Organspende

Der Himmel über dem Ruhrgebiet zeigt sich an diesem Morgen grau und wolkenverhangen. Auch Benedikts Ferienbericht klingt betrüblich:

„Und dann hat der Mann uns doch tatsächlich“, der kleine Sternsinger macht eine aufgebrachte Pause, untermalt von heftigem Schniefen, „mit türkischen Nieren bezahlt!“

Pfui, denke ich, das geht aber wirklich zu weit! Auch meine anderen Schützlinge zeigen sich empört. Wir sind uns alle einig, dass türkische Nieren als Zahlungsmittel umgehend verboten werden sollten, Baklava hingegen als Sternsingergabe durchaus akzeptiert werden könne. Vorausgesetzt, man fände eine Verpackung, schließlich klebt das Zeug ja wie Hulle!

„Und, was haben Sie in den Ferien gemacht, Frau Weh?“ Der Erzählstein ist mittlerweile bei mir angekommen. Wahrheitsgemäß antworte ich, dass ich sehr erfolgreich enorme Mengen Nachtisch zu mir genommen und mich überhaupt gnadenlos gut erholt hätte. Ich denke an Cocktailschirmchen*, bunte Getränke, noch mehr bunte Getränke, warmes Öl auf meinem Rücken und seufze einmal wohlig. Schmitti zu meiner Linken interpretiert diesen Ausdruck meiner Freude jedoch völlig fehl, tätschelt mir beruhigend das bestrumpfhoste Knie und meint beruhigend: „Alles gut, Frau Weh, jetzt bist du ja wieder da, du brauchst nicht anfangen zu weinen!“

Was habe ich sie vermisst! 🙂

 

* Ich muss es zugeben, bei all dem wochenendlichen Wohlgefühl (und glaubt mir, Frau H. ist eine Knallerbegleitung in Wellness- und anderen Fragen!) von der Dekoration der alkoholischen Kaltgetränke war ich äußerst enttäuscht. Ist die klassische Cocktailgarnitur out? Trinkt man nicht mehr mit Accessoires? Ich konnte es wirklich nicht glauben, aber seht selbst:

Kein Schirmchen, keine Kirsche!

keine Kirsche!

Auch hier – nur ein nicht gerade subtil angeklemmtes Vitamin.

SAM_4417

Nächster Versuch: eine einsame Limette an Eis. Traurig sowas! Glücklicherweise war der Rest des Wochenendes bunt und fröhlich. Feucht auch. Ob ich wohl irgendwoher eine türkische Niere…?

einsame Limette

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14 Kommentare zu „Organspende

  1. Kennst Du das „Dumb ways to die“-Filmchen?
    Bei 1:38 hat auch einer mit Nieren, allen beiden, gezahlt (der tanzt sooo niedlich 🙂 ).

    Mein letzter Cocktail hatte neben „Vitamindeko“ (Orangenscheibe, Physalis, Kirsche) noch einen Knicklicht-Armreif hängen – damit man daheim das Schlüsselloch besser findet? Nicht klassisch, aber cool, fand ich.
    Egal ob mit oder ohne Deko, Hauptsache gut erholt…
    Ein fröhliches neues Jahr wünsche ich!

    1. Vielleicht haben wir einfach nur am falschen Ort getrunken? Wir hätten misstrauisch werden müssen, als in der Pianobar gar kein Pianist auftauchte. Da wundert einen der Verlust von Cocktailschirm und -kirsche auch nicht mehr.

  2. Möglicherweise gehört zum Schirmchen auf dem Cocktail auch ein Liegestuhl, ein Meer und eine Karibik. Oder so. 😉

    Schön, dass es so nett wieder angefangen hat, das mildert dann vielleicht ein wenig die Trauer über die zu Ende gegangenen Ferien.

  3. „und glaubt mir, Frau H. ist eine Knallerbegleitung in Wellness- und anderen Fragen!“
    Das glaube ich aufs Wort! Leider bin ich vom anderen Geschlecht!

  4. Wie mir aus Erklässlerkreisen versichert wurde, haben die Heiligen drei Könige bei ihren Geschenken auch nachgelassen, irgendwie scheint denen die Myrrhe ausgegangen zu sein. Vielleicht war dein Benedikt ja auch einer von den Heiligen drei Königen, die Weihrauch, Gold und Möhren zum Christkind gebracht haben? Statt Aug um Aug, Niere um Myrrhe oder so…???

  5. Die drei heiligen Könige, welche vor meiner Tür standen und sangen wollten mitnichten Süßigkeiten. Sie waren im Auftrag der Kirchengemeinde unterwegs und sammelten Geld und zwar zur Weiterleitung an eine afrikanische Schule, weil dort in vielerlei Hinsicht geholfen werden soll.
    Ich kenne das auch aus der Erinnerung nicht anders, als dass für einen „guten Zweck“ gesammelt wird und nicht Gaben zur Hebung des Zuckerspiegels der Heiligen drei Könige. Von „Innereien“ – ganz gleich ob türkisch oder deutsch oder niederländisch oder kanadisch oder was auch immer – ganz zu schweigen… 🙂
    Bestimmt hat sich auch in dieser Hinsicht wieder etwas geändert und ich habe wieder einmal den Wandel versäumt.

    1. Also hier bei uns ist das Sternsingen immer DIE Möglichkeit neben Geld für den guten Zweck auch übriggebliebene Süßigkeiten quitt zu bekommen. Zu diesem Zweck ließe sich aber auch ein leckeres Tiramisu herstellen, also jeder, wie er möchte…

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