Die Zauberflöte

Die Kinder lieben Mozart. Bisher war es in jedem Jahrgang so. Sie lassen sich begeistern von der Musik, zollen dem Genie dieses außergewöhnlichen Komponisten Respekt und finden die Oper als Kunstform kein bisschen spießig. Im Gegenteil bewundern sie die unglaubliche Höhe des Koloratursoprans und die satte Tiefe von Sarastros Bass. Höhepunkt der Reihe ist – nein, nicht der Test – der Vergleich verschiedener Opernfassungen auf DVD. Neben verschiedenen klassischen Aufführungen und einer modernen ist doch die des Salzburger Marionettentheaters bei den Kindern mit Abstand die beliebteste:

Vielleicht, weil sie genau so ist, wie man sich eine Opernaufführung wünscht. Vielleicht, weil die Gewandheit der Puppenspieler unglaublich ist. Fast meint man zu vergessen, dass es keine Menschen sind, die dort auf der Bühne stehen, wären die Fäden nicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Salzburger Marionettentheater zur Musik vom Band spielt. Das ermöglicht den Schülern wenigstens einen Teil des gesungenen Textes zu verstehen.

Eine Version extra für Kinder besitze ich übrigens nicht, halte ich auch nicht unbedingt für nötig, wenn man im Vorfeld überlegt, welche Ausschnitte man im Unterricht zeigen möchte. Eine der Lieblingsszenen (obgleich schon älter) meiner Musikklassen ist übrigens die folgende. Heißgeliebt wegen des Bühnenbildes, der netten Inszenierung und nicht zuletzt der hübschen Papagena. Das ist immer ein großes Thema bei den Drittklässlern. Einen Tamino mit Bierbauch und schiefen Zähnen können sie ertragen, eine unhübsche Pamina hingegen? Niemals!

Während ich mich nicht sattsehen kann an Diana Damrau als Königin der Nacht. Sieht sie nicht herrlich böse aus?

Irgendwann lege ich mir noch die Fassung von Kenneth Branagh und die wohl weltschönste (allerdings schwedische) Version von Ingmar Bergman zu.

Kann man zu viel Zauberflöte haben? Sicher nicht, oder?

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14 Kommentare zu „Die Zauberflöte

  1. Die o.g. Inszenierung war ja so schön, dass die Bayerische Staatsoper sie einfach nur ein bisschen aufpoliert und auch nach Jahrzehnten wieder ins Programm genommen hat. Ich war schon mit diversen Kindern drin, und besonderen Erfolg haben die nickenden Löwen und die verschwindende Statue. Und einmal habe ich Diana Damrau als Pamina – und beim zweiten Mal als Königin der Nacht gesehen. Unglaublich.

    Obwohl die Oper so lang ist, ist noch nie einer eingeschlafen. Das ist ja alles so spannend! Und dass am Schluss alle Kinder und Chorkollegen des Sohnes nochmal kommen, ist ein besonderes Zuckerl.

    Bei Kindern, die das mit der Suspension of Disbelief noch nicht so draufhaben, kann die etwas abstruse Handlung aber schon mal zu eifrigem Operwispern führen. „Warum macht der das jetzt? Warum ist die auf einmal böse`? Und der andere auf einmal lieb?“

    1. Vor der Statue gruseln sich einige Kinder. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass wir nur auszugsweise schauen und ich den Themenstrang Papageno-Papagena nur in sehr groben Zügen erläutere. Die Löwen lieben sie, stimmt!
      Ein Opernbesuch ist hier bei uns logistisch leider ein wenig schwierig und mit manchen Klassen auch schlicht und ergreifend nicht durchführbar.

      1. Mir haben drei Kinder bei dem einen Besuch schon gereicht… Einer zappelt immer, und das darum herumsitzende Publikum hat sich das ja auch nicht ausgesicht.

        1. Das schmälert den eigenen Genuss dann auch ein wenig, nicht wahr? 😉
          Ich erinnere mich an eine Aufführung von Nussknacker und Mausekönig, bei der das damals noch sehr junge mittelgroße Wehwehchen empört an einer Stelle in die Stille rief: „Warum macht der das denn jetzt!?“

  2. Branagh ist eindrucksvoll, aber für die Grundschüler setze ich diese Inszenierung nicht ein. Gibt es die DVD denn jetzt auf Deutsch??
    Für die Großen sind auch die „making of“s dazu interessant, die es auf Youtube gibt. Die Fünftklässler waren übrigens sehr beeindruckt davon, dass dort auch Kinder mitspielen.
    Ich mag die Version von Emanuele Luzzati
    http://www.youtube.com/watch?v=urEBJk8f2vc (hier leider mit Schriftzug mittendrin) und den „Papageno“ von Lotte Reiniger http://www.youtube.com/watch?v=KsfyrB9DE9s . Beides (bzw. das eine oder das andere) wird dann gleich mit Kunst verknüpft.

    1. Nein, Branagh wäre mein Privatvergnügen, das wäre in der Grundschule verfehlt. Ob es den Film mittlerweile auf Deutsch gibt, weiß ich gar nicht. Denke aber, OmU. Die Luzzati-Version sagt mir gar nicht zu, ist mir zu kindlich 😉 Dafür finde ich das Scherenschnitttheater sehr beeindruckend.

  3. »Die Zauberflöte« ist wunder-, wunderschön! Ich habe mit zehn(?) oder so die Marion Zimmer-Bradleys Adaption »Tochter der Nacht« gelesen – die Oper selbst haben wir erst in der sechsten Klasse oder so durchgenommen.

    Irgendwann habe ich mir dann die Klaviernoten dafür gekauft und auch versucht, einiges nachzuspielen – wunderschön! (also die Stücke. Nicht ubnedingt, was ich daraus gemacht habe … :mrgreen: ) Besonders Papageno mag ich unheimlich gerne.

    Es gibt übrigens zur Arie der Königin der Nacht ein unglaublich lustiges Video! ist aber glaub ich nicht unbedingt für den Unterricht geeignet… :mrgreen: http://www.youtube.com/watch?v=7ttunTFawTs (sorry, dass die bildqualität so schlecht ist)

  4. Ein bisschen Zauberflöte ist ja auch in Milos Formans Film „Amadeus“ – da wird aus dem Gekeife der Schwiegermutter die Arie der Königin der Nacht 😀
    Apropos Schwiegermutter: Meine kann dazu eine wunderbare Anekdote erzählen, die muss ich einfach weitergeben…
    Sie besuchte als Abiturientinnen-Abschlussfahrt Salzburg und das Marionettentheater (Mädchengymnasium mit Nonne als Klassenlehrerin und Reiseleiterin 😉 ). Zur Feier des Goldenen Abiturs konnte diese Fahrt mit vielen Mitschülerinnen wiederholt werden, natürlich einschließlich Marionettentheaterbesuch.
    An der Kasse zeigte eine die 50 Jahre alte Eintrittskarte vor, das Programmheft hatte sie auch verwahrt. Die verblüffte Kassiererin holte die etwa 80jährige Leiterin, die sehr nett mit der Damengruppe plauderte und zum Schluss versprach: „Eigentlich spiele ich die Puppen ja nicht mehr. Aber heute übernehme ich extra für Sie den Tamino.“

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