Alltag

„Ich kann niemanden erreichen“ teilt mir die weltbeste Schulsekretärin mit „wir haben keine aktuelle Nummer vorliegen“. Ich quittiere die Information mit einem Schulterzucken. Es ist nicht das erste Mal, dass Maiks Familie den Telefonanbieter wechselt oder ihnen das Telefon gesperrt wird.

Wieder in der Klasse frage ich Maik, der unter einer Decke im Lesesessel hockt, seit wann Mama und Papa denn im Urlaub sind. „Seit Samstag. Wir haben alle geweint. Mama auch, aber dann sind sie doch gefahren. Sie brauchen ja ihren Urlaub wegen uns allen, weil das alles so anstrengend ist immer.“ Wer sich um ihn und seine fünf Geschwister jetzt kümmert möchte ich wissen. „Das macht die Oma, aber die schafft das nicht alles.“ Ich nicke ihm freundlich zu, mache einen Becher Tee fertig und erkläre, er könne noch eine Weile im Sessel bleiben bis es ihm wieder etwas besser gehe. Die Drittklässler machen verdutzte Gesichter. Sie mögen Maik nicht gerne. Seine Hausaufgaben macht er eigentlich nie, manchmal riecht er komisch. Er sagt seltsame Dinge und irgendwie ist er ihnen auch unsympathisch. Die Tatsache, dass die meisten seiner Geschwister auf eine andere Schule gehen, ist ihnen bekannt und auch, dass seine Eltern ihm regelmäßig sagen, er komme da bestimmt auch hin, weil er dumm sei. Aber dass es ihm gerade nicht gut geht, das merken sie und es tut ihnen irgendwie leid. „Möchtest du ein Stück Apfel?“ fragt Marc. Auch Schmitti beeilt sich und zieht einen Stapel Sammelkarten aus der Tasche. „Du kannst die Schildkröte mit Glitzer haben, die ist voll selten!“

Nach der Schule setze ich Maik ins Auto. Darf ich nicht. Ist mir egal. Er ist verwundert über den Anschnallmechanismus im Kindersitz. Das kennt er nicht. Ein paar Minuten später sind wir angekommen. Nach mehrmaligem Klingeln öffnet die Oma die Tür: „Ja! Was ist denn?“ Ich übergebe ihr Maik und verlange eine Telefonnummer. „Getz stellen Se sich nich an, Frollein! Gib et nich!“

Die männliche Supernanny, mein Freund vom Jugendamt, ist nicht weiter überrascht als ich später anrufe. „Ah, bei dir wollte ich mich die ganze Zeit schon melden. Ich habe noch keinen Termin mit Familie Maik ausmachen können. Da geht keiner ans Telefon.“

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44 Kommentare zu „Alltag

  1. …leider is die Schulrealität so…traurig…
    Schade, dass das Leid immer auf den Kindern lastet. Ich befinde mich noch im 1. Staatsexamen und bin gespannt wie ich reagiere, wenn solche Situationen auftreten. Leider darf man den Eltern nicht die Meinung sagen und muss häufig die schulische Etikette wahren. Das kann es doch nicht sein. Ich habe selbst erlebt, dass Eltern während der Einschulungsfeier auf dem Schulhof geraucht haben und die Direktorin nichts anmerken wollte um die Stimmung nicht zu versauen!!!!! Wenn die „Chefin“ selbst so lasch ist, wie sollen die Eltern und Schüler dann überhaupt zur Vernunft bzw. mit Vorbildern konfrontiert werden. Die Vorbildfunktion fängt doch schon am Schultor an.

    Mit freundlichen Grüßen

    ein „aufgebrachter“ Lehramtsstudent ^^

    P.S.: Super Blog, weiter so.

    1. Oh, man kann sehr wohl seine Meinung äußern, man sollte nur auf die Wortwahl achten. Leider bekommt man dies weder im Studium noch im Referendariat beigebracht, was es nachher durchaus schwer machen kann.

      Ich drücke dir die Daumen für das Examen, wie weit bist du denn?

  2. Wir erleben immer wieder, dass Familien, welche die Betreuung vom Jugendamt als zu bevormundend empfinden bzw. sich dieser Betreuung entziehen wollen, einfach ins benachbarte Bundesland ziehen, das nur 20 km entfernt ist. Das Jugendamt dort kennt meist die Familie, doch darf es die häufig bereits bestehende Akte nicht weiterführen, sondern muss eine neue anlegen. Das heißt, viel Zeit vergeht, bis wieder konkrete Vereinbarungen getroffen werden können. Und wenn dem dann so ist, ziehen die Familien wieder zurück zu uns und das Jugendamt bei uns legt eine neue Akte an … Oft fühlen wir als Lehrer uns dann sehr, sehr hilflos!

    1. Diese Hilflosigkeit, die du ansprichst, spiegelt exakt meine Gefühlslage wider. Die Familie von Maik ist zu behäbig und vielleicht auch zu ignorant, um vor dem JA zu flüchten. Dafür gibt es auch keinen Grund. Aber ich habe ein anderes Kind in der Klasse, bei dem exakt dies der Fall ist. Da wird auch noch einiges auf uns zukommen :-/

  3. Traurig. Der arme Junge! Ich hoffe ganz fest, dass ich niemals mit sso einer Situation in meiner Klasse konfrontiert werde. Bitte schreib, wie es weiter geht.

    1. Es wird so weitergehen wie bisher. Die Eltern werden Gesprächstermine konsequent ignorieren, kein Material besorgen, nicht auf Hausaufgaben oder Fördermöglichkeiten achten usw. Dies verursacht Ärger und Unverständnis, ist aber keine Kindeswohlgefährdung im gesetzlichen Sinne.
      Solltest du nicht in einem gänzlich idyllischen Kontext eine Stelle haben, wirst du mit Sicherheit auf kurz oder lang damit konfrontiert werden. Leider sind es nämlich gar nicht so wenige Kinder, denen es nicht gut geht.

  4. Hi Frau Kolleeschinn,

    tja, solche Schicksale umgeben uns ja nicht selten. Und man ist doch immer wieder ratlos, was man da tun soll oder kann. Im Grunde kann man gar nichts tun, außer dem Herzchen gut zugetan zu sein. Und das ist mehr als die halbe Miete. Das mit dem Becher Tee ist ja schon mal was fürs Seelchen.
    Wir müssen natürlich auch schön aufpassen, dass wir selbst bei solchen Sachen nicht zu viel Kraft lassen, denn wir sind ja auch noch für die anderen da. Aber, wie ich sehe, hast Du doch ein paar mitfühlende Kerlchen in Deiner Klasse.

    Bei meinem bedauernswerten I-Mädchen (was bei uns derzeit A-Mädchen sind) ist auch nichts zu machen. Kein Geld da … wie auch immer … aber viele Kinder. Vielleicht keine Arbeit und dann das verständliche Schamgefühl. Dann darf das Kind nichts mitmachen, Telefon wird nicht angegeben, weil ja jemand anrufen und Geld fordern könnte. Einladungen zu Kindergeburtstagen werden nicht angenommen, denn man könnte ein Geschenk erwarten oder man befürchtet, eine Gegeneinladung aussprechen zu müssen. Dabei wird ausdrücklich um pure Anwesenheit gebeten (bitte ohne Geschenk). Hilft nix …
    Was aber manchmal erstaunlich ist, dass in solche Familien ganz große und reife Seelen geboren werden. Das Mädel ist fleißig, weiß, was es tut, hilft gern, macht seine Aufgaben in Ruhe und bewusst. Vielleicht findet es ja eines Tages mal den Weg aus dem Teufelskreis der Familiengeschichte heraus. Von mir erfährt es jegliche Unterstützung und bekommt auch regelmäßige positive Rückmeldung ins Elternhaus, weil die bestimmt auch Positives brauchen.
    Und wenn sich dann nichts bewegt, kann ich es auch nicht ändern. Loslassendes Handeln ist angesagt …

    Du bist ’ne tolle Lehrerin! Wollte ich bei der Gelegenheit mal sagen …

    Kolleeeschiale Grüße von der Frau Enn

    1. Danke für deine lieben Worte! Ich habe heute wieder ganz schön gezweifelt. An der Gesellschaft, am System, an mir. Es gibt so viele Dinge, die ich einfach nicht richtig finde, die mich maßlos wütend und traurig machen. Und immer wieder das Gefühl, nicht annähernd genug tun zu können.

    1. Mich macht das so wütend! Und es sind diese Momente, in denen ich mich frage, ob ich meiner Arbeit überhaupt auf Dauer gewachsen bin oder ob es mich irgendwann einfach auffrisst und kaputt macht.

  5. Das muss ich erst Mal verdauen. Obwohl, meine Mutter hatte ja immer eine halbe Klasse voll Sozialfälle, da bin ich einiges gewohnt aus ihren Erzählungen

  6. Tja, wenn sie Pech haben, sind diese Kinder bald ihre Geschwister und die Eltern ganz los, werden – im Namen des „Kindeswohls“ – durch das Jugendamt von ihrer leiblichen Familie weggenommen.
    Allerdings: Könnte man die Mutter mit den 5 Kindern nicht irgendwie konstruktiv unterstützen? Das würde viele Heim- und Pflegefamilienunterbringungen – und damit die Entwurzelung der Kinder, Auseinanderreißen der Familie mit schwierigen Folgen für die Zukunft – verhindern. Und außerdem die hohen „Unterbringungskosten“ – die der Steuerzahler übernimmt, übernehmen muss.
    http://www.scilogs.de/blogs/blog/ahmaz/2009-01-08/staatlich-verordnete-kindesmisshandlung….alltag-in-kinderheimen
    Ich wünsche Maik und seiner Familie sehr, dass sie konstruktive Unterstützung für ihr Leben finden!
    Die aktuelle Politik benachteiligt konsequent die bereits Armen!
    http://www.sozialticker.com/diese-politik-ist-kindeswohl-und-familiengefaehrdend_20120731.html
    Sie haben keinerlei Kindergelderhöhung seit 2009 bekommen (gesamt 30 Euro pro Monat und Kind). Aber sie müssen auch Klamotten für die Kinder besorgen, Schulsachen, Strom, Telefon, ÖPNV, Essen, usw.

    http://www.glmk.de – Aktionsbündnis „Gerne leben mit Kindern“

    Danke, Frau Weh, für Ihre lebendigen Berichte und Tipps!
    Und alles Gute auch für Ihre Familie!

    1. Hallo Frau Rosebrock,
      hier wird niemandem irgendwer weggenommen. Im Gegenteil. Seit Jahren bekommt diese Familie Hilfe zur Selbsthilfe. Und das Geld scheint auch nicht das Problem zu sein. Zwar reicht es nicht für Klassenkasse und Telefon, 2 Wochen Fuerteventura scheinen aber möglich zu sein.
      Nein, ich sehe mich außerstande hier den schwarzen Peter der Politik oder dem bösen Jugendamt in die Schuhe zu schieben.
      Ich hatte vor einiger Zeit einen Fall von akuter Kindeswohlgefährdung, selbst da wurde nicht einfach ein Kind aus der Familie gerissen. Das ist tatsächlich das Letzte, was ein Jugendamt unternimmt und da muss auch schon ganz schön was vorgefallen sein.
      Traurige Tatsache ist, dass viele Eltern akut überfordert sind, ihren Kindern grundlegende und notwendige Fürsorge zukommen zu lassen. Traurige Tatsache ist ebenfalls, dass wir Lehrer so gut wie gar nichts tun können, diese Eltern in ihre Pflicht (jawohl, Pflicht!) zu weisen, wenn sie es nicht wollen. Konstruktive Hilfe ist gut, muss aber angenommen und gewollt werden.
      Viele Grüße,
      Frau Weh

      1. Das sehe ich genauso!
        Als Lehrer haben wir seit einigen Jahren den Ordner „Frühe Hilfen“ in der Schule.
        Wir sind vom Jugendamt gebeten worden, Beobachten zu melden, lieber eher als früher. Was ich richtig finde.
        Ich habe letztes Jahr das erste Mal den Schritt gewagt – eine Familie beim Jugendamt zu melden, und hatte zunächst Bauchschmerzen dabei. Heute – ein Jahr später, weiß ich, dass die Mühlen zwar langsam laufen, aber sie laufen und der Schüler und seine Familie wird jetzt mit einer Familienhilfe unterstützt, die eine Menge in Bewegung zum Positiven bringt!
        Ich werde diesen Schritt in Zukunft wieder wählen, weil ich jeden Tag sehe, was für Auswirkungen es hat und ich jetzt weißt, dass den Familien geholfen werden kann.
        Ich kann bestätigen, dass, wie Frau Weh schreibt, das Jugendamt tatsächlich ein Kind nicht aus der Familie reißen kann. Da müssen erst ganz extreme Dinge passieren.

        Ich als Lehrer möchte aber nicht einfach nur zusehen und bin heute dankbar für die Möglichkeiten der Kooperation mit dem Jugendamt – im Besten Falle – auch mit den Eltern!

        Wenn die sich sträuben, ist es schwer …. was dann tatsächlich fatale Konsequenzen haben könnte.

        Viele Grüße – Vanessa

        1. Meine Erfahrung, die sich weniger auf schulische, sondern auf juristische Vorgänge stützt, ist, dass die Kinder nicht zu oft, sondern viel zu selten aus ihren Familien „gerissen“ werden.
          Das deutsche Rechtssystem geht von der -grundsätzlich ja positiv zu sehenden- Tatsache aus, Kinder seien bei ihren leiblichen Eltern am Besten aufgehoben. Immer. In vielen Fällen ist das gut so, in vielen allerdings sehr zweifelhaft. Dieses System verteidigt die elterliche Sorge mit Zähnen und Klauen. Da wird eine Maßnahme nach der anderen angeordnet (und ja, die kosten auch verdammt viel Geld…), Eltern entziehen sich quasi folgenlos und Lehrer, Erzieher, Umfeld stehen machtlos daneben. Das Jugendamt und das Gericht sehen die Missstände, aber ihnen sind die Hänge gebunden. Schließlich soll die Familie nicht auseinander gerissen werden. Besser eine Kindheit ohne Liebe als eine Kindheit ohne Mutter. Gefährdung des Kindeswohls… das ist erst gefährdet, wenn wirklich, wirklich schlimme Dinge passieren.
          Tatsache ist, dass Heimplätze und Pflegefamilien teuer sind, dass Jugendämter einen bestimmten Obolus haben, den sie dafür ausgeben können und wenn der überschritten wird, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. Es gibt Jugendämter, in denen die Mitarbeiter gezwungen sind, „Fälle“, die eigentlich alle aus der Familie genommen müssten, gegeneinander abzuwägen, weil nicht genügend Pflegeplätze vorhanden sind. Wenn doch etwas passiert, ist im Zweifel eben das Jugendamt Schuld.
          Pflegeeltern wird das Leben unnötig schwer gemacht, indem nie juristische Klarheit geschaffen werden kann; selten klar ist, ob das Kind dauerhaft in guter Betreuung bleiben kann oder irgendwann zu den Eltern zurückmuss (und ich wähle hier betont das Wörtchen „muss“), wo Betreuung und Förderung wesentlich schlechter sind, Eltern überfordert sind mit dem Trauma, das sie selbst bei ihrem Kind verursacht haben usw. usf.
          Wie man bei solchen Zuständen zu dem Schluß kommt, Kinder würden in viel zu großer Anzahl aus Familien gerissen, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.

          1. Ich weiß, das ist nun schon was her aber wie hier teilweise auf das Rechtssystem gehackt wird, lässt mich dezent schmunzeln. Natürlich geh ich da nicht immer mit und tatsächlich ist es oft schlicht eine Kostenfrage, aber man darf nicht vergessen, dass es ein ungeheurer Einschnitt ist, wenn ein Kind aus seiner gewohnten Umgebung aus der Familie gerissen wird. Alleine das kann gerne den ein oder anderen Knacks in der Psyche ausmachen und ist wirklich das letzte Mittel, das man anwenden sollte wenn noch Hoffnung besteht, dem Kind andersweitig helfen zu können. Was glaubt ihr denn wieviele Kinder für welche „Vergehen“ aus den Familien gezogen würden, wenn das „freier“ gehandhabt werden würde. Da müsste jede Mutter um ihr Kind fürchten, welches sie mal nicht wettertypisch angezogen hat. Das ist nun arg übertrieben, aber man muss halt echt die andere Seite auch sehen und darf das „Rausnehmen aus der Familie“ nicht als 0815-Lösung sehen. :/

    1. Ähnliche Fälle gibt es in der Sek. I/II auch.
      Ich erinnere mich noch gut an eine minderjährige schwangere Schülerin, die freitags nach der letzten Stunde vor mir stand und mir berichtete, ihre Mutter habe ihr Schlüssel, Geld und Handy abgenommen und sie rausgeworfen.
      Schlimm, einfach nur schlimm.
      Das nimmt man mit nach Hause.

      1. Das ist furchtbar, keine Frage!
        Leid gibt es sicherlich an jeder Schulform zu beobachten. Dennoch denke ich, dass dies gerade in den Grund- und Hauptschulen besonders häufig zutage tritt. In den Grundschulen, weil wir ja gerne und zu Recht als die einzig wahre Gesamtschule bezeichnet werden und alle Kinder unterrichten, in den Hauptschulen sicherlich, weil so viele Kinder dort immer noch aufgrund ihres sozialen Backgrounds landen.

  7. Ich lese gerade die ganzen Kommentare und merke, das ist ein Thema, bei dem es jedem von uns „ans Eingemachte“ geht. Das sind Themen, die über große Strecken auch unsere Gespräche in Lehrerzimmern beherrschen. Über die man immer wieder redet, weil es einfach nicht anders geht, die man kaum nach außen tragen kann, weil Außenstehende das nur schwer nachvollziehen können, oder sehr schnell undurchführbare Lösungsvorschläge vorbringen. Denn auch die Außenstehenden wollen oder können die Vorstellung von solchen Situationen nicht aushalten. Wir dagegen müssen es. Und bei uns Lehrern bleibt ganz viel Traurigkeit und noch viel mehr Hilflosigkeit übrig.
    Auch ich konnte über die Jahre beobachten, dass aus solch desolaten Zuständen immer wieder überraschend gefestigte und lebenstüchtige Menschen hervorwachsen, oder wie Frau Enn es nennt „reife Seelen“. Sicher haben sie einen „Knacks weg“, aber lange nicht so schlimm, wie es nach den Umständen zu vermuten gewesen wäre. Das tröstet mich. Und ich stelle immer wieder fest, dass genau solche Sorgenkinder oft einen sicheren Instinkt für Menschen in ihrer Umgebung haben, und das sind ganz oft auch die Lehrer, die ihnen das geben können, was ihnen fehlt. So sind unsere Bemühungen doch nicht ganz vergebens. Hoffentlich …

    1. Ich stimme dir zu, es geht einem nahe. Manchmal auch zu nahe. Und ich stimme ebenfalls zu, dass viele Kinder mehr aushalten können, als wir für möglich halten. Furchtbar ist und bleibt es ja dennoch.

  8. Ganz was anderes: Ich mag die Fische auf der Seite. Ich füttere sie jeden Tag. Sie mögen mein Futter immer und werden nicht fett. Ziemlich bescheuert, aber dich freu mich jedes mal über die fünf munteren Kerlchen!!!

      1. Wenn Miniweh und ich weiterhin diese süßen kleinen Kerle in dem Ausmaß füttern, dann platzt irgendwann noch der Bildschirm und das ganze Wasser läuft über die Tastatur. Das will ich sehen. Mach weiter, Miniweh!!!

  9. Hallo Frau Weh,
    wollte nur sagen, dass ich dich und dein pädagogisches Feingefühl echt klasse finde. Schön, dass es solche Lehrer wie dich gibt; dem ein oder anderen Kind (oder vielleicht nur wirklich einem, aber das ist ja schon etwas) kann dadurch geholfen werden.

  10. In der Klasse meiner Kleinen ist ein Kind mit ähnlichem Schicksal. Für smartphone und Zigaretten ist Geld da, nicht aber für Schulsachen, ordentliche Winterstiefel (schon mal in Gummistiefeln durch die kalten Monate gestapft?) oder gar einen kleinen Adventskalender vom Discounter.
    Einerseits ärgere ich mich tierisch über die Eltern, die ihrem Kind nicht gerecht werden, und es widerstrebt mir eigentlich zutiefst, sie in ihrer Faulheit und Gedankenlosigkeit auch noch zu unterstützen.
    Andererseits tut mir das Kind unheimlich leid.
    Also packe ich meiner Kleinen noch eine Extra-Schnitte in die Brotbox, damit sie in der Pause sagen kann „Meine Mama hat mir wie immer zuviel mitgegeben, magst Du was abhaben?“, hinterlege Schreibhefte bei der Klassenlehrerin – „Du hast kein Heft, warte mal, ich hab hier noch ein ungebrauchtes rumliegen“ -. Oder nehme das Kind mit zu uns ins Trockene, wenn es draußem im Regen steht, weil die Eltern ohne Bescheid zu sagen unterwegs sind und es – mal wieder – vor verschlossener Tür steht (Im Frühjahr, als es nochmals so kalt gewesen ist, hatte das Kind in der Spielhütte auf dem Spielplatz Unterschlupf gesucht. Ich hab das Mädchen zufällig gesehen, weil ich auf dem Weg zum Altglascontainer war, und sie angesprochen, ob es nicht zu kalt zum Spielen wäre. Doch schon, aber es wäre keiner zuhause und sie wüsste weder, wann die Eltern kommen noch wo sie hinsolle. Da war die Schule schon zwei Stunden aus und das Kind völlig durchgefroren).
    Und immer wieder frage ich mich, ob das alles nicht kontraproduktiv ist, weil die Eltern dann ja gezeigt kriegen, dass sie sich nicht kümmern brauchen, da es auch so klappt und andere es unaufgefordert tun.

    1. Genau das ist das Dilemma, in dem sich meine Kolleginnen und ich so oft wiederfinden! Verweigert man die – oft materielle – Hilfe, so hat das Kind noch weniger Chancen. Gewährt man sie, unterstützt man das Verhalten der Eltern.

      Ich finde toll, dass es Eltern wie dich gibt, die nicht nur das eigene Kind im Fokus haben, sondern sensibel für die Nöte anderer sind. Und die Selbstverständlichkeit, mit der du handelst, ist für deine eigene Tochter wegweisender als es jede noch so nette Geschichte im Ethikunterricht je sein könnte.

  11. Es darf keiner mehr behaupten, dass der Beruf des Lehrers langweilig ist! :))
    Ich hatte heute morgen einen Stromausfall – die Aufzüge gingen nicht – also Klassenraumwechsel, da die Rollifahrer nicht hoch konnten, Ein Schulbulli ist verunfallt – mit einem meiner Schüler – Gott sei Dank nur leicht verletzt.
    Beim Telefonat mit dem Vater des Schülers wollte dieser wissen, wer denn Schuld sei – auf die Anfrage hin, dass es doch erstmal wichtiger sei, dass seinem Sohn nicht Schlimmes passiert sei, meinte er: Das sei Ansichtssache…..
    In der Pause – Austausch mit den Kollegen, nach der Pause – Testfahren mit einem Teil der Schüler, die anderen im Werkraum- Gespräch mit einem Schüler, der die Mitarbeit verweigert (Asperger). Danach zu den anderen Schülern – einen Test mit durchgeführt – danach zur Mittelstufenbesprechung und dann wieder Austausch mit dem Teamkollegen.
    Auf dem Weg nach Hause, kamen mir Drittklässler entgegen, sie möchten mir etwas wegen meinem Schüler sagen – ich habe sie weiter geschickt – zum Kollegen und dem Schüler – habe aber noch gehört, dass es um eine Prügellei mit Video ging – (Facebook?) … erfahre ich morgen!
    Weiter auf dem Weg zum Auto bekam ich die Info, dass die Montessori-Schule im Nachbarort eröffnen kann und sie noch Lehrer suchen – (ich könnte mal ….!?!?!)
    Heute Nachmittag findet ein Termin beim Jugendamt statt, wegen eines anderen Schülers.

    Im Briefkasten lag gerade eine Gehaltserhöhung!
    Wahrscheinlich um mich zu motivieren, weiter in diesem Chaos zu arbeiten! :)))

    Das passt nicht ganz zum Thema – aber ich musste es jetzt mal loswerden!
    Alltag halt! :))

    P.S. Die Telefonnummern, Hausaufgaben, Erreichbarkeit und sonstige Problematik habe ich x4 in der Klasse und bin gerade dabei gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin in allen Familien Familienhilfen zu installieren – denn das kann ich beim besten Willen nicht alles auffangen!

    Vanessa

    1. Ich will auch eine Gehaltserhöhung! Warum gibt es sowas bei euch? Oder bist du älter geworden? 😉

      Das, was du schreibst, wird wohl allen Lesern bekannt vorkommen, der normale Wahnsinn. Manchmal kräftezehrend ohne Ende, aber ganz sicher nie eintönig.

      1. Treffer, ich habe nächsten Monat Geburtstag! 🙂 Daher wieder eine Stufe höher geklettert auf der Bezügeleiter!
        Man könnte wirklich mal einen Blog schreiben: Der normale Wahnsinn – wobei ich heute schon den Eindruck hatte, dass extrem viel los gewesen ist! Du musst bedenken, ich habe einen Halbtagsjob! 😉

        Richtig, nie eintönig, aber schon kräftezehrend! Gut zusammen gefasst!

  12. Furchtbar. Ganz ganz furchtbar, so was. Das beschäftigt mich auch sehr, wie man mit solchen Situationen umgeht; wann der Kontakt zum JA angebracht ist und wann nicht; welche Folgen der Kontakt zum JA eventuell haben kann, usw. usf.
    Ich bin ja aktuell wirklich noch ein ganz „kleiner Fisch“ im „Lehrerbecken“ (falls ich da überhaupt schon mitschwimmen darf :D): Noch mitten im Studium, bis zum Referendariat dauert es noch eine ganze Weile, und an praktischer Erfahrung kann ich bisher nur zwei Praktika vorweisen, davon nur eines ein „offizielles“, weil von der Uni angeordnetes.
    Aber selbst dort kam ich schon mit solchen Vorkommnissen in Berührung und das hat mich bis heute nicht los gelassen. – Was mich daran erinnert, dass ich mich bei meiner Mentorin noch erkundigen wollte, wie es dem betroffenen Knirps inzwischen geht.
    In dem Fall ging es um häusliche Gewalt, und mich beschlich das Gefühl, als würde sich da nur sehr verhalten etwas tun. Aber das ist von außen natürlich nur schwer einzuschätzen.
    Wie gesagt, es hat mich bis heute nicht ganz losgelassen, ich bin aber dennoch dankbar, auch derlei einmal mitbekommen zu haben, weil es wohl (leider!!) zum Lehreralltag dazu gehört und man sich gar nicht früh genug damit auseinander setzen kann.

    Liebe Grüße,
    teacheridoo

  13. Mir ist etwas ganz ähliches in der letzten Woche passiert… ich zweifel in diesen Momenten immer ganz gerne an meiner Professionalität. … Herr Sabbel sagte dazu vor einigen Tagen zu mir „Warum zweifelst Du an Deiner Professionalität? Glaubst Du, Du wärst besser, wenn es Dich nicht berühren würde?“
    So mache ich weiter, mit Emotionen und dem Wissen, dass es den Schülern morgens bei mir gut geht…

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