Was wäre, wenn…

… es immer so sein könnte?

Ich habe Wort gehalten und statt Vokabeln abzufragen Tischtennis mit dem größeren Wehwehchen gespielt. Über eine Stunde lang, draußen in der Februarsonne. Dem entzückten Miniweh habe ich die Gießkanne in die Hand gedrückt zum Matschsuppekochen. Und einfach so verbringen wir Zeit miteinander. Unkompliziert. Unaufgeregt. Mir geht eine Zeile eines Gedichtes von Hilde Domin durch den Kopf:

und das Glück beißt seinen kleinen Zahn in mein Herz

Ja, denke ich, genau so fühlt es sich an. Wer braucht großes Glück (und was ist das überhaupt?), wenn er in der Lage ist, sein Glas mit kleinen Begebenheiten anzufüllen? Einen verrückten Moment lang versuche ich mich im Entwerfen neuer Realitäten: Was wäre, wenn es immer so wäre? So easy peasy und so schön. Oder ist es das vielleicht schon und ich muss nur mein Denken gerade rücken?

Über unseren Köpfen fliegt eine Schar Gänse. Schon? Die Wehwehchen streiten über die Himmelsrichtung. Falsch liegen sie beide, aber es ist schnucklig, wie sie ihre Nasen in die Luft halten und fachsimpeln. Ein großer Wirrkopf und ein kleiner.

Leibniz kommt mir in den Kopf (der Denker, nicht der Keks). Leben wir in der bestmöglichen aller Welten? Oder sind wir doch eher Milben im siebenten Stock eines Edamerkäses*?

Mitten in meine großen Gedanken trifft mich ein Tischtennisball an den Kopf. Die Wehwehchen schütten sich aus vor Lachen. „Hey“, rufe ich gespielt entrüstet, „mehr Respekt, bitte! Eure Mutter denkt nach!“.

„Mir doch egal!“, antworten die beiden wie aus einem Mund und genau in diesem Moment beißt das Glück wieder zu.

 

* Im Monolog einer Milbe im siebenten Stock eines Edamerkäses nimmt Wilhelm Ludwig Wekhrlin Leibniz Idee der bestmöglichen aller Welten aufs Korn. Verstehen muss man beides nicht unbedingt. Aber dieser Teil meines Studiums hat mich nie so ganz losgelassen und eine ganze Weile hat mich Herr Weh zärtlich seine kleine Monade genannt. Ach ja… 😉

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11 Kommentare zu „Was wäre, wenn…

  1. Die entspannten Momente sind doch gerade deshalb so schön, weil das Leben halt nicht immer so locker ist. Und umgekehrt sucht man doch neue Herausforderungen, wenn das Leben gar zu eintönig ist. Aber die Februarsonne muss auf jeden Fall genossen werden, wenn sie sich zeigt. Auf jeden Fall machen Sie da gerade ein interessantes Experiment, das ja selbst schon wieder für die nötige Abwechslung sorgt.

  2. Ach, wie schön!!!! Ja, das ist wirklich Liebe, ganz im Sinne des Monats-Mottos. Alles Gute für die zweite Monatshälfte und liebe Grüße
    Kathrin

  3. Goldigst^^

    Ja der Herr Leipzig…äh Leibniz..der Gegenstand meine schlaflosen Nächte…und der permanente Versuch sein Komplettes Werk zu zitieren, sobald mir jemand mit der Theodizee-Frage kommt….und „fasel“ dann nebenbei immer noch was von „Verantwortung des Menschen“

    Eine gute/spannende/liebevolle Lektüre ist immer auch ein kleines Bisschen Glück!
    Was würde ich nur ohne der Frau Weh ihren Blog machen…?

  4. Ja, diese Momente. Und schriebe man sie nicht auf, würde man sie so schnell vergessen. Dabei sind sie doch so wichtig, wenn es mal nicht so gut läuft

  5. Ein dickes Herz an dich und deine Lieben! Ich hoffe, ihr könnt diese Momente weiterhin so genießen.
    Kathrin aus dem Südwesten

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