Neues von Supermom

„Lies dir das mal bitte durch!“

Fassungslos hält mir Frau Schmitz-Hahnenkamp eine ausgedruckte E-Mail von Supermom entgegen. Ich komme der Bitte nach und lasse die Luft mit einem Pfiff entweichen. Fast täte mir die Kollegin leid, allerdings überwiegt für den Moment die Erleichterung, dass es nicht mehr meine Schultern sind, auf denen diese Bürde lastet. Wie habe ich die E-Mails von Supermom vermisst!

Sehr geehrte Frau Schmitz-Hahnenkamp,

mit Erstaunen habe ich die Benotung von Mia-Sophies letzter Mathearbeit zur Kenntnis genommen. Sie haben die Arbeit mit einer Drei benotet, ich komme auf ein weitaus besseres Ergebnis. Nach meinen Berechnungen stünde meiner Tochter mindestens eine Eins minus zu. Ich habe die offizielle Bepunktung der Abiturklausuren des letzten Jahres als Berechnungsgrundlage genommen. An welche Bepunktungstabelle hält sich die Schule? Ich wünsche diese umgehend ausgehändigt zu bekommen, wie Sie sicher wissen, steht mir dies rechtlich zu.

Selbstverständlich wird Mia-Sophie nächstes Jahr auf das Begabtengymnasium gehen. Sollte sich ihre Eignung hierfür nicht in den nächsten Zensuren widerspiegeln, wird Mia-Sophie die Schule wechseln.

Hochachtungsvoll

SUPERMOM

„Tja“, sage ich mit einem Achselzucken, „Reisende soll man nicht aufhalten.“

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44 Kommentare zu „Neues von Supermom

  1. Oh.Mein.Gott.
    Was soll man da außer „armes Kind“ noch sagen….?!
    Ich dachte, ich hätte schon Supermoms in der Klasse, aber die schießt den Vogel ab!

  2. „… ich komme auf ein weitaus besseres Ergebnis.“
    Danke für dieses Lachen zur Mittagspause!

    Herzlichst
    Marie
    eher am anderen Ende der Mütter-Skala zu finden

  3. Seltsam, dass die anderen Mütter der Klassenkameradin von Supermoms Tochter sich nicht ebenfalls beschweren, oder?????!!!!! Denn diese wurden doch sicher nach den gleichen Maßstäben wie Mia-Sophie bewertet. Das übersteigerte Bild so mancher Eltern über ihre Kinder ist einfach unerträglich. Wie soll ein Kind oder hier schon Teenager lernen, sich selbst und seine Leistung in der Gruppe zu bewerten, wenn immer jemand andere Bewertungsmaßstäbe anlegen möchte, die dann nur für einen speziellen Fall gelten. Schüler lernen und müssen lernen in der Gruppe sich einzuschätzen, denn diese Menschen werden sie mit anderen Gesichtern in ihrem Arbeitsleben immer wieder begegnen.
    Über die Geschichte könnte man eigentlich nur lachen, wenn die Konsequenzen nicht so gefährlich für eine gesamte Generation wären, die lernen soll, ihre Leistungen selbst zu erbringen und im Wettbewerb zu bestehen.Denn Wettbewerb entsteht überall, wo Menschen zusammen arbeiten oder leben!!

  4. „[…] Ich wünsche diese umgehend ausgehändigt zu bekommen […]“

    Ich würde ihr einen Würfel schicken *scnr*

  5. 😀 Waaaaaaaaaaahnsinn, ich habe Supermom SO vermisst! Ich lach mich grad so schlapp. Weiß gar nicht, was ich antworten würde, wenn ich Frau Schmitz-Hahnenkamp wäre. Herrlich! An ihrer Stelle wäre ich natürlich extrem angepisst… entschuldigt meine Wortwahl. Solche Eltern gehen überhaupt nicht, aber wenn man es nur liest (mit den würzenden FrauWeh-Kommentaren und Beschreibungen), ist es einfach nur amüsant. Danke für das SUPERMOM-Update!

  6. Irgendwie ist es doch auch ein kleiner Trost, dass es solche Super-Moms wohl überall gibt.
    Wahrscheinlich hat sich da mehr als ein Exemplar auf Noahs Arche geschlichen – mit Rechtsanspruch versteht sich.
    Wenn solche Leute bei mir aufschlagen, ärgere ich mich allerdings auch tierisch. Natürlich weiß ich, dass ich das viel gelassener sehen sollte – kann ich aber meist nicht. Dabei ist die arme Frau viel schlimmer dran als ich. Schließlich haben die meisten Mitmenschen nur ein Lebensziel: IHRER Mia-Sophie das Leben schwer zu machen. Bedauernswert – aber wirklich! 🙂

      1. Vermutlich machen Super-Moms ohne Noten, über die man zanken kann, nur halb so viel Spaß … oder gibt’s jetzt im Kindergarten auch schon Noten? Ich gestehe, ich weiß es nicht, ich bin da schon ne Weile raus … 😉

  7. Was arbeitet denn die Mama, dass sie so viel Zeit und Nerven hat, sich in solch seichtes Gewässer zu begeben?
    Das arme Kind!
    Wehe, es entspricht nicht den Vorstellungen der Mama.
    Oder anders, nicht jedes Kind, das klüger ist als die Eltern ist gleich hochbegabt.

    1. Meistens ist „Supermom“ dabei der Vollzeitjob. Und das Engagement als Supermom schwindet wieder, sollte Supermom dann doch irgendwann wieder arbeiten gehen. Dann ist weniger Zeit für Briefe, Telefonate und Gespräche 😉 Plötzliche Funkstille.

  8. Glücklicherweise dauert die Grundschulzeit nur 4 Jahre. So hat man die Chance im nächsten Durchgang neue Exemplare dieser Gattung „Supermom“ kennen zu lernen… *Ironieoff*

    1. Land Brandenburg hat 6 Jahre, da hat man dann wohl mehr von. *ironieoff* Ich staune, echt, wofür manche Mütter Zeit haben. Was sich mir nicht erschließt ist der Zusammenhang zwischen Abibewertung und Grundschulnote. Aber vielleicht bin ich dafür einfach zu unengagiert als Mutter …

      Begabtengymnasium klingt toll … wir haben die Älteste in einer Begabtenklasse auf einem Gym. Das war aber nicht meine Idee, wobei ich gestehen muss dass es dem Kind gut tut.

      Mia-Sophie kann einem leid tun. Möge sie stark genug sein, den Ansprüchen ihrer Mutter zu genügen oder sich erfolgreich dagegen zu wehren ohne sich selbst zu verlieren.

  9. Den Satz mit den Reisenden habe ich heute selbst auch schon gesagt:-)!
    In meinem Fall handelte es sich auch um eine meiner ehemaligen Schülerinnen (jetzt dritten Klassen), die von ihren Eltern von heute auf morgen bei uns abgemeldet und an einer neuen Schule (Waldorf) angemeldet wurde; Begründung: wir hätten die Hochbegabung des Kindes nicht erkannt und dementsprechend nicht gefördert! Nun ja – Reisende soll man nicht aufhalten!

    Viele Grüße von Frau Reiter

  10. Da muss man nicht Lehrer sein, um solche Eltern zu kennen. Elternsprecher an einem Gymnasium reicht vollkommen aus. Da kriegt man zwar keine solchen Briefe, aber man möchte sich zum Beispiel darum kümmern, dass blablabla

  11. Schon allein bei den Worten „mit Erstaunen“ und „Selbstverständlich“ kommt mir – sorry – schon was hoch.
    Und mir fällt ein, dass sich ganz hinten in meinem Organizer ein ähnlicher Brief befindet, auf den ich antworten muss (bzw. schon längst hätte müssen….)

    Danke für den Reise-Spruch!

  12. Jetzt mal ehrlich, ich verstehe die ganzen Kommentare und das Auslassen über die Mutter nicht oder nur in Ansätzen. Ich fasse den Sachverhalt nocheinmal zusammen, damit ich nichts falsch verstehe.

    Da ist eine Mutter, deren Tochter eine 3 in der Arbeit hat. Die Mutter findet das -aus dem Bauch heraus- ungerecht und macht sich auf die Suche nach Bewertungsschlüsseln. Sie findet dem vom Abi und rechnet diesen auf die geschriebene Arbeit herunter. Nun ergibt sich aus diesen Berechnungen einen eins minus. Die Dame wundert sich und möchte wissen, wie und nach welchen Kriterien die Kollegin die Arbeit bewertet hat.

    Wo ist das Problem? Es ist – wie sie schreibt – ihr gutes Recht, das zu erfahren! Schade eigentlich, dass sie diesen Bewertungsschlüssel noch nicht hat. Ich kenne mich gar nicht in der Grundschulpädagogik aus – aus dem Bauch heraus finde ich den Begeschmack auf fad, wenn die Arbeit nach dem Maßstab für ein Abi zwei Noten besser wäre!

    Die Drohung bezüglich der Versetzung auf eine andere Schule ist mir auch ein bisschen suspekt, zeigt aber, dass ihr die Erziehung Ihrer Tochter nicht ganz egal ist…

  13. Sie findet dem vom Abi und rechnet diesen auf die geschriebene Arbeit herunter.

    wenn die Arbeit nach dem Maßstab für ein Abi zwei Noten besser wäre!

    Der Bewertungsschlüssel für eine Abiturklausur Mathe sieht, zumindest in NRW, zum Beispiel so aus:
    Aufgabe 1: „Der Schüler stellt die Ableitung erster Ordnung auf (1 Punkt). Der Schüler prüft die notwendige Bedingung für ein Maximum (1 Punkt). Der Schüler prüft die hinreichende Bedingung anhand VZW der ersten Ableitung oder NS der zweiten Ableitung (2 Punkte). “

    Ich frage mich ernsthaft, wie das auf die Drittklässler-Klausur anwendbar war.

    Selbst wenn der Bewertungsschlüssel etwas algemeingültiger ist: Ich denke mal das die Aufgabenstellung in einer Abiklausur deutlich schwieriger gewesen wäre. Die Aufgaben für das Abitur müssen gewissen Anforderungen genügen. In NRW zum Beispiel muss ein Aufgabenteil im Unterricht erlerntes 1 zu 1 abfragen, einer muss erfordern, dass das im Unterricht erlernte auf einen neuen Sachverhalt angewendet wird im dritten Teil muss dann eine Aufgabe gestellt werden, die erfordert, dass der Schüler sich etwas Neues erschließt. Für die Grundschularbeit gilt das nicht. Da stellt sich schon die Frage, ob der Bewertungsschlüssel aus dem Abi anwendbar ist.

    Zum Beispiel könnte im Abiturbewertungsschlüssel drin stehen, dass die Ergebnisse nicht so wichtig sind, wenn der Rechenweg stimmt. Das ist nachvollziehbar, wenn es zum Beispiel um eine Kurvendiskussion geht. Wenn da was falsch ist, war es meistens ein Bedienfehler am Taschenrechner oder tatsächlich komplett falscher Rechenweg. Ersteres ist nicht so schwerwiegend, letzteres wird mit dem Bewertungsschema geahndet. Von einem Drittklässler erwarten Sie aber anderes.
    Dazu kommt die Bewertung der Fehler. Ist 5-4*3 = 3 jetzt ein Rechenfehler (also nicht so schlimm) oder falscher Rechenweg (weil Punkt vor Strich nicht beachtet wurde). Da könnten Eltern und Lehrer unterschiedlicher Meinung sein.

    Dazu kommt: Wenn ich korrigiere, tue ich das, indem ich Romane schreibe. Bei jedem Fehler schreibe ich, was falsch war, damit der bei mir zugegebenermaßen Student aus seinen Fehlern lernen kann. Wenn man das liest, sieht man dann auch, wie ich zu der Note komme. Da gibt es keinen Grund, ein Abitur- Bewertungsschema irgendwie zurechtzubiegen, damit es auf diese Arbeit passt.

    Dann der letzte Teil: Die Mutter möchte ihre Tochter also auf einem Begabtengymnasium haben, die Noten sind aber offenbar nicht so. Also korrigiert die Mutter die Arbeit selbst nochmal und kommt zu der für das Begabtengymnasium benötigten Note. Dabei war ihre Zweitkorrektur natürlich vollkommen unvoreingenommen und gestützt auf die Erfahrung aus langjähriger beruflicher Praxis als Grundschul, ähm, Grundschulmutter.

  14. Mit Einführung des Zentralabiturs haben die meisten/alle (?) den Bewertungshorizont ordentlich nach unten verschoben. Mit 86% der zu erreichenden Punktzahl kann man eine 1 bekommen, mit 39% noch eine 4. Deshalb wurden die Schüler ja auch nach Einführung des Zentralabiturs plötzlich alle besser. 🙂 (Ist wirklich so, kein Scherz.)
    Im Sekundarbereich I und im Primarbereich bewertet man schärfer.

      1. Da fehlt noch ein „Länder“, also: „Mit Einführung des Zentralabiturs haben die meisten/alle (?) Bundesländer den Bewertungshorizont…“ In NRW ist es jedenfalls so. Deshalb ist die Rechnung von Supermum nachvollziehbar, wenn ihr Gebaren auch anstrengend ist.

    1. Too true.
      Wir erklären das auch immer mal wieder Eltern, die sich wundern, warum Matze-Ingemar mit unter 50% noch ne Vier nachgeschmissen bekommt, und das als fast Volljähriger, während der arme Boris-Claudius 50% schaffen muss, und das im zarten Alter von 10.
      Seufz.
      Logik lass nach.

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