Sprechen wir doch mal über…

Lehrergeschenke!

Zu Beginn des letzten Halbjahres (Herr Wulff steckte uns tief in den Knochen) verkündete Chefin laut und vernehmlich auf der Schulpflegschaftssitzung, dass Geschenke über 5,- Euro nicht statthaft und somit absolut unerwünscht wären.

Schade eigentlich. Oder?

Ja, Lehrer bekommen Geld für das, was sie tun. Und zwar unabhängig davon, wie sie es tun. Sprich, es gibt nicht mehr Geld für die Engagierten und nicht weniger für, naja, die anderen. Eigentlich bräuchten Lehrer keine Abschieds- oder sonstigen Geschenke, sie tun ihre Pflicht. Dennoch finden sich auf meinem Schreibtisch in den letzten Tagen immer wieder verschiedene Dinge: Schokolade, Dankeskarten, ein paar Blümchen.

Warum eigentlich?

Vermutlich aus dem gleichen Grund, aus dem auch ich der Lehrerin des mittelgroßen Wehwehchens jedes Jahr ein kleines Dankeschön zum Ende des Schuljahres mitgebe. Als Dank dafür, dass sie in meinem Kind mehr sieht als nur einen – manchmal ganz schön anstrengenden –  Teil ihrer täglichen Aufgabe. Dafür, dass sie mein Kind fair, gerecht, aber auch ermutigend und grundsätzlich wohlwollend unterrichtet. Dass sie sowohl Fähigkeiten wahrnimmt und fördert, wie auch Schwächen aufspürt und Hilfestellung gibt, wo es nötig ist. Dass sie lobt. Und tadelt. Dafür, dass sie glücklicherweise ganz ohne Schubladen in ihrem Denken auskommt. Und nicht zuletzt auch dafür, dass das mittelgroße Wehwehchen sie gern hat. Denn dafür wird sie nicht bezahlt. Kein Gehalt wäre hoch genug.

Die Lehrerseite:

Natürlich erwarte ich es nicht. Aber es ist schön ein Danke zu bekommen. Ob dieses Danke viel gekostet hat oder gar nichts, ist nicht wesentlich. Teure Geschenke sind irgendwie… unangenehm. (Preiswerte Geschenke können das aber auch sein, s.u.) Ich freue mich, wenn ich eine kleine Karte mit ein paar treffenden Zeilen bekomme. Signalisiert es doch, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. Sollte diese Karte dann noch an einem Glas Marmelade baumeln – na also!

In den letzten Jahren habe ich einige Geschenke bekommen. Einiges hätte ich nicht annehmen dürfen, anderes hätte ich gerne abgelehnt. Wir hätten da beispielsweise:

  • Die Teekanne in Form eines Golfballs. Keine Ahnung, was das sollte. Ist dann auch irgendwann hingefallen. Schwerkraft und so.
  • Der riesige tönerne Übertopf, der – schließlich bin ich Musiklehrerin – in Serviettentechnik mit dem Antlitz von Beethoven verziert wurde. Für eine Pflanze hat es damals übrigens nicht gereicht. Es gab nur den Topf. Der war lila. Hmm.
  • Eine Fototasse mit Klassenfoto. Randvoll  mit angeschmolzenen Schnapspralinen. Brrr. Fand ich beides doof. Ich stehe überhaupt gar nicht auf Fototassen. Auch nicht auf niedliche Kätzchen, Hunde mit Glubschaugen oder Anne Geddes.

Jetzt höre ich schon die verzweifelten Fragen der mitlesenden Klassenpflegschaftsvorsitzenden: Was kann man denn überhaupt schenken?

Auch da kann geholfen werden! Geschenke, über die ich mich gefreut habe:

  • ein großes Bild auf Leinwand, auf dem jedes Kind der Klasse ein Feld mit Acrylfarben ausgemalt hat. Das ist wunderschön und hängt seitdem in meinem Klassenraum,
  • immer wieder: Ein schöner Blumenstrauß, gerne von den Kindern einzeln zusammengetragen,
  • selbstgemachte Marmelade,
  • eine Karte oder ein kleiner Brief mit einem Danke,
  • kitschig, aber wahr: Eine große Packung Merci. Aber auch nur, weil ich bei der Werbung immer heulen muss,
  • nudefarbene Pumps in 38.

Das ist doch wirklich nicht schwierig! 😉

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33 Kommentare zu „Sprechen wir doch mal über…

  1. Es gibt eine Farbe, die „nude“ heißt? Gut, dass ich Mann bin. Wir kommen mit der Anzahl an Farben im Leben aus, die in einem Pelikan-Wasserfarbkasten enthalten sind. In dem mit der EINEN Lage. Nicht den Doppeldecker. Bei solchen Farbbezeichnungn musst Du Dich jedenfalls in Zukunft nicht mehr wundern, wenn hier Google Leute hinschickt, die nach strammen Schenkeln und so suchen…

      1. Auch bei mir ist zuallererst die Frage nach „nudefarben“ hängengeblieben. Ich bitte bei solch weiblichem Fachwissen das nächste Mal um die entsprechenden Sternchen oder Links (ist schließlich auch ein pädagogischer Blog).

  2. Noch schlimmer als Fototasse sind T-Shirts mit Klassenfoto. DIE muss man dann nämlich über die sorgfältig ausgewählte Gardarobe ziehen, um zu zeigen, WIE SEHR man sich freut. Wenn man das T-Shirt dann -völlig verschwitzt- endlich wieder ausziehen darf, ruiniert man/frau sich wegen des engen Halsausschnitts noch die Frisur. GAR NICHT SCHÖN!
    Irgendwas mit Fotos erwartet mich dieses Jahr auch; in dem Alter können die lieben Kleinen einfach nicht dicht halten und verplappern sich ständig. Ich werde aber trotztdem sehr überrascht tun! (Und mich selbstverständlich freuen, dann der Gedanke zählt -hüstel, hüstel)

    Liebe Grüße von Frau Reiter!

    1. Obergruselig! Besonders schlimm, wenn man dieses nicht im Unterricht, sondern vor versammelter Elternmannschaft beim Abschlussfest bekommt. Das ist doch purer Sadismus. Ich ziehe schon unser Schul-T-Shirt höchst ungerne an. Wenn wir hingegen eine Uniform hätten, das wäre was!
      Viel Freude mit dem Geschenk (und den strahlenden Kinderaugen dazu)! 😀

  3. Hallo Frau Weh,

    das mit den Schuhen hat mich wirklich zum Schmunzeln gebracht :o)
    Dein Blog ist super, echt genial!!!

    Alles Liebe,

    Carina

  4. Eine gute Freundin, die mit mir studiert (wir beide Lehramt), verteidigt Wulff noch immer. Sie findet, das wäre seine „Privatsache“, ob er Geschenke im Hunderttausenderbereich annimmt. Und ein Lehrer kriegt den Arsch aufgerissen!

    Ich werde später auch nicht viel an Geschenken verlangen (im Gymni wirds mit der Dankbarkeit dann wahrscheinlich nicht mehr weit her sein), aber es kann doch nicht sein, dass ich wegen einer Packung Merci abgemahnt werde, weil die 7 Euro kostet, und Wulff… Ach, lassen wir das, ich könnte mich immer noch aufregen!

      1. Gibt ja verschiedene Größen… Ich glaube, die kleinste ist wirklich unter 5 Euro zu haben, aber es gibt ja auch die ganz große Packung, die kostet um die 15! Augen auf beim nächsten Einkauf :mrgreen:

  5. Die Pumps hätte ich gern in 39, ansonsten sehr schön. 😉
    Das beste Geschenk, das ich je bekommen habe, ist übrigens eine Sammlung von Unterrichtssituationen, Gesprächen, welche die Schüler mit Anmerkungen ergänzt haben. Zwar war es ein wenig erschreckend, was ich so alles mit den Kiddies besprochen hatte (und was sie so alles gesagt haben), aber es war richtig nett, das alles nochmal zu lesen. Bis heute nehme ich das Büchlein hervor, wenn ich mich frage, warum ich das eigentlich alles mache.

      1. Das ist nicht immer wohlig, brr. Vor allem, weil gewisse Dinge das Klassenzimmer lieber nicht verlassen hätten…
        Zudem ist nicht alles im richtigen Zusammenhang dargestellt und verzerrt das Bild ein wenig. UND: Was die Kollegen so über einen geäußert haben, steht da auch. Das aber will ich bei manchen wirklich nicht wissen.

  6. Hat Supermom noch nicht versucht, mal eine Flasche Motee Schangdang oder Wöff Kliko rüberwachsen zu lassen, damit aus der eins noch die einsplus wird? 🙂

    Ne, aber mal ernsthaft: solche Regelungen (Stichwort „Compliance“) sind in der Wirtschaft ganz normal. Dass das in der Politik nicht so ist (bzw. auch in der Wirtschaft nicht immer eingehalten werden) ist natürlich eine Schande; das ändert aber nichts daran, dass die Idee dahinter im Grundsatz gut ist.

  7. Meine Mutter bekam früher immer Wurst und Fleisch. 😀 Also nicht am Schuljahresende, sondern wenn die Eltern der Kinder eben geschlachtet haben. Bestechung konnte man das nicht nennen, weil die Leute haben ja ihr eigenes Schwein geschlachtet und mussten die Wurst und das Fleisch nicht kaufen 😉
    Am Schuljahres ende gabs dann trotzdem Pralinen oder Blumen. Und Eingewecktes 😀

    1. Toll, meine bessere Hälfte geht auch auf dem Land an die Schule. Sie ist allerdings Vegetarierin, also gibts keine Fleischwaren für sie. Ich (als Fleischfresser) würde die allerdings gerne essen…

  8. Also ich habe meinem Klassleiter in der vierten Klasse damals eine selbstgetöpferte Müsli-Schüssel geschenkt und soweit ich weiß besitzt er sie heute noch und verwendet sie auch in den Pausen. 🙂

    1. Das ist schön! Ich habe während des Studiums in einer Musikschule gearbeitet und von einem Kind einen selbstgetöpferten Plätzchenteller geschenkt bekommen. Der steht jedes Jahr pünktlich zum 1.Advent auf dem Tisch.

  9. Die pumps haben mic auch verwundert…weniger jetzt die Farbe als die Tatsache an sich…

    Also die schönste Sache, die ich bis jetzt bekommen habe (bin ja noch nicht so lange dabei) war von meiner ersten eigenen Klasse (gerade abgegeben…*schnief*): ein Buch, in dem jedes Kind eine Seite gestaltet hat!!! Soooo toll!!!

    Aber ich finde auch, Geschenke müssen wirklich nicht sein, ein nettes Danke schön tut’s auch völlig (wobei die Eltern meiner Klasse gut waren: Blumensträuße, Schokolade und mal ein Büchergutschein). Ok, und von einer Mutter, deren Kind die Schule wechselt, habe ich einen kleinen buddha bekommen als Sinnbild meiner Geduld und Ruhe/Gelassenheit mit ihrem Sohn. 😉

    1. Haha, das mit dem Buddha passt ja dann ganz gut. Die Pumps sind übrigens so etwas wie ein Leitmotiv dieses Blogs. Zumindest so lange, bis sich mal jemand erbarmt 😉

  10. Zu meiner Verabschiedung in den Ruhestand gab es eine Woge der Werschätzung von Schülern und Kollegen, Geschenke, Karten, kulturelle Beiträge zum rauschenden Abschiedsfest und und und… Nur der Elternbeirat meiner Klasse konnte sich offenbar nicht mal zu einer Karte durchringen. Ich wollte gerade anfangen mich zu ärgern (das hatte ich in den letzten Jahren schon mehrfach tun müssen), da fiel mir ein, dass ich niemandem erlauben wollte, mir die überwätigend gute Stimmung zu verderben. Ich schrieb eine freundliche Mail, in der ich mich offiziell verabschiedete und wünschte eine gute Zusammenarbeit mit meiner Nachfolgerin – es kam prompt eine Antwort, immerhin. Ich hoffe, er hat sich wenigstens ein bisschen geschämt.

  11. Musste grade ein bisschen schmunzeln: weil bei uns alle Kindergartenkinder zum Abschied in die Schule eine Sigg-Flasche (Schweiz halt ;-)) mit, tadaaaaaaa, Gruppenfoto drauf bekommen haben (in selbergebatikten Indianerkostümen).
    Wir verschenken Weihnachten und zu den Sommerferien immer Sachen, die entweder aufgegessen werden (dieses Jahr hat es nur immerhin selber zusammengemischte Plätzchenmischung im Glas gereicht) oder irgendwann verschwinden, wie selber gemacht Badekugeln oder Sonnenblumen im Topf (nicht lila ;-))…
    BTW: ich mag dein Blog sehr gerne und hoffe, dass mein grosser Sohn so eine engagierte Lehrerin wie Dich bekommt (immerhin ist sie schön, hat er schon rausgefunden, auch nicht ganz unwichtig ;-))

    1. Danke für das nette Kompliment. Und es stimmt, gerade bei den Jungs sollte man den pädagogischen Mehrwert einer ansehnlichen Klassenlehrerin niemals unterschätzen 😀

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