„Kannst du bitte mal gucken, Frau Weh?“

Merksatz des Tages: Manchmal sollte man Eltern darüber informieren, wie eine Sache wirklich war.

Eine Phimose-OP ist sicher keine schöne Sache. Von daher tat mir Benjamin schon leid, bevor mir Jens diesen Morgen berichtete, dass Benjamin später käme „er hatte da letzte Woche die OP und heute morgen hat das so geblutet. Jetzt ist er beim Arzt“. Leid tat mir aber auch MamaBenjamin, die heute morgen dann also noch schnell mit Sohnemann ins Krankenhaus düsen musste, bevor ihre Tochter eine Stunde später eingeschult wurde. Das ist ein Stress, den man an so einem Tag sicherlich nicht haben möchte. Dummerweise zankten sich dann in der großen Pause aber ausgerechnet der wieder anwesende Benjamin und Jens, was mit einem – glücklicherweise schlecht gezielten – Tritt ins ohnehin bereits in Mitleidenschaft gezogene Gemächt endete.

Benjamin heulte. Jens auch.

MamaBenjamin (mittlerweile mit Töchterchen zur Einschulungsfeier in der Kirche sitzend) konnte ich natürlich nicht zum Kontrollblick der unteren Region des bitterlich schluchzenden Sohnemannes herbeibitten. Was also tun? Es blieb nichts anderes übrig, als die Kinder in die Klasse zu scheuchen, um sich dann auf der nahegelegenen Lehrertoilette (gut, dass wir das Gebäude gewechselt haben!) der Sache anzunehmen. Schnell konnte dann festgestellt werden, dass der Tritt tatsächlich nicht mittig plaziert, der Schmerz offenbar eher psychologischer Natur und Benjamin wieder beruhigt war.

Später, nachdem wir – ungeplant. Warum haben wir eigentlich Konferenzen? Wir halten uns eh nicht an unsere Beschlüsse – mit allen Klassen in der Kirche unser Liedchen geträllert hatten, winkte die sichtlich entspanntere MamaBenjamin mir beim Rausgehen zu. In dem Moment fiel mir siedend heiß ein, dass ich ihr vielleicht noch vom notwendigen Blick auf den Unterboden ihres Sprösslings berichten sollte.

Man stelle sich vor: Feierliches ErsterSchultagsKaffeetrinken mit Papa, Mama, Oma, Opa, Tanten, Familienhund und Nachbarn. Mittendrin ein fröhlich heraustutender Benjamin: „Ich war mit der Frau Weh auf der Lehrertoilette. Dann hat sich meinen Schniedelwutz angeguckt. Und dann hat sie gesagt sieht doch super aus!““

Oh, oh.

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7 Kommentare zu „„Kannst du bitte mal gucken, Frau Weh?“

  1. Ja, da muss man sich in Acht nehmen. Sowieso vor jeglichem Körperkontakt mit Schülern… Ist vielleicht auch gut so, sonst könnte man manchmal wirklich böse Sachen anstellen. Und ich meine damit kopfüber an die Schaukel hängen etc pp.
    Wenn dir mal langweilig ist: ich blogge auch seit kurzem, unter: https://dersteinigeweg.wordpress.com/
    Vielleicht machts ja auch so viel spaß zu lesen wie bei dir 🙂
    LG

    1. „Sowieso vor jeglichem Körperkontakt mit Schülern…“

      Sehe ich ganz anders!
      Manche Kinder brauchen Körperkontakt und suchen ihn regelrecht. Sei es die leichte Hand auf dem Schulterblatt, wenn ein Kind nervös ist beim Gedichtaufsagen, oder die feste Umarmung, wenn der Lebensraum Schule die einzige Möglichkeit für positive Zuwendung psychischer oder physischer Art ist. Wenn man seine Antennen ein bisschen ausrichtet, bekommt man die – oft feinen – Unterschiede auch mit. Ich bin der Meinung, man macht es sich zu leicht, wenn man es von vornherein ablehnt, ein Kind zu berühren. Aber das wirst du während des Referendariats schnell merken. Natürlich gibt es Grenzen, aber ich denke, über die müssen wir nicht sprechen.

      1. Ich glaube, ich hab mich da n bisschen falsch ausgedrückt.
        Vorsichtig sein muss man bei allem, was mit zwingen zu tun hat, also z.B. wenn ich sage „Setz dich da drüben hin“ und er guckt mich an, verweigert sich & sagt „Nö.“ Da hatte ich gestern schon kurz das Bedürfnis, ihn rüber zum Platz zu schleifen.
        Habs aber dann natürlich gelassen & nen anderen Weg gefunden.

        Gegen das tägliche „Guten Mooorgen Frau Aaaaa.“-Geknuddel hab ich ja gar nichts einzuwenden. Hab sogar schon festgestellt, dass ich manchmal zur „Kopf-Tätschel“-Fraktion gehören 😉
        Und ja, es gibt sogar sehr viele Kinder, die den Körperkontakt brauchen. Oft die, von denen man es am wenigsten erwartet.

        Insofern war mein Kommentar von vorhin gar nicht so extrem gemeint. Ich freu mich ja auch, wenn die Kleinen ankommen & zeigen, dass sie einen mögen. 🙂
        LG

  2. Liebe Frau Weh,
    ich würde mich nicht vor Sorgen zerfleischen, sofern das keine Hysteriemutti ist. Sie wird sich ja denken können, weshalb du den Penis begutachtet hast. 🙂
    Zum Anfassen von Kindern steh ich ganz ähnlich: Bei meinen Süßen wäre es Körperverletzung, sie nicht anzufassen. Gerade nach den Sommerferien hatten viele ein übergroßes Kuschelbedürfnis. Beim Vorlesen hab ich immer eins auf dem Schoß und ich habe – mit Absegnung meiner Schulleiterin – sogar schon welche festgehalten. Wenn mein Ernst ausflippt und mit Stühlen wirft o.ä. ist mir die Selbst/Fremdgefährdung einfach zu groß.

    1. Stühleschmeißer und Tischewerfer hatte ich auch schon. Blöd jetzt mit den Metallrahmen an den Möbeln.

      MamaBenjamin ist absolut nicht hysterisch. Und PapaBenjamin auch nicht. Richtige Schnäppcheneltern sind das! 🙂

  3. Was, Ihr Kollegium hält sich auch nicht an Beschlüsse?:-)
    Das ist ja wie überall.
    Bei uns ist es nicht nur so, dass sich keiner dran hält. Wir haben sie auch sofort vergessen.

    Ich bin schon so lange im Lehrberuf, dass ich sagen kann, ich habe schon fast alles erlebt, was man sich so vorstellen kann.
    Aber ohne Anfassen, so wie uns im Referendariat nahegelegt wurde, geht es nicht. Wie soll man einen Durchgeknallten beruhigen, wie eine Weinende tösten ohne Berührung?

    1. „Bei uns ist es nicht nur so, dass sich keiner dran hält. Wir haben sie auch sofort vergessen.“

      Oh ja, genauso! Dann müssen wir immer das Konferenzbuch suchen und nachlesen!

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