Nebel, Nebel, überall

Ich habe mich verkühlt. Das ist dann wohl die Strafe für gestern.

Heute Morgen bin ich todmüde und heiser aufgewacht. Nicht die allerbeste Voraussetzung für einen Freitag mit mehreren Musikstunden. Aber ich kann mich nicht beschweren, der Vormittag war freundlich zu mir. (Der erneut anwesende Leihhausmeister – obwohl nicht auf dem Einsatzplan für heute angegeben! – auch. Aber das konnte ich ja gar nicht sehen, weil ich beim ersten Vorbeigehen unbedingt tief unten in meiner Tasche kramen und beim zweiten Mal einer Kollegin ein äußerst wichtiges Gespräch aufdrängen musste. Aber beim dritten Zusammentreffen ließ sich keine Fluchtmöglichkeit mehr finden, da habe ich dann mein Pokerface aufgesetzt und so getan als wäre überhaupt nie nix gewesen für das man sich eventuell ein wenig schämen könnte. Und für den Wehschen gluteus maximus schon dreimal nicht!)

Es ist übrigens gar nicht so schlimm, mit wenig Stimme zu unterrichten. Manchmal ist das ganz erholsam. Praktischerweise hatte ich für heute sowieso Klassenmusizieren geplant, da brauche ich nicht viel reden. Diese Stunden sind dann übrigens – anders als man vielleicht denken würde – kein bisschen chaotisch oder laut. Im Gegenteil. Die Kinder sind rattenscharf aufs Musizieren. Und sie wissen genau, dass ihre Chancen auf Surdo, Repinique oder Shaker bei Regelverstößen weit unter Null sinken. Da bald wieder das Feriensingen ansteht, wurden heute die Herbstlieder in Szene und Arrangement gesetzt. Das Herbstferiensingen bereite ich super gerne vor. Ich liebe nämlich E-Moll. In diese Tonart könnte ich mich reinlegen. Und da sehr viele Herbst-, Grusel- und Geisterlieder in e sind, passt mir das ganz gut. (Ganz anders verhält es sich übrigens mit den Martinsliedern. Die sind häufig in F-Dur. Grässlich.)

Mein Freund Marten – nachdem ich ihm beim Tapasessen letzte Woche davon erzählte – schickte mir übrigens postwendend ein Herbstlied in A-Moll zu. Ich muss zugeben, dass auch dieses Lied mir harmonisch zusagt und ich es für nächstes Jahr im Hinterkopf halte.

Zurück zu E-Moll und dem Arrangement eines der zahlreichen Nebellieder. Zur Freude der Viertklässler habe ich heute mit dem Keyboard begleitet und die Kinder mit Klängen und Sounds experimentieren lassen (oh, ich muss dringend Synth/Path 11 auf einen Zettel schreiben!). Der untergelegte Klangteppich aus Regenstäben, Oceandrum, Handtrommeln, Cajon, Djembe und Surdo (ziemlich große Sambatrommel, lässt sich aber auch hervorragend leise spielen) plödderte ein bisschen Regen und zauberte Atmosphäre, ein zart dahinschmelzendes Metallophon (sparsam einsetzen!) blieb auf der Bordun e-h und die Kinder probierten verschiedene Variationen des Singens aus. Kleiner Tipp am Rande, es macht Kindern viel Spaß beispielsweise in die über Nase und Mund gelegten Hände zu singen und so einen gedämpften Pianoklang zu produzieren. Das in Gegensatz zu einer klar gesungenen Passage eingesetzt kann sehr reizvoll klingen. Desweiteren ein paar Soli in Vor-, Zwischen- und Nachspiel eingebaut, alles zusammengesetzt, Instrumente und Aufgaben zwischendurch gewechselt, nach jedem Durchgang kurze Reflexionsphasen, das Ganze mit wenigen Worten und am Ende waren alle glücklich und zufrieden. Und Frau Weh hat ihre Stimme geschont.

Erwähnte ich schon, dass Musik einfach ein wunderbares Unterrichtsfach ist?

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9 Kommentare zu „Nebel, Nebel, überall

  1. Boah, da wär ich gern dabei gewesen (und eine Surdo hätt ich auch gern. Darf ich die mal leihen?).
    Freue mich schon auf die Zeit, wenn es um 10h in Norddeutschland noch matt dämmrig ist und wir „Die Gespenster vom Schloss Malula“ (in Moll! Die Tonart ist mir entglitten…) singen und begleiten. (Das Lied ist super: mit den Kleinen begleite ich nur szenisch-verklanglichend, die Größeren dürfen zu Metallophon und leerer Cellosaite greifen und passende ostinate Rhythmen finden)

    1. Cello ist so toll! Das Lied kenne ich nicht, aber wenn die Kinder leere Saiten zupfen o.ä., dann vielleicht A-Moll? Da könnten sie ja zumindest C und A nehmen. Aber meine Streicherkenntnisse sind leider recht rudimentär 😉
      Dir auch ein schönes Wochenende.

  2. Habe mir auch gerade Gedanken über meine Musikalität gemacht.Ich kann nix. Und ich kann nicht mal Dur von Moll unterscheiden.
    Unsere Musiklehrer jammern über die Schüler. Aber wenn ich die Schüler höre, weiss ich warum. Laaaaaaangweilig, sagen sie.
    Die dürfen nie so singen wie bei Ihnen, mit Hand vor Mund umd so.. Und auch keine eigenen Geräusche machen.

  3. Mensch, Frau Weh, wieso bist Du denn jetzt gerade nicht hier in Lübeck auf dem AfS-Bundeskongress? Hättest Du noch 1001 Workshop zu feinen Dingen für den Musikunterricht machen, gemeinsam mit dem Herrn Fromm und mir über guten MU schwadronieren und überhaupt ne feine Zeit haben können?! Na? Siehste! Lauter feine, lustige, interessante und abgedrehte Dinge hättest Du erlebt und das Herbstliedersingen NOCH interessanter gestaltet. Übrigens mag ich e-Moll ja auch gerne. Und F ist schon deshalb doof, weil es ein B hat und Bs gehen nicht.

    1. Ja, da wär ich jetzt auch gern. Ich hatte dieses Jahr nämlich schon den Spaß mit dem Herrn Filz, würde ich sofort nochmal machen. Wenn es irgendwie klappt, dann fahre ich nächstes Jahr im Sommer wenigstens mal zu Helbling nach Salzburg. Das stelle ich mir auch toll vor.

      (Und ansonsten schäme ich mich, dass ich mich immer noch nicht außerhalb meiner Schule für den Musikunterricht engagiere. Asche auf mein schmerzendes Haupt!)

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