Wie es weitergeht

Jetzt möchte ich mich aus gegebenem Anlass doch wieder melden. (Ferien hin oder her. Herr Weh fühlt sich bestätigt, hat er es mir doch schon vorhergesagt. Tja, wenn mich einer kennt, dann vermutlich der Wahnsinnskerl an meiner Seite!) Seit ein paar Tagen bekomme ich zahllose E-Mails und auch der Blog wird mit Suchanfragen überschwemmt. Ja, ich weiß, dass Frl. Rot und die „Pause…“-Blogs nicht mehr online sind. Ich bedaure dies ebenso wie ihr, kann aber (und da bitte ich um Verständnis für die beiden Kolleginnen, aber auch für mich) nichts dazu sagen.

Sicherlich wächst einem ein Blog ans Herz, wenn man regelmäßig dort liest. Man freut sich über Anregungen, Material oder Schilderungen des Schulalltags, die nach einem anstrengenden Tag ein Lächeln hervorrufen. Auch ich kenne das beruhigende Gefühl, welches mich überkommt, wenn ich merke, dass es in anderen Schulen letztendlich ähnlich zugeht. Vielleicht vergisst man als Leser aber auch manchesmal, dass hinter der Internetseite ein Mensch sitzt – in den oben genannten Fällen äußerst engagierte und nette Lehrerkolleginnen – die sehr viel Herzblut, Energie und Zeit in ihre Jobs stecken. Der Blog ist ja letztendlich eine Art Nebenprodukt, ein zusätzliches zeitintensives Hobby zu einem Beruf, der uns tagtäglich viel Kraft abverlangt. Und irgendwann ist dann das Ende erreicht, die Gründe hierfür können vielzählig sein.

Einen Blog zu führen ist schön. Aber wie überall gibt es eine Kehrseite. Inhalte und Ideen werden übernommen und eins zu eins auf eigene Seiten gestellt, um ein vergleichsweise harmloses Beispiel zu nennen. Natürlich freue ich mich, wenn meine Beiträge Gefallen finden oder das „Pädagogische Outfit“ zum Selbstläufer wird. Aber es ist eine Sache von Netiquette und Respekt auf den Urheber zu verweisen. Zumal ein Verlinken auf andere Blogs immer auch den eigenen Horizont erweitern und letztendlich auch die Leserzahl erhöhen kann. Denn machen wir uns nichts vor, es ist ein tolles Gefühl zu erleben, wie sich die Anzahl der Aufrufe einer Seite erhöht oder sich die Kommentare häufen.

Je größer die Reichweite allerdings, umso unkontrollierbarer wird die Leserschaft. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ihr die kuschelpaedagogik so wohlwollend lest. Eure Kommentare, Ideen, links zeigen mir wie erfüllend und effektiv die vielzitierte Netzgemeinde sein kann. Persönliche Kontakte sind entstanden, die mir viel bedeuten. Aber es gibt eben auch die andere Seite. Menschen, die im Schutz der Anonymität gezielt stänkern oder auf sehr persönliche und verletzende Art und Weise agieren. Jetzt kann man natürlich sagen, wer einen Blog ins Leben ruft, will auch gelesen werden, hat ein Mitteilungs- und wohl auch ein gewisses Bestätigungsbedürfnis und muss auch mit negativen Reaktionen klarkommen. Natürlich. Aber Kritik sollte bitte doch auf eine höfliche und freundliche Art und Weise formuliert werden. Um es mit Jazzkantine zu sagen: Respekt ist unsere Aufgabe!

Hier ist es noch ruhig, aber ich bemerke die Unruhe und mache mir natürlich auch Gedanken darüber, wie es für diese Seite weitergehen wird. Es wird weitergehen, aber vermutlich mit Einschränkungen. Ich werde mich wieder mehr auf das geschriebene Wort konzentrieren und auf schulisches Bildmaterial größtenteils verzichten (was sehr schade ist, ich persönlich gucke nämlich am liebsten Blogs mit vielen Bildern drin…). Mein Ziel war es immer, den Blog zu schreiben, den ich selber gerne lesen würde. Mit schönen und nachdenklichen Geschichten aus dem Schulalltag, bunt und mit vielzähligen Anregungen für die eigene Praxis. Aber der Schutz meiner SchülerInnen und Kolleginnen und – ja! – auch der eigene ist wichtig. Und letztendlich kann ein Lehrerblog noch so toll sein, das wahre, pralle Leben findet draußen statt. Oder um beim Thema zu bleiben eben in den vielen, vielen Klassenräumen.

Bleibt zum Schluss noch ein Dank an die beiden Blogkolleginnen, ich war wie so viele andere auch sehr gerne Teil eurer Leserschaft.

Alles Gute!

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13 Kommentare zu „Wie es weitergeht

  1. Es ist sehr schade. Ich werde Frl. Rot’s Beiträge vermissen.
    Ich schließe mich der eben beim Lesen von meiner Tochter spontan geäußerten Meinung an: „Wenn ich schon im täglichen realen und außer-internet Umgang erfahren muss, dass Menschen nicht respektvoll miteinander umgehen wollen oder können … wen wundert es da, wie sie sich teilweise in der Anonymität des Internets verhalten? Sehr bedauerlich.“
    Alles Gute für Frl. Rot und Dank.

  2. Ich möchte dir einfach nur einmal Danke sagen, für deine Art, liebevoll und augenzwinkernd über unser aller Alltag zu schreiben.
    Den beiden oben angesprochenen, aber auch allen anderen betroffenen, Kolleginnen einen lieben Gruß, den man ja leider sonst nicht mehr loswird…
    Ich lese gerne Dinge aus anderen Klassenzimmern, schmunzele und denke darüber nach, nehme Anregungen mit und freue mich über Bilder. Schade, dass das nur noch so eingeschränkt möglich ist. Aber auch völlig nachvollziehbar, wenn dann für den Blogger persönliche Grenzen erreicht sind. Ich genieße einfach jeden Moment, wo ich noch in fremde Klassenzimmer und Schulen schnuppern darf! ❤

  3. Bleib bloß da, Frau Kollegin!
    Ja, ich kann all das nachvollziehen, vor allem das Bestreben, für alle Erwähnten und für sich selbst eine gewisse Anonymität zu wahren.
    Dazu erfuhr ich neulich eine brauchbare Regel:
    Schreibe nur das, was Du am nächstenTag über Dich auch ohne Reue in der Zeitung würdest lesen wollen.
    Ich denke, wenn man diesen Maßstab ansetzt, wenn man außerdem das Erlebte – so wie Du es oft tust – so aufschreibt, dass es im Feuilletonbereich oder in einer Kolumne stehen könnte, dann kann man eigentlich nichts verkehrt machen.
    Die letzte Maßnahme (wenn einem das alles über den Kopf wächst) kann natürlich auch das Schließen eines Blogs sein. Wer weiß schon, was den von Dir erwähnten Blogkolleginnen wiederfahren ist?
    Ich habe für meine letzte Klasse ein Klassenblog geführt. Dieses war nur den Kindern und Eltern bekannt, für Suchmaschinen nicht greifbar und aus der Von-Blog-zu-Blog-Kette herausgenommen. Auch hatten alle Kinder sich einen Nicknamen ausgedacht. Nur so wurden sie dann im Blog genannt, in dem auch viele Fotos zu sehen sind.
    Nur, wer den (außergewöhnlich beannnten) Link kennt, kann das Blog erreichen. Was natürlich die Kinder, Eltern und deren Kreise mit dem Link machen, ist in deren Verantwortung übergeben. Kleine Risiken gibt es immer und überall.

    Aber – wie Du selbst schreibst – nach einem anstrengenden Schultag bin auch ich oft bei Dir unterwegs und lasse mir die Seele damit streicheln, dass ich nicht allein bin mit meinen Problemen (weißt Du übrigens, dass PRO-Bleme = FÜR-Bleme sind?). Irgendwas haben sie immer FÜR sich, man muss sie nur auf die rechte Weise betrachten. Zumindest gilt die devise: Was uns nicht kaputt macht, macht uns nur stärker.

    Ich wünsche Dir noch eine schöne Herbstferienwoche!
    Die Kollegin Frau Enn

  4. Ich muss ganz ehrlich sagen – natürlich auch aus einer gewissen Anonymität heraus – dass ich Frl. Rots Beiträge lange verfolgt und immer geschätzt habe. Nur schien es mir in letzter Zeit sehr angestrengt und auch für mein Empfinden zu nah an intimer Beschreibung der Macken der SuS, sehr emotional-mal-Dampf-ablassend. Da kamen natürlich auch kritische Kommentare zum Thema pädagogische und somit professionelle Distanz, die man sich in einem solchen Beruf, wie wir ihn ausüben (ja, ich arbeite auch als Lehrerin) gefallen lassen muss. Respektvoll und konstruktiv kann das auch nur gut sein, den Rest muss man, auch wenns schwer fällt, beiseite schieben.
    Konsequent finde ich die Entscheidung, den Blog erst mal ruhen zu lassen. Ich kenn den genauen Grund nicht, muss ich auch nicht, aber auch ich werde Frl. Rot vermissen. Vielen Dank für viele Momente des Schmunzelns und auch des eigenen Hinterfragens.

  5. Es freut mich, zu hören, dass es mit der kuschelpaedagogik weitergehen wird. Denn ich lese hier nur zu gerne. Natürlich kann ich verstehen, wenn jemand seinen Blog schließt oder nicht mehr weiterführt, das ist ja die Entscheidung jedes Einzelnen und auch ich merke manchmal, dass es zu zeitintensiv ist… Aber gerade deswegen freue ich mich über Blogs wie diesen und hoffe, das es noch lange etwas zu lesen hier geben wird.

    Danke dafür.

  6. Ich bin froh, dass es die schönen Lehrerblogs gibt mit Innenansichten und Bastel- usw. Tips 🙂 . Bis vor einigen Jahren waren Lehrer das rote Tuch schlechthin für mich. Jetzt bin ich schon etwas entspannter, hab ja zudem auch keine Kinder mehr in der Schule.

  7. Irgendwie seltsam…ich habe in so vielen blogs gelesen und jetzt ist plötzlich überall stille…ich habe das gefühl,dass es einmal so richtig heftig geknallt haben muss und man nur noch das echo hört…den knall selbst habe ich verschlafen…echt bescheidenes gefühl
    schade, dass man von vielen nicht mehr lesen dürfen wird und ich hoffe du hast immernoch genug argumente um weiterzumachen…vielen dank an dieser stelle auch an hr weh, der dich so hingebungsvoll mit uns teilt

  8. Ich bin noch relativ neu hier als Mitleserin… Aber hab schon alles fleißig mitgelesen. Nun frage ich mich doh, ob mir jemand erklären könnte, was da vorgefallen ist?
    PS: Frau Weh, weiter so!
    Grüße von Frau Kah 🙂

  9. ’schulisches Bildmaterial größtenteils verzichten‘ Das ist wirklich echt schade, denn es ist immer wunderschön zu sehen, welche Möglichkeiten in der Schule bestehen und Potentiale durch verschiedene Methoden ausgereizt werden können. Falls ich etwas an deine Ideen anlehnen möchte, gibt es natürlich einen netten Verweis.

  10. Als naturmama ihre gefilzten Kastanien gezeigt hat,habe ich die sofort nachgemacht und mit Querverweis ins Netz gestellt. Letztens Endes habe ich mich damit beruhigt,dass ich wenn ich bei Landart etwas interresantes sehe es auch nachmachen würde.
    Auch mit Querverweis.Heißt soviel wie,wenn ich Kindergartensachen reinsetze möchte ich persönlich,das sie nachgemacht werden.Wenn ich einen neuen Sprachstil ausprobiere ,möchte ich nicht kopiert werden oder nur mit Querverweis.Mit Trollen habe ich keine erfahrung,fand es aber sehr schade das zum beispiel „Lichtbildwerfer“deswegen mit bloggen aufgehört hat. Ich liebe deinen Blog,so wie er ist…

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