Ärger, du kannst mich nicht anschmiern…

Der heutige Tag spottet jeder Beschreibung des achsobeschaulichen Grundschulalltags. Würde ich mich nicht selber als relativ kultiviert bezeichnen, ehrlich, ich würde das böse f-Wort benutzen. Es lief schief, was schieflaufen konnte. Einschließlich Jens, der sich beim Aufprall am Zaun nicht nur eine blutige Nase holte, sondern auch noch ein Stück Schneidezahn als Wegezoll hinterließ. Nein, kein Milchzahn. Dass dieses Stück Zahn in meiner Kaffeetasse landete, da ich mich bereits genau dort mitten in einem Haufen durchgedrehter Drittklässler befand, klingt jetzt vielleicht lustig, war es in dem Moment allerdings wirklich nicht. Immerhin konnte ich der Mutter glaubhaft versichern, dass ich unmittelbar zur Stelle war und auch das fehlende Stück Zahn bereits geborgen hätte. Das ist immer wichtig, Aufsichtspflicht und so. Dennoch fühle ich mich (es lesen ja auch nicht wenige Studenten und Lehramtsanwärter mit) bemüßigt mitzuteilen, dass Kaffee die falsche Nährflüssigkeit für ausgeschlagene Zähne darstellt. Milch ist besser.

Milch und Apfelsaft waren übrigens die beiden Flüssigkeiten, die sich in der Stunde vor der großen Pause bei den Zweitklässlern über Tische, Hefte, Ranzen und Boden ergossen. Und das natürlich in den einzigen beiden Momenten, in denen es heute einigermaßen leise war. Der Rest war grande catastrophe, um es gesitteter auszudrücken als es tatsächlich war. Ich konnte die Klasse nicht einmal dafür loben, dass sie in der Pause bemerkenswert wenig aufgefallen waren, da sich diese Tatsache darin begründete, dass ein Großteil der Zweitklässler erst gar nicht auf dem Pausenhof erschienen war. Durch die Milch-und-Apfelsaft-Überschwemmung im Zeitplan etwas in Verzug geraten, verließ ich den Klassenraum nämlich gerade noch pünktlich mit dem Pausenklingeln, aber ohne die fröstelnde Mehrheit der mir anvertrauten Seuchenvögel. Dieser Umstand blieb von mir – involviert in verschiedenste Pausenhof-Querelen – unbemerkt, nicht aber von der Chefin, die unglücklicherweise auf dem Weg zum Klo an meiner Klasse vorbeikam und so Zeuge wurde wie Amelie (et tu, Brute!?), Victoria, Justin, Nick, Mia-Sophie, Lotte, Benjamin und noch ein paar mehr sich vergnüglich im muckelwarmen Klassenraum tummelten. Die einen sittsam bei der Anfertigung verschiedener HimmelundHölles, die anderen bei einer gepflegten Rauferei in den Resten der klebrigen Pfütze.

HimmelundHölle wird im Englischen übrigens als Fortune Teller, also Wahrsager bezeichnet. Die gleiche Bezeichnung hätte auch Kollegin Abendroth verdient, die mir am Ende der Pause sowie am Fuße der Treppe süffisant mitteilte, die Chefin wolle mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch rundmachen sprechen. Da hätten wohl ein paar Zweitklässler über die Stränge geschlagen.

Das taten an diesem verf…eudelten Tag dann auch die eben noch in gallischer Manier verwobenen Kampfsäue aus der 3a, die ich zu unterrichten nun die Freude hatte. Da konnte dann auch der Besuch der Hauptschüler (aha, dort also heute Zeugniskonferenz) nichts mehr rausreißen. Kurz, am Ende der Stunde flossen Tränen und beinahe hätte ich jemandem einen Boomwhacker über die Rübe gezogen. Verdient hätte er es, bei meinem Seelenheil! Glücklicherweise hatte ich mich noch gerade so unter Kontrolle.

Diese grandiose Selbstkontrolle ist allerdings nicht Sache der Chefin. Dennoch erfolgte die Rüge ob meiner nachlässigen Aufsichtspflicht (welch ein Hohn, wo ich doch nur um pünktlich die Hofaufsicht zu beginnen, die Klasse vor den Kindern verließ, argh), die mich nach der 6. Stunde traf, sachlich und – oh Wunder – im freundlichen Tonfalle. Weniger freundlich war der Fall, den ich hinlegte als ich auf der immer noch vorhandenen Pfütze ausrutschte. Keine Sorge, ich lebe. Aber frei nach dem großen Stefan Stoppok: So viel Pech am Dienstagmorgen, da mach ich mir echt Sorgen!

Um den Tag zu einem positiven Abschluss zu bringen, gibt es hier ein rein akustisches Highlight des o.g. Ruhrpottrockers. Viel Vergnügen, ich such jetzt nach Alkohol, Schokolade und Herrn Weh.

 

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11 Kommentare zu „Ärger, du kannst mich nicht anschmiern…

  1. *Über den Kopf streichel und eine Tafel Schokolade rüberreich* 😉
    Morgen wird es ganz bestimmt wieder besser. :-))))

  2. oh, Freitag der 13. war doch neulich erst 🙂
    Lächeln und winken, lächeln und winken… (heute auch nicht mein Tag, erspare die Details. Kann nur besser werden.)

  3. Ich kenne das Lied nicht, aus dem der Titel des Blogeintrags stammt, aber ich stelle mir da ein schönes Bluesstück vor. „Trouble, stay away from my door“, oder irgendetwas anderes, das mit einem apostrophierten „Trouble“ anfängt. (Stoppok, sehe ich gerade, und du spielst ja auch ein Stück von ihm.)

  4. Ich bin verbal verroht, deshalb tu ich´s jetzt für dich: verfickt, verfickt, verfickt (fluchen befreit!)!
    Hoffe, heute war besser – wenn nicht schick ich dir Schokomuffins, die helfen!

  5. Falls es dich ein wenig tröstet: heute scheinen sich wohl alle Schüler abgesprochen zu haben um jegliche Versuche einer Stillarbeitsphase zu boykottieren 😉
    Mein kompletter Schokoweihnachtsmann musste eben dran glauben 🙂

  6. Uiui, das scheint gerade eine landesweite Epidemie zu sein. Bei mir war es auch so. Um den Halbjahreswechsel scheinen alle auszuflippen.
    Bei mir musste auch der Schokoweihnachtsmann dran glauben…

  7. Halbjahreswechsel? Nein, die Ursache für das merkwürdige Verhalten der Kinder liegt doch „sonnenklar“ auf der Hand: Sie sind dabei, die unglaublichen Energiemengen, die der Sonnensturm seit Sonntag (Dienstag besonders heftig!) auf die Erde trägt zu vernichten und so die Welt (zumindest die elektronische) zu retten.
    Wir sollten ihnen dankbar sein! :))

    P.S. Sturmauswirkungen heute auch hier im Norden beobachtbar!

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