Kamishibai oder Japanisch für (Exegese-) Anfänger

Irgendwie brauchte ich heute was Erdiges. Sozusagen gute Grundschulbasisarbeit nach dem ganzen Computergedöns. Also habe ich den Drittklässlern eine Freude gemacht und das Kamishibai im Religionsunterricht ausgepackt.

Bemerkung am Rande:

Das Kamishibai ist ein dem japanischen Kulturgut entnommenes Erzähltheater, das – in einem Holzrahmen aufgestellt – Bildergeschichten zeigt, zu denen erzählt wird. (Auf die ursprünglich dabei verkauften Süßigkeiten verzichte ich allerdings in der Regel.) Es gibt zwei Methoden, für die man das Kamishibai einsetzen kann: ähnlich dem Bilderbuchkino selber eine Geschichte erzählen oder die Kinder malen und erzählen lassen. Letzteres ist eine schöne Sache, die die Erzähl- und Ausdrucksfähigkeit der Kinder trainiert und die – mit ein bisschen Show drumherum, Licht, Musik, Süßigk – sich auch ganz prima für Vorführungen eignet. Man könnte sich ein Kamishibai selber bauen, Anleitungen gibt es im Netz. Aufgrund meiner unrühmlichen Schweineblasenvergangenheit verzichte ich allerdings seit einigen Jahren erfolgreich und konsequent darauf, Dinge selber anzufertigen, die ich einfacher, schneller und vor allem sicherer käuflich erwerben kann. Damit fahre ich recht gut.

Mittlerweile gibt es ein paar wenige fertige Vorlagen fürs Kamishibai auf dem deutschen Markt, die z.T. ein wenig verkitscht rüberkommen. Alternativ bleibt das Malen eigener Vorlagen. Geschmackssache. Den Kindern gefällt beides. Malt man selber, nimmt man den Kindern eher eventuell vorhandene Hemmungen – gerade, wenn die Vorlage nicht ganz so perfekt ist.

Nun also Zachäus. Immer noch eine gute und aktuelle Geschichte. Eine, die die Kinder aus jeder Perspektive verstehen. Die unrühmliche Rolle des Zöllners, der mehr Geld nimmt  als er sollte und dadurch zum Außenseiter wird. Jemand, der am Rand steht, obwohl er doch dabei sein möchte. Einer, der sich selber klein gemacht hat, obwohl er Größe wollte. Da findet sich jedes Kind auf die ein oder andere Weise wieder.

Auch in dieser Lerngruppe wird es still während der Erzählung. Gebannt schauen die Kinder auf die Bilder. Auf ihren Gesichtern spiegeln sich die empfundenen Emotionen wider: Ärger, Belustigung, Mitleid, Verständnislosigkeit, Freude.

In der zweiten Runde erzählen die Kinder die Geschichte zu den Bildern nach. Sie suchen sich ein Lieblingsbild aus und begründen, warum ihnen dieses Bild näher geht als die anderen. Keiner lacht, keiner macht dumme Bemerkungen. In der Gesamtgruppe suchen sie einen Satz, der den Kern der Geschichte zeigen soll. Und finden einen: Menschen können sich ändern.

Der Satz wird ins Religionsheft übertragen und dazu das eine, das wichtige Bild gemalt. Mit einer winzigen Ergänzung: jedes Kind malt sich selber mit dazu. Die einen als Zachäus, die anderen als Beobachter. Ein Kind malt sich an die Stelle von Jesus:

„Das fand ich am besten, was der gemacht hat.“

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6 Kommentare zu „Kamishibai oder Japanisch für (Exegese-) Anfänger

  1. Kamishibai – in Deutsch und Reli ein Renner 🙂 (Ich hab meins übrigens auch GEKAUFT :-)).
    Klingt nach einer Reli-Sternchen-Stunde 🙂

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Hinweis. Ich habe von diesem Zugang noch nichts gehört und werde ihn demnächst in Kombination mit Bibliolog ausprobieren, womit ich sehr viel arbeite.

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