Willi und der Tod

Willi muss man mögen. Die meisten Kinder zwischen 5 und 10 tun das. Mir geht er ein bisschen mit seinem Kinderfernsehgehibbel auf den Keks. Aber ich bin ja auch nicht Zielgruppe. Wie praktisch, dass im Hause Weh ein Mitglied dieser Zielgruppe wohnt und sich bereitwillig mit mir die DVD ansieht, um mir nachher Rede und Antwort zu stehen.

Frau Weh: Wie war der Film für dich?

mittelgroßes Wehwehchen (im Folgenden mgWw): Ganz gut, aber auch komisch.

Frau Weh: Was war komisch?

mgWw: Das mit dem alten Mann, der am Ende seines Lebens angekommen ist. Und das, wo Willi bei dem toten Mann am Sarg stand. Die Musik war….so… (wedelt mit der Hand und verdreht die Augen).

Frau Weh: Fandest du das mit der Aufbahrung im Sarg gruselig?

mgWw: Nein! Aber irgendwie habe ich gedacht, der muss doch jetzt wieder aufstehen! Ich habe noch nie einen Toten gesehen. Hast du schonmal einen gesehen?

Frau Weh: Ja. Ich habe ja früher im Krankenhaus gearbeitet, da habe ich schon Menschen gesehen, die dort gestorben sind. Was hat dir gefallen?

mgWw: Wo Willi das Grab ausgehoben hat und wo Willi mit dem Bestatter den Sarg schön gemacht hat. Das war irgendwie…schön so.

Frau Weh: Mich hat die Stelle auch berührt. Ich fand es sehr liebevoll als der Sarg mit dem Tuch und allem ausgestattet wurde. Wie war das mit dem Leichenschmaus für dich?

mgWw: Die Feier nach der Beerdigung? Das war meine erste Beerdigung, die ich gesehen habe und die Feier fand ich schön. Besonders, weil es extra Schnitzel gab, weil die Oma, die gestorben ist, das essen wollte im Krankenhaus. Und die Enkelin war dann wieder fröhlich.

Frau Weh: Was meintest du eben mit dem alten Mann?

mgWw: Ich glaube, da könnte deine Klasse lachen, wenn das kommt. Der Mann sah irgendwie so lustig aus. Aber als er geweint hat, war das nicht so toll. Vielleicht solltest du die Szene besser weglassen. Man konnte ihn auch nicht so gut verstehen.

Frau Weh: Hat dich die Stelle traurig gemacht?

mgWw: Nein! Ja. Vielleicht ein bisschen. Aber irgendwie auch nicht, weil der Mann schon so alt war und auch glücklich.

Frau Weh: Hast du verstanden, worüber der Mann am See (Anmerkung: Wille hat mit einem Pastoralreferenten darüber gesprochen, was nach dem Tod kommt) sprach?

mgWw: Nein.

Frau Weh: Gibt es noch etwas, was du interessant fandst?

mgWw: Man hat dem Willi bei dem Toten richtig angesehen, dass der gar nicht so wusste, wie er sich verhalten sollte. Das hätte ich auch nicht gewusst.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich angenehm von dem Film überrascht war. Er hat zurückhaltend präsentiert, mit der nötigen Distanz, aber auch mit Authentizität. Die Musik hätte etwas dezenter sein können. So wurde die Stimmung dann doch an Stellen unterschwellig traurig, wo es eigentlich auch rein informativ hätte laufen können. Der Aufbau der Folge war sehr behutsam und mit rotem Faden versehen. Willi trifft auf dem Friedhof einen Bestatter, den er bei seinen verschiedenen Tätigkeiten (Grabaushub, Sarg vorbereiten, Sarg verschließen) begleitet. Er unterhält sich mit einem Pastoralreferenten, der ein nettes Sinnbild zeichnet (Stufen, die ins Wasser führen). Hier hörte das mittelgroße Wehwehchen nicht sehr aufmerksam zu, die Bilder des Films sind eindrucksvoll, da bleibt nicht viel Raum für religiöse Ausführungen, die nicht unbedingt kindgerecht erfolgen. Aber das kann man ja dann durchaus im Religionsunterricht aufbereiten. Die Stelle, an der Willi an das Sterbebett eines alten Mannes tritt, ist bewegend, aber in der Tat schwierig. Die deutliche Sichtbarkeit des Alters, des nahenden Todes irritiert Kinder. Unwissend, wie damit umzugehen sei, kann Lachen durchaus eine erste Reaktion sein. Dennoch kommt heraus, dass Sterben nicht unbedingt etwas ist, was Angst machen muss. Im Folgenden wird der Zuschauer zum Gast eines Requiems, einer Beerdigung und des im Anschluss stattfindenden Leichenschmauses. Dies ist alles sehr sensibel und positiv dargestellt. Deutlich wird hier der Stimmungsumschwung, das durchaus fröhliche Zusammensein, bei dem an Oma Trudi, die so gerne Schnitzel aß, gedacht wird.

Der Fim ist ab sechs Jahren freigegeben und läuft ungefähr 24 Minuten. Also bleibt noch Zeit für ein Unterrichtsgespräch. Insgesamt empfinde ich ihn als stimmig, und kann mir gut vorstellen, den Film während der Unterrichtsreihe zum Thema „trauern und trösten“ in einem vierten Schuljahr einzusetzen. Ob ganz oder in Auszügen, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich eine Verabredung mit unserem Schulpfarrer auf dem örtlichen Friedhof ausmachen. Wir haben das Glück, dass der zuständige Pfarrer sehr engagiert und interessiert an Kooperationen ist. Und was ist ein Film schon gegen die Realität? (Eine Aufbahrung werde ich trotzdem mit den Kindern nicht besuchen, keine Sorge.)

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16 Kommentare zu „Willi und der Tod

  1. Ich kenne die DVD auch und ich fand genau wie du, dass DER WILLI mit dem Thema sehr sensibel umgeht. Nix von seiner üblichen HIBBELEI… 🙂 Und ich finde auch dass er es schafft, vor einigen „Sachen“ die Angst zu nehmen. Sicherlich ist es dann nochmal etwas anderes, wenn ein Angehöriger stirbt…

    1. Lustig, dass Kindern das gar nicht so vorkommt mit dem Herrn W. Wobei ich jetzt zu seiner Ehrenrettung sagen muss, dass ich damals im Kino „Willi und die Wunder dieser Welt“ ganz gut fand.

  2. Grinsewilli ist eine Nervtüte. Die Sendung mit dem Tod (gab’s vor einiger Zeit auch schon auf KIKA) war eine der wenigen, die wir (Zielgruppenmitglied und Zielgruppenmitgliedpapa) gut fanden, gerade auch wegen des deutlich werdenden Gefühls des nicht so richtig Wissens, was man tun soll und so.

    Insgesamt sind Shary und Ralf natürlich viel besser. 🙂

  3. Für mich unschlagbares Medium für dieses Thema ist das Bilderbuch „Pelle und die Sache mit Mia“. Hab ich schon 1x im 3. und 2x im 4. Schuljahr gemacht und jedes Mal absolute Sternstunden mit sensiblen und offenen Kinder erlebt (die normalerweise im Reli-Unterricht nicht unbedingt sensibel und offen sind). Man kann das Buch wunderbar in Sequenzen teilen und die Themen Hilflosigkeit/Gefühle, Bestattung, Beerdigung, Kondolenz, Friedhof, Leben nach dem Tod etc sehr gut „abarbeiten.“

    1. Danke für deinen Kommentar. Pelle und die Geschichte mit Mia ist wirklich wunderschön. Und todtraurig. Seit ich selber Kinder habe, kann ich solche Bücher nicht mehr einsetzen. Das geht mir zu sehr unter die Haut. Ich weiß noch, wie ruhig, ja fast unbeteiligt ich im Referendariat Abschied von Rune (hier geht es ebenfalls um den Tod eines Kindes aus Kindersicht) vorlesen konnte. Das ist lange vorbei, jetzt schnürt es mir die Kehle zu.

      Die meisten Erfahrungswerte der Schüler unserer Altersstufe beziehen sich auf den Tod älterer Familienmitglieder oder eben auf den Tod von Haustieren, von daher arbeite ich mit anderen Büchern zum Thema.

      1. Das kann ich wirklich verstehen! Mir fällt es schon immer sehr schwer, das Buch vorzulesen, aber ich habe (noch) keine eigenen Kinder. Tatsächlich ist es aber im letzten Jahr passiert, dass ein Kind aus meiner Klasse gestorben ist. In Erinnerung an unsere Mia-Arbeit haben wir dann gemeinsam den Abschied in unserer Klasse gestaltet. Ich war unendlich dankbar, das Thema bereits vorher grundgelegt zu haben.

  4. Ich kann mich nur anschließen. Seit ich eigene Kinder habe, kann ich solche Bücher in meinem Unterricht auch nicht mehr einsetzen. Unglaublich, wie sehr die Geburt der Kinder unsere Unterrichtsgestaltung beeinflusst 😉
    Grüße von Karolin und den Dachbuben.
    http://www.dachbuben.com

  5. Hm, die Folge mit dem Tod kenne ich nicht.
    Aber grundsätzlich bin ich ein Willifan. Obwohl ich natürlich überhaupt nicht zur Zielgruppe gehöre und auch kein Kind im entsprechenden Alter habe.

  6. Ich bin auch ein Willi-Fan, die Folgen sind interessant und für die Zielgruppe äußerst informativ. Die Folge mit dem Tod kenne ich nicht. Ich muss ehrlich zugeben, ich war am Anfang geschockt von diesem Thema, doch es gehört zum Leben dazu und wie ich lesen konnte wurde diese Folge sensible von Willi behandelt.
    Meine Tochter ist noch zu jung, jedoch wird auch dieses Thema irgendwann mal auf uns zukommen.

  7. „Abschied von Rune“ habe ich als Kind mal gelesen und fand es so traurig, daß ich es bis heute nicht ganz vergessen konnte. Besonders eine Zeichnung, wie der Freund ihn im Wasser liegen sieht…

    Wenn sonst noch jemand nach Material etc. zum Thema Sterben/Trauer etc. sucht, kann ich das „Museum für Sepulkralkultur“ (http://www.sepulkralmuseum.de/) nur empfehlen! Die sind in Kassel und haben auch eine Bibliothek und machen ab und zu Veranstaltungen, auch speziell für Kinder. Auch wenn das für viele sicher ein weiter Weg wäre, könnte man sich bestimmt auch einfach so an die wenden, dann kann man Tipps bekommen.

  8. Bin zwar nicht _der_ Willi-Fan, aber genau diese DVD hat mir letztens eine meiner ersten brauchbaren Ethik-Stunden (Förderschule, 8. und 9. Klasse) beschert. Keiner hat gelacht, alle waren ruhig, unglaublich produktive Gespräche hinterher. Toll, das

    1. Hallo Holger, ich kann mir vorstellen, dass Ethik in diesen Stufen und an deiner Schulform kein unbedingt leicht zu unterrichtendes Fach ist. Insofern ist es gut, wenn man auf solches Material zurückgreifen kann und weiß, es funktioniert nicht nur, es arbeitet und bewegt etwas.

      1. Stimmt, leicht ist anders. Aber Willi hat wirklich geholfen und auch die Nachfolgestunden hatte man immer wieder einen prima „Anker“, an dem man Gespräche, etc. festmachen konnte. Das muss für dieses Jahr dann an gute Ethik-Stunden reichen 🙂

  9. Ein wunderschönes Buch, dass wir auf einer Fortbildung behandelt haben ist „Hat Opa einen Anzug an.“ Das werde ich nach den Ferien mit meinen Viertklässlern behandeln.

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