Zoo-Vorbereitungen

Ich war heute im Zoo. So ganz ohne fremde Kinder. Also eigentlich stimmt das nicht. Es waren eine ganze Menge fremder Kinder da. Aber die haben mich nicht interessiert. Maximal noch die müde aussehenden Eltern mit ihren hippen Coffee to go Isolierbechern und den tollen Umhängetaschen aus LKW-Planen. Seht her, es ist zwar Sonntagmorgen, 9.08 Uhr, aber ich bin immer noch trendy! Aber wahrscheinlich sind LKW-Planen-Taschen längst out und was ich hier schreibe, stimmt gar nicht. Ich bin ja auch kein Experte für Accessoires. Ketten verknüddeln sich bei mir immer und Schals wickel ich mir immer so um den Hals, dass ich nicht friere.

Ich liebe ja diese Bilder in Herbstkatalogen: niedliche Blümchenkleider über strumpfbehosten Beinen in Stiefeln und am Hals – ja, genau – so ein hübscher Schal, ganz lässig drumgewickelt. Das sieht immer so nach Wohlfühlen aus. Aber nie nach Schulhof. Da weht ein rauer Wind, da gehen lässig drapierte Schals fliegen.

Ich war auf Gefahrensuche. Mögliche Schwachstellen für den Zoobesuch mit meiner Klasse ausfindig machen und einen Plan B erstellen. Mein Freund Marten hatte am Freitag natürlich den ultimativen Tipp für entspannte Zoobesuche auf Lager: Jede begleitende Mutter bekommt 1-2-3-4-5 Kinder an die Hand, man macht ein gemeinsames Foto am Zooeingang und dann trifft man sich in – sagen wir mal – 2 Stunden am Spielplatz entspannt wieder. Das traue ich mich aber nicht. Denn woher haben meine Kinder wohl ihren mangelnden Orientierungssinn? Naa? Genau!

Das fehlt mir noch:

Quäkende Durchsage: „Frau Weh wird gebeten ihre verlorengegangenen Begleitmütter in der Zooschule abzuholen. Frau Weh bitte!“

Stattdessen werde ich jedem Kind einen laminierten Zettel mit Name, Schule und meiner Handynummer um den Hals hängen. Das Ganze aber hübsch durchnummeriert, damit am Schluss bloß keiner dieser Zettel den Weg in ein Elternhaus findet. Das würde mir noch fehlen, Kurzmitteilungen von Supermom. Gruselig. Meine Handynummer ist so geheim, die kann nichtmal ich auswendig. Wenn es klingelt, erschrecke ich immer zu Tode.

Eigentlich mag ich den Zoo. Ich finde Erdmännchen lustig und schaue mir auch gerne das Feuerwiesel an. Das hüppelt immer in so wellenförmigen Bewegungen durch sein Gehege. Fast schon meditativ. Aber wenn man mit einer Klasse in den Zoo geht, sieht man sowieso keine Tiere. Da hat man keine Zeit zu. Wir werden nämlich nicht die einzigen sein, die am 14.Juli dort sind. Heerscharen von kleinen Marvins, Lenas, Niklassen und Anna-Lenas werden dort sein. In ihren gut erkennbaren Schul-Shirts in blau, rot, gelb. Mit Kappen auf dem Kopf in – genau! – blau, rot und gelb.

Im Lehrerzimmer werden schon Wetten abgeschlossen, welche Kinder mir zuerst verlustig gehen werden. Ich habe da auch schon Favoriten im Auge.

Zwei Kolleginnen erzählten mir zum Trost, dass sie auch einmal ein Kind im Zoo verloren hätten. Das sei aber recht schnell in der Zooschule abgegeben worden. Als dann die Durchsage kam „Der kleine Drecksack, der nicht bei seiner Klasse bleiben wollte, kann von seiner Lehrerin in der Zooschule abgeholt werden.“, haben sich die Kolleginnen angesehen und beschlossen, dass der weitere Besuch ohne den Jungen wesentlich stressfreier ablaufen würde. So haben sie ihn dann erst am Schluss ausgelöst. Dumm nur, dass in der Zwischenzeit ein Anruf vom Zoo in die Schule ging, da die Zoopädagogen, nachdem niemanden den kleinen Kerl abholen wollte, dachten, die Klasse sei wohl schon wieder auf dem Rückweg. Das gab dann einen ordentlichen Einlauf vom Rektor.

Es muss also auch anders gehen. Ich arbeite noch dran.

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