Sommerfrische

Es geht in den Urlaub und ich habe das tiefe Bedürfnis, wirklich Pause zu machen und nichts zu planen. Der Abschied an meiner alten Schule war berührend und schön; die neue Stelle winkt mit vielen Aufgaben und neuen Herausforderungen – der Wechsel wird groß sein. Auch daher freue ich mich darauf, tief in die Ferien ein- und eine Weile unterzutauchen.

Morgen starten wir in den Familienurlaub und direkt im Anschluss treffe ich mich mit der lieben Frau H., auf deren lautes und etwas derbes Lachen ich mich wahnsinnig freue. Meine Liebe, es wird Zeit!

Euch allen wünsche ich einen schönen Sommer, viel Zeit für euch und eure Lieben und ganz viel Sonne im Herzen!

Herzlichst, Frau Weh

Farben sortieren nach MontessoriFerienbeschäftigung fürs Miniweh: Farben sortieren, fast nach Montessori ;-)

Für die interessierten Kolleginnen: Die Kugelkette ist eine Tageskette; sehr schwer, sehr stabil und mit enorm hohem Aufforderungspotential. Tolles Teil!

Wechselbad

Oh, es wird Zeit für Ferien!

Ich rotiere zwischen gepackten und zu packenden Kisten, überschnappenden Viertklässlern und dem ganz normalen Schuljahresendwahnsinn. Da werden noch schnell Ausflüge gemacht, Abschlussfeiern sowieso und da war doch noch was? Ach ja, die Zeugnisse! Den Kolleginnen fällt ein, dass ich noch schnell, bevor ich weg bin, ihre Klassenbücher ausfüllen muss (womit sie recht haben…) und das größere Wehwehchen erwähnt beim Abendessen ähnlich spontan, dass es für das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen Tomate-Mozzarella-Spießchen zugesagt hat. Das Miniweh hat als Blume beim Kindergartenfest brilliert und beim Singen nur ganz kurz, aber hingebungsvoll, in der Nase gebohrt. Die Hauskatze würgt derweil Haarbällchen hervor und maunzt beleidigt, weil ich sie nicht dafür lobe, aber ich habe gerade wenig Zeit dafür.

Den Musikraum habe ich besenrein hinterlassen und dabei, ja, ein ganz kleines bisschen mit den Tränen gekämpft, denn die neue Schule – so schön sie auch sein mag – verfügt nur über einen einzigen Schrank für alle Musikalien, die sie so besitzt. Ich verkleinere meinen Unterricht und mich also von 140 qm auf 0,8 qm. Oder muss ich das in Kubik angeben? Egal, ich trauere. Und das nicht allein. Mittlerweile wissen es alle Schüler und Eltern, die Putzfrau und die Pfarrerin. Alle wünschen Glück und drücken ihr Bedauern aus, so dass auch ich ganz flatterig werde ob der getroffenen Entscheidung. Aber wohnt nicht jedem Neuanfang ein Zauber inne? Und ist ein solcher Abschied nicht deutlich besser, als wenn alle froh über meinen Fortgang wären? Die Chefin fasst mich mit Samthandschuhen an und siegelt sogar selber meine Zeugnisse, die weltbeste Sekretärin drückt mich fest und weint ein leises Tränchen. Einzig Frau Schmitz-Hahnenkamp verhält sich normal und beschwert sich lautstark über Sinan und Nino, die ich immer noch nicht im Griff hätte. Dennoch haben sie mir einen Abschiedsbrief geschrieben, darunter eine krakelig gemalte Blume “Ihre Glücksblume, Frau Weh, für die Zukunft”. Ich schlucke und wünsche, dass die nächsten Tage an mir vorbeifliegen mögen. Leider tun sie dies auch, obwohl ich die Momente festhalten will, denn manche sind kostbar.

“Wenn Sie auch gehen, dann haben wir keinen Grund zurückzukehren”, sagen die Viertklässler traurig und recht haben sie. Ein Stück Kindheit ist vorbei.

“Aber das, was kommt, ist neu und aufregend!”, will ich sie trösten und bekomme doch selber eine scheußlich-schöne Gänsehaut, wenn wir Möge die Straße uns zusammenführen singen und alle gekonnt, weil lange geübt, vom pianissimo ins forte wechseln und sogar der Hausmeister in der Türe stehen bleibt um zu lauschen. Wechselbad aus Abschiedskummer und Vorfreude.

Bald sind Ferien!

Karlchen K., Teil 2

Karlchen geht es sehr gut, danke der Nachfrage! Es geht ihm sogar so gut, dass wir uns Gedanken machen müssen, was wir mit dem Endprodukt (die Wehwehchen nennen es “Pilzpipi”) alles anfangen können. Also außer Trinken. Ich liebäugele ja mit einem Kefirbad, so à la Kleopatra, mich gruselt aber zugegeben vor dem anschließenden Körpergeruch. Eine deutlich geruchsärmere Möglichkeit ist die Herstellung von Frischkäse. Auf dem Blog langsamer leben, den ich euch sehr ans Herz legen möchte, falls ihr an Nachhaltigkeit interessiert seid, gibt es neben vielen, vielen anderen Anleitungen auch eine hierfür. Daher verzichte ich auf viele Worte und lasse die Bilder sprechen. Hier ist er also, mein erster Frischkäse, vom abgegossenen Käsebruch bis zur fertigen Variante mit Knoblauch, Zwiebeln und Dill. Oh, ich bin so stolz!

Käsebruch

Käsebruch

Frischkäse

Obgleich das Ergebnis optisch sehr überzeugen kann, war es doch geschmacklich mehr so… trocken. Eher quarkig als frischkäsig. Nicht unlecker, aber die Verweildauer im Hals war deutlich länger als zuvor gedacht. Ich musste reichlich nachspülen. Dazu kam eine ganze Batterie an gebrauchtem Kücheninventar, nicht zu vergessen die im Anschluss daran reichlich käsig riechende Mullwindel. Also vermutlich werde ich das Experiment nicht unbedingt wiederholen. Stattdessen durchforste ich die Weiten des Netzes nach Rezepten für Kefircocktails. Da muss sich doch was draus machen lassen!

Es grünt so grün

Wenn ich gelegentlich Zeit und Muße habe, schaue ich mir an, mit welchen Suchbegriffen Menschen auf diesem Blog landen. Da gibt es spaßige Entdeckungen zu machen. Ein Dauerbrenner ist nach wie vor die Suche nach strammen Schenkeln. Ebenfalls regelmäßig wird nach Erziehung auf das bloße Hinterteil gesucht. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass die Ohren als Eingangskanal vorzuziehen seien, aber das ist für manche Mitmenschen ja spätestens nach der zweifelhaften Lektüre verschiedener Romane langweiliger Mainstream.

Manchmal werde ich auch von Suchanfragen inspiriert – so auch gestern, da suchte nämlich jemand eine Frau, die auf frischen Samen steht. (Ich bin bekanntlich Lehrerin, daher war ich so frei und habe die Rechtschreibung benutzerfreundlich angepasst, Samen schreibt sich nämlich nicht mit doppeltem a. Nein, wirklich nicht.) Aber zurück zum Kontext:

Lieber Googlebenutzer, frische Samen sind wirklich toll! Man kann daraus Vogelfutter machen, sie ins Müsli oder in den Brotteig streuen. Noch toller finde ich aber, was daraus wachsen kann: Zum Beispiel SPROSSEN!

Ich bin glückliche Besitzerin eines Keimglases. Das braucht man zwar nicht unbedingt für die Sprossenzucht, Frau Liebe zeigt, dass es auch ohne spezielles Equipment geht, aber ich finde es trotzdem super, weil es so einfach ist. Und da ich nun weiß, dass es Menschen gibt, die in diesem Bereich Nachhilfe benötigen, übernehme ich heute ganz uneigennützig dieses Ehrenamt und zeige kurz, wie das mit den Samen und den Sprossen funktioniert. Ist übrigens auch schön für den Sachunterricht oder für die klassische Vorgangsbeschreibung in Deutsch geeignet. Hah, da sieht man es wieder: Ich bin Lehrerin bis aufs Butterbrot!

Sprossenmischung

Man gebe 2-3 EL Sprossen in das Keimglas. Hierbei handelt es sich um eine hübsche Mischung aus Rettich, Linsen und Quinoa.

Keimglas

Nachdem man die Samen ein paar Mal gespült hat, was sehr gut im Keimglas funktioniert, da es einen anschraubbaren Siebeinsatz (das grüne Teil da oben) besitzt, werden sie gewässert. Je nach Sorte ist die Wässerungsdauer unterschiedlich lang. In diesem Fall lässt man die Samen 12 Stunden in Frieden. Anschließend spült man ein weiteres Mal und stellt das umgedrehte Glas auf einen Teller. Das Sieb befindet sich nun unten und überschüssiges Wasser kann ablaufen. Das sieht dann so aus:

Sprossensamen

 Jetzt wird gewartet. Während des Wachstums von 3-5 Tagen wird allein aus Hygienegründen zweimal täglich ordentlich durchgespült. (Wir erinnern uns an EHEC! Überhaupt würde ich im Sommer nicht unbedingt zur Sprossenaufzucht raten. Feucht plus warm macht nämlich ein 1a-Keimmillieu. Also eher was für die kühlere Jahreszeit.)

Zurück zum Geschehen im Glas, da tut sich nämlich was. Nach ein paar Tagen wächst da eine grüne Hölle. Ganz von alleine. Schon irgendwie cool, oder?

Sprossenaufzucht

Und nach der sehr unkomplizierten Ernte (Deckel auf, Sprossen rausschütteln, gründlich unter heißem Wasser abspülen) kommt auch schon das große Finale: Rauf auf die Stulle mit dem Grünzeug! Guten Appetit!

Butterbrot

Metarmorphosen

Es ist ein bisschen wie Achterbahnfahren, dieses Abschiednehmen von den Viertklässlern. Nur mit weniger Übelkeit, dafür deutlich emotionaler. Ich hätte es nicht unbedingt erwartet, habe ich die Bindung zu meinen letzten Klassen doch immer für stärker gehalten, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Am Vorabend war unser Abschiedsfest, das wir für die Eltern gegeben haben und nun sitzen die Viertklässler mit müden, aber leuchtenden Augen an ihren Tischen.

“Mein Vater hat geheult!”, posaunt Schmitti mit einer Mischung aus Stolz und leichter Peinlichkeit heraus.

“Ja”, stimmt Nino ihm zu, “meine Mutter auch, als ich ihr das Herz gegeben habe und wir dabei noch das Lied weitergesummt haben.”

“Ich fand alles toll!”, schwärmt Friederike, deren Oma mir am Ende unseres Bühnenprogramms stumm vor Ergriffenheit die Hand geschüttelt hat und gar nicht mehr loslassen wollte. “Und Sie?”

Ich überlege. Tatsächlich war der ganze Abend eine runde Sache. Die Kinder haben sich ins Zeug gelegt. Alle konnten ihre Texte und Lieder auswendig, niemand hat sich bei den Instrumentalstücken verspielt. Nicht nur ich habe an vielen Stellen eine ordentliche Gänsehaut vor Rührung bekommen.

“Für mich war am schönsten, als wir mit den Eltern gemeinsam das Schlusslied gesungen haben.” Viele Kinder nicken, auch ihnen hat der leise Abschluss des Festes gefallen.

Alle sind sich einig, dass sie eine Superleistung auf die Bühne gebracht haben und ich stimme ihnen zu, es war ein großartiger Abend und eine tolle Show. Deine letzte hier, schleicht sich ein Gedanke in meinen Kopf, aber ich will ihn noch nicht weiterdenken, fühle doch auch ich mich genau wie meine Klasse irgendwie dazwischen. Jetzt sind es noch zwei Wochen, die aber randvoll mit Aktivitäten, Ausflügen, Aufräumen und Abschiednehmen sind. Eine seltsame Zeit. Und genau so seltsam fühle ich mich. Unausgeglichen, reizbar. Neben den Zeugnissen für die Viertklässler liegen die ersten Planungsbögen für die Neuen. Parallel dazu wächst der Altpapierstapel in der Kiste unter meinem Schreibtisch. Elf Jahre an einer Schule machen eine ganze Menge Papier! Alles will durchgesehen werden nach dem Aschenputtelprinzip: Die Guten ins Töpfchen, die schlechten…

Wo  ich meine ganzen Materialien lagern will, die sich jetzt noch in der alten Schule (oh, ich nenne sie jetzt schon die alte Schule!) befinden, weiß ich noch nicht. Vielleicht sollte ich einen Container mieten? Einen genauen Überblick habe ich noch gar nicht, verteilt sich doch alles schön auf mehrere Räume, einschließlich des Dachbodens. Ehrlich, Schuldachböden sollten abgeschafft oder zumindest versiegelt werden!

Ich gehe dann mal wieder räumen..

Karlchen K.

Karlchen hat Persönlichkeit. Außerdem arbeitet er für uns und das nur für Kost und Logis! Wo gibt es das heute noch? Im Gegenzug verbringe ich morgens ein paar Minuten ganz mit ihm alleine (er ist etwas empfindlich und unter Stress wird er schnell allzu sauer, das gilt es zu vermeiden) und widme mich seiner Körperpflege, das mag er gerne. Im Gegenzug schenkt er uns dann einen halben Liter Gegorenes, was wir entweder pur trinken oder häufig als Basis für Salatdressing verwenden.

Was Karlchen eigentlich ist? Na, ein Kefirpilz! Was dachtet ihr denn!?

Und so sieht das dann aus, unser morgendliches Tête-à-Tête:

KefirgetränkKarlchen Kefir hat über Nacht ganze Arbeit geleistet.

KefirpilzDaher gieße ich ihn jetzt durch ein Sieb…

Kefirknollen

…und spüle ihn ganz vorsichtig ab. Man kann gut erkennen,

dass die Kefirknollen kleinen Blumenköhlchen ähneln.

Kefir

Jetzt zieht Karlchen in ein frisches Glas mit Bio-H-Milch um…

Kefirgetränk

…und ich trinke einen Becher Kefir zum Frühstück.

Ob Kefir tatsächlich die lebensverlängernde Wirkung hat, die ihm nachgesagt wird, kann ich nicht sagen. Aber lecker finden wir ihn und irgendwie auch niedlich :-)

Die Viertklässler zeigten sich nach anfänglichem Ekel (Wie sieht das denn aus!? Ist das fiiiieeeeees!) schlussendlich doch schwer beeindruckt vom Gärungsprozess. Einige ganz Mutige haben sogar probiert. Trotz Alkoholgehalt! Oder vielleicht auch gerade deswegen…?