Kaffee oder Tee?

Klingelingeling macht’s in dem Laden. Kleiner, dicker Mann, was woll’n Sie haben? Kaffee oder Tee? (Abzählreim)

Manchmal möchte ich mir auf die Schulter kopfen und sagen, toll gemacht, Frau Weh! Schließlich wissen wir alle, wie wichtig Lob ist. Und wenn’s sonst keiner tut… Aber stopp! Worum geht es eigentlich?

Es geht ums Trinken. Denn das tun ja die meisten von uns zu wenig. Und egal, ob nun Kaffee als Getränk zur täglichen Flüssigkeitsmenge dazugezählt werden darf oder nicht, der Genuss von Kaffeespezialitäten aus kleinen Alukapseln ist zumindest umwelttechnisch fragwürdig. Obwohl ich um die schlechte Ökobilanz (und den horrenden Kilopreis!) der bunten Lifestyleportiönchen im Klaren bin, habe ich sie lange genutzt. Weil ich die Vielfalt mag, die Form und auch die Möglichkeit, mal eben per Knopfdruck eine schnelle Tasse Kaffee zu bekommen. Im Hinterkopf immer mittrinkend: das schlechte Gewissen.

Seit ein paar Monaten habe ich die Nespresso verbannt und mich nach langem, intensivem und nicht einfachem Prozess für eine French Press entschieden. Was klingt wie ein französisches Würstchen, ist nichts anderes als eine Glaskanne, in der das Wasser auf das Kaffeepulver gegossen und nach ein paar Minuten der Kaffeesatz mit einem Stempel heruntergepresst wird. Die Vorteile sind immens: Toller Kaffee (endlich auch fair und bio) zu unschlagbarem Preis bei kaum Müll. Die Nachteile: Jetzt trinke ich viel mehr davon! So wollte ich das gar nicht, denn ich besitze von Geburt an nicht nur das Naturell eines Duracell-Häschens (zu viel Koffein kann da fatale Folgen haben!), sondern leider auch den Magen eines Karnickels. Dafür gibt es natürlich die unter Lehrern sehr verbreiteten Protonenpumpenhemmer, die auch im wehschen Arzneischrank vorhanden sind, aber ich habe mir den Januar ja auch ausgesucht, um darüber nachzudenken, was ich meinem Körper zuführen möchte. (Eckhard von Hirschhausen rät beim unbedachten Griff zum Kaffee Kühlschrank übrigens dazu, sich die Frage zu stellen, ob man daraus bestehen möchte. Neeeeeiiiin!)

Letztendlich war es dann das Miniweh, das mich in fataler Endlosschleife (Klingelingeling macht’s in dem Laden…) auf die Lösung stieß: mehr Tee! Aber keine Traurigkeit in Beuteln, bitte! Stattdessen ein Konzept, das mich in seiner Farbigkeit für den Verlust der bunten Kapseln enschädigte, und außerdem noch to go (mein Freund Marten spricht von ttt: tea to take) war – ja, was brauche ich denn mehr?

2006 startete Nicole Baumgartner in Düsseldorf eine Teelounge, um alte fernöstliche Teekultur auch für gestresste Großstädter erlebbar zu machen. Da ich nun weder Großstädter noch Düsseldorfer bin (gestresst hingegen durchaus gelegentlich), ist der Webshop für mich die attraktivere Adresse. Gibt es dort doch den Teamaker* zu bestellen, einen Thermobecher, in dem der passend ausgesuchte Tee bis zu 5x überbrüht und praktisch und auslaufsicher transportiert werden kann. Ohne bitter zu werden, ohne zu tropfen. Obwohl ich anfangs mehr als skeptisch war (immerhin kostet der Becher rund 25,- Euro!), kann ich nach nun zweimonatigem täglichem Gebrauch sagen, dass dieses Produkt exakt für mich erfunden wurde. (Gesponsert werde ich übrigens nicht hierfür, ich finde das Teil wirklich klasse.)

Natürlich trinke ich weiter Kaffee, aber eben nicht nur. Der Becher begleitet mich in die Schule, bietet Gesprächsanlass („Was schwimmt denn da in Ihrem Becher rum!? Sieht… fies aus.“) und Festhaltemöglichkeit in einem. Was aber noch entscheidender ist: Ein kleiner Schluck Tee zur rechten Zeit hat mich bereits in einigen Konferenzen davor bewahrt, vorschnell etwas Unüberlegtes zu äußern – unbezahlbar! Ich schließe also befriedigt meinen Beitrag zum Trinken mit einem passenden Zitat aus Peter Pan:

„Möchtest du gleich ein Abenteuer erleben oder lieber erst Tee trinken?“, fragte Peter. „Zuerst den Tee!“, sagte Wendy schnell.“ 

Kluges Kind!

schöne, bunte KaffeedoseKein Teamaker, aber sicher die bunteste Kaffeedose der Welt!

Advertisements

26 Kommentare zu „Kaffee oder Tee?

  1. Das klingt ja fantastisch, liebe Frau Weh. Ich fülle mir, seit mich meine Galle verlassen hat, auch jeden Morgen Tee in eine Flasche. Leider ist der entweder zu schnell alle, oder bald kalt. Da klingt die Sache mit dem Nachgießen wirklich nach einer Alternative. Toller Tipp, danke! Habe sofort die Internetseite gestöbert, die Kosten schrecken mich aber etwas ab. Benötigt man denn immer die Tagesportionen, oder kann man auch den Tee aus den Großverpackungen in die to-go-tasse füllen?
    Hätte ich das mal gewusst, bevor die Geschenke unterm Baum lagen. 😉
    Es grüßt clarisande

    1. Hallo Clarisande,

      ich habe mir einmal die Tagesportionen zum Testen geholt, herausgefunden, welche Sorten ich gerne trinke und bin dann auf die großen Packungen umgestiegen. Wichtig ist dabei nur, dass du Sorten „to go“ wählst, weil die Blattqualität Einfluss auf das Nachbittern hat. Leider funktioniert nicht jeder Tee – ich habe es an herumliegenden Beuteln aus der wehschen Küchenschublade getestet 😉

        1. SOWAS ist mal ein gelunger Anwerbeversuch…ich hör immer die ganzeln Leute jammern, die auf sowas (Produktests etc) abslut keinen Bock haben und zu allm Überfluss auch novh Zeug angeboten bekommen mit dem sie nichts anfangen können…

  2. Vielen Dank für den Tipp! Ich werde den Tea-Maker gleich bestellen und weiß auch schon, dass er zum perfekten Geschenk in meinem Freundeskreis avancieren wird!
    Danke! Ich lese Deinen Blog SEHR gerne!

  3. Habe gerade den Teamaker bestellt! So was habe ich mir immer für meinen Klassenraum gewünscht! Danke für den Tipp!
    Im Übrigen muss ich endlich mal mitteilen, dass ich mich jedesmal freue, wenn ich etwas von dir lesen kann – deine Art zu schreiben ist wunderbar 🙂 !!!

  4. Danke für den tollen Tipp mit dem Teamaker! Den muss ich mir unbedingt noch bestellen, bevor die Schule wieder beginnt. Ohne Tee kommt mein Kreislauf nämlich morgens schlecht in Schwung (Vielleicht wäre ich besser Lehrerin an einer Abendschule geworden…)
    Der Becher ist auf dem Schreibtisch sicherer, als eine Tasse. Falls ich mal wieder (leicht erbost) etwas fester an die Klangschale schlagen will und dabei aus Versehen die Teetasse erwische, sind die Folgen vermutlich nicht ganz so schlimm. (Allerdings haben die Kinder dann auch nicht so viel zu lachen und das bereinigt auch so manches Gewitter.)
    Ich liebe deinen Blog und freue mich immer, wenn es wieder einen neuen Eintrag gibt! Vieles kommt mir so bekannt vor und ich wünschte, ich würde so souverän reagieren, wie du! Leider helfen mir da oft auch die vielen Tassen Tee nicht weiter…

  5. Köstich! Im Gegensatz zu allen anderen motiviert mich dein Beitrag nämlich dazu, mir eine French Press zu kaufen 😀 (ich zögere nur noch wegen der Befürchtung, nachher in rauen Mengen Kaffeesatz in der Tasse zu haben – ist das berechtigt?)

    1. Eigentlich nicht. Ein ganz klein wenig kommt schonmal durch, aber nicht viel. Wen man es ganz perfekt will, dann mahlt man die Bohnen selber und wählt eine etwas gröbere Körnung.

      1. Bin ich die einizige, die die french press zum Teeblattwegfiltern benutzt?

        PS: laut Wikipedia heisst das Ding auf deutsch Pressstempelkanne .hahahahah!

  6. Hallo,
    zu dem tollen Thema muss ich mich auch mal wieder melden. Falls du mal wieder wass von ikea brauchst, meld dich 😉
    Sowas schaff ich mir auch an, wenn ich im September wieder arbeiten gehe…
    Echt toll und ich hab noch nie Kaffee gemocht und in meinem Leben vielleicht 10 Tassen getrunken.
    Aber ich habe auf einem Markt eine tolle Wiederverwendung für Nespressokapseln gesehen, die ich auch mal in der Schule ausprobieren wollte.
    Schau mal hier:
    http://www.modeschmuck-handarbeit.at/modeschmuck-aus-nespresso-kapseln/bastelanleitung-nespresso-anhanger/
    Vielleicht gönnst du dir ja dann mal ab und zu eine Tasse ohne Reue?
    LG Martina

  7. Also, bei uns im Büro steht eine Kaffeemaschine von Siemens und ich trinke am Tag zwei bis drei Tassen Kaffee. Der Kaffee schmeckt sehr gut und ist umsonst 🙂 Zu Hause trinke ich meistens Tee. Liebe Frau Weh, ich verstehe nicht ganz, wie der Teamaker funktioniert. Im Beitrag steht, dass der Tee im Becher bis zum 5-mal überbrüht werden kann. Heißt das, dass man einen Beutel Tee fünfmal benutzen kann?

  8. Diese Woche hat – nach langem Überlegen nach diesem beitrag, weil billig ist ja doch was Anderes – nun auch ein teamaker bei mir Einzug gehalten. Und ich habe es geschafft, während meines Schultages wirklich 4 Becher zu trinken. Danke für den Tipp. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s