Material für den Religionsunterricht

Nicht nur für die mitlesenden LAAs zeige ich heute ein paar Dinge, auf die ich im RU gerne zurückgreife und die für 1. – 4. Schuljahr gut einsetzbar sind. Im 1.Schuljahr benutze ich eine “Religionskiste”, ein umklebter Spielekarton, in dem sich eine Basisauswahl verschiedener Dinge befindet (Tuch (Farbe liturgisch oder thematisch angepasst), Kerze, Kreuz, Lied (ebenfalls thematisch), Streichhölzer), sowie immer ein Gegenstand oder ein Bild, der auf den Stundeninhalt verweist. Die Kiste ist in der Schule, ich reiche mal ein Foto nach.

Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschildert, dass ich Playmobilfan bin. Die Sachen haben einen hohen Aufforderungscharakter, sind detailgetreu, laden zum Spiel ein und sind recht robust. Der Nachteil ist – sofern man Familie hat – entweder hält man sie gut unter Verschluss, oder man sucht sie sich regelmäßig wieder in den Kinderzimmern zusammen.

Immer gut, viele Kinder.

Die großen Playmobilmännchen verkleide ich mit Stoff, bei den Kinder finde ich das nicht unbedingt notwendig.

Die bereits angepriesenen Löwen von Schleich, bzw. aus einem Happy Meal. (Der kann auch das Maul aufreißen, finden die Kinder beeindruckend)

Für viele Geschichten unverzichtbar ist ein Esel. Dieser ist von Holztiger. Die Firma stellt Holzfiguren her, die detailreicher und preiswerter als beispielsweise Ostheimer sind.

Zum Thema Epiphanias kommen Weihrauchmischungen (wichtig: auch Myrrhe besorgen!), ein großes Stück echtes Gold und – wenn man das Thema weiterführen will – auch die kleinen Sternsinger gut an. Hier gehört eigentlich noch eine große Spielzeugkrone zu, die muss ich also noch bei den Wehwehchen suchen gehen. Zum Riechen bringe ich einen Weihrauchkegel mit. Da hat dann auch die ganze Schule etwas von :-)

Gutes Bildmaterial. Da muss man halt suchen. Einiges habe ich aus Kunstbänden kopiert, anderes ist aus Kalendern zusammengestellt.

Um den Kindern nahezubringen, welche große Rolle das Christentum auch kulturgeschichtlich hat, bietet sich (neben gutem Musikunterricht…) u.a. der Kontakt zur Schulpfarrei an. Jede Kirche verfügt über beeindruckende Messgewänder und -gefäße, über Kunstgegenstände und in der Regel über einen Pfarrer, der sich über Besuch freut und sein Wissen weitergibt. Für die Kinder ist ein Kirchenbesuch immer ein Erlebnis und von einer Kooperation zwischen Schule und Pfarrgemeinde profitieren alle.

Unverzichtbares Basic, wenn man mit Bodenbildern arbeiten will, sind Tücher in verschiedenen Farben. Da es diese in verschiedenen Qualitäts- und vor allem Preisstufen gibt, empfehle ich Preisvergleiche oder auch einen Besuch beim großen virtuellen Auktionshaus. Mir fällt gerade auf, dass alle reinen Farben offensichtlich noch in der Schule sind:

Naturmaterialien, Steine, Kordel, Kreppband (für Wege oder Grenzen) sind einfach zu bekommen und gut einsetzbar. Generell ist dabei wichtig, dass man die Szene nicht mit Material erschlägt,

sondern lediglich andeutet und/oder die Kinder gestalten lässt.

Gerade am Anfang des Lehrerdaseins verfügt man natürlich noch nicht über eine große Sammlung oder das Geld, um viel anzuschaffen, da bieten sich Tafel- oder Bodenbilder aus Pappe an. Hier ein ganz einfaches:

Die Figuren sind nur angedeutet, daher flexibel für verschiedene Geschichten einsetzbar. Sinnvoll ist es, wenn man die Szenen und Personen mit Magnetband versieht, dann lässt sich die Geschichte an der Tafel nachspielen.

Wofür ich schon immer Geld ausgegeben habe, sind gute Bilderbücher. Kinder lieben es, wenn man ihnen vorliest. Macht man es gut, versinken sie in Geschichte und Bildern. Allerdings gibt es gerade im Bereich der religiösen Kinderbücher viel verniedlichten Kitsch. Der persönliche Geschmack spielt natürlich auch eine große Rolle. Ich mag beispielsweise Annegert Fuchshuber (hier im Bild das Buch über die Arche Noah) als Illustratorin sehr, weil ihre naive, aber auch drastische Art Kindern einen direkten Zugang ermöglicht, andere finden diesen Stil furchtbar. Da empfehle ich also ein paar Besuche in gut sortierten Buchhandlungen. Mit Internetkäufen auf gut Glück habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht.

Sind die Bilder groß genug, kann man die Kinder in den Halbkreis setzen und Bilderbuchkino machen. Möglich wäre aber auch eine Vergrößerung (in Ruhe auswählen, welche Bilder man unbedingt vergrößern möchte!) für das Kamishibai oder Tafelkino. Auch eine Staffelei, wenn man eine besitzt, kann eine gute Präsentationsfläche sein.

Wichtig bei jeder Art des Materials ist eine gute Aufbewahrung und – mit zunehmender Menge – auch der Überblick, was man bereits angeschafft oder erstellt hat. Ich habe zwei große Kisten für die plastischen Dinge

und eine Sammelmappe in Din A1 für das Bildmaterial. Praktisch sind auch die großen Versandverpackungen, in denen beispielsweise Kalender o.ä. geliefert werden. Darauf einen Zettel anbringen mit dem Inhalt und man behält den Überblick.

Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass eine gute Mischung verschiedener Methoden nicht nur für die Kinder bedeutend ist. Auch mir macht der Unterricht wesentlich mehr Spaß, wenn er nicht immer nach Schema F (im Religionsunterricht oft genug vorlesen/malen lassen) abläuft. Außerdem darf man nicht aus den Augen verlieren, dass sich an den Unterrichtsinhalten im RU im Vergleich zu anderen Fächern vermutlich am wenigsten ändert. Da hilft es enorm, wenn man sich selber durch Material- und Methodenvielfalt ein bisschen frisch hält.

30. Dezember 2011. Schlagwörter: , , , , . Religion. 14 Kommentare.

Die Weihnachtsferien

…sind die schönsten Ferien, ja wirklich.

Man hat die erste harte Phase des Schuljahres gerade hinter sich gebracht, aber noch Zeit genug, um tief Luft zu holen und in Ruhe die Planungen für das kommende Jahr anzugehen. Klassischerweise startet dieses Vorhaben im Hause Weh mit dem Aufräumen des Arbeitszimmers. Herr Weh wird nicht müde darin, mir zu erklären, dass ich mit 45 qm Grundfläche den größten Raum des Hauses ganz für mich alleine hätte. Allerdings vergisst er dabei gerne den Umstand, dass die Raumhöhe eher für Hobbitse geeignet ist als für jemand mit Durchschnittsgröße. Natürlich bewege ich mich fernab jeden Durchschnitts und habe es demzufolge hier oben recht großzügig. (Übrigens mag ich Hobbitgröße haben, Haare habe ich deswegen noch lange nicht auf den Zehen. Eventuell ein paar auf den Zähnen, aber das kontrolliere ich regelmäßig!)

Der heutige Morgen stand jedenfalls ganz im Zeichen der schwedischen Kiste. Kassett und ich haben uns ein paar schöne Stunden gemacht. Impressionen könnt ihr hier sehen:

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mal sehen, wie lange das so aussieht...

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16 Kisten + 6 Zeitschriftenordner + 12 weiße Din A4-Ordner + 1 Tüte Zimtschnecken ergibt…

 

 

 

 

 

… optische Ruhe

 

ob man sich in Ordnung verlieben kann? Ich glaube, ja.

Buntstifte - ein typisches Grundschul-Accessoire

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Was dem Kollegen Rau die Ukulele, ist Frau Weh die Pilatesmatte

zumindest liegt sie da so rum...

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Bereits an der Wand: 12x Paul Kirbys Blick auf die Scheibenwelt (na, Herr Hennekes, wäre das nicht auch etwas fürs Arbeitszimmer?) und nebenbei die präsente Mahnung, auch auf dem weniger geliebten Instrument ein bisschen zu üben, schließlich kommt das Sommer-Piraten-Feriensingen schneller als man denkt…

12x Paul Kidby :-)

ein bisschen mehr üben...

Jetzt mache ich mich mal langsam an die nächste SCHULKRAM-LISTE, aber wirklich laaaaangsaaaam, denn vorher muss ich mich durch Frau Hattifnattes Mixtapemischung hören.

29. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Frau Weh hat Freizeit. 9 Kommentare.

Happy Helloween

Vielen Dank der Nachfrage, alle Familienmitglieder sind übern Berg. Wider den allgemeinen Erwartungen war es übrigens Herr Weh, der den Laden am Laufen gehalten hat, ich konnte nämlich gar nichts mehr außer auf dem Badezimmerboden liegen und auf einen gnädig-schnellen Tod hoffen. Aber nach 24 Stunden war alles vorbei und so befinde ich mich immerhin in der komfortablen Situation, über Weihnachten kein Gramm zugenommen zu haben. Darauf eine Mozartkugel.

Das mittelgroße Wehwehchen war natürlich enttäuscht, da half auch die kurzfristige Evakuierung bei Oma und Opa Weh nichts. Aber wir haben ihm als Ausgleich eine rauschende Silvesterparty versprochen. Im Klartext heißt das wenigstens bis 00.10 Uhr aufbleiben (ein Graus mit kleinen Kindern! Je später man sie ins Bett steckt, um so früher sind sie am nächsten Tag wieder wach, ist bewiesen), mindestens dreimal Dinner for One, Bleigießen, Glückskekse, Marzipanschweine, Knallbonbons, kleine Brummer und 5 Raketen. Volles Programm. Das wird bestimmt ganz, ganz lustig. Also nicht, dass jetzt hier jemand denkt, ich wäre ein Partymuffel. Mitnichten! Aber Silvester war noch nie mein Ding. Zu viel Alkohol, zu viel schlechte Musik, und dann auch noch das enthemmte Geknutsche mit Wildfremden um Mitternacht. Wah. (Oder war das Karneval? Hmm.)

Naja, gut… mit den Wehwehchen hat sich das dann ja eh alles relativiert. Bis auf die Musik, da wird noch dran gearbeitet. Musikalische Menschwerdung verläuft nicht immer linear, muss man durch als Eltern. Ich vertrete ja die These, dass Krabbelgruppen die Keimzellen allen Übels sind. Allein die Tatsache, dass dort (zwei Jahre nach dem Tod Jürgen Reichens!) immer noch munter A Beee, Ceee, die Katze liegt im Schnee gesungen wird. Das ist doch pure Missachtung aller sprachdidaktischen Ansätze. Lautgetreu muss es sein, laut-ge-treu!

Auf der Hitliste des Miniwehs derzeit ganz weit oben:

  • Aram sam sam
  • Das Lied über Popel
  • Video killed the radio star (immerhin)
  • Smoke on the water (übt das mittelgroße Wehwehchen auf der Gitarre, Miniweh ist begeistert und kräht das Riff mit)

Das wird. Ich habe die ruhigen Abende genutzt, um mal in meiner musikalischen Wegstrecke zu forschen. Auf keinen Fall möchte ich euch die Perle vorenthalten, auf die ich gestoßen bin. Ich habe damals die ganze Platte rauf und runter gehört und noch jetzt verleihen mir die ersten Akkorde von Dr.Stein eine wohlige Gänsehaut. Aber mein a b s o l u t e s Lieblingslied im 6. Schuljahr, bezopft und blockflötend, war dieses:

Es bleibt also noch die Hoffnung, dass sich bei den Wehwehchen ebenfalls noch einiges entwickeln wird.

28. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Frau Weh hat Freizeit. 11 Kommentare.

Mit Oscar in die Tonne

Nein, es ist nicht leicht, eine gute Lehrerin zu sein. Da muss ich euch nichts erzählen. Die Mutterschaft gleicht ebenfalls oft einem Minenfeld. Und die Kombination von beidem – nebst den Ansprüchen, die man so an sich stellt – kommt oft genug der Quadratur des Kreises gleich. (Natürlich gibt es auch enorme Vorteile, wenn man sich in beiden Bereichen auskennt, keine Frage. Aber darum geht es heute mal nicht.)

Wenn ich so überlege, fühlte ich mich schon die ganze letzte Schulwoche nicht besonders gut. Diffuse Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen. Dazu die sich ständig übergebenden Zweitklässler, die zwar immer nur maximal einen Tag fehlten (“Nathalie hat sich um Mitternacht übergeben, fühlt sich aber schon wieder super!!!”), aber nach und nach 2/3 der Klasse hintereinander lahmlegten. Ich hätte die Zeichen deuten müssen!

Nun hatte ich den letzten Schultag also mit Anstand hinter mich gebracht, um dann unverzüglich zunächst in den Supermarkt und anschließend in die Küche zu stürzen und mit der obligatorischen Backorgie zu beginnen. Eins der Wehwehchen hat pünktlich zu Weihnachten Geburtstag. Und da ich selbstverständlich nicht nur eine gute Lehrerin sein will, sondern tief in meinem ES auch neidisch nach dem Titel der Supermom giere (jepp, das ist peinlich, ich weiß, aber bereits mein alter Freu(n)d Sigmund entschuldigte mein Verhalten mit seinem Ausspruch “der Mensch ist nicht Herr seiner selbst”), blieb mir also nichts anderes übrig als loszulegen.

Es hätte mich stutzig machen sollen, dass das Miniweh mir nicht von der Seite weichen wollte, ja nahezu auf meinem Arm festgeklebt zu sein schien. Spätestens aber als Herr Weh sich mitten am Tag mit den Worten “mir ist nicht gut” aufs Bett legte, hätte ich begreifen und die Kitchen Aid ausstellen sollen. Stattdessen überzog ich den Geburtstagskuchen mit weißer Schokolade, drapierte liebevoll zwei Schleich-Eisbären auf der so geschaffenen Eisscholle und baute ein Iglu aus Marshmallows.

Als ich Speisefarbe und Kokosraspeln für die Cookie Monster Muffins verrührte, bemerkte ich ein leichtes Unwohlsein. Als Herr Weh schweißüberströmt an mir vorbei aus dem Bad schlich, wurde ich von leichten Zweifeln bezüglich der Sinnhaftigkeit meines Tuns befallen. Aber man wäre nicht Musiker, verfügte man nicht über enorme Selbstdisziplin. Stoisch tunkte ich also die Muffins in die Glasur, beraspelte sie und drückte ihnen Marzipanaugäpfel auf. Mit zwei Schnitten öffnete ich ihnen das Monstermaul und steckte einen Keks hinein. Ich räumte auf, machte den Kindern Abendessen (Herr Weh verzichtete bis auf weiteres auf Nahrung), stellte die Spülmaschine an, brachte die Kinder ins Bett, wischte die Küche durch, dekorierte den Frühstückstisch, schrieb die Einkaufsliste für den nächsten Tag, kümmerte mich um zwei Ladungen Wäsche, telefonierte währenddessen mit einer Freundin, drückte Herrn Weh erneut mein Mitleid aus, fiel ins Bett und landete…

… in einem wirren Traum voller Krümel- und anderer Monster auf einer Straße voller Kokosschnee. Es war gruselig, ich wollte wegrennen (der Klassiker! Hah!), aber meine Beine waren mit Zuckerguss festgeklebt. Gegen 1.00 Uhr schreckte ich hoch, kalten Schweiß auf der Stirn und mit dem untrüglichen Gefühl dessen versehen, was mir bevorstehen würde.

http://primimaus.wordpress.com

Nun, sie sehen toll aus, nicht wahr?

Schön, dass wir ein Foto haben, gegessen hat sie nämlich niemand mehr…

27. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Frau Weh hat Freizeit. 14 Kommentare.

Frohes Fest!

Euch allen wünsche ich ein besinnliches, ruhiges Weihnachtsfest, Zeit für gute Gespräche bei einer Tasse Tee, einen festen Händedruck oder eine Umarmung voller Wärme.

Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren, für eure Anregungen und Gedanken, aber auch für eure Kritik und Denkanstöße. Dieser blog ist mir eine Freude und es ist mir ein Vergnügen dies mit euch zu teilen.

24. Dezember 2011. Schlagwörter: . Sternstunden und Glückskekse. 3 Kommentare.

Der letzte Tag

Ja, wie war er, der letzte Tag?

So wie jedes Jahr: laut, trubelig, aufgeregt. Aber auch fröhlich, weihnachtlich und friedlich zwischendurch. Die Zweitklässler haben gewichtelt und tatsächlich hat sich jeder über die ihm zugedachte Kleinigkeit gefreut. Ich habe meine pädagogischen Überlegungen über Bord geworfen und Lennox neben dem gewünschten Taschenwärmer auch noch eine Großpackung Hubba Bubba geschenkt. Er hat einen lauten Schrei ausgestoßen und mich (nach wie vor ohne Schneidezähne) angestrahlt. Zahnfreundlich agiere ich ab Januar wieder, versprochen. Gefreut habe ich mich darüber, dass die aufgeregte Bande es geschafft hat, alle Klassenvorträge während der Weihnachtsfeier ohne Gemurre über sich ergehen zu lassen und waren sie auch noch so schlimm, schief oder schrecklich. Manchmal wussten sie zwar nicht, ob da noch ein Ton kommt oder ob sie schon klatschen sollten, aber insgesamt verhielten sich alle Zweitklässler ausgesprochen wohlwollend gegenüber schlecht gereimten Gedichten, nicht enden wollenden Geschichten und gefühlvollen Gesangsbeiträgen.

Aber das Schönste, wirklich das Allerschönste am letzten Schultag des Jahres ist das Aufräumen. Ich liebe es. Kinder raus, Plätzchengaben und andere Geschenke einpacken und dann runter mit der Weihnachtsdeko, weg mit dem verdorrten Tannengrün, einen vergessenen Radiergummi in die Fundkiste legen, Kerzen und Lichterketten in den Schrank, die Weihnachtswerkstatt eintüten, den alten Kalender von der Wand nehmen, ein letztes Mal die Tafel wischen und mit einem kleinen Lächeln und – vielleicht – einem winzigen, wehmütigen Seufzer einen letzten Blick in den nun leeren Klassenraum werfen. Und dann…

…ist Weihnachten!

22. Dezember 2011. Schlagwörter: , , , . Der tägliche Wahnsinn. 8 Kommentare.

Morgengabe für Relilehrer

Religion im 4.Schuljahr. Markus kommt strahlend auf mich zu und sagt, er habe mir ein Geschenk mitgebracht, extra, weil ich doch seine Religionslehrerin sei. Und extra den ganz Echten mit Mütze! Und Stiel! Fröhlich zieht er den Schokonikolaus aus der Tasche und stellt leichte Beschädigungen fest. “Die Busfahrt, Frau Weh. Aber ich glaube”, prüfend rüttelt er am lädierten Bischof, “die Schokolade ist noch drin.”

21. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Religion. 9 Kommentare.

two days till madness

Der Weihnachtswahnsinn greift jetzt auch bei uns um sich. Alle drehen ein bisschen am Rad. Ich habe die Zweitklässler von der Leine gelassen und sie sind außer sich. Morgen also lieber keine Werkstatt, sondern Deutschbuch. Schadet auch nicht. Im Diktat (pfui, ja, ich hab eins schreiben lassen) gab es bei einem noch passablen Durchschnitt von 2,9 fünfmal mangelhaft. Das sollte so nicht sein. Die Früstückspausenwitze (Tradition bei den Zweitklässlern, alle essen und einer erzählt Witze) werden auch immer unstrukturierter. Pointen sind offenbar ganz aus so kurz vor Weihnachten.

Leons Opa ist gestern gestorben. Das sollte so auch nicht sein kurz vor Weihnachten. Leon hat geweint, wurde getröstet und hat weiter geweint. Erst wegen Opa später dann noch wegen der Fünf in Deutsch. Der Teufel macht bekanntlich nicht auf den kleinen Haufen. Außerdem gab es heute noch zweimal Musik mit je zwei Klassen. Ja, auch das sollte so nicht sein. Aber wie gesagt, Weihnachtswahnsinn. Unser Hausmeister ist die ganze Woche krank, was furchtbar ist, und mich jetzt vor die Schwierigkeit stellt, die Anlage fürs Feriensingen am letzten Schultag entweder ganz früh morgens oder etwas später mit meiner Klasse aufzubauen. Beides nicht schön.

Ach ja, MamaLennox war da und hat die Stiefel abgeholt. Nein, bedankt hat sie sich nicht. Ist schließlich nicht ihre Idee gewesen. Und außerdem sollte der eine der beiden Kindsväter welche kaufen. Hat er aber nicht. (“Der ScheißMistkerl. Alles gibt der immer für seine Neue aus. Aber der Lennox, der will ja immer zum Papa und dann muss ich sehen, wie ich mit dem wieder klarkomme!”) Mission warme Füße geglückt, wo kriege ich jetzt noch auf die Schnelle eine TwoInOne-Packung Liebe/Verständnis her (wahlweise auch Friede/Freude/Eierkuchen, Hunger hatte er heute nämlich auch)? Ich habe gerade keine übrig, das Jahresende zehrt überall an den Reserven. Morgen muss ich die Wichtelpäckchen durchzählen und den neuen Stundenplan für nächstes Jahr austeilen. Ich gebe eine 33er-Religionsgruppe ab und bekomme stattdessen eine zweite Stunde für die CrazyFunkyChicken dazu. Wow! Jetzt will Chefin es aber wissen…

Übrigens habe ich mir heute den Titel leuchtendes Vorbild des Tages verdient. Ich habe eine beeindruckende Spinne (wo kam die her und – wichtiger! – hat sie Familie?), die ganz ohne Zweifel bereits in mehreren Filmen die Hauptrolle gespielt hat, aus der Klasse getragen OHNE DIE MIENE ZU VERZIEHEN! IN DER HAND! Erwähnte ich hier bereits, dass ich disziplinierter Fan des Modelllernens bin? Gestatten, Frau Weh, total unter Kontrolle. Zu Hause hätte ich zum Staubsauger gegriffen. Oder zu Herrn Weh.

In diesem Sinne… noch zwei Tage! :-)

20. Dezember 2011. Schlagwörter: , , , , . Der tägliche Wahnsinn. 15 Kommentare.

Mad World

Ein ruhiger Tag heute. Montags habe ich zwischendurch eine Freistunde und die CrazyFunkyChicken sind schon in der wohlverdienten Winterpause, also war das Unterrichtspensum überschaubar. Die Zweitklässler sind gar nicht mal so aufgedreht wie es das nahende Weihnachtsfest vermuten ließe. Das Wochenende war schön. Warum also bin ich gerade so unzufrieden?

Ich komme bei Lennox nicht weiter. Letzte Woche kam er bei Regenwetter mit völlig durchnässten Schuhen in die Schule. Er hat nur dieses Paar, das nächste bekommt er zu Weihnachten. Es sind immer Halbschuhe, Winterstiefel gibt es nicht. Die letztjährigen Winterstiefel des mittelgroßen Wehwehchens, die ich ihm heute früh zum Anprobieren gegeben habe, passen. Und gefallen ihm auch. Mitnehmen wollte er sie trotzdem nicht. Stolz? Angst? Später am Vormittag hat er sich dann übel mit Tom2 angelegt und sich in meinen Arm verkrallt, als ich die beiden getrennt habe. Diese Aggressionsschübe hat er regelmäßig. Kontrolle gleich null. Er agiert wie ein Kleinkind, das voller Wut das Feuerwehrauto gegen die Wand hämmert. Der Psychologe sagt irgendwas von Verbleib auf frühkindlicher Phase. Der Mann vom Jugendamt sagt etwas von schwierigen Familienstrukturen. Ich sage “Du lässt mich auf der Stelle los!” und fühle mich hilflos.

19. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Der tägliche Wahnsinn. 6 Kommentare.

Auf den Hund gekommen

Pausenaufsicht. Malte aus der 4b kommt auf mich zugestürmt. Er reißt die Augen auf und verkündet mit gequältem Gesichtsausdruck:

“Frau Weh, ich hab eine ganz schlimme Hundeallergie!”

“Ok, Malte. Aber ihr habt keinen Hund.”

“Stimmt.”

Stille

“Aber ich muss eine Jacke aus HUNDEFELL anziehen.”

“Aus Hundefell? Sicher?”

“Ja! … nee. Ich zieh beim Theater für die Weihnachtsfeier eine Jacke vom Dennis an und dem sein Nachbar, der hat einen Hund. Und der… hat schonmal auf der Jacke draufgelegen.”

16. Dezember 2011. Schlagwörter: , , . Der tägliche Wahnsinn. 3 Kommentare.

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