Ich bin so retro

Irgendwas passiert da auf Twitter. Auf jeden Fall kommen seit gestern enorm viele Twitterverlinkungen hier an. Mit Twitter habe ich es ja noch weniger als mit facebook. Das will schon was heißen. Aber ich finde es ganz reizend, dass Frau Weh bei facebook jetzt 32 Menschen gefällt. Vielen Dank, das ist wirklich gut für mein Ego! Auch, wenn mir immer noch schleierhaft ist, was das Ganze so bewirkt. Und gucken kann ich mit diesem Frau Weh-Dings ja auch nicht bei facebook. Ich kann da gar nix mit. Außerdem vergesse ich ständig, die neuen Beiträge da reinzusetzen. Ich habe auch kein Iphone. Und mein Handy kann auch nicht viel. Also insgesamt und zusammenfassend kann man wohl sagen, dass ich ziemlich retro bin, was die neuen Medien so anbelangt.

Aber offensichtlich nicht nur dabei. Als ich am Dienstag mal in die anderen Klassenräume gelinst habe, ist mir aufgefallen, dass neben mir nur noch eine einzige Kollegin ihr Pult frontal vor der Klasse stehen hat. Diese Kollegin darf das, denn sie geht nächstes Jahr in den Ruhestand. Ich bin allerdings (von der LAA mal abgesehen, aber die werden ja auch immer älter! Was machen die denn eigentlich alle zwischen 20 und 30?) nach wie vor die Jüngste im Kollegium. Habe ich da also was verpasst? Habe ich noch nie etwas vom großen Tabu, der verpönten Lehrerzentrierung, gehört? Bin ich gar eine durch und durch schlechte Pädagogin?

Hmmm. Nö.

Ich verrate jetzt mal, dass ich es – besonders in einem 1.Schuljahr – überhaupt nicht verwerflich, sondern im Gegenteil super finde, vor meinen Kindern zu sitzen. Mal ganz davon abgesehen, dass man ja eh kaum zum Sitzen kommt. Ich habe alle im Blick, kriege sofort mit, wenn irgendwas mit einem Kind nicht stimmt und kann ganz schnell die Aufmerksamkeit bündeln ohne dazu ein Regenrohr/eine Klangschale/einen Gong/Pachelbels Kanon/eine Glocke/eine Triangel oder sonst irgendwas anschlagen oder mit blöde erhobener Hand stundenlang warten zu müssen*. Außerdem sehen die Kinder, was ich da so treibe, ohne dass ich alles kommentieren müsste. Und – Obacht! –  ein zentriert stehendes Lehrerpult bedeutet nicht automatisch Frontalunterricht. (Aber kürzere Wege. Wir hatten mal so ein Gesundheitsprojekt mit Schrittzählern und dem gut gemeinten Hinweis, 10.000 Schritte am Tag seien ein gutes Mittel. Ich hatte 2/3 kurz nach der zweiten Pause. So ist das, wenn die Fachräume im Keller und der Klassenraum im Nebengebäude liegen.)

Es ist ja nicht so, dass ich es nicht ausprobiert hätte. Ich saß schon mittendrin, hinten, am Rand links, am Rand rechts, auf dem Flur, heulend auf der Lehrertoilette und fluchend beim Hausmeister. War alles nix. Vorne finde ich am besten.

Und wenn die QA kommt, kann ich mein Pult immer noch schnell an den Rand schieben.

* möglicherweise haben wir Musiker aber auch gar keine so große Angst vor Zentrierung. Man überlege sich bitte, was dabei herauskäme, wenn Sir Simon Rattle die Probe der Berliner Philharmoniker mit einem schmissigen „heute machen wir mal Stationsbetrieb!“ eröffnen würde, um sich dann beobachtend in eine der hinteren Sitzreihen zu verkrümeln. Naja, vermutlich würde der Konzertmeister rote Öhrchen kriegen und die Chance seines Lebens wittern. Unter Musikern übernimmt eigentlich immer irgendeiner die Verantwortung. Und wenn er nur …3…4 zählt.

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11 Kommentare zu „Ich bin so retro

  1. Wieder mal: Danke danke für die Bestätigung. Ich brauch den Lehrertisch allein schon deshalb vorne bei der Tafel, weil ich meine ganzen Zettel und Unterlagen dort ablegen muss, die ich im täglichen Ablauf so benutze. Und da ich die meist in Tafelnähe brauche, ist das einfach praktischer. Und die QA haben wir außerdem schon hinter uns….
    Außerdem sitzt Mert auch immer an seinem Einzeltisch bei mir vorne. Und das passt so.

  2. Stelle mir gerade die Rattle-Szene lebhaft vor (u.a. wie alle Philarmoniker zur Pauke stürmen, weil das die tollste Station ist. Und zwei versuchen im Sinne des entdeckenden, handlungsorientierten Lernens die Tuba zu verbiegen…)
    Ich betreibe mal Relativierung von Normen was die Stellung des Lehrertisches angeht: meiner steht auch so wie deiner (und ich bin auch die jüngste, sogar jünger als der Referendar!) und ich mache trotzdem nicht Nonstop-Frontalunterricht (und sitze ebenfalls bedauernswert selten).
    Wünsche ein sehr schönes Wochenende mit ausnahmsweise langschlafenden Wehwehchen und weiterhin schöne Vorfreude!

      1. Erstmal an „Kryzzydings“: Zu Hattfinatten erfährst du hier was: http://de.wikipedia.org/wiki/Mumins (unter „Figuren“ gucken).
        Ich fand als Kind die Hattifnatten schwer faszinierend und sie haben mir so leid getan…(denn ganz deutlich stimmt ja psychisch was so garnicht mit ihnen…vielleicht DER versteckte Grund, dass ich Sonderschullehrerin geworden bin? ;-))
        Und da hier ja rechts in der Leiste überall die kleine My zu sehen ist, dachte ich mir, hier muss ein weiterer Mumin-Name her!

  3. Bin ich eigentlich dumm oder einfach nur nicht retro genug wenn ich nicht weiss was um himmels willen hattifnatten sind…?

  4. „Zu jung“ kann eigentlich nicht sein, die letzte niederländisch-japanisch-finnisch-spanisch-französisch-deutsche (!!) Zeichentrickverfilmung stammt von 1992 und lief auch im KiKa. Also eher eine ähmm… Bildungslücke?

  5. Das kann ja gar nicht sein, dass da jemand zu jung ist- Bin schon ganz schön alt und weiß auch nicht, was hattifnatten sind. Kannst du es verraten, Frau Weh?
    Brigitte

  6. Ich fand ja Snufkin toll…

    Aber retro kann man auch nett und avantgardistisch (oder zumindest anders) „verpacken“. Wie? Facebook als Datenkrake ablehnen. Twitter wegen zu viel Sinnlosigkeit. Und Smartphones, weil sie Datenkraken sind (iPhone) und dauernd heimlich irgendwelchen Krempel machen und kein Normalsterblicher kann das abstellen.

    1. Ich habe bei so etwas auch immer den zeitlichen Aspekt im Hinterkopf. Was könnte man nicht alles tun, anstelle sich vor ein Gerät zu setzen.
      Bei mir hier ist das natürlich etwas ganz anderes, ich mach ja immer noch was nebenher…

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