chicken supreme

Die CrazyFunkyChicken geben alles. Es scheint, als hätte meine Verzweiflung der letzten Woche bei ihnen ungeahnte Kräfte freigesetzt. Jetzt wollen sie es mir zeigen! Beweisen, dass sie den Groove nicht nur besitzen, sondern ihn auch wert sind. Nicht nur die Trompete hat jetzt vor Aufregung und Anstrengung rote Bäckchen.

Wir arbeiten uns konzentriert durch das Programm für den Weihnachtsgottesdienst. Der ViertklässlerGitarrero liefert eine (ich muss es einfach schreiben) saucoole Performance nach der anderen ab. F-Dur, C-Dur, E7-irgendwas – alles kein Problem. Dennoch ist mein absoluter Liebling des Tages das IchkannabernurleereSaitenCello. Caesar, das ist der Wahnsinn!

(Wer hat sich eigentlich das Griffbrett ausgedacht? Und wozu? Leere Saiten rocken total!)

Das kleine Minicello – wenn man das Kind mit dem Cello auf dem Rücken auf dem Schulhof sieht, ist man versucht zu fragen, wo das Cello denn gerade hinlaufe, sieht man doch nur einen riesigen Koffer auf dünnen Beinchen – spielt Greensleeves mit einer solchen Ruhe und Grazie als wäre es mit dem Instrument verwoben. Das wird wirklich Musik. Ich kann es kaum glauben, so gerührt bin ich. „Mehr Noten!“, rufen sie, „wir wollen noch mehr spielen!“. Kann Unterricht schöner sein?

Das schüchterne Keyboard traut sich erstmalig die Lautstärke für das Konservenstreichersolo hochzudrehen. Auch das Glockenspiel kommt aus der Reserve und trifft das a – einfach so – und dann noch das d. Meine Güte, die Kinder haben geübt! Extra für diese Stunde. „Na, weil wir doch sowas wie eine Band sind!“, meint eine der beiden Querflöten, „da muss das doch sein.“, haucht die andere und wedelt nach Frischluft.

Der Blitz der Erkenntnis macht sogar vor dem Saxophon nicht Halt. Das hat nämlich heute der Einfachheit halber mal die Blockflöte dabei. Und siehe da, kein Quietschen, kein Heulen. Eine Woge der Dankbarkeit spült über mich hinweg und lässt mich gnädig das holterdipolter der nach wie vor unverschämt-unrhythmischen LittleDrummerBoys überhören.

Als es klingelt schauen sich alle an und sind sich einig, dass sie doch eigentlich noch ein bisschen bleiben könnten, ist doch grade so schön hier. „Zwei Stunden wären aber wirklich besser, Frau Weh!“, tadelt mich die Trompete.

Diese wohltuende Mischung aus Freude und Erleichterung ist es, die mich durch eine endlos lange und gnadenlos unergiebige Konferenz trägt. Sie lässt mich den Heimweg wie auf Flügeln gleiten bis zu einem Supermarktparkplatz. Wie könnte ein solcher Tag passender enden als mit einem Grillhühnchen? Die CrazyFunkyChicken im Herzen und das halbe Hähnchen in der Tüte fahre ich nach Hause und denke:

No one can whistle a symphony. It really takes an orchestra to play it.

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2 Kommentare zu „chicken supreme

  1. Dann hinterlasse ich mal ein fröhliches „Hallelujah!“

    Übrigens sind Lehrer, die mit Grundschülern Ensemblemusik (mit schicksalhafter Instrumentenmischung) machen, meine absoluten Helden! (Also nix gegen Chor, Blockflöten- oder Glockenspielensembles, aber zum echten Wahnsinn gehört eine wilde Zusammenstellung von Instrumenten, die der Lehrer nicht alle selbst beherrscht.)

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