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Nicht nett, Frau Weh.

Nach den vielen Kommentaren der letzten Tage wollte ich heute ausschließlich nette Dinge über Eltern schreiben. Zum Beispiel, dass ich mich darüber gefreut habe, dass eine Mutter am Schulmorgen während einer Stillarbeitsphase hereinkam und sich ganz betreten für die Störung entschuldigt hat. Sie hätte gedacht, die Klasse sei leer. Oder darüber, dass sich die Mutter eines neuen Viertklässlers mit einer Mozartkugel dafür bedankt hat, dass ihrem Sohn der Musikunterricht jetzt so viel Spaß mache. Vielleicht auch über die positive E-Mail von Renés Mutter. Geplant war jedenfalls ein Beitrag voller Nettigkeiten.

Das nur vorneweg.

2.Stunde, Religion bei den Zweitklässlern. Arges Gewusel bis sich alle Schüler aus den verschiedenen Klassen bei uns einfinden. Religion wird klassenübergreifend unterrichtet, das ist nicht besonders schön, aber organisatorisch unumgänglich. Mitten ins Getümmel schiebt die Kollegin von nebenan ein Kind vor sich her. Gesichtsfarbe grün. Ich meine nicht etwa blässlich um die Nase, nein, das Kind ist pfefferminzgrün. “Sven ist es nicht gut, ich habe die Mutter angerufen. Das war wohl schon heute morgen so.” Die Kollegin rollt die Augen. Ich nicke und lasse den Eimer bringen. Vorsichtig setzt Sven sich nieder, kleine Schweißtröpfchen stehen ihm auf der Stirn. Die Klassentüre lasse ich vorsorglich auf.

Wir nehmen im Sitzkreis Platz und beginnen: Stille, Kerze, Gebet, das Übliche. Eine kleine Landschaft wird auf dem Boden aufgebaut. See, Ufer, ein Ruderboot. Thema der heutigen Einheit ist die Begegnung mit dem Auferstandenen am See. Ich knüpfe an die letzte Stunde an: “Die Freunde vermissen Jesus. Sie wissen nun gar nicht so genau, was sie tun sollen. Sie sind traurig und fühlen sich allein.” Die Kinder sind ruhig und abwartend. Einige haben die Augen geschlossen oder schauen auf das blaue Tuch, das den See Genezareth darstellen soll. Gute Atmosphäre, denke ich, als plötzlich KAWUMMS die bereits offene Klassentür in den Angeln erzittert.

“Mamaaaa!” mit einer Mischung aus Hoffnung und Elend springt Sven vom Stuhl. Die liebevoll am See drapierten Playmobilbäumchen fallen um. Petrus geht über Bord und verheddert sich im Netz. MamaSven durchbohrt mich mit ihren Blicken an und faucht “Ich bin angerufen worden!”

“Ja”, entgegne ich möglichst ruhig, im Augenwinkel zwei Kinder, die sich darum balgen, wer nun Petrus wieder ins Boot setzen darf. “Sven geht es nicht gut.”

“Das war heute morgen auch schon so”, erwidert MamaSven als wäre das keine Entschuldigung, die sie für diese Störung akzeptiere und winkt ihrem Sohnemann unwirsch zu er solle mal voranmachen.

“Vielleicht bleibt Sven dann beim nächsten Mal lieber direkt zu Hause”, schlage ich semi-freundlich vor und nehme Yannis das Playmobilbäumchen aus der Hand, mit dem er gerade auf seinen Sitznachbarn einzustechen beginnt.

Giftige Blicke treffen mich. “Wir wollten es aber probieren!” Ich schaue das grünlich-unglückliche Kerlchen an, denke, dass sicher nicht wir alle es versuchen wollten und frage mich, wen die umgehende Magen-Darm-Grippe jetzt wohl als nächstes ereilen wird. “Gute Besserung” wünsche ich – nun wieder ganz professionell – und wende mich erneut dem derangierten Bodenbild zu. Kaum haben Sven und Mutter den Klassenraum verlassen (RUMMS), fliegt die Türe auch schon wieder auf, MamaSven noch einmal. “Wer ist denn hier in der Betreuung?”, sie wedelt wild mit einem Zettel herum. Mehrere Kinder melden sich. MamaSven verteilt den Zettel während sie lautstark Anweisungen an verschiedene Kinder ausgibt (“Du, die Hausaufgaben! Du sagst beim Schwimmen Bescheid!”).

“Mama?”, tönt da ein dünnes Stimmchen vom Flur. “Gleich!” MamaSven dreht sich noch einmal zu mir, hebt den Zeigefinger, setzt an, unterbricht sich, dreht ohne weitere Erklärung um und stampft wütig aus dem Raum.

“Schön”, denke ich, “dann kann es ja mal weitergehen” und setze erneut zur Erzählung an. Diesmal lässt MamaSven die Türe offen, was praktisch ist, weil sie erneut zurückkehrt, um lautstark Ranzen und Turnbeutel einzufordern, die bereits seit Beginn der Stunde neben der Klassentüre bereitstehen. Bepackt poltert sie wieder aus der Klasse heraus. Die Zweitklässler, denen mittlerweile die biblische Szenerie nicht halb so spannend erscheint wie das Geschehen vor Ort, schauen MamaSven interessiert hinterher. Niemand zweifelt daran, dass da noch etwas kommt.

Und es kommt.

Unverkennbar ertönen Würgegeräusche vom Flur.

“Amelie”, sage ich zuckersüß, “würdest du bitte die Türe schließen?”

 

 

Wilde Weibchen

Religion, 3.Schuljahr. Kirchentermin.

Die Drittklässler stehen bewaffnet mit Taschenlampe und Lupe im Kreis um den Taufstein und versuchen das Wappen der edlen Stifter zu entschlüsseln. Lilien, Falken, kein Problem. Einzig die in Stein gemeißelten Vierbeiner, Wappentiere derer von und zu, bereiten Probleme.

“Ich habs, das sind Füchse!”, ist sich Yannick sicher.

“Nee, kleine Pferde! Das sind ja wohl voll die kleinen Pferde. So Minipferde. Wie heißen die noch?”, fragt Thorben.

“Schepezewallipferde!”, Lara war am Wochenende mit den Eltern im Zoo.

“Nee, die gibts gar nicht”, widerspricht Lilli, passionierte Voltigiererin. “Wenn, dann sind das Shetlandponys.” Die anderen protestieren lautstark. Munter geht es weiter: Füchse! Luchse! Hunde! HUNDE! Ja klar, jetzt fällt es allen wie Schuppen von den Augen, das sind doch Hunde. Sieht doch jeder Blinde. Hö hö. Wie einfach.

Mit schnellem Blick auf die Uhr versucht der Schulpfarrer die Kinder in die Richtung derer von Wolfenstein zu manövrieren und gibt den vermeintlich entscheidenden Hinweis:

” Na, wie heißen denn die Vorfahren der Hunde? Damals, als die Hunde noch ganz wild waren?”

“Aaaaah!”, Thorben klatscht sich die flache Hand auf die Stirn, jetzt hat er es! Ganz sicher ist er sich und lässt sich Zeit mit seiner Antwort: “Das sind dann Weibchen!”

Willi und der Tod

Willi muss man mögen. Die meisten Kinder zwischen 5 und 10 tun das. Mir geht er ein bisschen mit seinem Kinderfernsehgehibbel auf den Keks. Aber ich bin ja auch nicht Zielgruppe. Wie praktisch, dass im Hause Weh ein Mitglied dieser Zielgruppe wohnt und sich bereitwillig mit mir die DVD ansieht, um mir nachher Rede und Antwort zu stehen.

Frau Weh: Wie war der Film für dich?

mittelgroßes Wehwehchen (im Folgenden mgWw): Ganz gut, aber auch komisch.

Frau Weh: Was war komisch?

mgWw: Das mit dem alten Mann, der am Ende seines Lebens angekommen ist. Und das, wo Willi bei dem toten Mann am Sarg stand. Die Musik war….so… (wedelt mit der Hand und verdreht die Augen).

Frau Weh: Fandest du das mit der Aufbahrung im Sarg gruselig?

mgWw: Nein! Aber irgendwie habe ich gedacht, der muss doch jetzt wieder aufstehen! Ich habe noch nie einen Toten gesehen. Hast du schonmal einen gesehen?

Frau Weh: Ja. Ich habe ja früher im Krankenhaus gearbeitet, da habe ich schon Menschen gesehen, die dort gestorben sind. Was hat dir gefallen?

mgWw: Wo Willi das Grab ausgehoben hat und wo Willi mit dem Bestatter den Sarg schön gemacht hat. Das war irgendwie…schön so.

Frau Weh: Mich hat die Stelle auch berührt. Ich fand es sehr liebevoll als der Sarg mit dem Tuch und allem ausgestattet wurde. Wie war das mit dem Leichenschmaus für dich?

mgWw: Die Feier nach der Beerdigung? Das war meine erste Beerdigung, die ich gesehen habe und die Feier fand ich schön. Besonders, weil es extra Schnitzel gab, weil die Oma, die gestorben ist, das essen wollte im Krankenhaus. Und die Enkelin war dann wieder fröhlich.

Frau Weh: Was meintest du eben mit dem alten Mann?

mgWw: Ich glaube, da könnte deine Klasse lachen, wenn das kommt. Der Mann sah irgendwie so lustig aus. Aber als er geweint hat, war das nicht so toll. Vielleicht solltest du die Szene besser weglassen. Man konnte ihn auch nicht so gut verstehen.

Frau Weh: Hat dich die Stelle traurig gemacht?

mgWw: Nein! Ja. Vielleicht ein bisschen. Aber irgendwie auch nicht, weil der Mann schon so alt war und auch glücklich.

Frau Weh: Hast du verstanden, worüber der Mann am See (Anmerkung: Wille hat mit einem Pastoralreferenten darüber gesprochen, was nach dem Tod kommt) sprach?

mgWw: Nein.

Frau Weh: Gibt es noch etwas, was du interessant fandst?

mgWw: Man hat dem Willi bei dem Toten richtig angesehen, dass der gar nicht so wusste, wie er sich verhalten sollte. Das hätte ich auch nicht gewusst.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich angenehm von dem Film überrascht war. Er hat zurückhaltend präsentiert, mit der nötigen Distanz, aber auch mit Authentizität. Die Musik hätte etwas dezenter sein können. So wurde die Stimmung dann doch an Stellen unterschwellig traurig, wo es eigentlich auch rein informativ hätte laufen können. Der Aufbau der Folge war sehr behutsam und mit rotem Faden versehen. Willi trifft auf dem Friedhof einen Bestatter, den er bei seinen verschiedenen Tätigkeiten (Grabaushub, Sarg vorbereiten, Sarg verschließen) begleitet. Er unterhält sich mit einem Pastoralreferenten, der ein nettes Sinnbild zeichnet (Stufen, die ins Wasser führen). Hier hörte das mittelgroße Wehwehchen nicht sehr aufmerksam zu, die Bilder des Films sind eindrucksvoll, da bleibt nicht viel Raum für religiöse Ausführungen, die nicht unbedingt kindgerecht erfolgen. Aber das kann man ja dann durchaus im Religionsunterricht aufbereiten. Die Stelle, an der Willi an das Sterbebett eines alten Mannes tritt, ist bewegend, aber in der Tat schwierig. Die deutliche Sichtbarkeit des Alters, des nahenden Todes irritiert Kinder. Unwissend, wie damit umzugehen sei, kann Lachen durchaus eine erste Reaktion sein. Dennoch kommt heraus, dass Sterben nicht unbedingt etwas ist, was Angst machen muss. Im Folgenden wird der Zuschauer zum Gast eines Requiems, einer Beerdigung und des im Anschluss stattfindenden Leichenschmauses. Dies ist alles sehr sensibel und positiv dargestellt. Deutlich wird hier der Stimmungsumschwung, das durchaus fröhliche Zusammensein, bei dem an Oma Trudi, die so gerne Schnitzel aß, gedacht wird.

Der Fim ist ab sechs Jahren freigegeben und läuft ungefähr 24 Minuten. Also bleibt noch Zeit für ein Unterrichtsgespräch. Insgesamt empfinde ich ihn als stimmig, und kann mir gut vorstellen, den Film während der Unterrichtsreihe zum Thema “trauern und trösten” in einem vierten Schuljahr einzusetzen. Ob ganz oder in Auszügen, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich eine Verabredung mit unserem Schulpfarrer auf dem örtlichen Friedhof ausmachen. Wir haben das Glück, dass der zuständige Pfarrer sehr engagiert und interessiert an Kooperationen ist. Und was ist ein Film schon gegen die Realität? (Eine Aufbahrung werde ich trotzdem mit den Kindern nicht besuchen, keine Sorge.)

Material für den Religionsunterricht

Nicht nur für die mitlesenden LAAs zeige ich heute ein paar Dinge, auf die ich im RU gerne zurückgreife und die für 1. – 4. Schuljahr gut einsetzbar sind. Im 1.Schuljahr benutze ich eine “Religionskiste”, ein umklebter Spielekarton, in dem sich eine Basisauswahl verschiedener Dinge befindet (Tuch (Farbe liturgisch oder thematisch angepasst), Kerze, Kreuz, Lied (ebenfalls thematisch), Streichhölzer), sowie immer ein Gegenstand oder ein Bild, der auf den Stundeninhalt verweist. Die Kiste ist in der Schule, ich reiche mal ein Foto nach.

Ich hatte ja bereits an anderer Stelle geschildert, dass ich Playmobilfan bin. Die Sachen haben einen hohen Aufforderungscharakter, sind detailgetreu, laden zum Spiel ein und sind recht robust. Der Nachteil ist – sofern man Familie hat – entweder hält man sie gut unter Verschluss, oder man sucht sie sich regelmäßig wieder in den Kinderzimmern zusammen.

Immer gut, viele Kinder.

Die großen Playmobilmännchen verkleide ich mit Stoff, bei den Kinder finde ich das nicht unbedingt notwendig.

Die bereits angepriesenen Löwen von Schleich, bzw. aus einem Happy Meal. (Der kann auch das Maul aufreißen, finden die Kinder beeindruckend)

Für viele Geschichten unverzichtbar ist ein Esel. Dieser ist von Holztiger. Die Firma stellt Holzfiguren her, die detailreicher und preiswerter als beispielsweise Ostheimer sind.

Zum Thema Epiphanias kommen Weihrauchmischungen (wichtig: auch Myrrhe besorgen!), ein großes Stück echtes Gold und – wenn man das Thema weiterführen will – auch die kleinen Sternsinger gut an. Hier gehört eigentlich noch eine große Spielzeugkrone zu, die muss ich also noch bei den Wehwehchen suchen gehen. Zum Riechen bringe ich einen Weihrauchkegel mit. Da hat dann auch die ganze Schule etwas von :-)

Gutes Bildmaterial. Da muss man halt suchen. Einiges habe ich aus Kunstbänden kopiert, anderes ist aus Kalendern zusammengestellt.

Um den Kindern nahezubringen, welche große Rolle das Christentum auch kulturgeschichtlich hat, bietet sich (neben gutem Musikunterricht…) u.a. der Kontakt zur Schulpfarrei an. Jede Kirche verfügt über beeindruckende Messgewänder und -gefäße, über Kunstgegenstände und in der Regel über einen Pfarrer, der sich über Besuch freut und sein Wissen weitergibt. Für die Kinder ist ein Kirchenbesuch immer ein Erlebnis und von einer Kooperation zwischen Schule und Pfarrgemeinde profitieren alle.

Unverzichtbares Basic, wenn man mit Bodenbildern arbeiten will, sind Tücher in verschiedenen Farben. Da es diese in verschiedenen Qualitäts- und vor allem Preisstufen gibt, empfehle ich Preisvergleiche oder auch einen Besuch beim großen virtuellen Auktionshaus. Mir fällt gerade auf, dass alle reinen Farben offensichtlich noch in der Schule sind:

Naturmaterialien, Steine, Kordel, Kreppband (für Wege oder Grenzen) sind einfach zu bekommen und gut einsetzbar. Generell ist dabei wichtig, dass man die Szene nicht mit Material erschlägt,

sondern lediglich andeutet und/oder die Kinder gestalten lässt.

Gerade am Anfang des Lehrerdaseins verfügt man natürlich noch nicht über eine große Sammlung oder das Geld, um viel anzuschaffen, da bieten sich Tafel- oder Bodenbilder aus Pappe an. Hier ein ganz einfaches:

Die Figuren sind nur angedeutet, daher flexibel für verschiedene Geschichten einsetzbar. Sinnvoll ist es, wenn man die Szenen und Personen mit Magnetband versieht, dann lässt sich die Geschichte an der Tafel nachspielen.

Wofür ich schon immer Geld ausgegeben habe, sind gute Bilderbücher. Kinder lieben es, wenn man ihnen vorliest. Macht man es gut, versinken sie in Geschichte und Bildern. Allerdings gibt es gerade im Bereich der religiösen Kinderbücher viel verniedlichten Kitsch. Der persönliche Geschmack spielt natürlich auch eine große Rolle. Ich mag beispielsweise Annegert Fuchshuber (hier im Bild das Buch über die Arche Noah) als Illustratorin sehr, weil ihre naive, aber auch drastische Art Kindern einen direkten Zugang ermöglicht, andere finden diesen Stil furchtbar. Da empfehle ich also ein paar Besuche in gut sortierten Buchhandlungen. Mit Internetkäufen auf gut Glück habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht.

Sind die Bilder groß genug, kann man die Kinder in den Halbkreis setzen und Bilderbuchkino machen. Möglich wäre aber auch eine Vergrößerung (in Ruhe auswählen, welche Bilder man unbedingt vergrößern möchte!) für das Kamishibai oder Tafelkino. Auch eine Staffelei, wenn man eine besitzt, kann eine gute Präsentationsfläche sein.

Wichtig bei jeder Art des Materials ist eine gute Aufbewahrung und – mit zunehmender Menge – auch der Überblick, was man bereits angeschafft oder erstellt hat. Ich habe zwei große Kisten für die plastischen Dinge

und eine Sammelmappe in Din A1 für das Bildmaterial. Praktisch sind auch die großen Versandverpackungen, in denen beispielsweise Kalender o.ä. geliefert werden. Darauf einen Zettel anbringen mit dem Inhalt und man behält den Überblick.

Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass eine gute Mischung verschiedener Methoden nicht nur für die Kinder bedeutend ist. Auch mir macht der Unterricht wesentlich mehr Spaß, wenn er nicht immer nach Schema F (im Religionsunterricht oft genug vorlesen/malen lassen) abläuft. Außerdem darf man nicht aus den Augen verlieren, dass sich an den Unterrichtsinhalten im RU im Vergleich zu anderen Fächern vermutlich am wenigsten ändert. Da hilft es enorm, wenn man sich selber durch Material- und Methodenvielfalt ein bisschen frisch hält.

Morgengabe für Relilehrer

Religion im 4.Schuljahr. Markus kommt strahlend auf mich zu und sagt, er habe mir ein Geschenk mitgebracht, extra, weil ich doch seine Religionslehrerin sei. Und extra den ganz Echten mit Mütze! Und Stiel! Fröhlich zieht er den Schokonikolaus aus der Tasche und stellt leichte Beschädigungen fest. “Die Busfahrt, Frau Weh. Aber ich glaube”, prüfend rüttelt er am lädierten Bischof, “die Schokolade ist noch drin.”

Haken dran

Also das mit den Funkmikros geht wohl klar :-)

Die CrazyFunkyChicken haben ganz ordentlich gespielt. Keine groben Patzer, keine Zankerein und nur ein in der Aufregung völlig verfalteter Notenständer. Alle waren sie da (in hübscher Garderobe), die Eltern im Schlepptau. Sogar gefilmt hat man uns. Frau Sommer und ich haben uns auch bemüht. Zwar klangen wir ein wenig flachbrüstig, aber zur Verteidigung kann ich anbringen, dass die Kirche gerammelt voll war. Das schluckt ja dann auch…

Aber der Wechsel zwischen zweistimmig gesungenen Strophen und dem von allen Kindern gesungenen Refrain war wirklich gelungen. Gänsehaut und Tränen bei der Müttermafia miteingeschlossen. Hier nun der vernudelte Text für diejenigen, die das Stück vielleicht auch für nächstes Jahr in Erwägung ziehen:

The baby in the manger lays.

The choir of angels sings its praise

Of glory in excelsis deo.

The shepherds come and bow their knees,

But you, care you, do you believe?

The savior has come so hallelujah!

 

Refrain: Hallelujah…

 

Etwaige Fehler dürfen gerne berichtigt werden :-)

Der Tod raucht mit

Religion, 4.Schuljahr. Es geht um den Tod. Ein wahnsinnig spannendes Thema für die Viertklässler. Viele waren schon einmal auf einer Beerdigung, fast jeder trauerte schon um ein liebgewonnenes Haustier. Und dann erst die Sache mit den Würmern…!

Wir streifen die Vorstellungen anderer Weltreligionen, philosophieren über ein Leben nach dem Tod, um dann doch wieder auf den wirklich spannenden Bereich zurückzukommen: wie geht das mit dem UnterdieErdebringen denn nun eigentlich? Gibt es andere Möglichkeiten als den Friedhof um die Ecke?

Maren erzählt: “Meine Oma, die haben wir in so einem Wald vergraben.”

Roman kann toppen: “Bei meinem Opa sind wir mit dem Schiff gefahren und haben ihn ins Meer geworfen.”

Irritierte Zwischenfrage von Laura: “Deinen ganzen Opa? In einem Sarg? Oder wie?”

“Nee”, antwortet Roman, “zuerst ist der verbrannt worden und dann haben wir den Rest in so einen…”, er überlegt, “Aschenbecher getan.”

Kamishibai oder Japanisch für (Exegese-) Anfänger

Irgendwie brauchte ich heute was Erdiges. Sozusagen gute Grundschulbasisarbeit nach dem ganzen Computergedöns. Also habe ich den Drittklässlern eine Freude gemacht und das Kamishibai im Religionsunterricht ausgepackt.

Bemerkung am Rande:

Das Kamishibai ist ein dem japanischen Kulturgut entnommenes Erzähltheater, das – in einem Holzrahmen aufgestellt – Bildergeschichten zeigt, zu denen erzählt wird. (Auf die ursprünglich dabei verkauften Süßigkeiten verzichte ich allerdings in der Regel.) Es gibt zwei Methoden, für die man das Kamishibai einsetzen kann: ähnlich dem Bilderbuchkino selber eine Geschichte erzählen oder die Kinder malen und erzählen lassen. Letzteres ist eine schöne Sache, die die Erzähl- und Ausdrucksfähigkeit der Kinder trainiert und die – mit ein bisschen Show drumherum, Licht, Musik, Süßigk – sich auch ganz prima für Vorführungen eignet. Man könnte sich ein Kamishibai selber bauen, Anleitungen gibt es im Netz. Aufgrund meiner unrühmlichen Schweineblasenvergangenheit verzichte ich allerdings seit einigen Jahren erfolgreich und konsequent darauf, Dinge selber anzufertigen, die ich einfacher, schneller und vor allem sicherer käuflich erwerben kann. Damit fahre ich recht gut.

Mittlerweile gibt es ein paar wenige fertige Vorlagen fürs Kamishibai auf dem deutschen Markt, die z.T. ein wenig verkitscht rüberkommen. Alternativ bleibt das Malen eigener Vorlagen. Geschmackssache. Den Kindern gefällt beides. Malt man selber, nimmt man den Kindern eher eventuell vorhandene Hemmungen – gerade, wenn die Vorlage nicht ganz so perfekt ist.

Nun also Zachäus. Immer noch eine gute und aktuelle Geschichte. Eine, die die Kinder aus jeder Perspektive verstehen. Die unrühmliche Rolle des Zöllners, der mehr Geld nimmt  als er sollte und dadurch zum Außenseiter wird. Jemand, der am Rand steht, obwohl er doch dabei sein möchte. Einer, der sich selber klein gemacht hat, obwohl er Größe wollte. Da findet sich jedes Kind auf die ein oder andere Weise wieder.

Auch in dieser Lerngruppe wird es still während der Erzählung. Gebannt schauen die Kinder auf die Bilder. Auf ihren Gesichtern spiegeln sich die empfundenen Emotionen wider: Ärger, Belustigung, Mitleid, Verständnislosigkeit, Freude.

In der zweiten Runde erzählen die Kinder die Geschichte zu den Bildern nach. Sie suchen sich ein Lieblingsbild aus und begründen, warum ihnen dieses Bild näher geht als die anderen. Keiner lacht, keiner macht dumme Bemerkungen. In der Gesamtgruppe suchen sie einen Satz, der den Kern der Geschichte zeigen soll. Und finden einen: Menschen können sich ändern.

Der Satz wird ins Religionsheft übertragen und dazu das eine, das wichtige Bild gemalt. Mit einer winzigen Ergänzung: jedes Kind malt sich selber mit dazu. Die einen als Zachäus, die anderen als Beobachter. Ein Kind malt sich an die Stelle von Jesus:

“Das fand ich am besten, was der gemacht hat.”

Kater, Maus und Käse

“Ich bin dein Freund”, sagte der Kater zur Maus.

“Danke für die Freundschaft”, erwiderte die Maus,

“mein Freund ist der Käse.”

Der Käse seufzte: “Ich wäre lieber der Freund des Katers.”

Religion, 2.Schuljahr, Thema Freundschaft. Der obige Text* bringt die Kinder zunächst zum Lachen. Dann zum Nachdenken. Wie ist das eigentlich mit Freundschaften so? Jens gibt zu

“Ich bin ein bisschen mit Justin befreundet, weil der so viele Star Wars Karten hat.”

Lotte und Laura schauen empört. Da meint Justin:

“Macht nichts, ich finde voll geil, dass es bei dir immer was Süßes gibt.”

Meine Zweitklässler haben den Wert der Zweckgemeinschaft erfasst.

*Franz Zaulecks “Im Zwölfminutenwald” ist ein Ethik- und Philosophielehrwerk aus dem Klett-Verlag. Leider gibt es das Buch nur für 1/2 und wird nicht mehr verlegt. Der Zwölfminutenwald heißt so, weil man ihn in 12 Minuten durchqueren kann. Es gibt ein Baumhaus und drei menschliche Bewohner, Fische mit Beinen, eine Linde, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine einmal eine Birne zu tragen, aber keinen Förster im Wald. Mit kurzen Texten bringt der Autor die Zuhörer zum Schmunzeln, manchmal zum Ärgern und immer zum Nachdenken. Über sich, über die anderen, über das große Ganze. Alles in einer poetischen, aber direkten Sprache, eingebettet in den Wald mit seinen verschiedenartigen Bewohnern. Illustriert hat der Autor selbst, bisweilen muten seine Zeichnungen skurril an, regen aber durch ihre Einfachheit und Phantasie die Gestaltungslust der Kinder an. Ich musste mich in das Buch etwas einlesen (wer sich dafür interessiert, unbedingt versuchen, auch an das hervorragende Lehrermaterial zu kommen!), aber spätestens beim Engel mit nur einem Flügel, dem die Kinder eine Flughilfe basteln müssen, war es um mich geschehen. Ein wirklich besonderes Buch, das sich nicht nur für den Einsatz im Ethikunterricht eignet.

Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Gestern war ein produktiver Arbeitstag. Ich bin ganz ordentlich mit der Vorbereitung für Religion im 3.Schuljahr weitergekommen.

Seltsam, in den letzten 8 Jahren habe ich durchgehend Religion unterrichtet, aber nur einmal im 3.Schuljahr, dementsprechend schlecht bestückt ist mein Ordner. Und gerade in diesem Jahrgang finde ich das Unterrichten des Fachs nicht leicht. Die Kinder haben parallel Erstkommunionsvorbereitung, da entstehen eine Menge Fragen und – zunehmend, oft bedingt durch die mangelnde Einweisung und Begleitung der Katechetinnen – auch Irritation und Ablehnung. Der Lehrplan sieht erste Begegnungen mit der Dogmatik vor. Ein Bereich, in dem immer mehr Eltern intervenieren. Zur Kommunion schicken sie ihre Kinder alle, das “gehört eben dazu”, aber der Hintergrund?

Mich persönlich stellt Religion mehr als jedes andere Fach auf den Prüfstand. Was vermittle ich den Kindern? Was wird von mir als Lehrerin des Fachs gefordert? Wohinter stehe ich? In keinem Bereich sonst hinterfrage ich mich und mein unterrichtliches Handeln so sehr. Authentisch vor den Kindern zu stehen, während man sich so häufig innerlich windet zwischen dem auf persönlichen Lebenserfahrungen beruhenden eigenen Glauben und dem, was kirchliche Lehre ist, ist manchesmal eine Gratwanderung. Wie oft habe ich mir schon gewünscht Ethik zu unterrichten. Oder steht man dort als Person genau so sehr im Fokus? Dabei ist Religion ein so wichtiges und tolles Fach! Wenn man ein Händchen für Kinder und ihre Fragen hat, dazu das entsprechende Hintergrundwissen, dann sind es genau diese Stunden, in denen Kinder in ihren Meinungen und Haltungen reifen können. Sich in einem Schonraum ausdrücken können. Über Ängste, Sorgen, aber auch Hoffnungen und Zukunft sprechen können. In allen Fächern werden Sprachkompetenzen groß geschrieben, hier werden sie erfahren.

Es sind gute Momente, in denen sich Kinder zuhören. Richtig zuhören. Wenn ein Kind auf die Äußerung eines anderen “das habe ich so noch nie gesehen” antwortet – anstelle zu lachen oder den anderen gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen – dann weiß ich, es ist eine gute Stunde.

Diese guten Stunden sind leider oft rar. Die Rahmenbedingungen für den RU sind keine Freude. Immer Randstunden, oft genug letzte Stunde, zusammengewürfelte Lerngruppen, Kinderanzahl häufig über 30. Wenn man es da schafft, auch nur im Ansatz eine Stimmung zu schaffen, in der Nachdenken, Zuhören, zur Ruhe Kommen möglich ist, dann ist das mehr als respektabel.

Im letzten Schuljahr habe ich die Kinder 3 zweiter Klassen gemeinsam unterrichtet. 34 Kinder, freitags letzte Stunde. Und ich habe mir Mühe gegeben. Ich habe methodisch und didaktisch alles rausgehauen, was ging. Bodenbilder, szenisches Spiel, Stille-Übungen (ha, ha), bildnerisches Gestalten, Zugänge über Kunst, Musik, Exkursionen, kreatives Schreiben, Tafelbilder, Filme, Interviews, Kommunikations-, Interaktions- und Körperübungen, Expertenrunden, biblisches Erzählen. Die Vorbereitungszeit für diese eine Stunde war hoch. Für kein anderes Fach habe ich mich so fortgebildet, so viel Fachliteratur gelesen. Und aus keiner anderen Stunde bin ich so häufig frustriert rausgegangen, weil es oft einfach nur schrechlich war. Laut, durcheinander, unschön. Egal, was ich angeboten habe, es waren immer vier, fünf Kinder dabei, die alles torpediert haben. Alles.

Wiederholtes Vorsprechen bei der Schulleitung. Nein, eine Änderung der Rahmenbedingungen sei nicht möglich. Teilen der Gruppe? Ausgeschlossen. Es ist soweit gekommen, dass ich – nachdem ich lange mit mir gerungen* habe – in einer Konferenz geäußert habe, dass ich die Lehrerlaubnis für Religion abgeben werde, wenn sich an den Zuständen nichts ändert. Betroffenheit seitens der Schulleitung. So schlimm? Ja, so schlimm.

Es ist diese Ignoranz, die mich ärgert. Religion, das klassische unwichtige Nebenfach (schließlich sind wir keine Bekenntnisschule). Da klatschen wir dann einfach mal richtig viele Schüler rein. Ist doch egal, ist doch nur Religion. Und wenn dies selbst von Kollegen und insbesondere von der Schulleitung kommt, dann zermürbt das zusätzlich. Einzig die Kollegin, die evangelische Religion unterrichtet und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, hat Durchhalteparolen, Trost oder auch den ein oder anderen trockenen Witz zum Thema parat. (Gut, dass sie da ist! Was mache ich denn nur, wenn sie nächstes Jahr in den Ruhestand geht? Also, außer ihr eine wunderschöne Abschiedsfeier zu planen?) Tatsächlich steht der evangelische RU bei uns im Ansehen noch tiefer als der katholische. Frau Schmitz-Hahnenkamp z.B. äußerte einmal – leicht unüberlegt, aber so typisch – , dass evangelisch ja nur knapp über gar nichts komme. Ah ja.

Musik, ebenfalls ein Nebenfach, hat da interessanterweise einen völlig anderen Stellenwert. Da man als Musiklehrer für so ziemlich alle Veranstaltungen mit Außenwirkung (ganz wichtiges Thema mittlerweile!) unverzichtbar ist, wird auch dem Musikunterricht eine gewisse Wichtigkeit eingeräumt.

Das soll jetzt aber reichen an eingetrübten, selbstreflektierenden Gedanken. Ist eigentlich gar nicht so mein Stil hier. Aber da ich weiß, dass die ein oder andere (auch zukünftige) Religionskollegin hier mitliest, ist es vielleicht auch ein kleiner Trost zu wissen, dass man nicht allein vor dieser Problematik steht. Und dass es Wege raus gibt.

Ich habe ihn noch nicht gefunden, aber wenn, dann sag ich SOFORT hier Bescheid. Versprochen! :-)

* Das Ringen mit sich selber hat eine lange religiöse Tradition. Das passt dann ja gut.