Lehrerrat

Frau Mandel spricht mich am Kopierer an: „Sag mal, was war das denn mit Schmitz-H. und dir? Das hat ja Wellen geschlagen!“

Alarmiert halte ich bei meinem Versuch inne, den Papierstau durch einen beherzten Griff ins Innere zu beheben, und blicke zur Kollegin hoch.

„Ja“, sagt sie, „Donnerstagmittag lief das Telefon heiß.“ Genüsslich zählt sie an den Fingern ab: „Also… zuerst war da Frau Abendroth, die hat Schmitz-H. im Flur brüllen hören. Dann rief Frau Müller an, um nachzufragen, ob du wirklich im Samskostüm an die Decke gegangen bist.“

Ich nicke mechanisch.

„Mit Flossen und Rüssel? Respekt! Danach war meine Klassenpflegschaftsvorsitzende dran…“

Ich spüre, wie ich blass werde. Ist die Pflegschaftsvorsitzende der Viertklässler doch vor allem dafür bekannt, maßgeblich für jeden Informationsfluss jenseits des Protokolls zuständig zu sein. Sie tratscht.

„… aber die wollte mit mir nur die Tagesordnung für den Elternabend besprechen.“ Frau Mandel macht die Sache merklich Spaß. „Und dann“, sie schaut mich bedeutungsvoll über den Rand ihrer Lesebrille hinweg an, „kam der Anruf von Schmitz-H. Ich muss dir leider mitteilen, dass sich deine Lieblingskollegin in dieser Sache an den Lehrerrat wenden möchte.“

„Pffffft!“, mache ich und schüttle den Kopf. „Was hast du ihr gesagt?“

Frau Mandel zwinkert mir zu: „Na, dass du der Lehrerrat bist.“

 

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19 Kommentare zu „Lehrerrat

  1. Will sie da wirklich jetzt eine riesen Sache draus machen? Ist so wirklich soooo furchtbar?

    Ich mein, gut, dass sie sich mit dir über dich auseinander setzen will… 😉

  2. Geil!

    Oh Mann, Frau Weh, ich hoffe sehr, dass Sie die Sache bald ausgestanden haben. So lustig sich das liest; im Lehrerzimmeralltag kann ich mir definitiv Schöneres vorstellen.

    Grüße aus der Steinzeit 🙂

  3. Tröst … Liebe Frau Weh … Willkommen in meiner Welt! …. Ich habe zur Zeit so ein ähnliches Problem. Dabei haben wir doch wirklich genug zu tun…. und „ich bin nicht nur Lehrerrat“, ich bin auch Beratungslehrer … *Stück Schokolade ‚rüberschieb

  4. Ach herrje. Leider passt das zu gut zusammen – fragwürdige Unterrichtsmethoden, dezente Kritik nicht wahrnehmen, deutliche Kritik persönlich nehmen, nachtragen und dann höhere Instanzen zur Hilfe rufen. Ich hoffe, der Konflikt legt sich und bringt langfristig mehr Klarheit (und nicht nur eine dauerbeleidigte Kollegin). Aber selbst wenn: manchmal muss man um der eigenen Integrität willen explodieren.

  5. Boh. BOH! So spaßig das zwischendrin war (naja, wohl eher für uns denn für dich), so sehr übertreibt die Gutste es jetzt aber wirklich. Irgendwann ist auch mal Schluss!

    Die war bestimmt früher, als sie selbst noch Schülerin war, eine von der Sorte, die immer künstlich für Stunk sorgte und dann alles über alle Maßen derart aufbäuschte, dass es heilloses Chaos gab, um dann vor dem Lehrer andere dafür zu beschuldigen.
    Meine Güte, braucht die eher ein Hobby, oder doch nen Mann? >.<

    Mein Beileid, liebe Frau Weh, die ohnehin (und unnütz) eskalierte Sache scheint nun in die zweite Runde zu gehen. Und dabei ging es doch "nur" darum, dass sie nicht so streng zu deiner Klasse sein soll. Hrmpf. Nicht kritikfähige Menschen wurden von meinem Prof schon im ersten Semester als nicht lehrertauglich bezeichnet. Da hat sie wohl gefehlt… 😦

  6. Oh weh, Frau Weh! Das nimmt ja Formen an… Davon hätte ich auch genug – inneres Sams hin oder her. Ich mach mir jetzt mal solidarisch eine große heiße Schokolade. Mit Marshmallows. Und Zimt. Und dann schiebe ich frisch gestärkt eine große Portion „Gänseblümchen“ rüber. Aber jetzt wünsche ich erst mal ein gemütliches Wochenende mit Herrn Weh und den Wehwehchen. Und schön die Frau Sch…-H. draußen lassen.

    Ps.: Vielleicht ist das ja wie bei Hunden und sie braucht bloß ein bisschen Liebe und geduldige Konsequenz? 😉

    1. „Ps.: Vielleicht ist das ja wie bei Hunden und sie braucht bloß ein bisschen Liebe und geduldige Konsequenz? ;-)“

      Haha, immerhin riecht sie nicht, wenn sie in den Regen kommt! :mrgreen:

  7. Liebe Frau Weh. Ist es doch die Ironie des Schicksals, dass du der Lehrerrat bist. Ich kann den Zwiespalt verstehen: Man ist stolz sich zur wehr gesetzt zu haben aber der bittere Beigeschmack beleibt. Die Situationskomik des Sams-Kostüms bringt mich zum lächeln, der Hintergrund der leidigen Kollegin entfacht mein Mitleid. So will man einfach nicht miteinander arbeiten. Und eigentlich geht es ja auch gar nicht darum wer was richtig macht, sondern ob es den Kindern guttut. Und genau das liegt eben im Auge des Betrachters. Ich glaube du bist genauso toll wie die Lehrerin meiner Tochter. Manche Menschen meines Umfeldes finden das nicht. Zuviel Eigenverantwortung für die Kinder und und und… schön, dass es solche Lehrerinnen wie dich und unsere Frau K. gibt. LG, Julia

    1. Danke für deinen Kommentar, Julia. Ich finde es immer schön zu hören, wenn Eltern die Mühe anerkennen, die sich die Lehrerin des eigenen Kindes gibt. Aber natürlich wird das nie von allen so gesehen. Es kommt ja auch bei allen unterschiedlich an. Und wenn man ehrlich ist, so richtig viel bekommt man als Eltern ja auch von der Schule nicht mit.

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