Die Sache mit dem Stöckchen, Teil I

Das Werfen von Stöcken ist auf dem Schulhof verboten. Aus gutem Grund übrigens.

Da halten sich aber viele nicht dran. Zum Beispiel das Fräulein Rot nicht. Davor scherten sich bereits ein weiblicher Waldschrat, Herr Klinge (großartig, lesen!) und Embee, den ich ja schon länger wegen seines Bananenklaviers verehre, und viele andere nicht um gutes Benehmen. Jetzt hat es mich getroffen. Autsch. Hätte man diesen virtuellen Kettenbrief nicht wenigstens etwas cooler benennen können? Als Konsequenz verordne ich einen Aufsatz zum Thema Stöcke – Nutzgegenstand, Waffe oder beides?, 1 Seite A4. Gutes Gelingen!

Damit ihr versteht, was das hier überhaupt soll, kopiere ich schnell bei Frl. Rot:

Die Regeln sind folgende:

  1. Nenne den Stöckchenwerfer.
  2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers.
  3. Erzähle elf Dinge über dich.
  4. Entwirf elf Fragen, die der nächste beantworten soll.
  5. Wirf das Stöckchen an den nächsten Blogger.

 

1. Nenne den Stöckchenwerfer:

Habe ich ja schon erledigt, es war die reizende Kollegin Rot, die da so fürsorglich an mich gedacht hat.

2. Beantworte die elf Fragen des Stöckchenwerfers

(Elf!?? 11!? Verdammt, wer denkt sich sowas aus und vor allem, wer hat denn Zeit dafür? Aber siehe Punkt 2, ich fange einfach an.)

1. Die Helden deiner Kindheit? Ich habe schon immer viel gelesen, eigentlich alles, was mir in die Finger kam. Die rote Zora war mir große Schwester und Huckleberry Finn der erste feste Freund. Ich bin mit Ronja durch den Wald gelaufen und habe mit Asterix meine Vorliebe für stinkigen korsischen Käse entdeckt. Ich saß schon früh bei den Buddenbrooks am Mittagstisch und habe die Halblinge auf ihrer Suche nach dem Ring begleitet. Ich bin auf Fuchur geritten und habe mich vor den Titanen gefürchtet. Ja, manches habe ich zu früh gelesen. Aber ich war schon immer wie eins dieser kleinen roten Tierchen, die sich durch Bücher fressen. Mein größter Held, der allergrößte, war daher auch ein kleines mondlichtiges Kerlchen mit Igelstacheln auf dem Kopf – das Traumfresserchen von Michael Ende. Den Spruch, der vor dem Zubettgehen aufgesagt zuverlässig vor bösen Träumen schützt, kann ich bis heute auswendig und gebrauche ihn von Zeit zu Zeit am Bett der Wehwehchen. Was war ich froh, dass es da jemanden gab, dem böse Träume schmecken! Und davon hatte ich einige. Naja, kein Wunder…

2. Was schiebst du immer wieder auf? Ich bin kein Aufschieber, ich bin ein Listenschreiber und -abarbeiter.

3. Wenn du eine Sache an dir ändern könntest, welche wäre das? Oooooohoooo! Ich gestehe, in solchen Dingen bin ich oberflächlich: Ich hätte so gerne lange, rote Locken!

4. Welcher Spruch deiner Oma oder Mutter hat sich bewahrheitet? „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Das ist zwar nicht von Oma, aber aus dem Korintherbrief. Tief in mein Herz tätowiert.

5. Du kannst nicht ohne…? Kaffee. (Ja, langweilig, weiß ich.)

6. Fußball oder Eiskunstlauf? Da hat sich mit den Jahren etwas geändert. Früher stand ich sehr auf Eiskunstlauf: Glitzerkostüme, schöne Musik, das tolle Geräusch, wenn die Kufe das Eis schneidet. Herrlich. Dann kam der Angriff auf Nancy Kerrigan und außerdem wurden mir meine eigenen Schlittschuhe zu klein und das Thema war durch. Mittlerweile gucke ich lieber Fußball. Aber ich gebe zu, dass ich den meisten Spaß an netten Spieleroberkörpern oder rumsdödeligen Spielerinterviews habe. Der Rest tangiert mich peripher.

7. Deine Lieblingsblume ist…? Natürlich das GÄNSEBLÜMCHEN! Aufmerksame Leser wissen, warum.

8. Wenn Du auf eine einsame Insel fliegen würdest, was müsste unbedingt mit? Oh nein, der Klassiker der bescheuerten Freundebücherfragen! Frl. Rot, da hätte ich mir mehr erwartet. Jetzt müsste ich natürlich „meine Familie“ antworten (auch wenn das in der Fragestellung erwähnte was so sicher nicht gemeint war). Die Vorstellung, mit Herrn Weh auf einer Insel zu sein, hat auch wirklich viel Schönes an sich, aber einer muss ja auf die Kinder aufpassen. Also fliege ich alleine und nehme eine Riesenflasche Sonnencreme (50+!) mit. Vor Ort kaufe ich mir eine Ukulele und warte darauf, dass Stoppok vorbeikommt (tut mir leid, Herr Rau, aber niemand sonst ist so verdammt cool) und mir Unterricht erteilt. Ich werde zum Kokovoren, lasse mir Rastazöpfe flechten, suche mir ein paar Mitspieler und mache lustige Sachen wie diese:

 

9. Wovor hast du die größte Angst? Das zu beantworten ist so einfach, wie schrecklich: Dass meinen Kindern etwas zustößt.

10. Würdest Du gerne mal in einem Kinofilm mitspielen? Nö! Aber ich würde gern das Catering testen 🙂

11. Welche Frage würdest Du Dir selber stellen? Ich stelle mich und mein Handeln ständig in Frage. Insofern herrscht hier an Fragen kein Mangel. Viel lieber verweise ich daher an dieser Stelle auf das (leider vergriffene) beeindruckende Buch der Fragen von Pablo Neruda und die Umsetzung mit Grundschülern Wohin gehen die geträumten Dinge? von Marty Brito. Das hat nicht zufällig jemand rumfliegen…? Das hätte ich wirklich zu gerne!

 

Soviel für heute. Für den Rest müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Lieben Dank an Frl. Rot, die hiermit* bewiesen hat, dass das Bildungswesen nach unten hin tatsächlich durchlässig ist :mrgreen:

Falls ihr Brückentage habt, genießt sie!

Herzliche Grüße

Frau Weh

* Schreibt sie doch so schön: „Ich werfe das Stöckchen vor die Weh’sche Haustür. Ich schätze Frau Weh sehr und hoffe, dass sie Zeit finden wird. Außerdem finde ich, dass die Grundschulblogs zu Unrecht vernachlässigte Stiefkinder sind.“ Das fand ich arg nett 🙂

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21 Kommentare zu „Die Sache mit dem Stöckchen, Teil I

  1. Grundschulblogs mögen zwar in der Öffentlichkeit für etwas infantil und überflüssig gehalten werden. Aber für mich als Grundschulmenschen sind sie BALSAM!!! Schon allein die Tatsache, dass jemand ähnliches erlebt wie ich und das auch noch kurzweilig und überaus treffend niederschreibt, streichelt meine bisweilen doch arg gebeutelte Seele … Ich möcht mich hier an dieser Stelle bei allen Grundschulbloggern und ganz besonders bei Frau Weh bedanken. Ihr Beitrag zur Psychohygiene der Grundschullehrer und vor allem Grundschullehrerinnen sollte wirklich nicht unterschätzt werden! ♥

    (Den Ukulelesong finde ich hinreißend!!! – Auch dafür danke!)

  2. Och wie schön, dass jetzt die Antwort kam…ich freue mich auf Fortsetzungen! Ich liebe solche Stöckchenwerfspielchen…quasi die postive/unterhaltende version von Kettenbriefen.

  3. Zu Frage 1: Sind Sie, verehrte Frau Weh, denn eigentlich auch eine von uns Kinderbuchimmerwiederlesern? Bei mir vergeht ja — ich gestehe es — kein Jahr ohne einen Besuch bei Luise und Lotte, Jim und Lukas (v.a. Band 2), Tjorven und Bootsmann, Ronja und Birk, Peter Pfannroth und dem Sheriff, Anne und Jess, Krabat und Tonda…

    (Und natürlich: Wie schmeichelhaft, dass das Bananenklavier solch einen Eindruck hinterlassen hat! Wenn das so ist, muss ich unbedingt bald mal wieder etwas Neues probieren. Der Jahreszeit angemessen vielleicht die „Spargel-Orgel“ oder „Feelgood mit Grillgut“?)

    1. Feelgood mit Grillgut? Herrlich, darauf freue ich mich schon!

      Bevor ich ein neues Vorlesebuch in die Schule nehme, lese ich mich tatsächlich gerne nochmal ein. Außerdem habe ich die letzten Jahre auch immer sondiert, für welche Bücher das mittelgroße Wehwehchen nun endlich alt genug ist. Bei dem Lesetempo, dass mein Sohn jetzt allerdings an den Tag legt, schaffe ich es nicht mehr jedes Buch selber vorher zu lesen. Dafür freue ich mich schon, dass das Miniweh bald dem Bobo-Siebenschläfer-Alter entwachsen ist 😉
      Das letzte Kinderbuch, das ich nur für mich alleine gelesen habe, war Mio, mein Mio. Ich habe das Gefühl, dieses Buch wird immer trauriger…

  4. Meine Liebe,
    nach unten geht immer. Nach oben ist das Problem. 😉
    Eine bescheuerte Frage musste sein, sonst macht das doch keinen Spaß. Außerdem hast Du da gut geschummelt – eine einsame Insel schließt normalerweise Shoppingmöglichkeiten aus. Und Mitspieler. 🙂

    Genieß‘ die Brückentage, ich freue mich auf den zweiten Teil.

  5. oh Nein! Ich hasse diese Stöcke, (wiewohl ich mit Interesse gelesen habe :D), aber ich liebe Grundschulblogs wie diesen hier, obwohl meine Kinder schon langelange aus diesem Alter raus sind. Lesen sonst hier etwa nur Grundschülereltern und Grundschullehrer???

  6. Ich war dir große Schwester? Ich fühle mich geehrt, nehme die Aufgabe gerne an und adoptiere dich zu meinen vier jüngeren Geschwistern.

  7. …“dass ich den meisten Spaß an netten Spieleroberkörpern oder rumsdödeligen Spielerinterviews habe.“
    –> sehr sympathisch!
    🙂

  8. Ich habe das Buch von Marty Brito tatsächlich – gebe es aber nicht her. Ich finde es wunder- wunderschön. Dafür fehlt mir das Buch der Fragen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

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