke”, sagt sie, “es war mir eine Freude kommen und berichten zu dürfen!”

Ich bin berührt.

Shabby Chic

Der besondere Schrecken, den dieser Dienstagmorgen für mich bereithält, sendet mir seine Vorboten bereits auf dem Weg zur Schule. Stumm säumen sie den Straßenrand, erstarrt in der Monstrosität des Überflusses. Kreaturen, die mit ihren Ecken und Kanten voller abblätternder Farbe stumme Mahnwachen der Zeit sind.

Sperrmüll – ein Wort des Grauens!

Mühsam versuche ich meine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße zu lenken und die Fahrt zur Schule fortzusetzen. Doch immer wieder schweift mein Blick auf die Gebirge aus Nutz- und Nutzlosgegenständen, die meinen Weg flankieren wie die Baumskelette einer winterlichen Allee.

Was aber, so mag sich nun mancher Leser fragen, soll denn gewöhnlichen Sperrmüll so viel schlimmer machen als die regelmäßige Abfuhr von Grünschnitt oder Elektrogeräten, die immer wieder mittwochs meinen Weg säumt? So schlimm, dass es mir den Schweiß auf die Stirn und die Furcht ins Blut jagt? Die Antwort ist so kurz wie klar:

Die Drittklässler lieben Sperrmüll über alles.

Sie mögen es genauso rumpelig wie Oscar aus der Mülltonne. Messiemäuse sind sie, Müllverwerter, Recycelratten. Sie können ALLES gebrauchen! Voller Entzücken schleppen sie die unsagbaren Dinge an, die unsere Überflussgesellschaft ausgeschieden hat. Was sie sonst an Solidarität vermissen lassen, beim gemeinsamen Transport eines defekten Drehstuhls (“Für Sie, Frau Weh, es fehlt nur eine Rolle!”) mobilisieren sie all diese Kräfte problemlos.

Bereits Tage vorher überfällt sie diese kribbelige Unruhe, die ansonsten Vollmond, drohenden Hormoneinschuss, ein Revierderby oder andere Großereignisse ankündigt. Unausstehlich sind sie dann, wie kleine Quartalssäufer.

Ich seufze. Mal sehen, was sie heute anschleppen. Vielleicht wieder einen scheußlichen Kerzenleuchter mit Porzellanvogel ohne Kopf (“Wir können doch mal eine Halloweenfeier machen, da nehmen wir den!”)  oder ein wackliges Bänkchen mit Holzwurmlöchern und Wasserkränzen (“Da können Sie Ihre Tasche drauf abstellen. Klasse, oder!?”). Unvergessen auch der Moment als eine ganze Klasse (NICHT meine! Aber auch ein 3.Schuljahr… scheint also was Hormonelles zu sein.) ameisengleich ein zerpflücktes Ledersofa in die Schule schleppte. Ein paar Monate später war ihnen die Sache dann peinlich. (Aber da waren sie auch schon Viertklässler. Und die haben ja bekanntlich bereits den Kopf in den Wolken in der weiterführenden Schule.)

Die erste Stunde beginnt und alle sind pünktlich. Ich stutze; das ist ungewöhnlich an einem Sperrmülltag. Auch sehe ich keine nennenswerten Dinge herumliegen – von Turnbeuteln, einsamen Hausschuhen oder vorsorglich-übervollen Brotdosen, die eines extra Behältnisses bedürfen, mal abgesehen. Ich schnüffle einmal vorsichtig in den Raum. Nichts. Kein merkwürdiger Muffelgeruch. Nur die üblichen Schwitzeköpfchen.

“Es ist Sperrmülltag, oder?”, versuche ich die müde Bande aufzumuntern. Unbestimmtes Murmeln in der Klasse. “Ich sehe ja gar nichts!”, veruche ich es noch einmal. Keine nennenswerte Reaktion. “Ja habt ihr mir denn überhaupt nichts mitgebracht!?”, rufe ich verzweifelt. Die Drittklässler tauschen vielsagende Blicke. “Nööö…!”

Jetzt bin ich aber tatsächlich ein bisschen wehmütig. Sie werden so schnell groß…