Arbeitspläne Musik

Es nützt alles nichts, ich muss sie endlich schreiben, die völlig unnötigen und nur für den Ordner im Lehrerzimmer bestimmten Arbeitspläne. Klasse 1 habe ich gerade beendet mit allen Kompetenzen, Bereichen und was sonst noch keinen interessiert. Ins Raster gepresst, formatiert und mit Schullogo – natürlich lauter fröhliche Kinder, die sich an den Händen halten – verschönert. Jetzt merke ich, wie die Aggression sich aus meiner Körpermitte emporfrisst.

Kurzer Einschub für Leser, die sich nicht im Schuldienst befinden: Die Schulen sind unmissverständlich aufgefordert worden, ihre schuleigenen Arbeitspläne, auch Curricula genannt, zu erstellen und bei den Schulämtern einzureichen. Pronto! Je nachdem, wie genau der zuständige Schulrat es so nimmt, kommen diese Pläne mehrfach wieder zurück und müssen überarbeitet werden. Sie sollen – so der hehre Plan – der Verbesserung der Unterrichtsqualität dienen. Tatsächlich sehen sich einige Kollegen erstmals gezwungen, sich mit den nun gar nicht mehr so neuen Lehrplänen auseinanderzusetzen. Das ist nicht verkehrt und führt so dazu, dass sich manche Unterrichtsinhalte, die bereits in ähnlicher Form über Generationen ihren Weg in Schülerhefte und wirhoffendoch! -köpfe fanden, nun den aktuellen Richtlinien anpassen. Das ist gut.

Nicht gut ist hingegen, dass ich bereits im Alleingang die Arbeitspläne für Religion backen durfte und jetzt – ebenso einsam und allein – an Musik sitze und mich über die vertane Zeit ärgere. Es ist ja nicht so, dass ich nicht längst mit Arbeitsplänen arbeiten würde. Natürlich, schließlich unterrichte ich ja bereits ein paar Jahre. Aber der Aufwand, sie jetzt in eine dem Schulamt angenehme Form zu pressen und für jede Unterrichtseinheit auch noch die Kompetenzerwartungen des Lehrplans im Wortlaut abzuschreiben, ärgert mich. Fakt ist nämlich, dass ich für Musik an unserer Schule alleine zuständig bin. Die Kollegin, die ebenfalls Musik unterrichtet, übernimmt mit wöchentlichem Briefing exakt meine Planungen, benötigt also keine weiteren schriftlichen Ausführungen. Und diese unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme stört mich mehr als es jedes lange Elterngespräch, jeder Hausbesuch oder jede Sitzungsrunde im Jugendamt je könnte.

Erschwerend hinzu kommt, dass mir die ZweimeinerLieblingskollegen gestern den ersten Band der Tribute von Panem ausgeliehen haben und mich die Geschichte so gepackt hat, dass ich mich auf Seite 323 befinde und jetzt wirklich lieber weiterlesen würde. Was für eine verstörende, schreckliche und fesselnde Idee. Ähnliches Unbehagen hat mir beim Lesen auch der Herr der Fliegen bereitet. Wie ähnlich sich die Geschichten doch sind, obgleich der Ausgangsplot ein so völlig anderer ist. Auf jeden Fall habe ich jetzt mit mir selber den Handel abgeschlossen, noch das 2.Schuljahr zu schreiben und dann weiterzulesen. Boah, wenn ich mal bloß so schnell schreiben wie lesen könnte…

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11 Kommentare zu „Arbeitspläne Musik

  1. Jaja,
    die schnöde schulbürokratische Auch-Lehrer-müssen-in-den-Ferien-beschäftigt-sein-Arbeit kann einem ordentlich die (noch vorhandene, grade noch sehr tief sitzende) Ferienstimmung vermiesen.

    Hmpf.

    Bei uns sind die Schulämter zum Glück ja so überlastet, dass sie so ein Fitzelkram nicht interessiert…das hat auch was Positives.

    Ich schicke viele Tschaka-bald-ist’s-erledigt-Gedanken und wünsche viel Spaß beim anschließenden intensiven Lesen (so ist’s gut, Belohnungen als Anreiz in Aussicht stellen – da steckt viel Psychologie dahinter ;-))

    Liebe Grüße –
    ich gönn‘ mir jetzt auch mal was, nach verzweifelter Korrektur von 21 Probearbeiten…. yeah! DAS hab ich jedenfalls mal hinter mir…

    1. Ich würde lesen.
      Und das Schulamt vertrösten. Sie sind ja willig, es zu machen, aber Sie schaffen es zur Zeit nicht. Niemand kann Ihnen etwas. Außer ein blöder Chef beurteilt dann schlechter. Aber auch egal.
      Wir leben nur einmal, Familie will auch bedient und geliebt werden und für uns müssen wir auch was tun.
      Ich habe natürlich in den Ferien auch einiges schaffen müssen, aber viel gegammelt und getrischelt.
      Und was nicht geht geht eben nicht.
      In diesem Sinne einen herzhaften Gruß!

  2. Ich habe alle drei Bände in 5 Tagen gelesen 😉
    Nach eins kann man gut ne Pause machen, 2 und 3 muss man aber zusammen lesen.. schonmal als Tipp.
    Und das mit dem Zeug für die Schule klingt echt blöd und ich freue mich, das ich nichts in der Richtung tun muss. Ich hoffe du hast es bald hinter dir! Aber Bücher sind einfach mehr mein Thema als Pädagogenbürokratie.

    1. Ich bin mal gespannt. Heute habe ich mit Band 2 begonnen, merke aber schon, dass er mich noch nicht so packt wie der erste. Band 3 brauche ich aber definitiv erst Montag, am Wochenende steht die große Familienfeier an 🙂

  3. Steht die QA an? Oder wer will die Dinger jetzt so dringend haben? Wir hatten im Herbst die QA im Haus – und da wurden die Arbeitspläne wie verrückt geschrieben, quatsch eher KOPIERT vor irgendwoher (Wer kennt jemanden, der jemanden kennt, der zufällig gerade gute APs zum Fach … hat?) – Gerade in den Nebenfächern sehr beliebt und so effektiv!
    Und jetzt reifte die Idee, man könne ja nun zu allen APs zu den Anforderungsbereichen Beispiele aufschreiben. Hm, wegen akut wichtiger anderer Themen, wird diese Fahne eingeholt und erst im nächsten Schuljahr wieder rausgehängt….

    Trotzdem: ich gebe dir recht: Manchmal (aber auch nur dann) trägt das Schreiben von APs dazu bei, dass die Lehrpläne auch gelesen werden. Allerdings: dass man heute am Ende der Klasse 2 laut der Kompetenzen nur die Kernaufgaben des Einmaleins beherrschen muss, ist an vielen Kolleginnen immer noch vorbei gegangen, trotz Lehrplan und APs („Das reicht nicht. Die Kinder müssen alle Aufgaben auswendig lernen. Sonst dauert das viel zu lange…..“).
    In diesem Sinne viel Spaß bei der anschließenden Lektüre und trotzdem noch schöne Restferientage.

  4. (Dein Ich-erkenne-Dich-nicht-mehr-Kommentarsystem macht mich fertig. Ich bin’s jedenfalls, der Sebastian.) Wir haben neulich auch mal wieder unser hauseigenes Curriculum an den neuen Kernlehrplan angepasst, denn zum einen gibt es ja nun endlich mal einen neuen Lehrplan für Musik und zum anderen – von Chefseite aus sicherlich wichtiger – bei uns steht demnächst/irgendwann/schon bald/früher-als-uns-lieb-ist/nach durchwachter Nacht/wie ein Dieb in selbiger/morgen/nach den Ferien/sicherlich in Kürze die KuhAh ins Haus.

    Ich bin, das sei vorausgeschickt, ja prinzipiell tatsächlich ein Fan eines einigermaßen standardisierten Lehrplans und standardisierter Bewertungsmaßstäbe damit ein Kind sich bei einem Schulwechsel (oder, noch wahrscheinlicher, bei einem Lehrerwechsel innerhalb einer Schule) darauf verlassen kann, an der neuen Schule/beim neuen Kollegen mehr oder weniger ähnliche Inhalte vorzufinden.

    Wenn man sich aber überlegt, wie viele Stunden Arbeitszeit draufgehen (wir sind bei uns fünf Musiklehrer und wir haben tatsächlich gemeinsam an dem Lehrplan rumgeschraubt), um solcherlei Verwaltungskram zu machen wie Lehrpläne zu verfassen, Leistungsbewertungskonzepte zu entwickeln, Bewertungsschemata auszutüfteln und so weiter und so fort, dann wünsche ich mir doch eigentlich nur, dass wir das alles vorgegeben bekommen, oder?

    Wie wäre es denn, wenn wir all diese Standardsachen wie Curricula, Leistungsbewertungskonzepte und Co einfach klipp und klar „von oben“ vorgegeben bekämen? Von mir aus in einer 80/20 Relation: 80 Prozent sind fest vorgegeben, die restlichen 20 Prozent können von Schule zu Schule variieren. Es ist ja sowieso nicht so, dass jede Fachschaft für sich entscheiden könnte, was sie in so ein Curriculum hineinschreibt…

    Nein, man gibt uns einen Bausatz und sagt: Da, baut Euch da jetzt bitte mal ein eigenes Auto draus. Und dann baut jede Fachschaft ihr Autochen zusammen. Und dann kommt der TÜV vorbei und sagt: Wie, ihr habt keinen Spoiler eingebaut? Warum ist denn der Lack blau? Ihr wisst doch, dass ihr Pirellireifen einbauen sollt und dass ihr nur drei Türen drin habt, das geht auch nicht.

    Warum gibt mann denn nicht jeder Fachschaft im Land einen komplett vormontierten Golf und sagt dann noch ganz klar dazu: Farbe dürft ihr euch selber aussuchen, Reifen und Lenkrad auch, der Rest muss unmodifiziert bleiben. Ich denke, das würde vieles erleichtern, oder?

    1. Schönes Beispiel! Das kommt ja bei der ganzen Geschichte noch dazu, jede Schule kocht ihr eigenes Süppchen. So wird das nix.

      Warum du hier nicht mehr erkannt wirst, weiß ich nicht. Aber immerhin hast du dein Bild drin 😉

      1. „Nicht-mehr-erkannt-werden“ kann am Löschen von Cookies liegen. Das passiert, wenn man den „Verlauf“ des Browsers aufräumt, oder einen anderen verwendet, manchmal auch bei Aktualisierungen.

        Ich bin ganz froh, dass ich nicht nach den RRL von 1993 unterrrichten MUSS, die für eines meiner Fächer *) noch gelten und genieße die Nicht-Kontrolle und meine große Freiheit.
        Aber es kommt dabei in der Tat zu sehr unterschiedlichen Suppen, wenn ich mich so umhöre.

        *) Es darf gelacht werden: es handelt sich um „Informatik“!

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