März: Nimm, was du hast!

Mit etwas Verspätung reiche ich an diesem sonnigen Wochenende mein Märzmotto nach. Im Januar habe ich mein Augenmerk auf meinen Körper und die Entwicklung eines alltagstauglichen Sportkonzepts gelegt, im Februar habe ich an mir und meinen Beziehungen gearbeitet. Das war anstrengend und wesentlich schwerer als im Vorhinein gedacht. Jetzt suche ich eine Verbindung beider Bereiche, ein Annehmen des Ist-Zustandes und die Weiterentwicklung dessen. Klingt kompliziert, ist es hoffentlich nicht.

Wir leben im Überfluss. Wir können rund um die Uhr essen, trinken, uns unterhalten und berieseln lassen. Wir häufen Dinge an, die wir in einem Moment unbedingt haben wollen, um sie im nächsten Moment zu entsorgen, weil sie uns nicht mehr gefallen oder etwas anderes noch toller, noch besser, noch begehrenswerter erscheint. Wir sind wahllos. Wir kleiden uns modisch – oder nicht -, besitzen 32 T-Shirts, 12 Paar Schuhe und 7 Mäntel, damit wir für jedes Wetter gewappnet sind, auch wenn wir dann statt durch den Regen zu laufen lieber vor dem Fernseher bleiben. Wir befriedigen Bedürfnisse ohne nachzudenken und ohne nach ihrer eigentlichen Ursache zu fragen. Wir sind gedankenlos und nehmen lieber Kopfschmerztabletten ein, als uns einzugestehen, dass unser Körper nach Ruhe verlangt. Wir wissen um unsere Schwächen und kaufen Ratgeber, um sie ungelesen ins Regal zu stellen, melden uns als Karteileiche im Fitnessstudio an oder träumen uns Stunde um Stunde bei Pinterest ein neues, ein schöneres Leben. Wir denken, Konsum sei die Lösung: Ich kaufe, ich habe, ich besitze – ich bin!

Ich möchte den März nutzen, um mir selber besser zuzuhören und meine Bedürfnisse zu erkennen. Dies will ich – anders als im Februar – bewertungsfrei tun. Es geht hier nicht um gut oder schlecht. Ob uns der Mensch, der uns im Spiegel anschaut, sympathisch ist, oder nicht, liegt es nicht in unserem Handlungsspielraum? Anders: Wie kann ich eine Symbiose innerlicher und äußerlicher Faktoren erreichen, um so zu sein, wie genau ich das in genau diesem Augenblick entscheide?

Ich möchte mich umsehen und erkennen, was schon da ist, an Gütern, Dingen, Sachen, aber auch an Fähigkeiten, Ressourcen und Fertigkeiten. Was davon nutze ich schon, was kann ich gebrauchen, was lässt mich handeln, was möchte ich (re)aktivieren? Aber auch: Wovon möchte ich mich aktiv trennen, weil es mich hindert oder mir Schranken auferlegt?

Konkret nehme ich mir vor:

  • Zu schlafen, wenn ich müde bin.
  • Zu essen, wenn ich Hunger habe*. (Und nur dann, allen Verlockungen im Lehrerzimmer zum Trotz.)
  • Aufzubrauchen, was bereits ewig im Vorratsregal lagert.
  • Kritisch zu sichten, was sich in meinem Kleiderschrank befindet. Was trage ich wirklich? Was nie?
  • Bewusst zu konsumieren. Oder gar nicht.
  • In Beziehungen zu investieren.

Obwohl das Thema selber so klar auf der Hand liegt, tue ich mich schwer mit einem griffigen Motto. Ich liebe Sprache und Nimm, was du hast! klingt nicht gut in meinen Ohren. Eigentlich umreißt es lediglich den Anfang des Satzes. Wie könnte er weitergehen?

Nimm, was du hast und…

  • brauch es endlich auf!
  • akzeptiere es!
  • freu dich drüber!
  • nutze es!
  • entscheide!

Egal, wie man den Satz vollendet, die eigentliche Botschaft dieses Monats ist Nimm, was du hast und krieg deinen Hintern hoch!

märzmotivierte Grüße von

Frau Weh

* Essen nur bei Hungergefühl? Und was ist mit Keksen, nachmittäglichen Streicheleinheiten, Milchkaffee und Sonnenschein? Die bleiben natürlich, aber als Teil der Mahlzeit, nicht zwischendurch. Schließlich will ich mich nicht kasteien, sondern lernen. Haben wir nicht ein Luxusleben, dass wir entscheiden dürfen?

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17 Kommentare zu „März: Nimm, was du hast!

  1. Das ist ein wunderbarer Gedanke, Frau Weh – meiner Meinung nach einer, dem wir uns in unserer Überflussgesellschaft viel öfter stellen sollten.

    ich versuche das auch schon seit einigen Jahren (wenn auch eher aus Notwendigkeit) – aber: Es funktioniert. Eine Zeit lang beispielsweise aufzuschreiben, welche Lebensmittel man wegschmeißt und warum (und eventuell, wieviel Geld man da wegschmeißt), führt ganz schnell dazu, dass diese Liste recht kurz wird.

    Ich glaube, dass wir vergessen, wie gut es uns eigentlich geht. Auch wenn das extrem banal klingt: Wir haben ein Dach über dem Kopf. Wir müssen uns keine Gedanken machen, wo unsere nächste Mahlzeit herkommt. Wir ärgern uns darüber, dass wir uns irgendwelche Dinge viel Geld kosten oder wir sie uns nicht leisten können (bei mir aktuell ein neues Tagebuch – die beiden, die ich schön finde, kosten entweder 30€ (handgemacht, auf daWanda) oder 12€ (klar, weniger als die Hälfte, aber trotzdem …) – und dann verschwenden wir einen Haufen Energie auf diesen Ärger, ohne uns klarzumachen, dass das LUXUSprobleme sind, nichts weiter (ich zum Beispiel HABE noch zwei sehr schöne Notizbücher hier liegen, die voll und ganz ausreichten 😉 ).

    Haben Sie ein wundervolles Wochenende und genießen Sie den Sonnenschein!! 😀

    1. Vielen Dank, Julia, auch ich wünsche ein schönes Wochenende!
      Ich halte es auch für ein Kernproblem, dass wir dazu neigen, vieles als selbstverständlich anzusehen.
      Gerade das Wegwerfen von Lebensmitteln finde ich sehr problematisch und möchte es vermeiden, was mir nicht immer gelingt bei vier Personen, die unterschiedliche Dinge unterschiedlich gern essen. Aber ich bleibe dran!

  2. *heftig applaudiert* Da möchte ich doch gleich mit einsteigen! Auch würde ich gerne, wenn ich darf, Teile davon (natürlich mit Quellenangabe) rebloggen, weil es mir so aus der Seele spricht – darf ich?

  3. Hallo Frau Weh! Viel Erfolg für den März! Ich hatte einen ähnlichen Monat im August letzten Jahres. Aufgrund eines Umzugs habe ich mich von Überflüssigem getrennt, und mit jeder unnützen Sache weniger, die schon jahrelang in einer Ecke lag, fühlte ich mich leichter. So halte ich es bis heute. Nimm was du hast und fühl Dich unbeschwert!

    1. Dieses Gefühl des Erleichtert- und Unbeschwertseins kenne ich auch gut. Anfang des Jahres habe ich bereits sehr viele Dinge aussortiert, verschenkt und abgegeben. Seltsamerweise vermehrt sich der Kram dennoch. Komisch, oder? 😉

  4. Hallo Frau Weh,

    das ist ja ein wunderschöner Frühjahrsputz der besonderen Art. Das macht frei.

    Jetzt fehlte nur noch Teil zwei. Welche Wünsche hast du? Denke nach und wünsche sie dir. Ganz fest. Ganz ernsthaft. Überlasse dem Universum die Frage der Realisierung.

    Liebe Grüße! Matthias

    1. Hallo Matthias,
      wie schön, dass du mich auch ohne rss findest, ich bin nämlich noch nicht viel weiter gekommen.

      Herr Weh arbeitet eng mit dem Universum zusammen, ich vertraue auf andere Quellen 😉
      Aber letztendlich ist ja entscheidend, dass man überhaupt an etwas glauben und auf etwas hoffen darf.

  5. Treffender gehts nicht!!! Auch dies sind Gedanken, die ich nun nach einem Jahr Referendariat täglich mit mir herumtrage. Danke noch mal für den weiteren Denkanstoß!! Weiter so!

  6. Alte Zen-Weisheit: „Iss, wenn du hungrig bist, schlafe, wenn du müde bist.“ Ichhalte es eher so: Jede Sommerferien ein Ordner Schulunterlagen wegschmeißen.

  7. Wie schön, dass es auch andere Menschen gibt, die sich ein Monatsmotto stellen. Ich denke, das bringt einen ein gutes Stück weiter und klärt einige Dinge im Leben. Ein gutes Monatsmotto, das viele Aspekte in isch vereinigt.
    VG, Franka

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