Von Gedanken und Möhren

Ich bin immer wieder verblüfft, wie schnell die Wochen vorbeiziehen. Obwohl oder gerade weil so vieles passiert. In den letzten Tagen aber immerhin nichts von größerem Drama. Die Wehwehchen erholen sich vom Kranksein und ich stelle Möbel um. Das hat bisher noch immer geholfen!

Für mich hat Möbelrücken ähnlich wie Kuchenbacken etwas durchaus Beruhigendes. Früher hätte ich dann bei der Gelegenheit direkt noch die ein oder andere Wand gestrichen, heute lasse ich das sein (vielleicht, weil Möwenkackegrau einfach DIE perfekte Farbe ist?) und bitte stattdessen Herrn Weh, mir beim schweren Küchenschrank zu helfen. Überhaupt, dieses um Hilfe Bitten… ein weiterer Schritt im Februarplan und hopps bin ich wieder auf Kurs. In den vergangenen Tagen habe ich mich im Absagen und Annehmen geübt. Könnt ihr das gut?

Ich drücke mich gerne um solche Dinge und hoffe, dass sie sich von alleine erledigen, was sie naturgemäß nicht tun. Aber da dieses Jahr ja alles einiges anders wird, habe ich mich aufgerafft und drei Abos gekündigt, außerdem einen neuen Ballettkurs ausfindig gemacht und für besser befunden. Nun werde ich der wirklich ganz reizenden Tanzlehrerin mitteilen, dass ich den Kurs wechseln werde, was mir schon Tage vorher ein kolossal schlechtes Gewissen beschert. Aber wie Herr Weh richtig sagt, kann ich nicht aus Mitleid als einziges Mitgleid einen ganzen Kurs finanzieren und so übungsintensiv eine Einzelstunde auch sein mag, ich wollte doch auch ein bisschen Spaß haben! Dass man in der Gruppe deutlich mehr davon hat, als einsam, alleine (und zunehmend irre) seine Kreise zu ziehen, weiß doch jeder, der mal Schwanensee oder wenigstens Natalie Portman im Black Swan gesehen hat.

Für meine Viertklässler läuft die Anmeldephase der weiterführenden Schulen. Es ist interessant zu sehen, wie viele Eltern sich tatsächlich an die Empfehlung halten (was sie in NRW nicht müssen) und welche Schüler deutlich im Arbeitsverhalten nachlassen, haben sie erstmal den Platz am Gymnasium sicher. Eine kleine Verschnaufpause gönne ich ihnen, zumal Karneval vor der Tür steht, danach lassen wir es ordentlich mit Grammatik krachen. Parallel dazu beginnen wir mit den Vorbereitungen für unsere Abschlussfeier. Eine Stunde buntes Bühnenprogramm steht an mit Pantomime, Zaubertricks, Liedern, einem „Das weiß doch jedes Kind!“-Quiz gegen die Eltern und etlichem mehr. Gute Ideen nehme ich gerne entgegen!

Es ist ein seltsames Gefühl den Abschied vorzubereiten; nicht nur den der Kinder, auch für mich steht vermutlich nach den Sommerferien der Wechsel an. Genaueres erfahre ich erst kurz vor Schuljahresende. Bis jetzt weiß ich noch nicht einmal, ob der Antrag überhaupt angenommen wurde. Natürlich gibt es die ein oder andere Wunschschule auf meiner Liste, aber ich versuche, mich davon zu lösen und jeden Wechsel als willkommen anzusehen. Letztendlich ist es ja so: Ein ganzes Stück weit hat man es selbst in der Hand, wie es wird. Und zumindest die harten Fakten sprechen für mich – jede Grundschule freut sich über Fachmusiker! Trotzdem bange ich natürlich zwischendurch auch. Wird es ländlich-beschaulich werden oder eher eine Brennpunktschule? Habe ich es mit Helikopter-Eltern oder mehr mit dem Jugendamt zu tun? Wird es einen Musikraum geben? Ein Klavier? Wenigstens ein Keyboard? Werde ich eine Klasse bekommen oder als Fachkraft verheizt? Wie wird die Schulleitung sein, wie das Kollegium? Einmal mit Grübeln angefangen, ist es schwer, sich wieder davon zu lösen. Aber glücklicherweise bietet der Schulalltag ja nicht zu viel Leerlauf, also stürze ich mich in die Planungen für meine Klasse, genieße das ruhige Arbeiten mit den Viertklässlern und denke bei jedem Zusammenstoß mit Frau Schmitz-H., dass unsere gemeinsamen Tage gezählt sind. Ja, das lässt mich lockerer werden.

Falls ihr auch auf der Suche nach etwas seid, dass euch locker und beschwingt durch den unsäglichen langen Februar trägt, empfehle ich eine Möhre, ein gutes Küchenmesser und folgendes Video. Sind es nicht solche Momente, in denen das Internet eine ganz große Sache ist?

 

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4 Kommentare zu „Von Gedanken und Möhren

  1. Bei diesem Video könnte ich mich echt wegschmeissen. Wer kommt denn auf solche Ideen? Und du findest sie… wonach schaust du denn, um das zu finden?
    Herrlich.

  2. Für alle, die auf Möhren allergisch sind: Es geht auch mit anderem Gemüse!

    (Ich hoffe, dass der Link nicht schon in anderen Kommentaren steht.)
    Liebe Frau Weh, schreib immer weiter – ich lese sehr gern hier 🙂

  3. Oh wie toll! Leider hab ich keine Bohrmaschine und auch kein Aushöhlgerät! Sonst würde ich JETZT statt zu schreiben in der Küche sitzen und ne Möhrenflöte baun. 😀 :O

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