Und ich brülle nicht.

Na gut, das Love am Ende müsste nicht mehr unbedingt sein, aber der Sinn dahinter sagt mir zu. Ist es nicht Respekt, den wir von unseren Schülern erwarten? Sollten wir ihnen nicht erstmal vor Augen führen, was das ist, respektvolles Verhalten? Ich sitze oft in der Klasse und höre einzelne Kolleginnen brüllen. Das lässt mich jedesmal innerlich zusammenzucken. Natürlich werde ich auch manchmal lauter (es gibt Dinge, die erfordern eine gewisse Ausreizung der stimmlichen Amplitude), aber es sitzen Kinder vor uns. Kinder, die sich nicht ausgesucht haben, in genau dieses Leben, diese Umstände geboren zu werden. Kinder, die sich nicht selber erzogen haben und die das Recht auf Fehler haben. Ja, auch auf Fehlverhalten.

Nein, es reicht mir nicht, wenn meine Schüler nur lesen, schreiben, rechnen bei mir gelernt haben. Ich möchte, dass sie an ihre Grundschulzeit als an eine zwar fordernde, aber auch ermutigende und schöne Lernzeit zurückdenken können. So oft belächeln Kollegen von weiterführenden Schulen die Grundschuldidaktik, aber sind es nicht genau die Kinder, die ihr gerne übernehmen würdet? Lernfroh, aufgeweckt, mit fragender Neugier?

Ja, mir ist heute eine Laus über die Leber gelaufen. Und ja, ich lasse Lennox das Schuljahr wiederholen. Bei Frau Schmitz-Hahnenkamp hätte er nämlich keine Chance. Manchmal ist es doch zum Kotzen.

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13 Kommentare zu „Und ich brülle nicht.

  1. So eine Lehrerin kann man sich für sein Kind nur wünschen. Ich verstehe bis heute nicht warum die Lehrer damals nicht eingesehen haben, dass brüllen nichts bringt – außer noch mehr taube Ohren

  2. Dieser Text ist wunderbar! Er macht Mut und motiviert. Einfach eine tolle Arbeitshaltung 🙂 Wäre klasse, wenn das auch an der elterlichen Eingangstür der Schüler stünde.

  3. – All die schönen Punkte sollten im Prinzip 1:1 auch für die Haltung Schüler->Lehrer gelten, das funktioniert aber wohl nur durch Nachahmung 😉
    – armer Lennox…
    – „es gibt Dinge, die erfordern eine gewisse Ausreizung der stimmlichen Amplitude“ JA 😀 (Ruhe schaffen gehört nicht dazu, das vergesse ich leider oft)

    1. „das funktioniert aber wohl nur durch Nachahmung ;)“
      Genau das ist ja der Punkt. Irgendwer muss doch als Vorbild fungieren. Ich finde, das sollten (auch) wir sein.

  4. Toller Artikel, doch oft hapert es nicht nur in der Schule mit diesen Gedanken. Auch alle anderen Personen die mit Kindern zusammenarbeiten müssten Ähnliches verfolgen. Manchmal denke ich, dass meine Gruppen auch auf die große weite Welt vorbereitet werden müssen, doch das Kind sein will ich denen auch nicht vermiesen. Bisschen streng, etwas entgegenkommen und was mitbringen zu dem Punkt an dem man sie abholt.
    Für mich läuft diese Art und Weise.

    1. Es ist eine ständige Gratwanderung. Ich habe in der Regel wenig mit Disziplinproblemen in der Klasse zu tun, weil mein Handeln für die Kinder von Konsequenz, nicht aber von Strenge gekennzeichnet ist und sie es nachvollziehen können. Letztendlich ist es eine Sache von Authentizität. Ich könnte gar nicht so furchterregend auftreten wie meine Kollegin, weil ich es einfach nicht bin und nicht sein möchte. Oberflächlich betrachtet hat sie aber den besseren Disziplinierungsschnitt. Dafür habe ich Schüler, die auf die leisen Töne achten können.

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