Des Rätsels Lösung

“Du hast WAS!?” ich ziehe scharf die Luft ein und schaue auf das puschelige Etwas in Nicks Hand. Es sieht aus wie ein flauschiger Meisenknödel. Ein schnarchender, flauschiger Meisenknödel. Himmelherrgott, hört mir denn in dieser Klasse keiner zu oder was?

“Aber die Mama hat verschlafen und ich konnte den Käfig doch nicht mit in den Bus nehmen” wendet Nick kleinlaut ein. Irgendwie scheint ihm gerade zu dämmern, dass er da etwas wirklich Dummes gemacht hat. Auf dem Schulhof war er noch der König, jetzt schrumpft er in sich zusammen. “Hamster haben ganz kleine Herzen, die kriegen bei Aufregung einen Stillstand, dann ist er tot!” Mia-Sophie kennt sich aus, in ihrem Kinderzimmer wohnt bereits Hamster Nummer 3. Da niest der flauschige Knödel auch noch. “Du bringst ihn sicher gerade um” zischt Victoria herzlos und funkelt Nick böse an. Das ist zu viel für ihn, die ersten Tränen kullern, Rotz und Schnodder lassen nicht lange auf sich warten.

Ach, was solls, auf Geheule und tote Hamster habe ich keine Lust. Und schon dreimal nicht auf Adieu, Herr Muffin. Ich weise Tom2 an, die Bauklötze aus der Plastikschüssel zu räumen und hole den Beutel Kleintierstreu, den ich als Kotzstopp im Kunstschrank aufbewahre. Für ihre Verhältnisse äußerst leise bereiten die Zweitklässler dem schnarchenden Hamster ein Behelfsquartier. Sogar ein leerer Schuhkarton findet sich und wird als Schutzhütte über den Kuschelknödel gestülpt. Nick leert schniefend seine Hosentaschen. Neben Fußballkarten, einem Stein und 20 Cent findet sich eine Portion Sonnenblumenkerne. “Die frisst Harry am liebsten.” HarryHamster, auch das noch. Hoffentlich frisst der überhaupt noch was, denke ich, sage aber nichts, sondern nicke Pauline zu, die zielstrebig einen Fressnapf vom Haustier-Ausstellungstisch holt.

Doch meine Sorge ist unbegründet. Sobald das Schüsselchen in der Wanne steht, ruckelt es im Karton und mit einem Satz (und einem aufgeregten Fieper) fliegt HarryHamster mitten in den Fressnapf und beginnt unflätige Geräusche von sich zu geben. “Ja, der frisst ziemlich gerne” meint Nick. Ach was! Entzückt starren die Zweitklässler auf das knurpsende Kerlchen. Offensichtlich ist er mit einem widerstandsfähigen Herz-Kreislauf-System gesegnet, jedenfalls ist er eindeutig lebendig und guter Dinge.

Wir sind mitten im Wiegen und Messen (67 Gramm Kampfgewicht, holla-der-Hamster!) als die Tür aufgeht und eine deutlich derangierte MamaNick mit Käfig auf dem Arm in der Klasse steht. Vor lauter Peinlichkeit weiß sie gar nicht, was sie zuerst tun soll: Nick ausschimpfen, sich für die Verspätung entschuldigen oder den Käfig abstellen. Glücklicherweise ist auf die Zweitklässler in solchen Momenten Verlass. Schon springen sie auf, nehmen den Käfig an sich und stellen ihn neben Harry Behelfsquartier in den Sitzkreis. “Boah, ein Hamsterrad, cool, kann der da mal rein?”, “Was ist denn das für eine Röhre? Schläft der da drin?”, “Ihhh, was ist das eklige weiße da?”. Nick ist seinem Element. Vergessen der klägliche Start in seinen großen Tag. Mit roten Wangen erklärt er die Funktion des Salzlecksteins und die Zusammensetzung der Knabberstange.

Ich winke MamaNick zur Kaffeemaschine. Das schaffen die jetzt auch ohne uns.

16. Mai 2012. Schlagwörter: , , , . Sachunterricht. 3 Kommentare.

Rätsel

Was ist das?

15. Mai 2012. Schlagwörter: , , . Sachunterricht. 33 Kommentare.

Testosteron-Alarm

“Wollense mal so ein richtig dickes Rohr halten, Frau Weh?”

Der dröhnende Bass von Manfred reißt mich aus meinen Gedanken. Vor meiner Nase baumelt ein B-Schlauch. Dahinter das breite Grinsen des Feuerwehrmannes. Es gibt auch noch andere Schläuche, ich kenn mich da bereits rudimentär mit aus. Es ist wieder so weit, die Viertklässler beschäftigen sich mit dem Thema Feuerwehr. Tatütata und schon ist sie da. Mit an Bord – wie jedes Jahr – zwei ganze Kerle: Manfred und Dieter. Schrankgroß, schrankbreit und mit unverrückbarem Frauen- und Weltbild.

Nein, Manfred und Dieter sind nicht verkehrt. Ehrlich, sollte ich in einem brennenden Haus stehen oder – sagen wir mal – unter einem Auto eingequetscht liegen, dann sind es genau Manfred und Dieter, denen ich dann große Handlungskompetenz zutraue und die bestimmt ganz genau wissen, wie sie mich da möglichst in ganzen Stücken wieder rausbringen. Dabei dürfen sie mich dann auch gerne über die Schulter werfen und grunzen wie King Kong.

Ohne Feuer und den geringsten Gefahrenhintergrund bahnt sich diese im Ernstfall wünschenswerte Energie verbale Wege. Das ist mir nicht neu. Genau den gleichen Spruch habe ich auch schon letztes Jahr gehört. Und davor das Jahr. Folgen wird übrigens kurze Zeit später der Satz “Jetzt bringense das Ding mal ordentlich zum Spritzen!”. Dann nämlich, wenn die Kinder Schläuche, Standrohr, Verteiler, Pumpen und was sonst noch dazu gehört zum nächsten Unterflurhydranten geschleppt haben und aufgeregt auf das Kommando “1. Rohr, Wasser marsch!” warten. Wie gesagt, alles schon gehabt. Und ich darf IMMER zuerst Hand anlegen. Schön, wenn man sich wenigstens auf manche Dinge so verlassen kann wie auf den bewährten Machismus von Dieter und Manfred.

Natürlich mache ich der Feuerwehr die Freude, nehme die Spritze in die Hand, quieke ein bisschen, wenn das Wasser kommt und tue so, als sei das richtig, richtig aufregend. Ja, ich meine, wer weiß denn schon, ob ich die beiden nicht mal in einer wirklich brenzligen Situation treffe. Da möchte ich dann auch nicht, dass sie sich angucken und denken ach, das war doch die, die sich zu fein war, um mal ordentlich anzupacken. Nee. Da muss man vorausschauend handeln.

Später im Lehrerzimmer sind Manfred und Dieter natürlich Gesprächsthema. Männer haben wir ja nicht so oft. Und wenn ich die Wahl hätte – eingequetscht oder halb erstickt vom Rauch, dem Ertrinken nahe oder im Auge des Feuersturms – zwischen den Busbegleitern, dem Verkehrspolizisten und Manfred und Dieter, na da würde ich ganz klar zu den beiden Kolossen tendieren, auf deren gestählten Unterarmen zwar selbstgestochene Tattoos ihren Platz haben, aber sich nicht ein einzelnes Härchen wagt, zur Gänsehaut zu strecken. Auch wenn es kalt und windig ist. Ach, erwähnte ich, dass Dieter immer Kurzarmpolos trägt, die über dem üppigen Bizeps spannen? Und überm Pectoralis? Ja, so müssen Feuerwehrmänner aussehen. Genau so! Kleiner Wermutstropfen: die Jüngsten sind die beiden nun nicht gerade. Im Verleich mit dem Großteil meines reizenden Kollegiums hingegen sind die beiden Frischfleisch. Dementsprechend pikiert reagieren dann auch die Kolleginnen als ich von den brandheißen Machosprüchen berichte.

“Waaaas? Das sagen die zu dir?”, Kollegin Kraft reißt die Augen auf.

“Jaaa, aber das sagen die doch zu allen Frauen. Die sind einfach so”, versuche ich zu beschwichtigen.

“Nein, das haben die noch NIE zu mir gesagt”, Kollegin Kölln schwankt zwischen Empörung und süffisantem Lächeln, “das mag vielleicht mit deinem jugendlichen Alter zu tun haben.”

“Bitte? Also das ist ja ein Unding”, wirft Kollegin Kraft ein, “das ist ja Diskriminierung!”

“Genau!”, pflichtet Kollegin ZudemFeld bei, ihres Zeichens Diskriminierungsbeauftragte unseres Kollegiums, “das ist es wirklich, Altersdiskriminierung! Das sollen die gefälligst mal zu mir sagen!”

26. April 2012. Schlagwörter: , , , . Der tägliche Wahnsinn, Sachunterricht. 13 Kommentare.

Von Menschen und Mäusen

Es geht hoch her im Sitzkreis. Wild werden alle Möglichkeiten ausdiskutiert, welche Tiere zu Besuch kommen können. Endlich mal ein Sachunterrichtsthema, das ausnahmslos allen Zweitklässlern gefällt. Mehr noch, in das sie ihr ganzes Herzblut zu stecken bereit sind. Meerschweinchen, Schildkröten, Katzen, Kaninchen. Alle wollen mitgebracht und angeschaut werden. Dennoch bleibe ich hart und verbiete auch nach größerem Aufruhr und unzähligen AchbitteFrauWeh!s die Mitnahme von Goldfischen, Hamstern oder anderem Kleingetier im Ranzen.

“Aber warum?”, heult Nick, “mein Hamster schläft eh immer, den kann ich morgens einfach ins Mäppchen packen!”

“Ende der Diskussion. Tiere nur zum Kurzbesuch und mit Elternbegleitung. Nein, auch kein Transport im Schulbus!” Ich bleibe hart.

“Ich bring Diego Maradona mit. Das ist unser Mops”, teilt Nathalie mit.

“Was ist denn ein Mops?”, fragt Victoria leicht pikiert.

“Ein hässlicher Knautschhund”, weiß René.

Glücklicherweise schaltet sich da Tom1 deeskalierend mit der Feststellung ein, dass bei ihm im Garten sehr viele Maulwürfe leben würden, die einfach nicht totzukriegen seien. Wir könnten uns das doch mal angucken. Und der Papa steht am Wochenende immer mit der Schaufel und macht so…! Mit seiner sehr anschaulichen, allerdings auch äußerst ausladenden Handbewegung trifft er Justin an der Stirn (“Du Arsch!”), woraufhin ich mich erneut genötigt sehe, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.

“Wie sieht es denn mit Rennmäusen aus? Hat jemand Rennmäuse?”

“Ja, wir!”, Lennox winkt wild.

Aha? Ich kann mich an keinen Käfig erinnern. “Wo habt ihr die denn, Lennox?”

Lennox überlegt. “Na, so überall. In der Küche, manchmal auch im Wohnzimmer. Die sind da so.”

“Oh”, was sag ich jetzt? “Das sind dann wahrscheinlich eher Hausmäuse, keine Rennmäuse.”

“Klar sind das Rennmäuse!”, brüllt Lennox sauer, “die rennen da doch immer voll rum!”

Glücklicherweise bin ich ja die netteste Lehrerin der Welt und…

…halte einfach mal meinen Mund.

24. April 2012. Schlagwörter: , , , , . Der tägliche Wahnsinn, Sachunterricht. 33 Kommentare.

Husten, Schnupfen, Heiterkeit

“Frau Weh, weinst du?” fragt Lotte besorgt.

Fachmännisch mischt sich Justin ein: “Nein, die hat was anderes, guck mal, wie rot der Kopf ist.”

“Kannst du eigentlich ohne Brille was sehen?” will Benjamin wissen.

Ich kann ihnen nicht antworten. Mich schüttelt ein Hustenanfall, dass mir die Rippen schmerzen. Mein Kopf ist tatsächlich knallrot und vermutlich verschmiert mir gerade die Wimperntusche auf nicht sehr ladylike Weise. Fürsorglich reichen mir ein paar Kinder ein Glas Wasser an. Auch Taschentücher werden mir hilfsbereit von mehreren kleinen Händen zugesteckt. (Erstere nicht alle unbenutzt, letztere nicht alle sauber.)

Nein, ich bin nicht krank, danke der Nachfrage. Tatsächlich habe ich mich verschluckt. An der eigenen Begeisterung. Nachdem die Zweitklässler erfahren haben, dass unsere gemeinsame Zeit begrenzt ist, sind sie zuckersüß, lammfromm und lernfreudig. (Zumindest bis zur ersten Pause.) Sie stürzen sich auf das neue SU-Thema als gäbe es kein Morgen mehr. Sie heften die Fotos an die Tafel und teilen in mehr oder minder verständlicher Rede mit, wo genau ihr Löwenzahn wächst und gedeiht. Als Lennox dann mitteilt, dass sein Löwenzahn im Gebet* wächst, ist es um mich geschehen.

Taraxacum

Also mit dem gewöhnlichen Löwenzahn kenne ich mich ja toll aus. Auch mit dem Igel und dem Eichhörnchen. Bienen, Regenwürmer, Frühblüher, Braunkohle, Steinkohle und – wenigstens rudimentär – verschiedene Arten der Energiegewinnung. Alles meine Spezialgebiete. Ich weiß wie man die Cirrocumulus von der Cirrostratus unterscheidet und was das dann fürs Grillwetter bedeutet. Ich sollte wirklich mal zu Wer wird Millionär. Mein punktuelles Wissen ist definitiv was wert. Und so ein bisschen Geld, warum nicht?

“Wieviel verdienst du eigentlich, Frau Weh?”, interessiert sich René.

“Kriegst du etwa Geld hierfür!?” Nick kann es kaum fassen und reißt die Augen auf.

“Klar, verdient die was. Erwachsene machen doch nix umsonst!” mischt sich Victoria ein.

Amelie hat auch eine Meinung: “Also mein Papa hat gesagt, die Frau Weh verdient nur das Beste.”

“Deswegen hat sie ja uns!” befindet Tom1 und tätschelt mir gütlich den Oberarm.

Aber hallo.

 

* Eigentlich wächst Lennoxens Löwenzahn im Beet. Aber beten schadet in diesem besonderen Falle sicher auch nichts.

21. März 2012. Schlagwörter: , , , , , . Der tägliche Wahnsinn, Sachunterricht. 11 Kommentare.

Licht und Schatten

Die zweite Einheit Licht und Schatten bei den Zweitklässlern. Heute wird experimentiert. Alle sind aufgeregt und wuselig. Taschenlampen in allen Formen und Größen werden präsentiert. Ich habe verschiedene Materialien vorbereitet, die die Kinder in Gruppen auf ihre Lichtdurchlässigkeit überprüfen sollen. Aber vorher sollen sie Vermutungen anstellen. Viele wissen nicht, was Leder ist, einige haben noch nie in ihrem Leben Alufolie gesehen. Hmm, Zweifel sind angebracht.

Dementsprechend abenteuerlich sind dann auch die Vermutungen. Einige Ahs und Ohs sind zu hören, als die Kleingruppen im abgedunkelten Klassenraum die Materialien testen. Lustig wird es, als sich die Kinder in Nase und Mund leuchten. Halloween lässt grüßen. Ich hab auch was gelernt, beim nächsten Mal gestalte ich die Arbeitsblätter anders. Der Unterschied zwischen den Spalten Das vermute ich und Das habe ich herausgefunden muss optisch deutlicher sein. Einige Kinder finden sich nicht zurecht und kreuzen wild durcheinander an. Ansonsten war es ok. Vor und nach den Versuchen jeweils eine Kreisphase, die sehr strukturiert und diszipliniert abläuft. Man merkt, dass es den Zweitklässlern Spaß macht. Außerdem zahlt sich nun aus, dass wir regelmäßig im Kreis arbeiten. Den können sie jetzt richtig gut. Ich kann mich komplett aus dem Unterrichtsgespräch ausklinken, die Meldekette funktioniert, die Gesprächsregeln sitzen. Schön.

In der zweiten Runde geht es dann darum herauszufinden, wie sich der Schatten verändert, wenn die Entfernung zur Lichtquelle variiert. Hier kommen dann auch die Schattenfiguren erstmalig zum Einsatz. (Der Drache bekommt kurzen Szenenapplaus. Besonders als er mit Scheinwerfer an die Wand geworfen wird. Und die Zweitklässler kennen die Dinosaurierfiguren noch gar nicht…)

 

So viel zum Licht. Schatten gab es allerdings auch. Hausbesuch bei Lennox. Da will ich auch gar nichts zu schreiben, war heftig.

 

24. November 2011. Schlagwörter: , , , , . Sachunterricht. 4 Kommentare.

Schlank ohne Schlaf

Ok, ich habe Hunger. Richtigen Hunger. Und es ist eine schlechte Idee, in diesem Zustand den Familieneinkauf durchzuführen, der einen zwangsläufig auch an der Fleischtheke vorbeileitet. (Ja, ich würde unser Meerschweinchen essen, wenn wir denn eins hätten. Von Herrn Schmidt lasse ich aus nachvollziehbaren Gründen lieber noch eine Weile die Finger.) Von den anderen unangenehmen Dingen, die mir heute widerfahren, möchte ich schweigen. Wer weiß, was dann wieder für Suchbegriffe hier auf der Seite landen. Schon nach der Schweineblasengeschichte kamen hier wirklich seltsame Anfragen an.

(Aber es tröstet mich, dass andere Leute für eine Entschlackungskur eine Menge Geld zahlen und dass ich vermutlich morgen eine Zahl auf der Waage habe, die ich lange nicht gesehen habe. Jedenfalls bin ich notgedrungen schrecklich diszipliniert und esse gar nichts. Herr Weh brät unterdessen Speckwürfel für die Bratkartoffeln an. Die restlichen Familienmitglieder müssen schließlich nicht darben. Wisst ihr, wie angebratene Speckwürfelchen riechen? Ohhhhh…man!)

Da ich aber bereits vor geraumer Zeit die Glücksplätzchenmentalität für mich entdeckt habe, suche ich auch heute nach dem Guten. Und finde es. Voilà:

Heute gut:

  • die Entdeckung dieser Schattenspielfiguren von Moulin Roty, die es auch noch zum Thema Dinosaurier und Zirkus gibt:

Das Preis-Leistungsverhältnis ist gut. Ich fürchte allerdings, dass man noch selber ausschneiden muss. Die Figuren kann ich mir gut für den Deutschunterricht vorstellen. In Kombination mit Kamishibai und Schreibtischlampe lässt sich sicher eine tolle Wirkung erzielen. Geschichte schreiben, erzählen, fächerübergreifend mit Musik eine Verklanglichung dazu auf die Beine stellen, kleine Aufführung planen, 1.Schuljahr einladen, aufführen, … Plane ich direkt mal ein. Die Adventszeit bietet sich dafür ja gerade an. Klar, im Kunstunterricht ist Scherenschnitt auch ein Thema, aber da ist kein Luftloch mehr vor Weihnachten, es müssen schließlich noch die Arcimboldo-Collagen und die Weihnachtsgeschenk-Kalender angefertigt werden.

  • Die Planung der Sachunterrichtsreihe Licht & Schatten macht Spaß. Konzipiert wird die Reihe hauptsächlich als Gruppenarbeit mit Expertenrunden. Ich schneide Quadrate aus verschiedenen Stoffen und anderen Materialien aus, fertige Arbeitsblätter (“Lichtdurchlässig oder nicht? Was vermutest du? Was ergibt dein Experiment?”) und Übersichtstabellen an und teste alles mit Hilfe von Taschenlampe und dem eben noch schrecklich gelangweilten mittelgroßen Wehwehchen. Außerdem plane ich noch eine Extrastunde mit dem Arbeitstitel “Schöne Schatten” (daher auch die Entdeckung der obigen Schattenspielfigürchen). Spontan fällt mir als Material Tortenspitze ein. Vielleicht hat ja noch jemand eine gute Idee. Ein Umrissratespiel wäre sicher auch nett. Das dann aber besser am OHP.
  • Die aktuelle Ausgabe von PaMina ist randvoll mit Ideen für den Musikunterricht, von denen ich viele umgehend verwirklichen werde. Da kann sich Grundschule Musik eine Scheibe von abschneiden. Aber wirklich.
  • Eine zweistündige Mittagspause nur mit mir und Carlos Ruiz Zafón. Unbezahlbar.

26. Oktober 2011. Schlagwörter: , , . Sachunterricht, Will ich!. 9 Kommentare.

Internationaler Bauch- und Ohrpinseltag

“Frau We-hee?”

Roman, der gerade von seinem Vater am Schultor abgeliefert wurde, schlendert in der Frühaufsicht an mich heran.

“Mein Papa findet, Sie haben schöne Beine.”

Ok. Ja. Danke. Was soll man darauf antworten? Sollte Romans Vater nicht viel mehr mein Engagement, meine Intelligenz oder meinetwegen auch meine Geduld mit seinem – weiß der Himmel! – nicht gerade leicht zu händelndem Sohnemann auffallen? (Andererseits wäre Roman vermutlich nicht Roman, würde sein Erzeuger auf solch charakterliche Nebensächlichkeiten achten.) Glücklicherweise enthebt mich Jens, der sich gerade lauthals über seinen Ranzen übergibt, einer Antwort. Das Geschrei ist groß, spritzen doch die Frühstückscerealien bis in die akkurat aufgestellte Mädchenreihe.

Ich bin eigentlich ganz froh über diesen frühen Ausbruch. Hatte Jens mir nicht bereits schon vor 5 Minuten mitgeteilt, dass ihm die ganze Nacht schlecht gewesen sei, “aber die Mama hat gesagt, ich soll mal gehen und probieren, ob es klappt”. Tut es nicht. Immerhin spuckt es sich besser auf dem Schulhof als später in der Klasse. Da kippt man einfach einen Eimer Wasser drüber und fertig. Jetzt reibt sich der arme Jens das Bäuchlein und verlangt nach Mama.

Ein wenig später im Unterricht – wir wiederholen alles Wissenswerte vom Eichhörnchen, naht doch die finale Lernstandsüberprüfung – meldet sich Leon laut schnipsend:

“Das mit den Ohrpinseln, dass die so wachsen im Herbst und dann im Winter so lang sind und im Sommer weg, das wusste mein Papa gar nicht. Der hat gesagt, du hast aber eine ganz schöne schlaue Lehrerin.”

Na also! :-)

17. Oktober 2011. Schlagwörter: , , , . Der tägliche Wahnsinn, Sachunterricht. 10 Kommentare.

Eichhörnchen und Zimthörnchen

Ein verregneter Sonntagvormittag. In der Küche blubbt der Hefeteig für die nachmittäglichen Zimthörnchen und ich sitze an den letzten Vorbereitungen für die Herbstwerkstatt. Werkstätten erfreuen sich ja nach wie vor großer Beliebtheit in der Grundschule.

Naja.

Man muss da ein bisschen aufpassen. Wenn man es gern übersichtlich, strukturiert, ansprechend, aktuell und auf die individuelle Lerngruppe passend hat, dann machen Werkstätten erst mal eins: eine ganze Menge Arbeit. Vorher, währenddessen

Ich kann mich ja weder teilen noch klonen und während ich mir gerade von Nick (individueller Förderplan: lesen üben, lesen üben, lesen üben!) den Text über das Eichhörnchen im Herbst vorlesen lasse, kann es tatsächlich passieren, dass derweil Justin (individueller Förderplan: kleinschrittig Defizite in der Feinmotorik angehen) den Eichhörnchenkobel nicht wie gefordert mit kleinen Strichen zu Ende zeichnet, sondern sich den dicksten Stift greift, den er finden kann, dann – krakelkrakel – irgendein klumpiges braunes Gebilde in die Astgabel zeichnet, um anschließend “Ich bin feeeertig!”-brüllend zur Fühlkiste mit Kastanie, Eichel und Co. abzuziehen. Wer hat eigentlich den Begriff des beobachtenden Lernbegleiters geprägt? War dieser Mensch schon einmal im Werkstattunterricht einer Nicht-Vorzeigeschule zugegen?

und nachher dann auch noch einmal. (Ich kann nur dringend empfehlen, Werkstätten immer ordentlich einzutüten und wegzuräumen. Am besten noch mit Zettelchen versehen, was geändert werden muss. Alles andere geht zwar schneller, sorgt beim nächsten Durchgang aber für übelsten Groll gegen sich selbst.)

Mein Best of Eichhörnchen umfasst übrigens lediglich 10 Pflicht- und drei Zusatzaufgaben. Eine sehr nette, übersichtliche Größe. Da behalten Kinder und Lehrerin die Übersicht, niemand fühlt sich abgeschreckt von der Übermacht aufgebauter Kisten und Kästen und ich kriege beim Anschleppen des Materials keinen Knacks im Rücken. Gar nicht so selten ist weniger wirklich mehr. Was viele bei der Planung einer gigantischen Werkstatt nämlich gerne vergessen, ist, dass das bloße Vorhandensein verschiedenster Angebote nicht automatisch proportional ansteigenden Lernzuwachs im Kinderkopf bedeutet.

Außerdem bleibt dann auch noch Zeit zum gemeinsamen Waffelbacken. Natürlich mit Haselnüssen*, muss ja zum Eichkätzchen passen.

*Allergien abfragen…vorher…

18. September 2011. Schlagwörter: , , . Sachunterricht, Unterrichtsvorbereitung und andere Zeitfresser. 18 Kommentare.

Sexualerziehung

Referendariat. Sexualerziehung, 2. Schuljahr. (Frau Weh ist zu diesem Zeitpunkt praktischerweise hochschwanger und darf gerne die komplette Reihe übernehmen.)

Behutsam erkläre ich die notwendigen Fakten.

Lena (völlig verdattert vom eben Erfahrenen): “Frau Weh, hattest du schon mal Sex!?”

Ich (geschätzter Bauchumfang ca. 105cm): “Öhm, ja, schon, Lena.”

Lena (beruhigt): “Na, dann kann das ja nicht so schlimm sein.”

11. August 2011. Schlagwörter: . Lange her, Sachunterricht. 4 Kommentare.

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