Mal rumgesponnen

Der Kinderdoc musste sich mal mit der Hand vor den Kopf klatschen. Nachzulesen ist dies hier. Der Grund – ein Klassiker vor den Ferien – die Attestpflicht für Fehltage rund um Ferienanfang und -ende. Genau wie das umstrittene „Läuse-Attest“ ist dies regelmäßig ein Aufreger für Eltern, Kinderärzte (die weiß Gott besseres zu tun haben als mal eben über 25 Kinderköpfe drüberzuhuschen) und – sic! – auch Lehrer.

Natürlich ist es absurd, ein offensichtlich krankes Kind am letzten Schultag von der Mutter abholen zu lassen und gleichzeitig ein Attest anzufordern. Genauso absurd wie es ist, ein offenkundig krankes Kind morgens in die Schule zu schicken, weil man den Gang zum Arzt nicht antreten möchte, um das geforderte Attest zu erbringen. Darum geht es mir nicht. Auch nicht um die in den Kommentaren geführte heiße Diskussion darüber, ob nun in den letzten Schulwochen noch gearbeitet wird oder nicht. Hier wird gearbeitet, aber mir ist noch gut in Erinnerung, dass dies spätestens ab der Mittelstufe nicht unbedingt so war.

Vielmehr geht es mir darum, einmal hypothetisch die Frage in den Raum zu werfen, ob und wie Zusammenarbeit zwischen Schule und Kinderärzten funktionieren würde. Schließlich ist man sich einig, es geht ums Kind. Fragen kommen aber immer wieder auf. Ebenso Irritationen oder sogar Verärgerung auf beiden Seiten.

Zunächst einmal sind Kinderarzt und Schulpsychologe die beiden Stellen, an die wir zuerst verweisen, wenn wir Auffälligkeiten beobachten. Genau: Beobachten, nicht diagnostizieren. Das können wir nämlich nicht. Was wir können, ist, Kinder genau beobachten, fördern und gegebenenfalls Hinweise an die Eltern geben, wenn Dinge im Argen liegen. Und hier tut sich dann Falle Nummer 1 auf: Das, was im Elterngespräch von Schulseite aus gesagt wird, ist nicht unbedingt das, was im Sprechzimmer ankommt. Aus einer Beobachtung wird dann ganz schnell eine Diagnose gemacht, da hat dann plötzlich die Klassenlehrerin gesagt, der Mario-Michel hat ADHS und muss zur Ergo. Da wäre ich als Kinderarzt nach dem x-ten Fall auch genervt. Sogar, wenn ich mir eigentlich zusammenreimen kann, dass Mario-Michels Lehrerin das vermutlich nicht so gesagt hat, weil sie damit deutlich ihre Kompetenzen überschreitet. (Ganz davon abgesehen, dass dies auch nicht sehr schlau wäre. Denn angenommen, es stellt sich heraus, dass bei Mario-Michel mitnichten ein Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom vorliegt, kann man die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Eltern ab da vergessen. Selber schuld.)

Wie könnte sie denn nun aber erfolgen, eine sinnvolle Kooperation? Ein Arbeitstreffen im Jahr am runden Tisch mit den ortsansässigen Kinderärzten, den Kitas und Schulen im Einzugsbereich, bei dem zunächst die Etikette geklärt wird? Schickst du mir niemanden wegen „Läuse-Attest“, schicke ich dir nicht kommentarlos ellenlange genormte Fragekataloge über das Verhalten der zu untersuchenden Kinder? Nee, oder?

Oder vielleicht doch?

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2 Kommentare zu „Mal rumgesponnen

    1. Na wenn ich die mal hätte… 😉

      Ich gebe zu, ich war nach dem Lesen des Artikels enttäuscht. Vertane Chance. Wenn man mal überlegt, dass ein Hauptteil von kinderdocs Lesern vermutlich Mütter sind, die mal mehr, mal weniger Probleme mit Schule haben und grundsätzlich natürlich einem Kinderarzt mehr Vertrauen zu schenken gewillt sind als dem Lehrpersonal ihrer Kinder – Mammutsatz! – dann empfinde ich die gewählte Pauschalisierung als unglücklich. Das Verhältnis zu Schule wird dadurch jedenfalls nicht positiv beeinflusst. Im Gegenteil. Die anschließende ausufernde Diskussion hilft da allerdings auch kein Stück weiter.

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