Knochenkochen

Ich stehe in der Küche und fluche.

Seit gefühlten Stunden koche ich Hühnerknochen aus, um ein Experiment für den Sachunterricht vorzubereiten. Genaugenommen ist dies bereits der 3.Anlauf der Versuchsvorbereitung. Die ersten abgenagten Hühnerknochen, die die Viertklässler fleißig gesammelt haben, hat sich die Wehsche Hauskatze in einem Moment der allgemeinen Unaufmerksamkeit geschnappt. Bei Knochenlieferung Nummer 2 war ich dann wesentlich cleverer und habe sie in einer amerikanischen Qualitätsplastikdose untergebracht. (Leider habe ich sie dort vergessen. Ich dummes Huhn!) Nachdem ich die pelzigen Überreste einige Zeit später entsorgt habe, habe ich mich der nächsten Hähnchenschenkel umgehend persönlich angenommen und so kochen die Gebeine nun vor sich hin. Sinnierend stehe ich im nicht so wahnsinnig angenehm duftenden Dampf und angle gelegentlich mit der Suppenkelle nach dem ein oder anderen Beinchen, um zu sehen, ob endlich alle Fleisch- und Fettreste entfernt sind. Dabei mache ich mir Gedanken zur Unterrichtsplanung. Wer sagt denn, dass diese ausschließlich am Schreibtisch stattfinden soll?

Der Versuch vermittelt den Kindern nicht nur Wissen, sondern ist vor allem spannend – zu Hause mit Knochen zu experimentieren dürften den meisten meiner Schüler fremd sein.

Die Viertklässler, die sich seit einiger Zeit sehr intensiv mit dem Thema Körper befassen, werden herausfinden, dass Knochen stark belastbar sind. Sie werden Kalzium und Phosphor als wichtige Bausteine für ein widerstandsfähiges und belastbares Knochengerüst kennenlernen. Danach startet das eigentliche Gummiknochen-Experiment:

Ein Hühnerknochen wird in eine Schale mit Essigessenz gelegt. Mit einem Deckel wird die Schüssel abgedeckt. Nach 3-4 Tagen lässt sich der Knochen biegen ohne zu brechen, da der Essig die Mineralien aus dem Knochen gelöst hat.

Die Viertklässler werden den Versuchsaufbau im Vorfeld beschreiben und Vermutungen anstellen, was passieren könnte (der Knochen löst sich auf, der Knochen wird kleiner/größer, der Knochen verändert die Farbe, etc.) Diese Vermutungen werden unkommentiert aufgeschrieben und im Nachhinein evaluiert. Nach der Beobachtung und Auflösung des Versuchs werden die Schüler – ähnlich wie vor einem Jahr mit den Rezepten – eine Vorgangs-/Versuchsbeschreibung und eine Skizze dazu anfertigen. Die Ergebnisse werden in ihrem Körperbuch dokumentiert.

Nachdem ich mit meiner Planung soweit ganz zufrieden bin, gieße ich die schneeweißen Knöchelchen ab, lüfte die Küche ordentlich und beiße genussvoll in eine Essiggurke. Da stutze ich… sind Essiggurken eigentlich gefährlich für dumme Hühner?

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12 Kommentare zu „Knochenkochen

  1. udas hab ich auch schon mal mit einer 6ten gemacht. Ganz erstaunlich war auch der Zusatzversuch. Dazu musste ich den getrockneten Hühnerknochen aufrecht zwischen 2 Holzplatten stellen (in beiden war ein Loch, dass er nicht einfach seitlich wegklappt und die 2 Holzplatten waren auch gegen seitliches verrrutschen gesichert, an den 4 Ecken war jeweils 1 Loch hinein gebohrt, darin steckte ein Holzstab, so dass die Platten hoch und runter, aber nicht wegrutschen konnten – der Knochen war also fest eingespannt) und dann durfte sich ein Schüler drauf stellen. UND… tatata… der Knochen hält! So stabil ist der kleine Knochen. Er hat auch mich getragen. 🙂 Was ein Erlebnis.

    Wenn man dann mal einen Knochen der Länge nach aufsägt, kann man auch sehen, dass die Knochen innen hohl und mit Luft gefüllt sind und dadurch auch noch sehr leicht (Vögel müssen ja fliegen können).

    Danke auch für deinen schönen Blog, ich hab ihn erst gestern entdeckt, ich bin Lehrerin am Gymnasium 🙂

  2. hmm… ist mein Kommentar gerade angekommen oder gelöscht worden, weil ich die Fische rechts unten entdeckt hab… und gleich draufgeklickt hab, ich Dodel?

    1. Hallo Claudi,

      alles ok, die Fische dürfen nach Lust und Laune gefüttert werden! Ich muss die Kommentare zunächst freischalten bevor sie sichtbar werden. Der Hühnerknochenversuch klingt super spannend, das wäre auch etwas für die Viertklässler, aber das mit der Holzvorrichtung habe ich noch nicht so genau verstanden. Liegt der Knochen waagerecht oder steht er zwischen den Platten?

      1. Tach, ich les‘ hier schon länger leise mit. 🙂
        Ich habe den Versuchsaufbau so verstanden, dass man 2 Holzplatten hat, die jeweils in jeder Ecke ein komplett durchgebohrtes Loch haben und in der Mitte eine Vertiefung.
        Die untere Platte liegt auf dem Boden, Vertiefung nach oben, in jedem der vier „Eck-Löcher“ ein Holzstab.
        In die Vertiefung in der Mitte wird der Knochen gestellt.
        Die 2. Platte kommt dann mit der Vertiefung nach unten obendrauf, quasi als Mütze auf den stehenden Knochen.
        Die 4 Löcher müssen dabei auch auf die Holzstäbe „gefädelt“ werden, so dass weder der Knochen noch die Platten seitlich wegrutschen können, aber theoretisch die Möglichkeit bestünde, dass die obere Platte auf die untere kracht, falls der Knochen doch nicht hält.

  3. Essiggurken sind sehr bekömmlich für dumme Hühner. Jawohl! Nachbarins Hühnern bekam so eine Kost jedenfalls bestens. Damals …

    Das Experiment klingt spannend. Ich glaub unsere Viertklässlerin hat keine so spannenden Sachkundestunden. Vielleicht sollte ich das mal anregen? Wie passt das bei euch in den Lehrplan?

  4. Hallöle und guten Abend,

    dein Link zu den Rezepten vor einem Jahr ist falsch verlinkt… Bin gespannt, was das war!

    Grüße

    Hanni

  5. Das geht auch prima mit den Resten von Schweinerippchen.
    Wenn diese ne Weile im hochgeheizten Backofen lagern, ist der Knorpel verkokelt und das Kalkgerüst bleibt zurück. Das ist dann sehr zerbrechlich.
    Das Experiment von Claudi müsste doch gut mit einer Pflanzenpresse gehen. Allerdings fällt mir keine Befestigung für den Knochen ein.

  6. Wenn ich deinen Blog so verfolge, Frau Weh, dann denke ich immer, wie schön das für meine neugierige Lucy (vierte Klasse) wäre, in deinem Unterricht zu sitzen.
    viele Grüße aus der Provinz von Frau Henner

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