Lieblingsbücher

Da mich nicht nur Frau Enn in einer E-Mail so nett darauf hinwies, dass ich lieber ein wenig vorsichtiger mit fremden Texten umgehen solle, tut es mir wahnsinnig leid, aber ich entferne die Vertretungsstunde vom wunderbaren Herrn Weh dann doch lieber. Schließlich haben wir diesen Blog alle ein bisschen gern und wollen ihn uns noch eine Weile erhalten.

Damit es aber nicht traurig, sondern im Gegenteil noch lustiger wird, ersetze ich den Ursprungsbeitrag durch die Antwort von Herrn Enn. Herr Enn nämlich erfährt die Lebenswirklichkeit der Grundschullehrerin durch seine Gattin doch etwas anders als Astrid Lindgren dies noch vor wenigen Jahrzehnten tat. Vielen Dank also an Frau und Herrn Enn, stellvertretend für so viele LeserInnen, die mir in Kommentaren und E-Mails mitteilen, wie sehr ihnen die Kuschelpaedagogik ans Herz gewachsen ist. Was wäre dieser Blog ohne euch? 🙂

„In der nächsten Stunde haben sie Sachunterricht. Die Flohbändigerin zeigt den Kids einen kleinen Vogel im Käfig, den sie auf abenteuerliche Weise am Tag zuvor im Wald eingefangen hat.
“Könnt ihr mir sagen, was dies für ein Vogel ist?” fragt sie.
“Ein Papagei”, schreit Yussuf.
Jason macht den Papagei, rennt kreuz und quer durch die Klasse und ahmt auf verblüffende Weise genau die Bewegungen dieses Urwaldvogels nach, wobei sein Gekreische dem eines Papageis täuschend ähnlich klingt.
“Aber Papagei ist falsch.” Da hebt Sophia die Hand hoch, obgleich sie ja als Antragskind schon als Fünfjährige zur Schule geht. “Ich weiß, das ist ein Fringilla coelebs”, sagt sie, woraufhin die Lehrerin flugs in ihrem Pult-Laptop bei ausgeschaltetem Beamer ins Internet huscht um nachzuschauen, was denn dieser lateinische Name auf Deutsch bedeutet. Upps, *schäm* sie hat ja Recht! Es ist ein Buchfink.
“Nomen est omen, Sophia”, ruft sie dem weisen Kind zu, dem sie eine Karriere als Ornithologieprofessorin bereits heute prophezeien kann und die sie weniger als zukünftigen Buchfink, denn als digital native betrachtet, der sein Wissen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt aus dem Smartphone bezieht.
Und Chantal-Jasmin erzählt, dass sie und Sophia am Nachmittag immer online sind und dass es dort alle Vögel der Welt gibt. Und Phillipp-Pascal berichtet, dass bei ihm jedes Wochenende Freunde zur LAN-Party kommen.
Und Robin erinnert sich, dass einmal ein Schrotthändler an ihre Tür gekommen ist und alte Computer haben wollte. Aber Papa und Mama wollten das nicht, weil er noch keinen neuen haben sollte, dabei konnte sein alter nicht mal fatzebock. “Und dann haben wir auch HD-Fernsehen …”
“Aber nun haben wir es mit Buchfinken zu tun”, sagt die Lehrerin und ärgert sich, dass sie am Tag zuvor auf abenteuerliche Weise im Wald einen Buchfink eingefangen hat. Armes Tier! Was soll das Vögelchen nur von den Computerkids denken?
Denkt er analog zur inzwischen längst veralteten Waschmittelwerbung, in der zwei Enten nebeneinander stehen, sich ratlos anschauen und bei der die eine zur anderen sagt: “Ich versteh sie nicht, die Menschen” …?“

DAS passiert so und ähnlich Tag für Tag bei Frau Enn … der meinetwegen zweitbesten Grundschullehrerin von allen … obwohl Herr Enn da anderer Meinung ist.

Was wohl morgen wieder ins Haus steht … ein spannender Beruf ist das …

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16 Kommentare zu „Lieblingsbücher

  1. Ich weiß es! Ich bin zwar keine Lehrerin, hab aber ein i-dötzchen, und dem hab ich das Buch zur Vorbereitung auf die Einschulung gefühlt 234235 mal vorgelesen.

    1. Da das Miniwehchen noch nicht das Kindergartenalter erreicht hat, werden wir diese Zahl vermutlich locker toppen können. Mittlerweile hat schon jedes Kind in diesem Buch einen Namen. Sogar die Katze am Fenster. Es fehlt also nur noch der Buchfink.

      1. 😀
        Wenn es mal zu arg wird: Man kann sich auch von Manfred Steffen vertreten lassen beim Vorlesen, der macht das auch hübsch. 😉

  2. Sorry, Herr Weh,

    hast Du Deiner allerbesten Grundschullehrerin *ts ts* doch noch nie so richtig zugehört? Bei Frau Weh und Frau Enn geht das in Wirklichkeit nämlich so:

    In der nächsten Stunde haben sie Sachunterricht. Die Flohbändigerin zeigt den Kids einen kleinen Vogel im Käfig, den sie auf abenteuerliche Weise am Tag zuvor im Wald eingefangen hat.
    “Könnt ihr mir sagen, was dies für ein Vogel ist?” fragt sie.
    “Ein Papagei”, schreit Yussuf.
    Jason macht den Papagei, rennt kreuz und quer durch die Klasse und ahmt auf verblüffende Weise genau die Bewegungen dieses Urwaldvogels nach, wobei sein Gekreische dem eines Papageis täuschend ähnlich klingt.
    „Aber Papagei ist falsch.“ Da hebt Sophia die Hand hoch, obgleich sie ja als Antragskind schon als Fünfjährige zur Schule geht. “Ich weiß, das ist ein Fringilla coelebs”, sagt sie, woraufhin die Lehrerin flugs in ihrem Pult-Laptop bei ausgeschaltetem Beamer ins Internet huscht um nachzuschauen, was denn dieser lateinische Name auf Deutsch bedeutet. Upps, *schäm* sie hat ja Recht! Es ist ein Buchfink.
    “Nomen est omen, Sophia“, ruft sie dem weisen Kind zu, dem sie eine Karriere als Ornithologieprofessorin bereits heute prophezeien kann und die sie weniger als zukünftigen Buchfink, denn als digital native betrachtet, der sein Wissen zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt aus dem Smartphone bezieht.
    Und Chantal-Jasmin erzählt, dass sie und Sophia am Nachmittag immer online sind und dass es dort alle Vögel der Welt gibt. Und Phillipp-Pascal berichtet, dass bei ihm jedes Wochenende Freunde zur LAN-Party kommen.
    Und Robin erinnert sich, dass einmal ein Schrotthändler an ihre Tür gekommen ist und alte Computer haben wollte. Aber Papa und Mama wollten das nicht, weil er noch keinen neuen haben sollte, dabei konnte sein alter nicht mal fatzebock. “Und dann haben wir auch HD-Fernsehen …”
    “Aber nun haben wir es mit Buchfinken zu tun”, sagt die Lehrerin und ärgert sich, dass sie am Tag zuvor auf abenteuerliche Weise im Wald einen Buchfink eingefangen hat. Armes Tier! Was soll das Vögelchen nur von den Computerkids denken?
    Denkt er analog zur inzwischen längst veralteten Waschmittelwerbung, in der zwei Enten nebeneinander stehen, sich ratlos anschauen und bei der die eine zur anderen sagt: „Ich versteh sie nicht, die Menschen“ …?

    DAS passiert so und ähnlich Tag für Tag bei Frau Enn … der meinetwegen zweitbesten Grundschullehrerin von allen … obwohl Herr Enn da anderer Meinung ist.

    Was wohl morgen wieder ins Haus steht … ein spannender Beruf ist das …

    Mausige Grüße von Frau Enn, die ihre Kraft aus dem Lachen bezieht (es sind doch noch Kiiindeeeeer!)

  3. habe gerade 1-2 Sätze aus dem buchtext gegoogelt und habe direkt fast nur links zu dem wehschen wohnzimmer…ääääh blog bekommen…FAST? ja genau fast! und zwar kam das einzige andere ergebnis von der seite des ukrainischen bildungsministeriums und ist ein Arbeitsblatt zum „satzgefüge im deutschen“
    herrlich. ich liebe diesen blog.ich liebe meine berufswahl.

    PS: nur an Familie Weh …dritte woche parktikum und ich habe noch nicht gewagt jemanden mit einem rollenden R zu errrrschrecken 😉

    1. Interessant. Ich habe wirklich gedacht, das Buch sein ein echter Klassiker und wesentlich bekannter. So kann man sich täuschen.

  4. “Aber nun wir es mit Buchfinken zu tun”, sagt die Lehrerin. Ist Bayern? Kenne die Bildungswunder „Grundschule, Bayern“ zwar nur vom „Jauch“, naja, nicht nun 😉 , auch die Bundeswehr kann eher Einsätze denn Sätze…

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