Regeln im Musikunterricht

Es ist ja immer so eine Sache mit der Disziplin. Eigentlich erwarte ich gerade in einem Fach wie Musik, dass alles wie von alleine fluppt und sich alle Beteiligten anständig benehmen. Meistens ist das auch so, aber eben nicht immer. Unglaublicherweise überrascht mich das immer noch. Im Grunde meines Herzens bin ich also hoffnungslos optimistisch. Manchmal reicht dieser Optimismus aus und scheint sich auf die unterrichteten Klassen zu übertragen. Manchmal nicht. Daher werde ich im kommenden Schuljahr etwas ausprobieren:

Das So-funktioniert-es-im-Musikunterricht-Brett

(ja, zugegeben, mir ist noch kein besserer Name eingefallen)

Die Idee stammt nicht von mir, sondern von Becca Ruth, die Kunstlehrerin in Tennessee ist, und schon mehrere Jahre mit verschiedenen bulletin boards arbeitet.

So funktioniert das System:

  • Oben auf dem Brett finden sich die REGELN, die ich als besonders wichtig für den Musikunterricht erachte. Diese werden zu Beginn des Schuljahres gemeinsam besprochen.
  • Das LERNKLIMA ist von oben nach unten abgestuft und beinhaltet als letzte Konsequenz (je nach Klassenstufe differenziert) das Abschreiben der Regeln oder das eigenständige Verfassen eines Textes, gegen welche Regel der Schüler verstoßen hat, warum und was er oder sie zur Lösung beizutragen hat. Die Regeln müssen den Eltern und der Klassenlehrerin zur Unterschrift vorgelegt werden.
  • In den BRIEFUMSCHLÄGEN befinden sich die Schülernamen auf kleinen Kärtchen, diese werden an die entsprechende Stufe des Lernklimas gepinnt, sodass ich mir am Ende der Stunde eine Notiz darüber anfertigen kann, wenn nötig. Grundsätzlich wird natürlich bei der 1.Stufe gestartet. Auf dem Brett fehlen noch einige Umschläge, der Stundenplan ist noch nicht ganz fertig. Aber so könnt ihr euch das schonmal vorstellen.

Ich bin etwas hin- und hergerissen, was das System anbelangt.

Einerseits verspreche ich mir dadurch Transparenz für alle Beteiligten. Als Lehrer kann ich hiermit besser nachhalten, wann und wie oft ein Kind tatsächlich den Unterricht so gestört hat, dass das Lernen für die Mitschüler erschwert wurde. Eine optische Warnstufe ist für viele Schüler nachhaltiger als ein mündlicher Hinweis. Ich mag an diesem System, dass das Verhalten auch nach oben hin sichtbar verändert werden kann. In letzter Konsequenz werden die Eltern und die Klassenlehrerin miteinbezogen, um auch dort eine transparente Information zu ermöglichen. Alles sinvoll soweit.

Andererseits missfällt mir die Dominanz dieses Brettes. Es nimmt mir nicht nur im übertragenen Sinne ganz schön viel Raum weg. Und das nur für Verhaltensfragen. Letztendlich unterscheidet sich diese Methode aber kaum von meiner in den letzten Jahren angewandten, nur habe ich bisher nicht mit dieser optischen Präsenz gearbeitet.

Der Einheitlichkeit halber werde ich bei den Drittklässlern und in den Religionsklassen das gleiche System (mit entsprechend angepassten Regeln) einführen. Insgesamt bin ich sehr gespannt, wie die Arbeit hiermit laufen wird, ob es einfacher wird oder sogar schwieriger. Ich werde berichten…
Womit arbeitet ihr im Fachunterricht? Positive Verstärkung? Negative? Gibt es vielleicht ein Modell, auf das ihr schwört und das wesentlich besser geeignet wäre als dieses hier?

Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen und Ideen, auf Kniffe und Tricks!

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35 Kommentare zu „Regeln im Musikunterricht

  1. Ich frage mich, ob das wirklich praktikabel ist – sofern ich es richtig verstanden habe?
    Ich bewege mich recht viel im Unterricht oder sitze halt am Pult – beides relativ weit weg von der Pinnwand (und bei uns dürfen allenfalls Poster an die Wände geklebt werden). Wie soll ich denn da jedes mal hinlaufen und den Namen rausfischen (bei z.B. 33 Schülern in meiner neuen Klasse) und hinpinnen bzw. umpinnen?

    Ich gestehe, ich arbeite ganz langweilig mit Namen an der Tafel oder Schüler führen auf meinen Zuruf die Liste. Wobei ich nach einer Weile komplett ohne ausgekommen bin und maximal ermahnen musste.

    (Wobei mich auch stört, dass der Fokus da auf ‚unerwünschtem Verhalten‘ liegt – aber alles andere war bislang einfach im Wortsinne unpraktisch.)

    P. S.: Arbeite übrigens an der weiterführenden Schule.

    1. Ja, da könntest du Recht haben mit deinem Einwand. Allerdings sind bei uns die Entfernungen nicht so groß. Und ich gehe stark davon aus, dass sich schnell die Handvoll Schüler herauskristallisieren wird, die überhaupt per Karte erinnert werden muss. Die betreffenden Kärtchen kann man dann ja vorne in den Umschlag legen.
      Vielleicht habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt, was deinen anderen Einwand anbelangt, ich pinne natürlich nicht vor jeder Fachstunde alle Namenskärtchen an. Dafür würde der Platz auch nicht reichen. Für die meisten Schüler wird dieses Brett lediglich vorhanden sein, aber nicht benutzt werden müssen. (Ich werde den Kindern vorher erklären, dass die Namen, die nicht auf Gelb/Rot/Schwarz stehen, automatisch auf Grün sind) Wer allerdings dreimal ganz unten landet, wird die Schuljahresabschlussstunde (meist ein besonderes Projekt) nicht mitmachen dürfen. Da erhoffe ich mir schon einen Gesinnungswandel bei manchen Kindern.

  2. Bei uns gibt es ein einheitliches System, das Smileyrennen. Wer gegen eine Regel verstößt, verliert einen. Tja, ob das funktioniert? Ich würde sagen: bei den einen ja, bei den anderen nein. Manche Schüler sprechen sehr drauf an, andere gar nicht.

    1. Das ist natürlich das Optimum, wenn ein System einheitlich verwendet wird. Andererseits würde ich mir nicht gerne etwas aufdrücken lassen, von dem ich nicht wirklich überzeugt bin. Haben die Kinder anfangs ein Kontingent an Smileys?

  3. Ich komme eigentlich bis jetzt meist ganz gut ohne solche Systeme aus. Ich habe Klangstäbe, wenn ich sie anschlage, erwarte ich, dass Ruhe ist. Muss ich sie dreimal anschlagen, bis es ruhig ist, gibt es eine Extra-Hausaufgabe für die ganze Klasse. Das musste ich in meiner letzten Klasse genau einmal machen, dann haben die Kinder selber sehr schnell für Ruhe gesorgt, wenn ich „gebimmelt“ habe. In einer sehr schwierigen Reli-Klassen habe ich mal eine kleine Filztafel gehabt an die kamen Buchstabenpuzzleteile (auch aus Filz mit Klettband dran), wenn es gut geklappt hat. War das Wort fertig (nach 10 Stunden bei „Jesus“) durfte die Klasse sich ein Spiel aussuchen.
    Bei Einzelstörern hat bis jetzt ein kurzer hinweis meist gereicht. Hoffentlich bleibt es so… Kriege nach den Ferien eine neue Klasse…

    1. Hattest du die Buchstaben auch in einzelne Teile zerlegt? Ich überlege gerade, dass ansonsten 10 Stunden für 5 Buchstaben ja eine ziemlich lange Spanne ist, ergo die Klasse tatsächlich sehr schwierig gewesen sein muss. Andererseits sind es ja meistens einzelne Kinder, die für Aufruhr sorgen und die versuche ich mit diesem System zu packen.
      Für die neue Klasse drücke ich die Daumen. Ist ja immer eine Wundertüte 😉

      1. Ganz spät, bei uns sind noch Ferien, endlich eine Antwort. Herzlichen Dank fürs Daumendrücken, der Termin rückt näher und tatsächlich kribbelt es täglich mehr 🙂
        Ja, die Buchstaben habe ich in Teile geschnitten, so dass es spannend war, welches Wort wohl rauskommt… Hat, wie gesagt ganz gut geklappt, obwohl die Klasse tatsächlich ziemlich schwierig war… Jetzt habe ich gerade die Zeiträuber-Karten im Zaubereinmaleins entdeckt. Vielleicht auch eine Möglichkeit?
        Herzliche Grüße und schöne erste Schulwochen!

  4. Hallo ich arbeite mit einem „Apfelbaum“. Im Apfelbaum hängen mit den Namen der Kinder beschriftete Äpfel (Jungs haben einen gelben Apfel, Mädchen einen roten –> größere Übersichtlichkeit). Zu Beginn der Woche hängen alle Äpfel im Baum. Bei Störungen wandern die Äpfel in 3 Schritten aus dem Baum in einen Apfelkorb am Boden. Wer am Ende der Woche noch im Baum hängt, bekommt einen Punkt, wer im Apfelkorb landet muss die Klassenregeln abschreiben und die Eltern werden verständigt. Der „Apfelbaum“ wird von mir sowie den Fachlehrern (ich habe einen 3. bzw. 4. Klasse) mitbenutzt. Wer 5 Punkte bzw. 5 Wochen im Apfelbaum bleibt, erhält eine Belohnung.

  5. Ich schick mal gleich voraus: ich bin keine Lehrerin. Und ich wundere mich grad, dass du so ein Board brauchst. Ich weiß nicht, ob ich als Schülerin nicht völlig demotiviert wäre, wenn ich an einem schlechten Tag so plakativ immer weiter runter gerutscht werde. Hm. Oder wenn ich gleich mal als eine der „üblichen Verdächtigen“ da oben angepinnt werde. Funktioniert das wirklich so, dass du die Kinder, die stören, so zu motiviertem Mittun bewegst?

    1. Nein, natürlich werden da nicht von Anfang an die üblichen Verdächtigen angepinnt. So ist es nicht gedacht. Aber es gibt schon immer wieder Kinder, die eine mündliche Ermahnung überhaupt nicht zu erreichen scheint und ich erhoffe mir, dass die Visualisierung dort Wirkung zeigt.

  6. Bei uns an der Schule wird einheitlich mit dem Sonnensystem gearbeitet. Alle Kinder haben eine Pappsonne auf ihrem Platz, an der zu Beginn des Tages 5 Wäscheklammern sind. Für jedes Nichtbeachten einer Regel wird eine Wäscheklammer gezogen. Am Ende des Tages wird aufgeschrieben, wer wieviele Klammern noch hat. Am Ende der Woche gibt es dann eine Belohnung. Hier hat das jeder Klassenlehrer unterschiedlich geregelt. Bei einigen kriegen alle eine Belohung, die in der Woche immer mind. 1 Klammer haben, Kinder die 3 mal 0 Klammern in einer Woche hatten, bekommen einen Brief mit nach Hause. Belohungen sind z.B. Süßigkeiten, Sticker und kleiner Krimskrams. In jeder Klasse ist fest der Klammerdienst als Klassendienst installiert. Der Klammerdienst füllt morgens die Klammern auf und schreibt mittags die Anzahl der Klammern auf. Zum Fachunterricht nehmen die SuS die Sonnen mit.
    Meine Begeisterung für dieses System ist eher verhalten. Es war bereits in der Schule als ich kam und da das ganze Kollegium damit arbeitet, bleibt mir keine große Wahl. Begleitet wird das Projekt von einer Sozialpädagogin

    1. Danke für die Schilderung. Das System klingt sehr wuselig und vor allem uneinheitlich. Was genau macht denn die Sozialpädagogin dabei? Oder hat sie nur initiiert?

      1. So ein ähnliches System hatten wir an einer meiner vorherigen Schulen auch. Statt Sonne und Wäscheklammer hatte jedes Kind ein Kästchen mit Steinchen. Ansonsten aber genauso. Ich war davon nicht so begeistert und fand es auch nicht wirklich wirksam.
        Frustrierend für die Kinder, die immer aufgrund ihres Verhaltens Steinchen abgenommen bekamen und das wirkte sich auf das weitere Verhalten eher kontraproduktiv aus. Ich fand den ganzen Aufwand des Notierens und Auswertens auch recht zeitraubend. Die Zeit setze ich lieber für ein kurzes Bewegungsspiel oder Lied zwischendurch ein, das ist meines Erachtens mehr Belohnung für die Kinder ist als irgendwelche Zahlen.
        Bin gespannt, hier mehr über verschiedene Regelsysteme zu lesen und die Erfahrungen damit.

      2. Das System wurde von der Sozialpädagogin initiiert. Einher ging die Einführung mit dem Filmen der Lehrkräfte, bei dem vor allem Wert darauf gelegt wurde, dass die Klammern ohne Wertung gezogen werden (also nicht „Och Kevin, du bist schon wieder am quatschen, gib mir eine Klammer“, sondern hingehen, Klammer ziehen, ggf. nonverbaler Hinweis auf Regeln, die an der Tafel hängen).
        Die SuS bekommen nach der Einführung der Regeln auch ein Filmtraining, bei dem in PA die Sozialkompetenz geschult werden soll. Gefilmt wird immer ein Paar, bei dem ein Kind Schüler-Schüler und ein Kind Schüler-Lehrer ist und bei dem der Schwerpunkt auf dem Loben. Die Aufnahmen werden anschließend mit der ganzen Klasse geschaut und analysiert. Das steht zwar nicht in direktem Zusammenhang mit den Sonnen, wird aber einige Wochen nach Einführung gemacht.
        Das Problem ist halt, dass jeder Kollege seine eigenen Regeln für die Belohnung eingeführt hat. So war das zwar ursprünglich auch nicht gedacht und missfällt auch der Sozialpädagogin, aber ichglaube, es ist auch schwierig, ein System zu finden, dass zu 100% von allen Kollegen unterstützt wird.

        1. Die Sache mit dem Filmtraining finde ich sehr gut! Ich bin überzeugt davon, dass man sich als Lehrer über vieles nicht bewusst ist.
          Den letzten Punkt, den du ansprichst, sehe ich genauso. Es hat eben doch jeder Kollege seine persönlichen pädagogischen Ansichten.

  7. Jetzt gibt es also nicht nur das schwarze Brett, was Schüler ignorieren, sondern auch noch ein Musikbrett! Das wird ja ein „Bretterwald“ – Baumschule? Ich hoffe es funktioniert! 😉

  8. Hallo!
    Da du dich für das System entschieden hast, schlage ich jetzt hier nichts Neues vor. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es deutlich handhabbarer wird, wenn man einfach die Namen mit abwischbarem Folienstift aufschreibt. Da du die Karten laminiert hast, ist das ja kein Problem. Selbst die Suche nach den Störernamen würde mir persönlich zu lange dauern.
    Wir haben ein ähnliches System (Ampel) an der Schule. Und bei rot geht es dann in den Trainingsraum.
    Grundsätzlich finde ich positive Verstärkung auch die bessere Variante (wie vermutlich alles anderen auch 🙂 Nur leider komme ich damit allein an der Förderschule nicht weit.

    Ich bin gespannt, was du demnächst berichtest!

    1. Ich gebe zu, dass ich mich schwer damit tue, Verhalten mit Dingen zu belohnen. Ich weiß, dass viele Psychologen auf diese Tokensysteme schwören, ich finde sie für die Praxis nicht durchführbar und auch realitätsfremd. Wie du schon sagst, man kommt damit nicht sehr weit, auch bei uns nicht.
      Einen Trainingsraum hätte ich auch gerne! Hilft es?

      1. Hallo! Ich belohne in der Regel auch nicht materiell. Eher in die Richtung: Bewegungsspiel aussuchen, Lied wünschen etc.
        Bei und funktioniert der Trainingsraum super. Es gibt drei Grundregeln für alle, die natürlich irgendwie auch individuell ausgelegt werden. Viele Schüler sind schon deutlich runtergefahren, wenn sie im TR ankommen. Es ist auch keine Bestrafung, wird von den Schülern erfreulicherweise auch nicht als solche verstanden. Für mich ist der größte Vorteil, dass Störern die Bühne genommen wird und sich das Stören nicht unermesslich hochschraubt. Bei uns (FS Lernen) möchte keiner den TR missen. Für 4 Stunden Betreuung im TR bekommen wir 2 Stunden angerechnet, da die Stunden im TR ja nicht vorbereitet werden müssen.
        LG

  9. Für den Fachunterricht an einer weiterführenden Schule wäre das sicher zu umständlich. Unser Unterricht ist auch nicht immer im selben Raum, so müsse das ganze Paket mitwandern.
    Wer stört, wird ermahnt. Funktioniert es nicht, kommt sein/ihr Name an die Tafel.
    Am Stundenende müssen sie sich vorne bei mir ihre Aufgabe abholen. Das verhindert, dass sie vorher schon erledigen, was zu tun ist.
    Nochmaliges Stören führt zur Verdopplung der Aufgabenmenge, weiteres Stören zur Vervierfachung. Soweit ist es noch nie gekommen, in meiner ganzen Arbeitszeit nicht.

    Dreht wirklich einer am Rad, so kann er kurz auf den Flur zur Beruhigung. Wenn er denkt, er kann wieder mitarbeiten, soll er klopfen und er darf dann wieder rein.
    So verliert er sein Gesicht nicht und kann hoch erhobenen Hauptes den Raum wieder betreten.
    Die Elterschiene betreten ich sehr ungern, weil es wenig bringt und nur Umstände macht.
    Was aber auch ab und an ganz nett ist, wenn ich aus dem Klassenbuch die Telefonnummer der Eltern raussuche und mein Handy zücke…..so nach dem Motto
    “ Klein-Lukas kann aus dem Kinderparadies abgeholt werden“.
    Ich habe noch nie wählen müssen.

    Aber insgesamt betrachtet ist das ein mühsames Geschäft, da man sich die Regeln, die man aufstellt, auch merken muss, und sehr konsquent sein muss im Umsetzen.Und der eigentliche Unterrichtsinhalt gerät in den Hintergund.
    Ich mag lieber die Verstärkung des gewünschten Verhaltens.
    Im naturwissenschaftlichen Unterricht, der auf vielen Versuchen, die die Schüler selbst machen, beruht, ist man eben auch auf die Lebendigkeit und das Interesse der Schüler angewiesen. Und genau das verhindert man durch zu straffes Management.
    Dafür reicht aber auch ein angedrohtes Versuchsverbot, um wilde Jungs wieder zahm zu bekommen.

    1. So kenne ich das von früher auch und finde es auch absolut gut. Jetzt haben wir allerdings zunehmend das Problem, dass wir Kinder beschulen, die auf mündliche Anweisungen schlecht oder gar nicht reagieren. Woran auch immer das liegen mag. Ich erhoffe mir bei diesen Kindern eine Bewusstmachung des Geschehens, wenn sie ihren Namen an entsprechender Stelle sehen können.

  10. Zunächst einmal vorweg: Ich habe keinerlei pädagogische Ausbildung und auch keine Kinder. Ich schreibe also nur über mein eigenes Erleben.
    Vor einiger Zeit habe ich ein Praktikum in einer Schule gemacht und dabei in mehreren Klassen hospitiert und/oder assistiert. Es gab eine Klasse, in der die Namen von störenden SchülerInnen an die Tafel geschrieben wurden. In dieser Klasse ging es sehr geordnet zu, und es war häufig mucksmäuschenstill.
    Aber: Im Vergleich zu den anderen Klassen (in denen es teilweise recht chaotisch war), fand ich die Athmosphäre hier recht unangenehm. Es wurde viel gepetzt und „eingeschmeichelt“ und „Häme“ gegenüber denen gezeigt, die an die Tafel geschrieben wurden. – Die Wörter, die in Anführungszeichen stehen, finde ich eigentlich zu stark, aber ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. – Den Platz an der Tafel habe ich sehr stark als eine Art Pranger empfunden.
    Natürlich lag das nicht alleine an diesem System. In einer anderen Klasse oder bei einer anderen Lehrerin hätte ich das vielleicht anders erlebt. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass man solche Entwicklungen im Blick behalten sollte.

    1. Vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich habe bisher ein solches System nicht für notwendig erachtet, tue dies für meinen Klassenunterricht auch immer noch nicht, das funktioniert gut ohne. Im Fachunterricht sieht es allerdings manchmal anders aus. Manche Klassen sehe ich nur einmal pro Woche. Da kommen Kinder in den Musikraum gestürmt und denken „yeah, Party!“. Mir ist die Unterrichtszeit schlichtweg zu kostbar, um immer wieder zu ermahnen, oft mit unbefriedigendem Ergebnis für alle Seiten.
      Wie gesagt, es ist ein Versuch. Ich bin sehr gespannt. Vielleicht breche ich ja auch nach 14 Tagen genervt wieder ab 😉

  11. Ich find die Idee von dir gut. Allerdings haben wir an unserer Schule manchmal Eltern, die sich schon darüber aufregen, wenn Kinder mal Regeln abschreiben u. unterschreiben lassen sollen. Die stehen dann immer hinter ihrem Kind („Tja, vielleicht ist der Unterricht ja zu langweilig und er stört deshalb…“ so nach dem Motto. (Sind aber natürlich nur wenige).
    Ich arbeite mit Zeiträubern. Dazu gibt es im Zaubereinmaleins Karten, auf denen steht „Vorsicht, Zeiträuber!“. Wenn nun ein Kind stört oder sich nicht an Regeln hält, lege ich ihm (nachdem ich es meist vorher nonverbal ermahnt habe) wortlos eine Karte auf den Tisch. Stört es wieder, folgt die 2. Karte. Bei der 3. Karte gibt es einen Zettel mit nach Hause (gibt´s auch im Zauber1x1), auf dem ich ankreuze, was das Kind gemacht hat. Auf die Rückseite schreibt es zu Hause eine Idee, wie es uns Zeit „zurück schenken“ kann. (Z.B. wenn es nicht beim Aufräumen geholfen hat, am nächsten Tag den Fegedienst zu übernehmen o.ä.) Die Eltern sollen den Zettel dann unterschreiben.
    Am Tagesende notiere ich mir die Kinder, die Zeiträuberkarten bekommen haben (auch die Anzahl). Die kommen dann automatisch mit ihren Karten zu mir, um sie wieder abzugeben und ich mache entsprechend Striche in einer Liste. (Das ist für den Elternsprechtag usw. ganz hilfreich.)
    Zusätzlich klebt auf jedem Tisch der Kinder ein kleines Kärtchen mit 10 Kronen (Bilder). Für jeden Tag, an dem die Kinder keine Zeiträuber-Karte bekommen haben, dürfen sie sich selbst eine Krone ausmalen. Bei 10 Kronen gibt´s dann was aus einer „Schatzkiste“. (Die Kärtchen sind laminiert und sie schreiben mit Bleistift darauf. Das lässt sich danach wieder ausradieren. Hatten sie 3x 10 Kronen, gibt´s n´Hausaufgaben-Gutschein. (Auf die Kronen müssen die Kinder aber selbst achten.)
    Im Fachunterricht mach ich das ähnlich, nur dass es da nicht um 3 Zeiträuber pro Tag, sondern pro Stunde geht, bei denen es den Zettel gibt. In meiner Liste, in der ich die Zeiträuber im Fachunterricht notiere, kann ich von Zeit zu Zeit abzählen, wie viele „Kronenstunden“ (in denen es also keinen Zeiträuber gab) die Kinder schon haben. Für 10 Kronen gibt´s dann ein Lobkärtchen. Für 2 Lobkärtchen gibt´s einen Englisch-HA-Gutschein.
    Meine Methode war am Anfang sehr umständlich. Aber inzwischen hab ich mich selbst total dran gewöhnt und das Notieren ist schon in Fleisch und Blut übergegangen und nun geht es meist.

    Liebe Grüße, Sternchen

  12. Und jetzt kommt die „Erwachsenenbildung“ – ich erstelle mit meinen Ausbildungsgruppen, die ich länger bzw. öfters in der gleichen Teilnehmerkonstellation habe „Spielregeln“, die zusammen von den Teilnehmern und mir erstellt werden und als Plakat aufgehängt werden. Anschließend wird es von allen unterschrieben. So reicht meist ein Blick auf das Plakat und die großen Kinder sind wieder ruhig.

  13. Bei uns gibt es auch ein Ampelsystem und bei Rot wird das HA-Heft abgegeben. Zu solch einem Eintrag ist es bisher noch noch gekommen, da bei gelb Schluss war. Einen Trainingsraum hätte ich auch gerne. Mir fehlt bei dem Ampelsystem auch der Anreiz für die Farbe grün (HA-Gutschein,…). Außerdem glaube ich, dass die Eltern oftmals nur die negative Rückmeldung erhalten und es mehr positive Interaktion mit dem Elternhaus geben sollte.

    1. Das mit den positiven Rückmeldungen finde ich auch! Ich habe mir mittlerweile angewöhnt den Eltern von Zeit zu Zeit eine kurze E-Mail zu schreiben, wenn ihrem Kind etwas besonders gelungen ist oder auch einfach, wenn es gut läuft. Aber eigentlich mache ich das auch noch zu wenig.

    1. Ah, eine Nachfrage dazu, schön 😉
      Tatsächlich hat es sich als zu umständlich erwiesen. Ich bin dazu übergegangen, einmal zu verwarnen und beim zweiten Mal einen fertigen Zettel auszuteilen, auf dem das Kind etwas zu seinem Verhalten schreiben musste plus Unterschrift von Eltern und Klassenlehrerin.

  14. Ganz tolle Ideen hier! Davon werde ich ganz sicher etwas übernehmen! 🙂
    Mich würde mal interessieren, was für Regeln du im Musikunterricht hast.
    Liebe Grüße von Sarah

    1. Hallo Sarah,
      wir haben folgende Regeln:
      – Ich bin freundlich.
      – Ich spiele nur, wenn ich an der Reihe bin.
      – Ich gehe ordnungsgemäß mit den Instrumenten um.
      – Ich folge den Anweisungen.
      – Ich höre gut zu.

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