Schnauze voll. Nase auch.

Nee, kein guter Tag.

Es sind immer noch zu viele Kolleginnen krank und – zumindest im Verhältnis dazu – wieder zu viele Schüler genesen. Ich bin tapfer und unterrichte nach wie vor zwei Klassen parallel, wo nötig, aber schön ist anders.

Nebenbei erstatte ich dem Jugendamt täglichen Rapport über seelisches und körperliches Befinden eines Schülers, in dessen Familie es gerade ans Eingemachte und vermutlich demnächst vor Gericht geht. Nee, lässt mich nicht kalt.

Neben mir liegen ein ganzer Stapel Beurteilungsbögen (TRF, DYSIPS-II usw. für die Kenner der Materie) für Nino, der nun endlich einen Therapieplatz für eine Verhaltenstherapie bekommen hat und ein AO-SF-Gutachten für Celina, das in Absprache mit der Sonderpädagogin, die wir nicht haben, fertiggestellt werden muss.

Ach ja – falls da Zweifel bei dem ein oder anderen Leser aufkommen sollten – ich arbeite tatsächlich an einer total normalen Grundschule. Ich kann nichtmal mit sozialem Brennpunkt angeben, alles ganz normaler Alltag.

Auch der Einbruch vom Wochenende ist leider schon keine Besonderheit mehr und auch die Tatsache, dass der Musikraum jetzt ganz frei von Elektrosmog ist, macht mich nicht sehr glücklich, fehlt es nun nämlich nicht nur an Kolleginnen, sondern auch an DVD-Player, Fernseher, Anlage, Mikros und dem ganzen Schalala, den ich so gerne im Musikunterricht einsetze (und mit dem man in einem solchen Notfall auch mal zwei Klassen zwei Stunden lang glücklich machen kann). Alles dahin, gone with the wind. Ich gehe jetzt auch. Erst in die Wanne, dann ins Bett. Juchei.

EDIT: In dem Moment, in dem ich diese Zeilen tippe, ruft die Konrektorin an und teilt mir mit, dass morgen zwei weitere Kolleginnen ausfallen. Jetzt nehme ich mir einen Sekt mit in die Wanne und gröhle lauthals schmutzige Lieder, jawohl. Cheerio, Miss Sophie!

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28 Kommentare zu „Schnauze voll. Nase auch.

  1. Halte durch – bald ist auch das wieder vorbei!
    Ich hab nächste Woche praktische Prüfung und werde von allen Seiten mit Hinweisen, „Tu das nicht!!!“s und „Hab dich nicht so“s beschmissen. Hoffentlich ist das bald rum. Mein Hirn explodiert sonst noch.
    Wir schaffen das, Frau Weh!

    1. Schade, dass du so jammerst und deine Prüfung mit dem Stress von Frau Weh gleichsetzt. Naja, man selbst ist immer am Schlimmsten dran…

  2. Oh Hah… hier ists fast genauso… 3 sind wir gewesen, 6 Klassen, 1 Unfall, 1 Krankenwagen, und so weiter… naja, ich drück die Daumen und hoffe (gemeinsam) auf Besserung!

  3. Oje! Da hilft wohl nur noch Augen zu und irgendwie durch(halten) …

    Aufmunternde Abendgrüße von
    Marie

  4. Same procedure as every year, Frau Weh… 🙂 Mein volles Mitgefühl hast du. Kipp dir noch einen Schluck Cassisée in deinen Sekt. Ist lecker und vielleicht reicht das Wattegefühl im Kopf dann bis morgen Nachmittag 😉

  5. Den Edit find ich zum Schreien! Selbst an einem sozialen Brennpunkt mit massig erkrankten Kollegen (und zum Glück erkrankten Schulleitung, es ist ganz ruhig in der Schule!!!), kann ich dich nur zu gut verstehen. Gelobt sei der Galgenhumor. Ohne den wären wir verloren! Halte durch (aber danken wird es dir keiner!!!)

  6. Eigentlich (…) müsste man einfach sagen: SO GEHT ES NICHT! Was ist das für ein Bildungssystem, das so einen Mangel zulässt??? Ich wünsche dir gute Nerven für morgen!

  7. Hurra!!!! Bei uns ists also nur ein bisschen schlimm. Im Vergleich zu dem was ich hier lese, jedenfalls.
    Bei uns sind nur drei Kolleginnen krank (momentan) und ich bin nur für 40 Erstklässer verantwortlich. Auch ist das Equippment des Musikraums (noch?) vorhanden. Und tatsächlich haben sich für den Elternsprechabend am Donnerstag eine moderate Zahl Eltern gemeldet und die anderen sind willens, sich in den nächsten Wochen in der regulären Sprechstunde zu zeigen. Was sind wir doch für Glückspilze. …
    Deswegen schieb ich die Nummer mit dem Sekt und der Badewanne und den schmutzigen Liedern noch ein bisschen auf und geh mit dem Hund raus.
    Der Frau Weh wünsch ich für die kommenden Tage einen Powerkraftanzug, der alles wegsteckt und trotzdem unschlagbar macht. Das wär doch mal was für die Designer … Ich hab da schon so einige Gestaltungsvorschläge 😉

  8. Kopf hoch, Frau Weh!
    Zieh vielleicht das Samskostüm noch mal an… Darin bist Du unbesiegbar (und du hast Wunschpunkte!)
    Es ist eigentlich schlimm, dass man durch sowas immer durch muss. Und leider funktioniert es meistens irgendwie- also wird auch nix geändert: Die schaffen das schon! Nur wie hoch die Kosten bei den verbleibenden Kollegen sind, das interessiert niemanden!

    Und welche A-lös rauben denn eine Schule aus???

  9. Herzliches Beileid! Da möchte man doch schreiend davonlaufen! (Oder wahlweise alkoholisiert und nackt [wie auch sonst in der Badewanne] unanständige Lieder grölen.) Ich schcke mal eine Dosis Energie und Gelassenheit aus meinem komfortablen Ruhestands-Dasein.

    1. Vielen Dank!
      Ich habe gestern festgestellt, dass sich ein OMMMMMMM hervorragend unter Wasser blubbern lässt.
      Und dass ein bisschen Sekt im Badewasser gar nicht schlimm ist.

      Und dass irres Kichern noch mehr Kichern hervorruft. 😀

  10. Und ich bin doch nicht alleine…hab mich grad fast unters Bett gekugelt vor Lachen!! Genau das gleiche hier 🙂 Statt Sekt gibt es Seeradler und viel Freude auf meine künstlerisch erstellten Vertretungspläne (morgen schon ab 6 Uhr – damit das überhaupt was wird) 🙂 Und nebenher bereite ich noch kurz meinen Unterricht vor – nee, watt is das schee!!

  11. Sollte im Grundgesetz stehen: Das recht von Grundschullehrerin nach jedem anstrengenden Arbeitstag mit Schampus in der Badewanne zu sitzen und unanständige Lieder zu gröhlen

    1. @krizzidings: Ich beantrage die Umgestaltung des Lehrerzimmers zur Wellness-Oase, in welchem neben einer befüllten Badewanne auch ein persönlicher Masseur für jede Lehrerin bereit steht, um sie nach Vormittagen mit Vertretungsunterricht zu entspannen, bevor sie dann ihrer persönlichen Assistentin AOSF-Anträge, Elternbriefe, Mitteilungen an das Jugendamt etc. diktiert. Jawohl!!!

      1. Bis zur Bearbeitung des Vorhabens im Bundestag stelle ich mich hiermit offiziell als Wandermaseuse zur Verfügung…wurde schon oft gelobt und habe meine letzte Fortbildung auf diesem Gebiet in der 4ten Klasse gemacht…(im ernst wenn mich leute fragen sage ich immer,dass ich das in der grundschule gelernt habe)
        Nehme auch nur 45€ Reisepauschale* und 9€ pro Stunde ;-P
        *=Quer durchs Land-Ticket und Warmgetränk aus dem Automaten

        PS: ich habe psychologie nicht bestanden und drücke mich vor dem lernen für die nachholklausur in dem ich naheliegende/verrückte berufliche alternativen suche…gute nacht xD

          1. Ok ich fahr dann Montag am besten schonmal nach Osnabrück…von da habs ich dann nicht mehr so weit falls ihr dieses wunderbare Angebot annehmt xD

  12. Bei uns sind gottseidank „nur“ die Schulkinder krank und nicht die Lehrer…heute war meine Klasse nur zu 40% gefüllt ;O)

  13. Ich hab neulich schon mit meinen Kolleginnen gewitzelt:
    Wir waren zur grausligen – äh, ich meinte jährlichen – Faschingsveranstaltung bei einem großen Indoor-Kinderbelustigungs-Elternarmmach-Dings mit allen Saph-Klassen. Und da steht seit letztem Jahr so ein Ganzkörpermassagestuhl. Mit Liegefunktion. Und Beinmassage. Und Geldschlitz in der Armlehne.
    Man wird ja aufgefordert, die Kinder an den Geräten zu beaufsichtigen und sich nicht auf das ortsansässige Personal zu verlassen. Nun gucken 2 dieser Sessel genau auf eine riesige Hüpfburg.
    Hat irgendjemand gesagt, dass ich die Kinder nicht im Sitzen, na gut in Schräglage, beaufsichtigen kann? Eben. 2 € später musste ich dann den Platz räumen, weil jetzt unbedingt eine andere Kollegin diese Hüpfburg beaufsichtigen wollte…

    Fazit: wir beantragen die Anschaffung eines solchen Sessels für das Lehrerzimmer. Ich wäre auch bereit, die Finanzierung mit täglichen 2€ in die Armlehne zu unterstützen. Ganzkörpermassagesessel für alle! 🙂 Und nach 13.30 Uhr kann man ja den Sekt daneben stellen.

    In diesem Sinne: ich hoffe, dieser Tag war was besser!

  14. Ich habe schon letzte Woche vorgeschlagen, einfach für 7-10 Tage die ganze Schule dichtzumachen, bis sich alles entkältet hat… die armen verbliebenen Lehrer/innen rackern sich in Klassen mit dünner Besetzung ab und müssen sicher nächste Woche alles für die Dawarichabernichtdaaa-Kinder wiederholen… lohnt sich das?
    Was mich aber echt beunruhigt: die Lehrerinnen meiner Kinder zehren ja von der Hoffnung, wenn sie irgendwann mal aus der miesen Hauptstadt oder wenigstens aus dem sozialen Brennpunkt rauswechselten, kämen sie in bessere Zustände – meinen Sie nicht, dass Ihr Blog ein ganz klein wenig desillusionierend wirkt? Oder werden Sie etwa von der Berliner Senatsbildungsverwaltung gesponsort? Berliner Lehrer! Bleibt wo ihr seid, anderswo ist es auch nicht besser!

    1. „meinen Sie nicht, dass Ihr Blog ein ganz klein wenig desillusionierend wirkt?“

      Höhö! Das ist mein Beitrag dazu, dass weniger Lehramtsstudenten den großen Praxisschock erleiden, wenn sie in die Schulen gehen :mrgreen:

      Wir überlegen im Lehrerzimmer auch schon, ab wann wir offiziell dichtmachen dürfen.

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