Countdown

Wie gut, dass ich die Klasse geputzt habe!

Jetzt ist nämlich glatt die Putzfrau erkrankt und Ersatz gibt es keinen. Nothaushalt und so. Da steht die Reinlichkeit einer Schule nicht eben hoch auf der Prioritätenliste. Könnte man drüber streiten. Ist aber leider müßig. Dann macht man es halt selber. Aber so ganz alleine war ich heute gar nicht. Immerhin fünf Kolleginnen waren schon da. Also habe ich viel zu viel Kaffee getrunken. Jetzt bin ich ganz hibbelig vom Koffein. Aber natürlich musste ich mit allen (fast allen, Frau Schmitz-Hahnenkamp trinkt keinen Kaffee, Glück gehabt) ein Schwätzchen an der Kaffeemaschine halten. Dann hat mir der Hausmeister ein Marmeladenbrötchen geschmiert. Zum Neutralisieren.

Überhaupt, der Hausmeister!

Ich erkläre meinen ersten Klassen immer sehr schnell, wer die richtig wichtigen Personen in der Schule sind. Da steht er natürlich ganz oben. Der Hausmeister hat die Gewalt über Kakaokästen, Kreidenachschub und Müllzangen. Außerdem kann er mit einem Blick feststellen, ob das von der Pausenaufsicht rezeptierte Kühlpack wirklich nötig ist oder ob ein Anraunzer nicht den besseren Heilungserfolg erzielt. Röntgenblick. Da kann sich der ein oder andere Orthopäde mal eine Scheibe von abschneiden.

Unser Hausmeister hatte heute seinen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub und war nicht allzu motiviert. Das ist er zwar eigentlich nie, aber heute fiel es besonders auf. Er guckte mir eine ganze Weile beim Einräumen, Fliesenbekleben, Bilderrahmenaufhängen usw. zu und zählte dabei auf, zu welchen seiner heutigen Aufgaben er am wenigsten Lust habe (Rasenmähen) und welche er wegen Rücken sowieso nicht machen könne (Möbeltragen). Aber dann hat er – einfach so – meine drei neu erworbenen schwedischen Minitische aufgebaut, mir ein paar Nägel in die Wand geschlagen (für Hula Hoop Reifen, Wäscheleine, Kalender) und mir aufgezählt, welche Biersorten man im Belgienurlaub meiden solle (Banane, Honig, Schokolade). Ich mag unsern Hausmeister. Und er mich auch. Man sollte diesen Punkt in der Lehrerausbildung durchnehmen. Gutes Verhältnis zum Hausmeister pflegen. Das ist so wichtig.

Und dann kamen ja auch schon unter lautem Hallo ein paar meiner Zweit(!)klässler eingeflogen, um beim Umräumen der Arbeitsmaterialien zu helfen. Leon (mit frisch blondiertem Streifen auf dem Kopf)

„FRAU WEEEEEEHEEEEEEE!!!“

dicht gefolgt von Nathalie, nebst Vater („das war ein toller Urlaub, nicht wahr, Frau Weh?“), Benjamin mit kleiner Schwester, Victoria, Jens, Yannis mit kleinem Bruder an Mutter und Mia Sophie mit selbstgesammelten Muscheln und selbstgeschriebener Postkarte, aber leider ohne Schul-T-Shirt.

Na, da haben wir uns erstmal alle gefreut. Und gedrückt. Und coolen Handklatsch gemacht. Und Urlaubsbräune bestaunt. Und Wachstum bewundert.

Und ganz leise zugegeben, dass wir uns aufeinander freuen.

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6 Kommentare zu „Countdown

  1. Ich bin auch der Meinung, dass die Stellung und Kompetenz des Hausmeisters ein bislang viel zu wenig beachteter Punkt der Schulqualität ist. Darauf sollten die mal bei der Evaluation achten!

    Ich hatte heute auch zum ersten Mal so eine leise Vorfreude auf die Schule – bisher war das Wetter einfach zu schön! Aber heute habe ich mich mit einer Kollegin getroffen, um gemeinsam die erste Werkstatt für das neue Schuljahr zu planen. Teamarbeit ist wirklich toll, wenn sie so gut klappt.

    Aber noch haben wir hier 10 Tage Ferien (die aber trotzdem nicht reichen werden für all die Dinge, die ich mir noch vorgenommen habe ;-))

    Liebe Grüße von Frau Reiter!

    1. Das ist immer so, oder? Man geht in die Ferien und weiß fast schon, dass man nicht all die Dinge schaffen wird, die man sich vorgenommen hat. Aber die Herbstferien nähern sich ja schon 😉

  2. Ich war gestern in der Schule und wollte auch mein Klassenzimmer herrichten. Was habe ich festgestellt? Die Möbel zweier Klassenzimmer nebenan wurden in meinem Zimmer zwischengelagert – nichts wars mit putzen und aufräumen. Aber unser lieber Hausmeister hat mir versprochen, dass ich das nächste Woche machen kann 🙂

    1. Na toll! Ich habe den – ja ebenfalls zugestellten – Musikraum innerlich schon für den nächsten Monat abgeschrieben. Aber mit dem Klassenraum geht das zugegebenermaßen nicht so gut 🙂

  3. Zum Thema Hausmeister:
    Meine Tochter (1. Schuljahr an einer dt. Auslandsschule, superschick und viel zu gut ausgestattet mit unendlich viel Hilfspersonal) ging die letzten 3 Wochen vor den Sommerferien in ihre neue Klasse in Deutschland. Irgendwann kam sie heim und meinte: „Der Schulleiter ist echt total nett!“ . Ich: „?“ [Anm. es gibt eine Schulleiterin]. Sie: „Ja, der tut uns immer neues Klopapier hin, wenn es alle ist und repariert das Licht.“

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