Chaos, blankes

Für heute bin ich fertig. Völlig alle, erledigt, entnervt.

Die Drittklässler in Kunst (KUNST, fast mein Lieblingsfach! Wie konnten sie nur!) – ein einziger Sauhaufen. Als hätten sie noch niemals auch nur einen Pinsel aus der Nähe gesehen. Farbe? An Händen, Wänden und Kleidung. (Geschrei.)

Zwei Stunden, die so dermaßen aus dem Ruder liefen, dass mich die blanke Verzweiflung packte. (Für die Nichtlehrer: Das fühlt sich dann so an, als würden die Eingeweide von einer zähen Pickelschicht überzogen werden. Der einzige Gedanke, der einen dann heimsucht, ist: Flucht, Flucht! Kein schönes Gefühl.) Ja, ich wäre tatsächlich am liebsten weggerannt. Die Lautstärke, das ständige „FrauWehFrauWehFrauWeh“, Platzgerangel, der hat aber den Ellbogen auf meinen Tisch gelegt! (Geschrei), Überschwemmungen (noch mehr Geschrei).

Du liebe Güte!

Nun mit ein wenig Abstand, einer ordentlichen Portion künstlich zugeführtem Serotonin und einer geringen Menge Selbstmitleid ausgestattet muss ich erkennen, dass die Stunde gleich mehreren groben Planungsfehlern zum Opfer fiel. Es war ein blöder Fehler anzunehmen, dass die Drittklässler Magenta als Rot akeptieren, nur weil ich das so sage. (Geschrei.) Es war ein noch blöderer Fehler den Kindern Zeitschriften für eine Collage zur Verfügung zu stellen, die doch tatsächlich Werbung für Duschgel oder Bodylotion enthielten. Hormonalarm bei den Kerlchen. Als hätte ich den Playboy verteilt und nicht die Brigitte. Heiße Öhrchen und Hitzewellen. (GeschreiGeschreiGeschrei.)

Es ließe sich noch mehr hinzufügen, aber ich kann nicht mehr. Also hake ich den Tag ab. Kommt doch morgen schon die nächste Chance auf pädagogische Glanzleistungen.

Und Punkt.

Endlich Ruhe.

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25 Kommentare zu „Chaos, blankes

  1. Geht mir auch manchmal so, aber nicht mit Kleinen, sondern mit Pubertierenden. Hormonschübe, da ist man/frau machtlos.
    Aber Sie haben recht, morgen geht es wieder.

    1. Nicht auszudenken, die Drittklässler wären schon mittendrin in der Pubertät. Ich müsste mir wohl die Kugel geben! Mein Respekt gilt all den Kollegen, die sich mit in der Mittelstufe herumschlagen!

  2. Ganz ehrlich, der Beitrag gefällt mir gar nicht…meine Tochter hat gerade die zweite Klasse begonnen und wenn sie es – trotz steter Bemühungen – nicht schaffen sollte, diese zu wiederholen ist sie in nur einem Jahr in der dritten Klasse! Nein, nein, nein…nicht mein Baby….meine kleine, süsse Maus…mit Jungs, die Werbung für Duschgel aufregt? Selber eine Zicke…nein, nein, nein!

  3. Magenta? Das ist Telekom-Rot – ist doch wohl klar! Welcher Radprofi würde denn in Rosa fahren??
    Aber jetzt ist gut reden…Herzliches Beileid und lesen Sie den Beitrag noch mal im nächsten Juli, wenn Sie „die Dreier“ so erzogen haben werden, dass sie die weltallerbestbravsten Kunstschüler sind.

  4. Ach, Frau Weh! Das wird schon wieder! Auch ich kenne die Tücken des Kunstunterrichts, der wirklich manchmal aus dem Ruder läuft. Aus nichtigen Gründen. Aber es kommen auch immer wieder schönere Zeiten. Plus pädagogischer Glanzleistungen. 😉

  5. Liebe Frau Weh,
    vielleicht lag es aber auch einfach ein bisschen in der Luft, das Chaos. Es war heute anscheinend ein wirklich guter Tag fürs Ausflippen und Chaos verbreiten. Morgen, morgen wird schön, ich schwör.

  6. Ojeeee, ich weiß, wie das ist.
    Sie Arme!
    Soll ich mal erzählen von der 7.Klässler-Exkursion in den Wald, mit Pilze bestimmen? Und das Waldstück nachher aussah, als ob Wildschweine es umgepflügt hätten. Alles mit Geschrei und gegenseitigem Pilzeaustreten, obwohl genau abgegrenzt war, wer wo guckt.
    Alle dreckig, alle laut, ich fertig.
    In diesen Wald bin ich nie wieder gegangen. Wegen Tatort. Sie wissen schon.

  7. Danke, dass du diesen Einblick hinter die Klassenzimmertür ermöglichst. Bin noch nicht so lange dabei und würde sonst glauben, dass das nur bei mir so passieren kann… (Was ich aber schon weiß: Das nächste High folgt bestimmt – das ist ja das Schöne an diesem Beruf!)

  8. Ist es schlimm, wenn ich hier lauthals gelacht habe?
    Ich schieb mal eine Portion Mitleid rüber und Kraft für neue pädagogische Glanzleistungen. 🙂

  9. Liebe Frau Weh – auch wenn ihr Tag heute hart war: Ihre Berichte sind einsame Spitze und da ich Mutter eines 3. Klässler bin kann ich sie absolut verstehen. Auch ”Normalomütter” (und ich denke ich bin eine 🙂 ) haben ab und an Probleme mit der ”Supermom” 😀
    Ich sitze seit nun 10 Wochen im fernen Amerika und schlage mich mit meinem Mini durch die 3rd Grade – wow kann ich nur sagen! Hier läuft alles etwas anders, vorallem die Eltern werden viel mehr mit ins Geschehen gezogen und unterstützen die Lehrer/Schule wo es nur geht! War neu für uns aber absolut empfehlenswert! Falls Sie mal wieder Input für Kunst benötigen: allkidsnetwork.com ist uns hier empfohlen worden und wie ich finde gibt es hier unzählige gute Ideen zum umsetzen! Den Papierbaum werde ich nachbasteln – sieht klasse aus (Vorteil wir haben hier Lunchpacks)! Weiter so und nicht unterkriegen lassen! Liebe Grüße annela

    1. Danke für den link und die nette Rückmeldung, annela! Ich lese viel in amerikanischen Lehrerblogs und schwanke immer zwischen Erstaunen, Neid und manchmal auch Entsetzen. Das ist schon ein ganz anderes System, auch ein ganz anderer Ansatz des Lehrens und Lernens. Wie schlägt sich denn der Mini im System?

      LG
      Frau Weh

      1. Der Mini schlägt sich zauberhaft!! Es ist ein Wahnsinn zu sehen, wie Mini nach nur knapp 9 Wochen fast flüssiges Englisch spricht! Da wird man ganz blass als Erwachsener. Ich denke immer an: *arggghh, wenn ich den ganzen Tag im Unterricht sitzen würde und nur ansatzweise die Mimik verstehen würde, verzweifeln würde ich* – aber Mini babbelt einem in engl. das Ohr ab! Nur die Mathe-HA stressen etwas: Bruchrechnen und co war bei uns leider noch nicht in der 2. Kl, somit holen wir jetzt einiges nach. Unser Ziel: englisch lernen, da müssen keine weltbesten Noten rauskommen. In diesem Jahr wird genug gelernt! Wir halten uns also tapfer!

        Ich lese gerne Ihren Blog und fiebere mit Ihnen durch den Schulalltag! Weiter so – es ist so schön zu sehen, dass es eine Menge talentierter und engagierter Lehrer gibt!

        1. Esist schon faszinierend, wie leicht Kinder Sprachen lernen können. Da steht man als Erwachsener wirklich nur staunend daneben. Ich merke es selber oft im Untericht, wenn wir Migrantenkinder bekommen.
          Schön, dass der Mini sich so gut macht, alles Gute weiterhin!

  10. Arme Frau Weh. Lass dich von Herrn Weh oder den Wehwehchen trösten. Das hilft bestimmt. Und – neuer Tag neues Glück 🙂 !

  11. Ach Mensch… armes Weh…
    die Metapher mit der Pickelschicht ist aber bä ^^
    ist für sie ja vielleicht interestink wie sowas bei einer Synästetikerin ankommt: es ist graugrün grintend mit einem sandig-eitrigen Nachgang.. bä bä bä [Geschreih Geschreih Geschreih lol]

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