Waka Waka

PROLOG:

Manchmal stehe ich morgens vor dem Spiegel und seufze. Die Schwerkraft zollt ihren Tribut. (Ich bezahle.) Die Schule zerrt an meinen Nerven. (Ich bezahle.) Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, dass das Leben seine Spuren fast an jedem Körperteil hinterlässt. (Ich be zahle schließe die weitere Bestandsaufnahme zu vertagen und einen Kaffee zu trinken.)

„Frau Wehee?“

Es ist wieder soweit. Super, da bin ich ja mal richtig in Stimmung für. Ich habe es in dem Moment geahnt, in dem Melina aus der 4a S H A K I R A an die Tafel schrieb. In geschwungenen Buchstaben. Mit Herzchen auf dem i. In jedem 4.Schuljahr taucht bei der Inselmusik früher oder später die quirlige Kolumbianerin auf und geht mir auf die Nerven.

„Frau Weeheee, Sie sind ja gleich alt wie Shakira!“, trötet Rania in den Raum. „Echt?“ Timo ist sichtlich irritiert. „Das sieht man ja gar nicht.“ Es ist keine Freude, wenn man das Alter eines Popstars nicht nur teilt, sondern die Geburtstage gerade mal in Spuckweite auseinander liegen.

„Kann ich jetzt mal mit meinem Referat weiter machen?“ Melina ist genervt, sie will fertig werden: „Shakira wiegt ca. 53 Kilo und sieht sehr gut aus. Sie tanzt seit ihrer Kindheit und trainiert viele Stunden am Tag.“ Ein Zwischenruf stört das wiederaufgenommene Kurzreferat. „Frau Weheee? Wieviel wiegen Sie?“

– – –

„Frau Weh? Sagen Sie doch mal!“ Schnippsend meldet sich Nele: „Ich weiß das, Sie haben das mal in mein Freundebuch geschrieben. Frau Weh wiegt grsbrmls Kilo!“ Beifallheischend schaut sie mich an.

Danke, Kind.

„Das ist aber mehr als Shakira.“ Timo wieder.

Unwesentlich. Ich kann Shakira nicht leiden. Ich finde ihren sehnigen Bauch gruselig und wenn sie mit dem Popo wackelt, dann möchte ich da manchmal draufhauen. Aber nicht aus freundschaftlichen Gefühlen. Die jauligen Anteile ihres Gesangs schätze ich auch nicht sehr.

Die Mädchen hingegen lieben Shakira. (Alles an ihr.) Die Jungs finden sie ebenfalls ziemlich toll. (Manche Teile.) Sie schauen sich das von Melina erstellte Plakat nebst ausgeschnittenen Fotos aus der Bravo jedenfalls sehr genau an. Man kann aber auch viel sehen. Es muss warm sein, dort, wo Shakira wohnt.

Hier ist es kalt. Und es regnet. Und meine Laune ist schlecht. Mir ist grad mal nicht nach Waka Waka.

 

EPILOG:

Ich stehe vor meiner CD-Sammlung und lande bei Björk. Es wäre an der Zeit, das 4.Schuljahr einmal richtig zu quälen. Ich lächle eisig und greife mir Medúlla.

Zieh dich warm an, Shakira Isabel Mebarak Ripoll, die nächste Inselmusik geht nach Island. Nicht, dass du dir da das Bläschen verkühlst…

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11 Kommentare zu „Waka Waka

  1. Liebe Frau Weh,
    du bist dreifache Mutter, vorbildiche Lehrerin, isst gerne Schokolade und weißt, dass wir Damen Anfang/Mitte dreißig es einfach nicht nötig haben, mit dem Arsch zu wackeln, bauchfrei zu tragen (das ist sowieso sowas von 90er!) und 53 kg zu wiegen……..Kopf hoch, Björk laut!

  2. Oh je, Frau Weh. Nimm’s leicht. Ich hab mal irgendeiner Fünftklässlerin irgendeinen Wunsch („Ich will die Boomwhacker haben!!“) nicht erfüllt. Daraufhin hat sie sich bei der Klassenlehrerin über den „großen, dicken, bösen Mann mit dem Zopf“ beschwert. Davon stimmt nur „böse“ nicht 😉

    Davon abgesehen: Erschreckend, dass Plakate unserer SuS aus Stufe 7 oder 8, wenn „Jugendmusik“ Thema ist, genau(!) so aussehen, wie das Deiner Viertklässlerin :-0

    1. Haha, das war doch ein Lacher im Lehrerzimmer!

      (Wir sprechen übrigens über einen Gewichtsunterschied von gerade mal 3 Paketen Zucker. Aber die Gute verteilt sie eindeutig anders. Wahrscheinlich lagert sie mehr im Hirn ab. Ich habs nicht so mit Hirn. Eher mit Hüfte 😀 )

      Das mit den Plakaten finde ich interessant, denn das hier ist ein eher durchschnittliches. Aber mir ist schon häufiger aufgefallen, wenn ehemalige Schüler zu Besuch kommen und vom Gymnasium erzählen, dass Gestalterisches wohl generell weniger Gewicht hat als bei uns. Wir habens ja immer gerne nett um uns rum 😉

  3. Es ging um Hunger im Krieg und die Folgen für den Körper.
    -Woher wissen Sie das? Haben Sie selbst gehungert?
    –Nein, das hat man mir erzählt. Ich bin nach dem Krieg geboren.
    -Nach welchem Krieg?Dem ersten oder dem zweiten?

  4. Da muss ich auch mal was zu loswerden:

    Thema: Geometrische Körper

    Timon:
    Ich finde, der Jakob hat einen Köper wie ein Zylinder…

    Mein Köper ist auch eher wie ein Zylinder…

    Aber deiner, Frau A., deiner ist eher kugelig 😉

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