Oh(r)weh, Frau Weh!

Es waren nicht ZZ Top. Es war eine Coverband. Laut waren sie trotzdem. Und mit reichlich Durchhaltevermögen gesegnet. Das fröhliche Treiben da draußen ging bis 3.30 Uhr. Mit allem Drum und Dran dörflicher Dramatik: Alkohol, Prügeleien, Polizeieinsatz und schlechter Musik.

Jetzt müssen wir noch irgendwie bis 22.00 Uhr durchhalten, dann ist Schluss. Leider noch nicht an der Bierbude, da wird es noch munter ein paar Stündchen weitergehen. Ich hoffe ja auf einen kräftig-kalten Regenguss. Ansonsten stopfe ich mir Stöpsel in die Ohren. So richtig gut geht das allerdings nicht. Liegt vermutlich an meinen kleinen Ohren. Irgendwann tut es weh. Mein Freund Marten hat damit ja gar keine Probleme. Der hat aber auch sehr männliche Ohren. Und weil es bei ihm so gut funktioniert mit den Ohrstöpseln, trägt er sie – sic! – mitunter in der Pausenaufsicht. Nach ihm werden dadurch laute Pausen zur reinen Erholungszeit. „Das ist wie ein 20-minütiger Spaziergang. Danach bist du ganz erholt.“ Ich schwanke zwischen Entsetzen und Ungläubigkeit: „Und wenn ein Kind kommt?“ Aber auch dafür hat Marten die passende Lösung:

  1. Nachschauen, ob Blut fließt, wenn nicht,
  2. verständnisvoll gucken,
  3. nicken und
  4. die folgende Zauberformel aussprechen:

„Dann hol dir doch mal ein Kühlpack!“

Ich gebe zu, ich tat schockiert. Im Grunde genommen war ich schlicht sprachlos ob der Kühnheit dieser gnadenlos brillianten Idee. Denn tatsächlich hat so ein Kühlpack ja geradezu magische Heilkräfte. Noch stärkere als ein Pflaster. Und Pausenaufsichten sind von der Lautstärke schlimmer als Sportunterricht und viel schlimmer als Musikstunden.*

Ich traue es mich trotzdem nicht.

Aber ich freue mich auf den Winter. Herr Weh hat mir nämlich zu Weihnachten so Ohrpuschelwärmer geschenkt. Wunderbar weich, warm und schalldämpfend. Mein absolutes Lieblingsaccessoire für kalte Pausenaufsichten. Macht die Welt direkt ein wenig stiller. Vielleicht suche ich die jetzt mal.

* Das liegt an den Frequenzen.

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10 Kommentare zu „Oh(r)weh, Frau Weh!

  1. Es gibt tatsächlich auch Ohrstöpsel für kleine Ohren – http://www.sonicshop.de/De/WasFuerWen/Gehoerschutz-kleine-Gehoergaenge.htm
    Und die hier http://www.sonicshop.de/De/Plugs/KidCaps-Jr.asp geb‘ ich meinen Kindern regelmäßig in Schule (jahrgangsübergreifendes Lernen… nie so ganz ruhig…) bzw Kita (offene Arbeit… immer laut…) mit – manchmal leihen Erzieherinnen oder Lehrerinnen sich die auch aus und sind dann mit seligem Lächeln anzutreffen. (Die sind übrigens auf den Frequenzbereichen, auf denen normale Sprache anzutreffen ist, sehr durchlässig und filtern vor allem die extremen Höhen und Tiefen aus.)

    1. Das mit den kleinen Stöpseln ist super, danke! Aber ich muss noch überlegen, wie ich es fände, wenn meine Kinder mit Ohrenschützern im Unterricht säßen. Ich wage tatsächlich die Behauptung, dass es selbst in offenen Unterrichtsphasen nie ganz so laut bei uns ist. Man müsste das mal messen.

      1. Was die Ohrschützer angeht. wenn eine Gruppe gerade einen Test schreibt, während die anderen sich mit Freiarbeit beschäftigen sollen, finde ich das sinnvoll. Mein Spross neigt dann dazu, mit gezücktem Stift dazusitzen und auf eine Ruhe zu warten, die nie eintritt. Es gibt zwar ruhige Arbeitsplätze im Flur, aber da kann eben auch immer nur ein Kind sitzen. Ich kenne hier einige Grundschulen, bei denen ein Satz Gehörschutz zur Grundausstattung der Lerngruppen gehört (aber eben: jahrgangsübergreifend Kl. 1-3, sozialer Brennpunkt, integrative Schulen, d.h. es ist auch immer das eine oder andere Kind mit ausgeprägten Wahrnehmunsgstörungen in der Klasse, das diese Grundunruhe nicht wegfiltern kann).

        1. Der Sinn erschließt sich mir. Und ich habe auch ein Kind, bei dem ich das mit dem Gehörschutz nächstes Schuljahr ausprobieren werde. Da wir allerdings nicht jahrgangsübergreifend arbeiten, haben wir es natürlich einfacher die Lautstärke den Gegebenheiten anzupassen. Also von daher: Super Tipp, danke 🙂

  2. Das wird aber warm bei dem Wetter unter den Ohrpuschen. Da hoffen Sie mal lieber auf den Regenguss. Ich drücke Ihnen die Daumen und wünsche eine ruhige Nacht

  3. Ich verfüge zwar nur über zwei liebreizende Töchter, allerdings noch nicht im schulpflichtigen Alter.
    Da ich aber mitunter Nachtschichten mache, die samstagmorgens um 7:00h enden und ich somit um 7:30h mehr tot als lebendig zuhause eintreffe und dann nur zwei Kinder „beaufsichtigen“ muß bis sie mich ins Bett lassen, bzw mein liebster Ehemann die Kinderbeaufsichtigung übernimmt, habe ich ein tolles Rezept für Ohrstöpsel, da ich mittlerweile etliche getestet habe: Ohropax Soft (!!!) oder notfalls eben Ohropax Color (bei erstgenannten können die Mädchen neben mir Bomben einwerfen und ich schlafe -trotz kleiner Ohren- friedlich weiter. (Natürlich stilecht mit Schlafbrille. Diese würde ich aber nicht bei der Pausenaufsicht tragen. Da sieht man das spritzende Blut einfach nicht so gut….)

  4. Hallo, habe DEN blog erst heute Abend entdeckt und lese mich nun schon seit 3 Stunden vom Beginn an durch…. Meine Zauberantwort in der Pausenaufsicht nach dem empörten „Frau S, der Coin (eigentlich Colin) hat….“ : „Das darf der nicht!“. Ich schwöre die Kinder drehen wieder um, um Coin zu sagen, dass er das nicht darf! Allerdings, wenn das Blut schon spritzt, hilft wohl weder dieser Satz, noch Ohrstöpsel oder Schlafmaske….

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