Montag mittendrin. Von Blut, Pinöppeln und dem Fortschritt.

Was ich ja an unserem Beruf neben vielen anderen Vorteilen besonders schätze, ist die Tatsache, dass wir keine langweiligen Warmlaufphasen benötigen. Egal ob Montagmorgen oder erster Schultag nach den Ferien, zack, bumm: hallo Leben!

Mein persönlicher Montagskick ist die Frühaufsicht. (Ich gestehe, als ich mich für diese Aufsicht meldete, war ich der festen Überzeugung, dass es sich dabei um die Schluffiaufsicht schlechthin handele. Leider war diese Einschätzung falsch. Dienstag wäre die bessere Wahl gewesen.) Die heutige Aufsicht begann mit einer zu versorgenden Platzwunde. Schön klassisch, glatte Wundränder, sauber und gut durchblutet. Der Traum jeder Erste-Hilfe-Kursleitung. Entgegen der Meinung mancher Kinder, ist das Klettern im fahrenden Schulbus übrigens nicht ohne Grund verboten. Trial and error. Ich persönlich bevorzuge Lernen durch Einsicht, aber manche Lerninhalte benötigen offensichtlich die Anwendung im situativen Kontext.

Dann die zweite Hiobsbotschaft, Lennox komme heute nicht, weil

„Der hat überall so rote Pinöppel, Frau Weh!“, Benjamin ist erschüttert. René kratzt sich demonstrativ den Bauch. Victoria lässt das kalt, sie hatte das schon und das waren nur so kleine Tiere, die unter der Haut waren.

Das und die Tatsache, dass die Stunden mit den Zweitklässlern überraschenderwe wunderbarerw wie von selbst in allerbester Lernatmosphäre und ohne weitere Zwischenfälle verliefen, verkürzte mir dann die Wartezeit auf die vierstündige Whiteboard Fortbildung, die sich dem Unterricht anschloss. Und die – lustigerweise – von Herrn Weh gehalten wurde. Nicht mein Herr Weh, aber interessant war es trotzdem. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt war (hallo, Herr Hennekes). Es gibt ja so mannigfaltig viele verschiedene Möglichkeiten, sich dem Eichhörnchen mit technischem Turbo zu nähern. Wahnsinn!

Warum nur kommt das alles so frontal rüber?

Da methodisieren wir in der Grundschule seit Jahren, ach was, Jahrzehnten rum, bilden Kreise, Halbkreise, Kleingruppen, Großgruppen, Paare, Trios, konzipieren Plan- und Rollenspiele, Lernausstellungen, Lerntheken (dämlicher Begriff!), lesen von Freinet bis Freiarbeit, bilden uns außerschulisch, innerschulisch und – sic! – immer differenzierter fort, nur um dann – staunend wie der homo erectus vor dem Feuer – offenen Mundes vor dem Whiteboard zu landen?

Fasziniert-ungläubiges Kopfschütteln bei den erfahrenen Kolleginnen. Einhellig die Meinung, dass man dieses Feld gerne den Jüngeren überließe. Und wir? Ich will ja, aber ich weiß ehrlich gesagt noch nicht genau, wie und wo. Und was nun wirklich Sinn gibt.

Sag mir quando, sag mir wann,

sag mir quando, quando, quaaaaaandooooo,

ich das Whiteboard nutzen kann.

Sag mir quando, sag mi-hir wann!?

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10 Kommentare zu „Montag mittendrin. Von Blut, Pinöppeln und dem Fortschritt.

  1. Ich hatte während meines Referendariats ein Whiteboard zur Verfügung und habe viele neidische Blicke geerntet, wenn ich es damals im Seminar erzählt habe. Inzwischen finde ich Whiteboards in der Grundschule zum Filme gucken toll, aber ansonsten wäre über bei den Preisen für Beamer in allen Klassen ;-). Problematische finde ich, dass Whiteboardmaterial oft sehr teuer ist und noch relativ übersichtlich. Meine Schule hätte nicht das Geld passende Materialien immer wieder zu aktualisieren. Eigene Materialien herzustellen ist nicht immer einfach, da man sich rein rechtlich ständig aufpassen muss. Bilder, Seiten … aus Arbeitsheften darf man gar nicht erst einscannen … Man darf mir aber gerne Argumente liefern, warum ein Whiteboard einfach genau das Richtige wäre 🙂

  2. *keine Lehrerin* *ging nur mal zur Schule*

    Erstmal: reines Whiteboard oder interaktiv/digital/Smartboard?
    Ich tippe mal auf interaktiv. Reines Whiteboard ist ja nur eine Tafel, auf der man eben mit Spezialstiften schreibt.

    Wofür braucht man ein Smartboard?
    Mit einem Whiteboard kann man sehr viel machen, aber eben nicht alles. Es kann in meinen Augen eine Hilfe sein, Dinge zu visualisieren und in vorhandenen Grafiken, Bildern etc. herumzukritzeln. Auch zum Erregen von Aufmerksamkeit eignet es sich gut. Besonders, wenn das Publikum noch keins erlebt hat. 😉

    Aber wozu braucht man es wirklich?
    * Referate halten
    * Tafelbilder konservieren (Ein Teil meiner Lehrer hat sich immer geärgert, dass jedes Tafelbild sehr vergänglich war. Nebenbei kann man es für den erkrankten Lennox gleich noch ausdrucken und mitgeben.)
    * Informatikunterricht (auf dem Smartboard der Code, auf dem Whiteboard die Erklärungen und das alles farblich passend unterlegen)
    * Veranschaulichen von Molekülen und und auch Zellstrukturen, zum Teil in Bewegung und man kann ohne Verlust von Informationen in Grafiken usw rumkritzeln und die Kritzeleien speichern.
    * Untergrund für Präsentationen über den Beamer (und Filme ;))
    * Falls die Klasse Unterricht mit Computern/Tabletts hat: Bildschirm des Lehrers projizieren und erklären.

    Das sind jetzt alles eher Anwendungsbereiche, die wohl weniger für Zweitklässler sind.

    Und ja, aus frontal kommt man dort schwer wieder raus. Es soll aber auch ergänzen und nicht ersetzen.

    Nana

    1. Meine Zweitklässler fänden es vermutlich wahnsinnig aufregend, wenn sie am Board ein Eichhörnchen beschriften, bzw. die Bezeichnungen des Körperbaus zuordnen würden. Also sehe ich da durchaus Einsatzmöglichkeiten.
      Wichtig finde ich den Satz: „Es soll aber auch ergänzen und nicht ersetzen.“ Wir springen in der Grundschule so oft viel zu schnell und viel zu radikal auf neue Ideen auf. Leider häufig ohne gründliche Vorbereitung und ohne über Sinn und Zweck nachgedacht zu haben.

  3. Quando? Semper! Naja… fast….

    – nur eben keine ganze Stunde lang, sondern in der Einführung oder zur Sicherung oder zur Wiederholung oder als gemeinsames Lernspiel…
    – immer dann, wenn man die alte Tafel auch benutzt hätte
    – statt dass jeder einzeln in sein Buch guckt (oder eben auch nicht), kann man die Aufmerksamkeit schön am Board fokussieren und Inhalte isoliert behandeln, die auf der Seite zusammengefasst waren.
    – alles was man mit Kärtchen an der Tafel bastelt, kann man schön am Whiteboard machen (spart Drucken und Laminieren, kann man trotzdem im nächsten Schuljahr wieder hervorholen, reaktivieren und optimieren)
    – es verlockt zum Frontalen (was ja auch nicht immer schlecht ist) – also muss man sich bewusst bemühen, Interaktivität einzusetzen. Es geht. Das Whiteboard hat sich bei uns auch als Station, in PA und in GA bewährt. Unser System ist erwiesenermaßen sogar erstklässlertauglich.
    – Filme gucken, anhalten, kommentieren (lassen), darauf rummalen (lassen), hervorheben (lassen), weiter gucken…
    – endlich dynamische Tafelbilder realisieren können! Und Bilder in ganz groß zeigen! Und zur Belohnung Bilderbuchkino 😉 .

    Unser Whiteboard war DIE Entdeckung für den Musikunterricht: Videogerät, CD-Player, Tafel – endlich alles in einem Gerät, dazu noch ein Notensatzprogramm auf den dazugehörigen PC/Laptop geschmuggelt – endlich schnell und vernünftig über Notentexte sprechen, sie verändern und sogar anhören können. Das habe ich mit dem OHP nie so recht hinbekommen.

    Ach ja – meine Schultasche ist an manchen Tagen so leer, dass ich ein, zwei Bücher extra hineinstecke, um nicht unvorbereitet auszusehen. Der USB-Stick nimmt so furchtbar wenig Platz ein.

    Und trotzdem – Realien und Enaktivität sind IMMER vorzuziehen! Das Whiteboard kann nur Ersatzmedium sein. Also – wenn möglich, lieber Eichhörnchen füttern gehen. 😉

    1. Ich bin voll des Neids, meine Tasche wird meist noch durch eine zweite ergänzt.
      In mir reift immer mehr der Gedanke, dass ein Smart Board am allerbesten im Klassenraum aufgehoben wäre und nicht – wie bei uns – in den PC-Räumen.

    2. „In mir reift immer mehr der Gedanke, dass ein Smart Board am allerbesten im Klassenraum aufgehoben wäre und nicht – wie bei uns – in den PC-Räumen.“

      Nicht unbedingt. Die Dinger sind teilweise wirklich empfindlich.
      In den PC-Räumen darf man ja sowieso schon nichts (kein Essen, kein trinken und Kreidestaub ist auch verboten).
      Hello-Kitty-Erdbeer-Sahnetorte trifft Smartboard…
      Oder Herbstlaternenkleber trifft Smartboard (außer, wenn es Kunsträume gibt).

      Vielleicht sind manche Schulen auch übervorsichtig. Aber bei den Preisen für die Dinger…

      Nana

      1. Empfindlichkeiten können wir uns nicht leisten! 🙂

        Sinn macht das Ding doch nur, wenn es zwischendurch – und vermutlich für eine kurze Sequenz – genutzt wird. Der Aufwand, um im PC-Raum damit zu arbeiten (Schuhe wechseln, Jacke an, Gebäude wechseln, Schuhe und Jacke wieder aus, PC-Raum aufschließen, Board und PC hochfahren, vorbereitetes Eichhörnchensuchsel draufladen, am Board arbeiten, dann alles retour) ist vielleicht mal als Event denkbar, sicher aber nicht regelmäßig.

  4. Ich würds für Kunst toll finden, weil ich mir die Kunstdrucke sparen könnte und leichter Ausschnitte betrachten könnte. Aber ich hab am eigenen Leib festgestellt, dass mir ziemlich schnell die Augen wegtun, wenn ich auf das Ding schauen muss. Ich würde glaub ich trotzdem noch ne normale grüne Tafel haben wollen (für meine Augen)…

    1. Darüber haben wir gestern auch gesprochen. Und alle geschmunzelt, als der nette Herr Weh den Hintergrund auf Tafelgrün einstellte und eine Schuleingangslineatur draufzauberte. Irgendwie wurde es uns da nostalgisch im Gemüt 😉

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