Elternabende im Hause Weh

Hallo, ich bin´s mal wieder. Herr Weh.

Frau Weh ist heute etwas unpässlich und hat mich gebeten sie zu vertreten. Was ich zugegebenermaßen mit wachsender Freude tue. Heute werden wir uns einmal dem Thema Elternabend widmen.

Der gewöhnliche Grundschullehrerinnengatte lernt recht schnell, dass er an Elternabenden* nur wenig Schlaf erwarten kann.

Der Elternabend an sich ist ja bereits ein Termin, dem die gesamte Familie Weh, je nach persönlichem Involvierungsgrad und aktueller Stimmungslage der betroffenen Elternschaft, mehr oder weniger intensiv entgegen fiebert.

Während der Gatte (also Herr Weh) im Vorfeld wahlweise Trost spendet („ist ja das letzte Mal in diesem Schuljahr…“), Mut zuspricht („wird schon nicht so lange dauern heute…“), kommunikative Tipps gibt („lass die mal einfach reden…“) und zum Abschied noch einen kritisch würdigenden Blick auf das pädagogische Outfit der Woche wirft („dieses maritime Halstuch lässt dich heute äußerst seriös wirken…), ist der pädagogische Nachwuchs eher pragmatisch orientiert („mama wieda sule, jaa?“, „oooooh, kannst du mir heute gar nicht vorlesen?“).

Ist Frau Weh erst einmal aus dem Haus und die Wehwehchen im Bett, beginnt für Herrn Weh das Warten. Und je nach persönlichem Involvierungsgrad und der aktuellen Stimmungslage der betroffenen Elternschaft auch ein bisschen Bangen.

Tatsächlich ist es ungemein schwer solch einen „freien“ Abend zu genießen. Selbst bei erfolgsversprechendem Start wird die Entspannung zu fortgeschrittener Stunde oftmals etwas bröselig an den Rändern. Früher habe ich ja manchmal versucht, einfach zeitig ins Bett zu gehen und mich schlafend zu stellen. Erfolglos.

Denn die Erfahrung hat gelehrt: Nach einem Elternabend, egal ob gut oder schlecht, braucht die gewöhnliche Grundschullehrerin ein offenes Ohr, nach schlechten Elternabenden sogar ein besonders großes. In der Regel leiht sie sich das des Grundschullehrerinnengatten.

Also habe ich mich darauf eingestellt, geduldig auf die Heimkehr von Frau Weh zu warten, und mir genau anzuhören, was die Mutter von Mia-Sophie…, und wie der Vater von Tom2…, und ja, also die Eltern von Amelie, also wirklich… Und eigentlich wäre ich ja schon viel früher, aber die Mutter von Justin…, und danach musste ich noch mit Frau Schmitz-Hahnenkamp…

Und wenn alles, was  nach so einem Elternabend einfach gesagt werden muss, gesagt wurde und im offenen Ohr von Herrn Weh verschwunden ist, dann verwandelt sich die beste Grundschullehrerin der Welt** ganz langsam in die beste Ehefrau von allen***, und macht Feierabend.

———
* wahlweise auch Schulpflegschafts- und  Fördervereinssitzungen, oder andere spannende Veranstaltungen, mit denen sich Pädagogen gerne mal den Abend vertreiben, wenn sie nicht gerade am heimischen Schreibtisch sitzen.

** natürlich nur nach den durch und durch subjektiven Bewertungskriterien von Herrn Weh.

*** ihr wisst schon…

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13 Kommentare zu „Elternabende im Hause Weh

      1. Für einen eigenen (Grundschul)Lehrerinnenblog reicht vermutlich die Themenvielfalt nicht. Zumindest nicht, wenn man regelmäßig schreiben möchte.

        Aber für gelegentliche Vertretungsstunden bin ich natürlich gerne zu haben.

  1. Ich glaube ich schicke Herrn Falke mal in einen Lehrgang bei Herrn Weh. So ein offenes Ohr nach diversen Veranstaltungen könnte ich auch gebrauchen. 🙂
    Das ist doch kein Problem, oder? 😉

    1. Nein, das ist gar kein Problem. Ich überlege ja bereits, ob ich nicht wirklich Fortbildungsseminare anbieten soll 😉

  2. Sehr netter Artikel, Herr Weh!
    Mir wird seit Jahren vorgehalten, mal vor einem Elternabend alle leckeren, sich im Kühlschrank befindlichen Nahrungsmittel (Würstchen, Cornichons, überteuerten biokäse) aufgegessen zu haben. Ich halte das für üble Nachrede – bin nälich stets tiefenentspannt vor solchen Gelegenheiten…;-)

    Streicheln Sie der unpässlichen Gattin mitfühlend über´s Haupt von mir!

  3. Na sagen Sie mal Herr Weh, Sie könnten doch glatt mein Mann sein. Da er auch Lehrer (allerdings für die Großen) ist, hat er zumeist Verständnis, stellt sich aber ab und zu schlafend, serviert mir jedoch meist zu nächtlicher Stunde (nachdem ich über Chantals Mama, John-Colins Papa u.a. Eltern erzählt habe) ein gutes Glas Rotwein. Leider bewirkt dieser, dass der Ehemann innerhalb kürzester Zeit eine schlafende Grundschullehrerfrau auf dem heimischen Sofa vorfindet.
    Ach Herr Weh, gut, dass es solche Männer wie Sie und meinen Mann gibt.
    In Dankbarkeit Sylvia

  4. Ja, Elternabende sind immer aufregend, genau so wie Informationsveranstaltungen aller Art.
    Ich habe das Glück, dass die Gattin auch Lehrerin ist, gottseidank an anderer Schulart.
    Da leihen wir uns gegenseitig die Ohren.

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