Parkplatznot gleichbistetot

Es ist so: Manchen Kindern kann man einfach nicht zumuten, den weiten und gefährlichen Weg nach Hause zu Fuß zu bestreiten. 250m ruhige Nebenstraßen? Unmöglich!

Nein.

Falsch.

Nochmal: Manchen Müttern kann man einfach nicht zumuten, ihre Kinder den weiten und gefährlichen Weg nach Hause laufen zu lassen. Diese besondere Mutterspezies fährt ein großes (und ich meine ein richtig großes) Auto und hat in der Regel irgendwie präparierte Fingernägel.

Es sind diese Fingernägel, vor denen ich mich fürchte, wenn ich auf den überfüllten Lehrerparkplatz trete und die Mütter mit ihren großen Autos nicht nur meinen Abfahrtsweg (manchmal hat sogar Frau Weh es eilig aus der Schule zu kommen…), sondern auch die Feuerwehrzufahrt blockieren. „Ist ja nur ganz kurz!“ funkeln sie mich an und zeigen ihre beeindruckend langen Krallen. Da täuscht auch kein in freundlichem Pink gehaltenes Glitzerblümchen auf der acrylisierten Nagelplatte darüber hinweg, dass sie ihren asozialen illegalen Parkplatz notfalls mit eben jenen Nägeln bis aufs Blut verteidigen würden.

Da es sich um mein Blut handelt, bin ich oft feige.

Nicht aber heute!

„Sie wissen, dass Sie im absoluten Halteverbot stehen?“ frage ich die Erstklässlermutter, die ihren SUV gerade quer über Gehweg und Straße gewuchtet hat und nun über den Lehrerparkplatz hetzt.

„Was? Ja!“

„Prima“, sag ich, „und warum stehen Sie da noch?“

Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen. „Weil ich den Jasper-Jannick abholen muss!“

„Prima“, sag ich wieder „und ich fahre in der Zwischenzeit einen anderen Erstklässler versehentlich tot, den ich hinter Ihrem Auto leider übersehen habe.“

Wir fixieren uns, die Nasen nur noch Zentimeter auseinander, MamaJasper-Jannick hebt die krallenbewehrten Hände, da…

„SCHÖNEN FEIERABEND, FRAU WEH“

…schiebt sich eine bis eben nicht annähernd genug geschätzte Mutter zwischen uns durch. MamaJasper-Jannick lässt die Hände sinken, schnaubt noch einmal durch die Nüstern und dreht abrupt um.

Boah, da hab ich aber Glück gehabt! Vielen Dank, Frau Feierabend!

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19 Kommentare zu „Parkplatznot gleichbistetot

  1. Mir hätte man früher den Arsch versohlt, wenn ich nur auf die Idee gekommen wäre, meine Oma (meine Mutter war ohnehin arbeiten) darum zu bitten, mich von der Schule abzuholen… Bis auf ein einziges Mädchen, dessen Mutter aber sowieso nen Schaden hatte, hat das bei uns niemand gemacht.

    1. Da hatten wir aber alle Rabenmütter. Echt eh. Ein Wunder, dass doch was aus uns geworden ist. Oder ist es nicht? Oh, mir fällt grad ein, ich habe meine Kinder auch nicht mit dem Auto… Dabei mussten die in einen anderen Stadtbezirk. Und sogar UMSTEIGEN!!!
      Wenn ich mir vorstelle, so eine krallenbewehrte Mutter… ich bin richtig froh, dass meine Kinder übelebt haben (also ich meine jetzt nicht das Straßenbahnfahren und das Umsteigen)

  2. Also ich plane ja, der Stadt einen Drive-Inn-Schalter zur Kindesanlieferung vorzuschlagen. Dazu müsste lediglich die Schule umgebaut werden, die Flure müssten halt bissl breiter, die Türen auch. Treppen sind ein Problem, da weiß ich noch keinen Tipp, aber vll kann man ja Fahrstühle einbauen, dann könnte man das Kind ja ebenerdig absetzen und es müsste TROTZDEM nicht die fiesen Treppen laufen.

    Ich neige in solchen Situationen immer dazu, zu fragen, ob sich das Kind beide Beine gebrochen hätte oder was sonst der Grund dafür sein könnte, dass er keine DREI SCHRITTE laufen kann!

    In dem Fall sind mir die Justin-Jason-Kevins dieser Welt eindeutig lieber, denn deren Mütter würden NIEMALS auf die Idee kommen, ihre Kinder in die Schule zu bringen. Aber Fingernägel habe die auch ;o)

    1. „In dem Fall sind mir die Justin-Jason-Kevins dieser Welt eindeutig lieber, denn deren Mütter würden NIEMALS auf die Idee kommen, ihre Kinder in die Schule zu bringen.“
      Stimmt, die sieht man zu selten.

  3. „auch die Feuerwehrzufahrt blockieren“ – tolle Vorbildwirkung (und ein Beispiel für fehlgeschlagene Sozialisation, die ja in D uuunbedingt auch in der Schule stattfinden muss?)

    1. Stimmt.
      Schon allein deshalb bin ich alleine zur Schule, weil wir gar kein Auto hatten. Und meine Mutter keinen Führerschein.
      Ganz abgesehen davon hätte ich es unendlich peinlich gefunden, wenn ich vor allen anderen Kindern von Mama gebracht und geholt worden wäre.
      Ich war nämlich immer schon „groß“, auch in der ersten Klasse.

  4. Ich hole immer die Bullen. Auf Dauer wirkt es auch.
    Was auch wirkt: So einparken (evtl. zu mehreren), dass sie nicht mehr wegfahren können und in den Unterricht gehen.

    1. Unser Problem ist eher die Abholfraktion, da sind wir oft noch gar nicht draußen und für einen Anruf beim Ordnungsamt o.ä. stehen sie nicht lange genug dort. Es müsste eher ein Polizist her, der kurz vor Ende der letzten Stunde in Warteposition ist.

      1. Genau der wirkt Wunder, hübsch uniformiert und mit Notizblock. Er kann gleich gucken, ob das mit den Kindersitzen in Ordnung ist, auch nicht telefoniert wird und alle angeschnallt sind.

        1. Da fällt mir die Aktion während der Grundschulzeit meiner Tochter ein, als vor der Schule versteckt ein Radargerät aufgestellt wurde und ebenso versteckt die Freunde und Helfer lauerten.
          Ungeheuerlich, mit welchem Affenzahn da so manche Mami mit dem Offroad oder der PS-starken Limousine (allerdings war auch eine Spitzengeschwindigkeit bei Kleinwagen zu beobachten) zur Abholung des Kindes vor die Schule preschte.
          @ crocodylus:
          Parkverbot wurde grundsätzlich ignoriert. Jedenfalls so lange, bis der Mann in der grünen Uniform mehrfach dort aufgetaucht ist.
          Dann funktionierte es wieder für ein paar Wochen.

  5. Hallo,

    erstmal, bin neu hier auf diesem Block und lese mit Begeisterung mit. kann gar nicht genug davon kriegen.
    Ich bin Mama eines Zweitklässlers und finde es total interessant, mal die andere Seite zu lesen und das mitzubekommen, was ich mir allenfalls aus den noch sehr abeteuerlichen Erzählungen meines Sohnes zusammenreimen kann.
    Aber zum Thema hier: Ich gehöre zu den rabenmüttern die ihre Kinder alleine von der Schule heimlaufen lassen. Morgens wird Sohnemann gebracht, denn da muss ich eh zum Kiga nebenan den kleinen bruder abliefern und wenn ich eh schonmal unterwegs bin. Aber die letzten 300m muss er trotzdem alleine laufen. Das tu ich mir nicht an, dass ich mich in das Verkehrschaos stürze, das auch bei uns durch zahlreiche Mamataxis verursacht wird. Lieber ein bisschen weiter weg parken,ein paarSchritte mehr gehen. Frische Luft ist gesund und macht wach!
    Heimzus muss Sohnemann aber tatsächlich fast immer laufen, es sei denn,ich bin zufällig zur passenden Zeit eh grade genau dort unterwegs. Und das bei jedem Wetter. Heute erst wurde ich von einer Bekannten dumm angemacht, wie ich es meinem Kind antun könnte, es bei Nieselregen und unter 10°C heimlaufen zu lassen. Aber Söhnchen fand das überhaupt nicht schlimm. Hat freiwillig ganze 45 Minuten auf dem Schulweg vertrödelt und kam stolz mit Taschen voller Herbstblätter, Kastanien und Eicheln heim. es ist imemr aufregend, ob und wann er kommt…da mussman Geduld haben, aber irgendwann kommt er bestimmt!

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