Ich packe meinen Koffer…

Manchmal wäre ich gerne Lehrerin in der Sek II. Oder sowas in der Art. Morgens schulterte ich meine Aktentasche (irgendein zeitloses, aber trendiges Modell) und träte unbeschwert den Weg zur Schule an. Dort angekommen zückte ich mein hypermodernes Telekommunikationsgerät und könnte ALLES damit machen, was ich für meinen Unterricht brauche. Alternativ stöpselte ich den Stick in den PC und überließe mich, meinen Unterricht und die Schüler dem interaktiven Tafelersatz.

Die wehsche Wirklichkeit sieht anders aus. Wenn ich morgens über den Schulhof gehe, dann könnte man manchmal meinen, ich sei mitten im Umzug. Meistens brauche ich das auch alles. Manchmal allerdings kommen mir Zweifel. Daher werde ich jetzt eine Woche lang mein morgendliches Gepäck ablichten, um mir mal in Ruhe zu überlegen, ob Unterrichtserfolg und Materialmenge überhaupt in Korrelation stehen.

MONTAG

gepackt:

Tasche mit Planungsbuch, Elterngesprächsunterlagen, Kalender, Geld, Handy, Liederbuch, Stiften, dem perfekten Lippenstift, Hustenbonbons, einem Karnevalslesespiel und Blockflöte (Plastik, spülmaschinentauglich).

2.Tasche mit CrazyFunkyChicken-Ordner, Ordner mit Unterlagen zu Judentum, Christentum und Islam, Konferenzsalatschüssel, Pausenkiwi, Zwischendurchtee.

 

Korken für Zungenbrecherübungen während der Musik-Werkstatt im 4.Schuljahr.

gebraucht: alles

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44 Kommentare zu „Ich packe meinen Koffer…

  1. Oh man, das is ne Menge…
    Tee vor Ort aufbrühen wäre vielleicht eine Möglichkeit, dann würde die volle, recht schwere Thermoskanne nicht ständig geschleppt werden müssen.
    Und ab und an nehm ich nur die „abgespeckte“ Geldbösen-Version mit, also U-Bahn-Fahrkarte, Perso und nen paar lose Geldstücke. Letztere in der Jackentasche, die ersten beiden in einem Fach im Kalender. Spart auch Gewicht 🙂

    1. Ah, vergessen: den Tee mache ich vor Ort, heute habe ich die Kanne auch in der Schule gelassen. Aber übers Wochenende mache ich immer alles mal gründlich sauber. Da ist einem nach einer Woche Schule nach 😉

      1. Tee in der Schule aufbrühen würde ich auch glatt machen…… Ich traue nur dem Wasser nicht. Es kommt nach dem WE rostrot aus den Leitungen 8-0

  2. oh je, jetzt verstehe ich auch warum meine Kollegen (fast) alle mit rollbaren Koffern in der Schule herumreisen 😉 und das ist ne BBS und keine Grundschule …. 🙂

  3. Oh, wie kommt mir das bekannt vor! Ich hab dann noch die Gitarre mit dabei. Eine Baumwolltasche mit 26 Englischheften. Und dann noch die Schultasche, bei welcher nur eine der 2 Schnallen zu schließen ist, weil so viele Sachen dabei sein müssen. Mein Laptop müsste ich mir um den Hals hängen…
    LG Karolin
    http://www.dachbuben.com

  4. Ich glaube, am Gymnasium kommt es auch irgendwann dahin, wenn auch nicht so extrem vielleicht.
    Aber dorthin gehen doch immer mehr Schüler, die früher auf der Hauptschule blieben.
    Ich sehe schon Ansätze von Materialschleppen in der Sek II.

  5. Biolehrer haben immer Filme, Kistchen mit Moos, ein Glas mit Würmern, ein paar Muscheln und noch drei Bildbände mit tollen Fotos dirn. Chemielehrer tragen eine Mehltüte, Tennisbälle als Atommodelle und noch Kekse für den LK. Für Nawi sind schon mal 10 tote Föhns drin, oder zwei Werkzeugkästen und ein paar Brettchen mit Fassungen und Drähten.
    Jetzt raten Sie mal welche Fächer ich habe.
    Und raten Sie auch, warum man das ganze Zeugs nicht in der Schule lassen kann. 😉

    1. Wie lustig! Aber wo, bitte, bekommt man denn 10 tote Föhns (Föhne?) her?

      In weiterführenden Schulen kann man rein gar nichts lassen, habe ich mir sagen lassen. Ihr habt nämlich keine eigenen Räume, ätsch. Endlich mal ein Grundschulvorteil!

      1. Föhneriche gibt es bei der Elektroabgabestation des Abfuhrunternehmens. Die einen geben ab, die andern holen das Zeugs um es auszuweiden. Der Elektriker sammelt aber auch, wenn man fragt.
        In weiterführenden Schulen findet sich immer gerade einer, der deine Sachen brauchen kann, und sie für kurz oder immer ausleiht.
        Grundschule hat noch andere Vorteile.
        Die Zwerge schreiben noch nicht so viel, dafür reden und erzählen sie Vieles und Unglaubliches, . Und sie haben eine große Liebe zu ihren Lehrern und Lehrerinnen.

      1. Hehe, dazu fällt mir ein, dass ich jüngst mit einer (meiner) Schreibtischlampe über der Schulter von einer Schule zur anderen gestöckelt bin. Im Schneetreiben. Die Förderschul-Hof-Brut war da tatsächlich mal zu erstaunt, um (dumme) Kommentare zu reißen – das soll was heißen.

        P.S.: Die Lampe diente dem Schattenspiel. In der mitreisenden Tasche befand sich u.a. ein Laken.

        P.S.2: Schöne Idee, die dieswöchige Gepäckdokumentation!

  6. Das Phänomen der zu kleinen Tasche ist schulformübergreifend.
    Habe meine Tasche heute mal auf die Waage gestellt: gute 7kg. 1 kg Eigengewicht + 3 Oberstufenbücher + Lehrerkalender + Folien + Kopien für 4 Klassen + 0,75er Wasserflasche + Kreidebox + Folienstifte + …
    Deswegen haben Sek.II-Lehrer auch so häufig einen Trolley. 😉

  7. Wenn ich jetzt sage, dass es bereits Tage gab, an denen ich ein „Pseudobuch“ in den Rucksack steckte, damit er nicht so arg leer aussah und die Sek1-Kollegen nicht so schief guckten – haut ihr mich dann??

    Das „Material“ passte nämlich in die Hosentasche (USB-Stick), Whiteboard und Internet sind vor Ort. Dazu habe ich einen Klassenzimmerschrank, quasi ein Klassenzimmermonopol und liebe Kolleginnen (Danke! Danke! Danke!) die pausenfrisch Tee und Kaffee organisieren.

    1. „Wenn ich jetzt sage, dass es bereits Tage gab, an denen ich ein “Pseudobuch” in den Rucksack steckte, damit er nicht so arg leer aussah und die Sek1-Kollegen nicht so schief guckten – haut ihr mich dann??“

      Pfui. Ich suche umgehend die IGNORE-Funktion bei wordpress!

        1. Na, da kann man aber WIRKLICH nix gegen sagen. Oder gibt es diese Benutzerfreundlichkeit auch bei Streichinstrumenten? Mit einem Kontrabass muss man wahrscheinlich in die Waschstraße. Mit Heißwachs und so 😀

  8. In der SekII hätten Sie vielleicht weniger Taschen zu schleppen. Ob Sie aber mit oben beschriebener Art des Unterrichts tatsächlich bei den Schülern ankämen? Mein kleines Kind, es macht grad Abitur, regt sich nun schon das zweite Jahr über genau diese Art Leherer, sie hat ihn in Chemie, auf. Was sie nämlich nicht begreift (das Kind), sagt sie (das Kind), begreift sie (das Kind) auch nicht durch lesen, egal ob im Buch oder Internet. Das würde sie gern erklärt kriegen von einem kompetenten Fachlehrer

    1. Genau. Die Störenfriede werden dann mal ordentlich zusammen gefaltet und in die Kiste gestopft. Dann können sie ihr Verhalten mal dem Heiligen Geist erklären.

      Nee. Die Religionskiste ist sozusagen der Dreh- und Angelpunkt im 1.Schuljahr. Dort befindet sich (neben Kerze, Kreuz und Lied) immer ein Gegenstand, der auf das Thema der Stunde hinweist.

  9. Ohje, schönen Gruß an die Schultern, die das alles buckeln müssen. Meine Mama „verreist“ auch jeden Tag und das in die Oberstufe! Das Schlimme ist, dass ich das Verhalten wohl kopiert habe … ich arbeite im Hotel in der Operation – da bleibt oft keine Zeit für Bürokram, den versuche ich immer zwischendurch zu machen und schleppe deswegen jeden Tag auch meinen Mist mit mir rum, in der Hoffnung, dass sich die Gelegenheit bietet wenigstens 5 Minuten was zu tun.

    1. Tatsächlich habe ich beim Blick in einen spiegelnden Bilderrahmen entsetzt feststellen müssen, dass meine Schultern gar nicht mehr so hundertprozentig auf gleicher Höhe sind. AAAAAHHHHHHH!!! Ich turne jetzt dagegen an.

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