Klassenpflegschaftssitzung

Heute Abend habe ich es gut. Da gehe ich nämlich zum Elternabend. Aber nicht zu dem meiner Klasse, sondern zum mittelgroßen Wehwehchen. Toll, da setze ich mich dann ganz entspannt auf einen Stuhl und höre mir mal an, wie es anderswo so läuft. (Ich musste Herrn Weh allerdings hoch und heilig versprechen, mich nicht in ein Amt wählen zu lassen. Auf gar keinen Fall! Im Hause Weh ist Schule nämlich sowieso schon das allumfassende Thema. Mehr geht nicht, sagt der Gatte.)

Wenn ich auf fremden Elternabenden bin, dann betreibe ich immer ein bisschen Betriebsspionage: wie ist die Stimmung? Wie lange dauert es? Wird auch mal gelacht? Kriegt die Kollegin rote Flecken am Hals? Wie sieht die Klasse aus? Was wurde in Kunst gemacht? Und so weiter. Manchmal spinkse ich in unbeobachteten Momenten auch unter den Tisch und gucke, was da so rumliegt. Oder staube ein interessantes Arbeitsblatt ab.

Reden lasse ich da übrigens lieber die anderen Mütter. Die machen das gerne. Und viel. Halleluja, sind da Schlachtjungfern engagierte Damen bei! Manchmal, wenn es seit 30 Minuten darum geht, ob beim gesunden Frühstück nun Scheibenkäse erlaubt sei oder nicht, dann zwinkere ich Wehwehchens Lehrerin mitfühlend zu und nehme im Geiste diesen Tagesordnungspunkt schonmal vorsorglich von meiner eigenen Liste.

Bandura. Lernen am Modell.

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19 Kommentare zu „Klassenpflegschaftssitzung

  1. Ich hatte am Montag das Vergnügen, dem ersten Elternabend meines Lebens beizuwohnen. Tochter, 1. Klasse. Beginn: 19:30 Uhr.

    Ca. eine halbe Stunde wurde der Frage geopfert, ob die Eltern nicht besser eine Kopie dieser Beurteilungsbögen zum Sozialverhalten der Kinder (mit so komischen Smileys drauf – von heulend bis mit Krönchen) mit nach Hause bekommen sollten, um schon mal ordentlich Zucht und Ordnung in die Kinder zu bringen. Ich habe die Tischkante nur deshalb nicht angeknabbert, weil ich mir in letzter Sekunde ins Gedächtnis rief, daß die Pulte der Stadt gehören. (Außderdem hätte ich mich dafür so tief bücken müssen.)

    Als dann um 22:05 Uhr der frisch gewählte Klassendingsbumsvorsitzende allen Ernstes noch anfangen wollte, schon mal die Weihnachtsfeier bis ins kleinste Detail zu planen, weil wir ja gerade so nett beisammen sitzen, habe ich mich ernsthaft gefragt, womit die Lehrerin sowas verdient hat. Oder ob sie nicht irgendwo eine versteckte masochistische Ader besitzt.

    Keine Mordgelüste manchmal? Nie? Echt nicht? ^^

    1. Oh ja. deja-vu! Da werden wöchentliche Klassenelternstammtische angeregt, zusätzliche Klassenhalloweenfeiern zur Schul-Halloweenfeier vorgeschlagen. Stundenlange Diskussionen, ob Saftschorlen in den Trinkflaschen zu ächten sind oder nicht und wenn ja, wie man das kontrollieren könnte.
      Vor der „richtigen“ Schulelternbeiratssitzung gab es hier ein Kennenlerntreffen, zu dem der Vorsitzende eine 28-seitige (!!) PowerPoint-Präsentation mit dazugehörigem 1 1/2stündigem Vortrag erstellt hatte, um die im letzten Jahr gelaufenen Aktionen vorzustellen.

  2. Schlachtjungfern ist sduper – ich kannte bisher nur die „tratschende Müttermafia“ – wenn die lieben „Kleinen“ in die Schule geleitet wurden, muss man ja noch ne Stunde aufm Hof stehen und alles durchdiskutieren. 😉

    1. Wir haben uns schon überlegt, ob wir an der Schule ein Sektfrühstück für die Mütter anbieten. Dann ließe sich aus dem Herumstehen noch ein bisschen Geld machen 🙂 Ansonsten kann ich von Glück sagen, dass die Eltern meiner Klasse echt super sind!

  3. „wenn es seit 30 Minuten darum geht, ob beim gesunden Frühstück nun Scheibenkäse erlaubt sei oder nicht“

    Ich ging bisher davon aus, dass die meisten Menschen Käse in Form von Scheiben essen. Oder verstehe ich da was grundlegend falsch?

    1. Vermutlich ja. Ich habe grad aus Frischkäse und Thunfisch einen leckeren Brotaufstrich gemacht. Dann gibt es noch Schmelzkäse. Und Hartkäse, der sich schwerlich in Scheiben schneiden läßt (ich meine jetzt echten Hartkäse)

      1. Ok, ich ging wohl zu sehr von meinem eigenen Käse-Essverhalten aus. 😉
        Ich hätte nur Angst bekommen, wenn die Kinder stattdessen lieber Käsestücke oder Käselaiber mitnehmen sollten. 😉

      2. Neben Schnitt-, Schmelz-, Frisch- und Hartkäse gibt es übrigens auch Weichkäse. Man kann dann noch weiter in die Details gehen (Rotschimmel-, Weißschimmel-, Blauschimmelkäse, Ziegen-, Schaf-, Büffel- und Rohmilchkäse, …) und kombinatorische Experimente wagen: Blauschimmelrohmilchweichkäse.
        Zum Beispiel.

        Dazu fällt mir gleich auch noch der „Dreikäsehoch“ ein und das beliebte Lied: „Wer hat denn den Käse zur Schule gerollt?“
        Käselaiber wären auch prima zum Sitzen im Kreis, als Podest vor der zu hoch angebrachten Tafel (wahlweise: Whiteboard) und im Rahmen der bewegten Schule zu vielerlei weiteren Zwecken zu gebrauchen.
        Und statt auf dem Bleistift zu kauen, könnten die Kleinen dann an ihrem Sitzmöbel nagen.

        Unsere Sek1 -Schüler haben für Käse übrigens eine weitere Verwendung gefunden: sie lagerten ihn über/auf einer losen Deckenplatte. Im Sommer.

        1. „Unsere Sek1 -Schüler haben für Käse übrigens eine weitere Verwendung gefunden: sie lagerten ihn über/auf einer losen Deckenplatte. Im Sommer.“

          Ih, fies. Wem fiel es auf und wann?

  4. Die Kollegen wechseln die Räume – die Schüler bleiben. Und in einem gewissen Schüleralter kann man Gerüche anderen Ursprungs unter dem, was eine pubertierende Klasse so ausdünstet, nicht mehr identifizieren. Besonders nach Sport.
    Die Kollegen ignorierten also den Geruch und nach zwei Wochen bekamen es die Schüler selbst mit der Angst um ihre Gesundheit zu tun, borgten sich eine Leiter und entfernten den Stinker.
    Sie haben es uns bei der Entlassungsfeier „gestanden“.

    1. „was eine pubertierende Klasse so ausdünstet“

      Baaahhpfui! Ich kann es mir vorstellen und schüttle mich vor Mitgefühl. Unsere Klientel riecht höchstens nach Fritteuse und Kopfschweiß.

  5. Das kommt einem doch sooo bekannt vor!
    Bei uns wollte sich keiner der Eltern zum Vorsitzenden wählen lassen, geschlagene 10 Minuten starrten die Elternpaare auf den Boden. Nun, erst als die Klassenlehrerin angekündigt hat, dass keiner den Raum verlässt, bis einer gewählt werden würde, haben sich 2 dann doch erbarmt (nach weiteren 10 Min.) 😉

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