Teachers leave them Kids alone

Abwechselnd The Clash und Pink Floyd im Ohr grübele ich seit ein paar Tagen über einen Leserkommentar nach, darin die leise Rüge, dass ich meine Klasse während des Unterrichts verlassen habe, und die Hoffnung, ich möge dies nicht regelmäßig tun.

Ich hätte dies gern ein wenig launisch und schmunzelnd mit einem schnellen Spruch abgetan, aber tatsächlich finde ich das Thema zu wichtig. Wie sieht es denn aus mit der Anwesenheit in deutschen Klassenzimmern?

Natürlich gibt es Gründe für ein Verlassen des Klassenraumes während des Unterrichts. Es gibt so Tage, da kommt man vor lauter Schulkram noch nicht einmal aufs Klo, geschweige denn in den Genuss eines Kaffees oder eines Gesprächs mit Menschen über 1,48 m. Im Gegensatz zu anderen Schulformen oder schlichtweg größeren Schulen haben meine Kolleginnen und ich nicht automatisch nach zwei oder drei Stunden Pause. Es sind Aufsichten zu führen, Kinder zu betreuen, Anrufe zu tätigen. An einem durchschnittlichen Konferenzmontag verbringe ich beispielsweise über 9 Stunden in der Schule ohne eine einzige richtige Pause. Klar kann ich in der Konferenz schnell etwas essen oder auch mal zur Toilette gehen, aber eine wirkliche Pause? Fehlanzeige.

Selbstverständlich lasse ich die Viertklässler nicht ständig allein – obwohl ich es (Vorsicht, reinstes Eigenlob!) mittlerweile könnte, sie sind gut eingenordet. Tatsächlich kommt es aber vor, dass ich ein Blatt im Unterricht nachkopiere, weil Sinans Meerschweinchen gefräßig oder Paulines kleine Brüder undicht waren. Auch flitze ich nach meiner Pausenaufsicht noch einmal schnell ins Lehrerzimmer, um in mein Fach zu sehen oder aktuelle Aushänge abzuzeichnen. In dieser Zeit lasse ich meine Klasse unbeaufsichtigt. Ja, da könnte natürlich etwas passieren. So wie fast überall und jederzeit.

Aber ich bin der Meinung, dass es dem Vertrauensverhältnis zwischen Klasse und Klassenlehrer durchaus zuträglich sein kann, wenn solche kurzen Momente möglich sind, ohne dass gleich die Hütte brennt. Wir reden hier über wenige Minuten, natürlich bleibe ich meiner Klasse nicht stundenlang fern, das versteht sich ja von selber.

Ganz nebenbei – und gedanklich völlig unsortiert – empfinde ich die Beaufsichtigungsdiskrepanz zwischen Kindergarten, Grundschule und weiterführender Schule als sehr groß. Zwei Beispiele aus Müttersicht:

  • Ich hole das Miniweh freitags früh ab. Auch wenn ich bereits gegen 12.15 Uhr im Kindergarten bin, so brauche ich doch geraume Zeit, es auf dem riesigen Kindergartengelände zu finden. Mal hockt es auf einem Baum, mal liegt es im Gebüsch, selten sitzt es im Sandkasten, aber oft in den Autoreifen hinter der Holzhütte. Klar sind da auch Erzieherinnen unterwegs, aber dem glücklichen Gesichtsausdruck des Miniwehs nach zu urteilen, tauchen sie eher selten im freien Spiel auf. Freiheit zu erfahren macht Kinder selbstständig und selbstbewusst. Freiheit zu erfahren bringt aber auch blaue Flecken und Splitter im Daumen mit sich. An allem wächst ein Kind.
  • Das größere Wehwehchen ist auf dem Gymnasium. Manchmal fällt Unterricht aus, nicht immer erscheinen die Lehrer pünktlich zum Unterricht in der Klasse. Es liegt zwangsläufig auch in der Eigenverantwortung der Kinder, wie sie damit umgehen. Das Wehwehchen für seinen Teil freut sich vermutlich über die gewonnenen Minuten, hält ein Schwätzchen mit seinen Nachbarn, brüllt präpubertären Blödsinn durch den Raum oder schludert schnell seine Hausaufgaben ins Heft.

Sowohl vor als auch nach der Grundschulzeit erfahren Kinder in ihrer jeweiligen Institution, wie es ist, unbeaufsichtigt zu sein. Ist eine permanente Aufsicht wirklich notwendig? Oder sollten wir entspannter damit umgehen? Ist eine dauerhafte Beaufsichtigung überhaupt realistisch?

Nein, ist sie nicht. Rechtlich ist die Aufsichtspflicht in der BASS (Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschiften) geregelt, darin heißt es u.a. „ständige Anwesenheit der Lehrkraft ist nicht in jedem Fall zwingend geboten.“ Wen es interessiert, hier eine kurze Übersicht mit entsprechendem Fallbeispiel.

 

Wie ist eure Meinung dazu als Lehrer(in), wie als Eltern? Wie handhabt ihr die eigene Aufsichtspflicht oder wie wünscht ihr euch sie für eure Kinder?

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25 Kommentare zu „Teachers leave them Kids alone

  1. We leave them kids alone!
    Die 10-Minuten-Pause nach der 2. Stunde sind sie unbeaufsichtigt, laufen zwischen Klassenzimmer, Pausenhalle und Pausenverkauf herum. Natürlich läuft auch immer wieder eine Lehrkraft zwischen den Kids irgendwohin. Die Lehrerinnen sitzen in einem Klassenzimmer, wo eine Kollegin Kaffee aufgebrüht hat. Die Schülerinnen fühlen sich beaufsichtigt – es ist noch nie was passiert.
    Die 9. Ganztagesklasse hat einen Chillraum, in dem sie allein Musik hören, Kickern oder Billard spielen.
    Geht auch. Kinder brauchen Freiräume, um damit umzugehen zu lernen.

  2. Oh, das kenne ich – Kopfschmerzen, weil keine Zeit war, irgend etwas zu trinken, ebenso wie hastige Klogänge, auch mal innerhalb der Unterrichtszeit, weil in den kleinen Pausen Aufsichten, Streitschlichtungen und Hauswechsel stattfinden oder ein Kind noch über das sprechen möchte, was gerade in der Stunde Thema war; …
    Ebenso auffällig ist die Diskrepanz von Freiheiten in Kita, Hort und Sek I gegenüber der Rundumbeaufsichtigung die es anscheinend in der Grundschule geben muss. Weshalb müssen Kinder in der Grundschule mehr beobachtet werden, als Kindergarten- oder Hortkinder? Das erschließt sich mir nicht wirklich.
    Ich oute mich: Ich verlasse ebenfalls gelegentlich meinen Unterricht, um wichtige Dinge zu erledigen, die ich zwischen den Stunden einfach nicht erledigen konnte. Und ich fühle mich nicht mehr schlecht dabei, weil die Kinder in dieser Zeit nicht kopflos durch die Gegend rennen oder mit Sachen herumwerfen, sondern arbeiten. Sie arbeiten tatsächlich auch ohne meinen wachsamen Blick.

  3. Ja, die Aufsichtspflicht beschäftigt mich zur Zeit auch. Wir haben eine neue Verordnung,die besagt,dass die Pausenaufsicht endet,wenn alle Schüler den Schulhof verlassen haben. Diese Woche habe ich versucht dies umzusetzen. Bis ich dann bei meinem Klassenzimmer war, gab es davor die ersten Streitereien und Rangeleien, die entstehen, wenn zu viele Kinder auf zu engem Platz warten müssen. Ich musste feststellen, dass ich nicht in der Lage bin diese Verordnung so umzusetzen, damit ich nicht mit einem Bein im Gefängnis stehe. Schließlich soll ich mit dem Klingeln im Klassenzimmersein. Im übrigen wurde uns auf einer Konferenz gesagt, dass das Verlassen des Klassenzimmers zu unterbleiben ist. Mir geht es dabei wie dir. Ich kann meine Klasse mittlerweile mal für zwei Minuten alleine lassen, um auf die Toilette zu gehen oder auch um mir mal einen Kaffee zu holen. Ich werde nun lernen müssen meine Ausscheidungen auszuschwitzen 😉
    Liebe Grüße Bille

  4. Liebe Frau Weh,
    ich mache das anscheinend genauso wie du. (Habe auch nochmal bei Prima Klima nachgelesen.)
    Ich habe an drei Tagen in der ersten Pause Aufsicht, und da geht Pippi machen z.B. nur dann, wenn eigentlich Kinder zu beaufsichtigen wären. Zumindest von 8-12.
    Auch meine Truppe ist gut eingenordet und hält sich meist an die vereinbarten Arbeitsaufträge. Wenn sie nur arbeiten würden, wenn ich ihnen über die Schulter schaue, würde ja auch ganz kräftig was schief laufen.
    Es gibt auch Situationen, in denen sie Kinder an verschiedenen Orten sind, z.B. wenn ein Teil im Computerraum und der Rest in der Klasse arbeitet, dann pendel ich hin und her und auch das klappt, wissen ja auch alle, wo sie mich finden, entweder hier oder da.
    Zu Hause bespitzelt man seine Kinder doch auch nicht rund um die Uhr, oder?
    Meine Schwiegermama ist Erzieherin und in ihrer Einrichtung dürfen die Kinder jederzeit ALLEIN aufs Außengelände, umzäunt, einsehbar, den Sicherheitsvorschriften entsprechend. Ich habe erst große Augen gemacht und war dann begeistert. Wenn sie dann eingeschult werden, ist es mit dieser „Freiheit“ gleich wieder vorbei…
    In Nds. heißt es glaube ich „müssen sich beaufsichtigt fühlen“, aber den genauen Wortlaut kenne ich nicht. So haben wir es auch seinerzeit im Ausbildungseminar besprochen.
    Wenn es doch anders sein sollte, müssten wir ja auch umgehend alle Gruppenräume schließen, in die sich Kinder normalerweise in gewissen Arbeitsphasen zurückziehen dürfen.
    Meine Schüler sind übrigens immer sehr stolz, wenn ich zu ihnen komme und sie lobe, weil sie fleißig / leise / folgsam waren, weil sie erkennen, dass sie Regeln und Absprachen einhalten können. Und weil ich es ihnen zutraue…
    Und ganz theoretisch betrachtet hole ich all die Minuten, die ich zwischendrin „schwänze“, wieder rein, wenn ich nach 13 Uhr beim Suchen von Blättern, Büchern, Jacken, Sportbeuteln,… helfe, wenn ich in meiner „richtigen“ Pause Pflaster und Kühlkissen verteile, wenn ich verlorene Zettel nachkopiere oder einfach nur einen kleinen Schüler-Plausch halte, weil das Herz so schwer oder der Kopf so voll oder das Erlebte so mitteilungswürdig oder der Witz so lustig oder der Ärger so groß oder…
    …und was man nicht noch so alles macht, wenn man Pause hat oder der Unterricht vorbei ist.

    Ich merke grad, ich springe, aber ich denke, die Aussage ist klar erkennbar.

    Liebe Grüße
    Britta

  5. Es ist ja leider (?) so, dass man nicht mal als Eltern ständig überall gleichzeitig sein, geschweige denn alles voraussehen kann. In ein paar Minuten kann eigentlich in einer Schulklasse auch nicht so viel Weltbewegendes passieren, zumal die Kinder ja sicher auch was zum Arbeiten bekommen haben, und ausserdem jederzeit mit Ihrer Rückkehr rechnen mussten.

  6. Liebe Frau Weh!
    Ich unterrichte im Moment eine dritte Klasse. Auch ich lasse meine Dreier immer mal wieder für einige Minuten allein. Ich weiß, dass ich mich in diesen Momenten auf die Kinder verlassen kann. Außerdem wissen sie immer wo sie mich im Notfall finden, da ich ankündige „Ich bin kurz nebenan bei Frau R.“ oder „Ich kopiere schnell das Arbeitsblatt für XY“. Ich gehe ja schließlich nicht am Markplatz einen Kaffee trinken! Wenn wirklich mal die Hütte brennt – ist noch nie vorgekommen 🙂 – ist immer noch die liebe Frau R. nebenan. Kinder sollen sich zwar immer sicher und beaufsichtigt fühlen, aber man kann ihnen auch mal was zutrauen! Außerdem strahlen nach dem Lob „Toll, ihr seid ja superleise und arbeitet noch immer fleißig“ dreiundzwanzig Gesichter. Und alle – auch die Lehrerin- sind stolz, dass man sich aufeinander verlassen kann. Also, lass deine Vierer weiter für einige Momente alleine. Ich glaube, dass tut der Selbstständigkeit und dem Selbstbewusstsein gut. Außerdem kennen wir unsere Schüler sicher so gut, dass wir wissen, bei welchen Klassen so etwas möglich ist. Klasse 2a ließe ich NIE allein, oder ich würde den lieben M. als „Helfer“ mit zum Kopierer nehmen ;-).
    Liebe Grüße, Heide

    P.S. Ich liebe deinen Blog und oft holen mich deine Gedanken und Erzählungen aus dem grauen Alltag und bringen die ganze Familie zum Lachen. Herr S. nennt Herrn Weh oft seinen „Leidensgenossen“… 😉

  7. Liebe Frau Weh,
    an der Schule wo ich arbeite gab es vor kurzem einen Vorfall, der vllt. das Dilemma ganz gut beschreibt.
    Eine 3 Klasse hatte Religionsunterricht in der ersten Stunde. An dieser Schule gibt es eine offene Eingangsphase für die erste und zweite Klasse, sodass die Kinder bis um halb 9 nach und nach eintreffen. Die Religionslehrerin in der 3 (nennen wir sie Frau M.) ist die Klassenlehrerin einer ersten Klasse. Frau M.s Klasse war in der ersten Stunde nicht versorgt, d.h. die Kinder kamen zum Lehrerzimmer, und die Sekretärin hat daraufhin Frau M. aus der dritten Klasse geholt, damit sie sich darum kümmert (gab ne unbeabsichtige Doppelbelegung eines Kollegen, der gleichzeitig in einer anderen Klasse war und nicht die Vertretung machen konnte in der ersten). Frau M hat die 3. Klasse also mit einem Arbeitsauftrag allein gelassen, um für ihre erste Klasse jemanden zur Aufsicht zu organisieren. Sie war insgesamt ca. 10 Minuten weg. In diesen 10 min. gab es einen handfesten Streit, der etwas eskaliert ist – nicht sonderlich schlimm, aber eigentlich hätte die dritte Klasse in der Lage sein müssen, diese 10 minuten an ihrem Platz zu verbringen, zumal sie die Regeln dafür kennen.
    Seitdem macht die Klassenlehrerin dieser dritten Klasse das regelmäßig, dass sie die Kinder alleine lässt – damit sie es üben. Und wenn sie sich nur für 2 min in den Flur stellt.

    Ich würde ja sagen, dass Kinder so etwas lernen müssen, wie du auch schon geschrieben hattest. Immerhin sind Kinder in der Schule nicht nur, um Wissen vermittelt zu bekommen, sondern auch bestimmte Kulturtechniken – und die Kunst des Alleinebleibens sollten Kinder nach und nach lernen, immerhin kann im Unterricht ständig etwas passieren. Man muss sich auf seine Klasse in solchen Situationen verlassen können finde ich. Wenn man das nicht kann, wie will man dann zB mit der Klasse einen Ausflug machen? Ich sehe hier oft genug Kinder in der Stadt rumfahren, die aus anderen Städten kommen, und die hier mit der U Bahn unterwegs sind. Häufig nur 3 Kinder, und die sind auch noch im GS Alter und kriegen es auch auf die Reihe, etwas allein zu tun – ohne Erwachsene. Und da kann weitaus mehr passieren als in einer Klasse…

  8. Liebe Frau Weh,
    mir hat mal ein Schulrat gesagt: „Die Aufsichtspflicht ist erfüllt, wenn sich die Kinder beaufsichtigt FÜHLEN!“ Hierbei ging es um eine Diskussion, wieviele Pausenaufsichten notwendig und erforderlich sind. Nach dieser Aussage haben wir die Aufsichten halbiert, was zur allgemeinen Entlastung beitrug.
    Ich habe eine zweite Klasse, die ich hin und wieder verlassen muss, da ich für die Pläne der Schule zuständig bin und einfach manchmal etwas regeln muss (und ja, manchmal muss ich auch schlicht mal aufs stille Örtchen 😉 ) . Das wissen die Kinder. Sie wissen, wo ich bin und auch, dass in den Nebenklassenräumen im Notfall immer ein Erwachsener ist. Ich erwarte von ihnen, dass sie sich an Regeln halten. Und ganz ehrlich – ich finde auch dass ich das erwarten kann! Wie sollen Kinder Selbständigkeit lernen, wenn ich ihnen permanent im Nacken sitze?! Auch „Hilfeholen“ und eine Situation einzuschätzen (regeln wir das selbst oder brauchen wir einen Erwachsenen) ist eine absolut sinnvolle Erfahrung, die Schule bieten kann und muss.
    Warum muss neigen viele von uns Lehrern dazu, sofort zu kritisieren und (wenn auch leise) zu rügen? Ich kenne Dich nicht persönlich, lese aber aus Deinen Erzählungen eine tiefe Verbundenheit mit Deinen Schulkindern. Wie käme ich dazu, Dir zu unterstellen, dass Du sie nicht im Blick (wenn auch nur im gefühlten) hast?! Müssen wir immer gegenseitig immer das Schlechteste annehmen? Und es dann auch immer gleich rügen? Nein. Insofern finde ich diesen Leserkommentar – unbekannterweise – vermessen und unangebracht. Und ja: Hiermit erteile ich eine Rüge an den Leserkommentarschreiber! 😉
    Herzliche Grüße,
    Julia

  9. Hallo Frau Weh, etwas schmunzelnd( bei Zeiten auch Stirnrunzelnd) verfolge ich seit geraumer Zeit Ihren Blog….zuerst einmal Kompliment!!! Ich genieße es auf so erfrischende und ungeschminkte Art einmal hinter den „Schul-Vorhang“ zu blicken 😉
    Das mit der Aufsicht ist so eine verzwickte Sache und ich bin der Meinung auch gar nicht in Schwarz-Weiß oder das ist richtig und dies falsch einzuordnen…letztendlich muss der Aufsichtsführende halt allein die Entscheidung fällen und im falle eines Falles auch für diese gerade stehen.
    Allerdings habe ich leider manchmal das Gefühl das an der Schule meines fast 9jährigen Sohnes Aufsicht ein absolutes Fremdwort ist ;( die Kinder turnen 10Minuten nach Unterrichtsbeginn im Treppenhaus herum springen Wort-wörtlich über Tische und Bänke, nehmen sich gegenseitig in den Schwitzkasten oder treten sich die Beine blau. In den Pausen ist Aufsicht führen gleichzusetzen mit Kaffeepause inklusive Sonnenbad, während ganz unbemerkt Mädchen in den Toiletten eingeschlossen oder Jungen gewürgt werden. Nein!!! Die Aufsicht wurde natürlich nicht verletzt, die Kinder haben leider nur zu wenig Eigenverantwortung, muss wohl am Elternhaus liegen!
    Abschließend: Ich finde es mehr als in Ordnung Klassen eine Weile ohne Aufsicht zu lassen, wenn man (so wie Sie Frau Weh) ein gewisses Maß an Verantwortungsgefühl den Kindern gegenüber hat.
    Denn ohne dieses bringt alle Aufsicht gar nichts!

  10. Hallo!

    Ich finde es sogar extrem wichtig, dass Kinder bereits im Grundschulalter lernen in einer Gruppe kurzzeitig ohne Aufsicht eines Erwachsenen zu sein. Das Klassenzimmer ist praktisch eh eine Art „geschützter Raum“ ohne Zutritt von Fremden. Passieren kann immer etwas, auch wenn der Lehrer direkt daneben steht – wichtig ist nur in jedem Fall, dass die Kinder wissen, wo der Lehrer ist bzw. wo sie ihn erreichen können. Und im Normalfall handelt es sich bei diesem „Klasse-verlassen“ ja sowieso nur um einen kurzen Toilettengang oder um eine Kopieraktion, weil schon wieder ein Buch zuhause liegen geblieben ist. Ich denke, dass kein Lehrer seine Klasse alleine lässt um ins Kaffeehaus zu gehen! 😉

    Lg, Lisi

  11. IMHO ist ständige Kontrolle weder möglich, noch gesund. Diese Überbehütung finde ich absolut furchtbar. Schrammen, Schiefer, Kratzer, Dreck und blaue Flecke gehören doch irgendwie zum „Kindsein“ dazu. Es tut weh ja, aber danach weiß ich, das vom Baum hopsen keine gute Idee ist.

    Oder beim Wehwehchen: Freie Zeit für Hausaufgaben nutzen und dafür nachmittags mehr davon haben, oder jetzt Quatschen und nachmittags nochmal hinsetzen? So lernt man Zeitmanagement und Prioritäten setzen, was ich nicht verkehrt finde.

    Du verbringst relativ viel Zeit mit „deinen“ Kindern, daher denke ich, dass du in der Lage sein solltest, sie einzuschätzen.

  12. Unsere Schulleitung hat da einen guten, zutreffenden Spruch: „Kinder müssen sich beaufsichtigt fühlen.“
    Ich finde Glucken schlimmer als ein, zwei, drei Minuten mal nicht da zu sein. Solange die Kinder wissen, dass Fehlverhalten Konsequenzen hat, passiert in der Regeln nichts, Ich hatte bisher mehr „Verletzungen“ bei meinen Schülern, wenn ich da war, als wenn ich mal kurz raus war.

  13. Ich gestehe, ich bin über den angesprochenen Punkt auch gestolpert. Aber nicht dergestalt, dass ich daraus eine Rüge formulieren würde. Vielleicht lese ich hier schon einfach zu lange leise mit, um mich daran zu stoßen. Weil hier immer wieder das Verantwortungsbewusstsein, das Fördern und Formen der Schülerindividualitäten auftauchen und ich niemals auf die Idee käme, das Alleinlassen der Schüler wegen was auch immer würde fahrlässig unüberlegt sein.

    Prinzipiell habe ich da die gleiche Müttersicht wie du: das Kind im Kindergarten, das ich manchmal nur finde, weil ein anderes quer über den Hof brüllt „Lämmchen abgeholt!“ Oder weil sich L. kichernd irgendwo aufhält und ich ahne, das das Lämmchen sich versteckt hat. Und das große Lämmchen als Gymnasienkind muss sich selbst organisieren zwischen Unterricht und Ausfall und mit einer Klassenlehrerin, die Kinder als Strafe vor die Tür stellt. Ach ups … Aufsichtspflicht, wie war das?

    Wie handhabe ich meine eigene? Oh, da ich da durchaus schon angeeckt bin, habe ich mal bei der zuständigen Institution nachgefragt, ob ich damit in Teufels Küche komme. Nein. Welches Kind wie intensiv beaufsichtigt werden muss, hängt vom Kind ab. Und wenn die 5-Jährige allein daheim bleibt, während die Große zum Konfiunterricht gefahren wird (Abwesenheit ca. 30 Minuten, Handyerreichbarkeit gegeben), dann ist das ok, solange es für das Kind ok ist – und selbiges besteht darauf 😉 und war stolz wie Ottokar bei der Einweisung „wie rufe ich Mama oder Papa an“. Auf der anderen Seite hat der Kindergarten Bauchweh, das Minilämmchen allein losgehen zu lassen, damit es mich abholen kann aus dem ehrenamtlichen Nachmittagsjob einmal die Woche. Das Lämmchen dagegen findet das so toll und ist so stolz, das ich ihr das zutraue …

  14. Liebe Frau Weh!

    Als Mutter wie als Lehrerin kann ich mich deiner Sichtweise nur voll und ganz anschließen.
    Was ich dabei wichtig finde: Die Kinder der Klasse müssen wissen, wo sie im Zweifel Hilfe finden. Also sage ich vorher klar, dass ich gehe, wohin ich gehe, wie lange ich etwa wegbleibe und welche Lehrerin im absoluten Notfall im Raum nebenan ansprechbar ist.
    Bzw. wenn ich meine eigenen Kinder mal für eine halbe Stunde bis Stunde alleine zu Hause lasse – damit habe ich im Grundschulalter begonnen – kläre ich mit ihnen, wen sie im Zweifel anrufen können. Wir haben eine sehr nette Nachbarschaft, selbst wenn mein Handy keinen Empfang hat, ist eigentlich immer mindestens einer da, der zur Hilfe eilen könnte.
    Im Kindergarten meiner Kinder ist es sogar gängige Praxis, dass Kinder ohne Erwachsenen im Nebenraum oder in der Turnhalle spielen dürfen. Unsere Jüngste hat sich erst gestern das Köpchen darüber zerbrochen, was die Erzieher eigentlich den ganzen Tag dort machen und ob die sich gar nicht langweilen, wenn sie gar nicht mitspielen. Neben Selbstbewusstsein und Selbständigkeit fördert das auch stark soziale Kompetenzen. Den Zusammenhalt unter den Kinder in den Gruppen dort empfinde ich als sehr stark. Nicht selten berichtet unsere Tochter z.B. auch, dass ältere Kinder ihr geholfen oder sie getröstet haben.
    Liebe Grüße
    Sabine

    P.S.: Abgesehen davon steh ich auf Pink Floyd…

  15. Die wichtigen Stichworte, an die ich (Sek 1) mich halte, sind schon gefallen : „altersgemäß“ und „sie müssen sich beaufsichtigt FÜHLEN“.

    Trotzdem noch etwas dazu von einem schon etwas älteren Lehrersemester: Mein Mann ist seit über 25 Jahren Lehrer an einer kleinen Dorfgrundschule. In seiner Anfangszeit hat er in der dritten Klassenstufe über mehrere Jahre eine Dorfrallye (in damals noch HuS, heute MENuK) veranstaltet. Die Kinder bewegten sich (nach Info und mit Unterschrift der Eltern) in kleinen Gruppen über eine gefahrenarme, vorher festgelegte Strecke OHNE Begleitperson durchs Dorf und lösten dabei verschieden Aufgaben betr. Rathausgeschäftsstelle, Kirche, …) Heute wäre das juristisch undenkbar. Es ist nicht einmal mehr möglich, kleine Kindergruppen nach draußen vor die Schule zu „ihrem“ Baum (Beobachtungsprojekt zu den Jahreszeiten) zu schicken. Die Ironie dabei ist, dass sich die Dorfkinder nachmittags auf genau diesen „Pfaden“ ohne jede Aufsicht stundenlang tummeln…
    Das Konzept der Dorfrallye zerschlug sich schnell, nachdem Eltern als BEgleitpersonen für die Kindergruppen hinzugezogen wurden: sie tendierten dazu, die Lösungen der Aufgaben den Kindern (ehrgeizig) vorzugeben statt die Kinder selbst „machen zu lassen“. Soweit die Erziehung zur Selbständigkeit.

  16. Aufsichtspflicht, spätestens nach der Fortbildung zum Thema Schulrecht und dem dort gelernten Teil der oben zitierten BASS – und einer klaren Ansage diesbezüglich meiner Chefin – ist es bei uns so, dass ich natürlich in der Klasse bin, aber eben auch mal einen Botengang oder Anruf vor und nach der Pause tätige.
    Da wir in diesem Fall der „Nichtbeaufsichtigung“ der Nachbarklasse Bescheid sagen sollen – Stichwort Oberaufsicht – und häufig mein Teamkollege (Doppelbesetzung) die Stellung halten kann – ist es alles im Lot.
    Da einige Schüler sehr verhaltenskreativ sind, oder zu jung oder zu Anfällen neigen (Förderschule) – ist es immer eine sehr individuelle Entscheidung, ob ich die Schüler alleine lasse. Manchmal nehme ich das Kind, was besser nicht ohne Aufsicht sein sollte dann mit!

    Ansonsten – finde ich auch, dass den Schülern UND unserem Verhältnis es gut tut, wenn man sich Freiräume lässt – und ihnen Vertrauen schenkt. In meiner 8. Klasse ist das zunehmend möglich und ich entscheide mich auch manchmal bewusst dazu, ihnen die Verantwortung zu übertragen. Sie wissen, wo Hilfe wartet (Nebenklasse) und ich mag mich gerne auf sie verlassen.

    Ich stimme dir, liebe Frau Weh, in allen Punkten und Überlegungen zu: Kinder benötigen diese Freiräume! Und wir als Erwachsene entscheiden, wann wir Ihnen diese geben!
    Erfahrungen benötigen Freiräume, damit sie gemacht werden können und mir sind Splitter oder Schrammen lieber als Ängste und Unselbstständigkeiten!

    So weit – dir erholsame, schöne, sonnige Ostertage – und Ferien!
    Vanessa

  17. Also ich gehen immer mit allen Kindern gemeinsam aufs Klo – das ist so schön kuschelig. Und wenn ich unter der Stunde etwas dringen kopieren muss – was nie passiert, da ich ja eine so toll vorbereitete Lehrerin bin und meine äußerst braven Kinder auch nie Zettel verliern – also wenn, dann gehen wir natürlich gemeinsam. Außerden drehe ich – aber das ist wohl selbstverständlich – niemals meinen Schülern den Rücken zu, weiß der Himmel was da alles passieren könnte.

  18. Ich empfehle die Dokumentation „Babies“. Da sieht man Babies, die nicht ständig unter Begluckung stehen. Die wirken nicht traumatisiert, sondern sogar in der Lage, mit einem Stein zu spielen, ohne sich oder jemanden anderen zu verletzen. Das schaffen hierzulande viel ältere Kinder oft nicht. Man kann Grundschülern sicherlich zumuten, ein paar Minuten alleine zuzubringen, ohne dass Blut spritzt. Ich sehe jeden Nachmittag Grundschüler, die alleine unterwegs zum Fußballtraining sind oder auch in die Musikschule radeln. Die kriegen das hin, wenn auch in einem eher dörflichen Umfeld. Da werden sie es auch überleben, wenn sie ein paar Minuten nicht unter den Augen des Lehrers zubringen. (Die Diskrepanz besteht dann darin, dass Eltern, die frohgemut ihr Kind mit dem Rad ins Geschäft fahren lassen, aufheulen, wenn sie innerhalb von vier Wänden fünf Minuten allein sind. Also was jetzt?)
    That said – ich habe im letzten halben Jahr vielleicht 3x die Klasse verlassen (Gymnasium), um Dinge nachzukopieren. Kaffeetrinken oder so geht gar nicht, Gespräche mit anderen Lehrern gehen auch nicht, das fände ich unprofessionell. Aber in Notfällen schnell zum Kopierer, wenn sein muss, halte ich für ein vertretbares Übel.

  19. Liebe Frau Weh

    mein Kommentar, auf den Sie sich da vermutlich beziehen, war eben eine Frage oder auch eine Hoffnung, dass Sie nur ab und zu und nicht ständig die Klasse verlassen.
    Ausserdem war mir aufgestossen, dass Sie in fröhlichem Plauderton davon berichteten, dass Sie dann auch gleich noch ein Schwätzchen mit der Sekretärin halten konnten.
    Wenn man dringend auf die Toilette muss, vorher Unterricht hatte, Aufsicht usw., dann verstehen ich das, dann kann man auch mal 2 min. später kommen. Aber nicht weil man noch ein bisschen quatschen musste/wollte.

    Ich bin da einfach ein gebranntes Kind. In der Sekundarschule des Sohnes sind so viele Lehrer einfach mit den Jahren ausgebrannt, lustlos, burnout-gefährdet oder schon voll drin, und man sieht ihnen so an, dass sie keinen Bock mehr haben, aber sie können ja nichts anderes und hocken einfach ihre Zeit ab.
    Sie machen sich dann, wenn es zur Stunde klingelt ihren Kaffe, den sie dann gemütlich zur Klasse tragen, fangen grundsätzlich nicht pünktlich an.

    Sie gehen so oft wie möglich aus der Klasse, bleiben länger als 5 min. weg, und lassen die Klasse immer wieder allein, obwohl ein „verhaltenskreativer“ (Danke an Vanessa 🙂 ) Junge in der Klasse ist, der dann sofort Rambazamba macht.

    Meiner Meinung nach sollten die Lehrer doch Vorbilder sein. Wenn mein Sohn etwas vergessen hat, bekommt er einen Strich und muss gegebenenfalls nachsitzen. Er musste auch schon völlig themenUNbezogene Texte abschreiben als Strafe. Aber die Lehrer leben es ihm ja so vor, dass Pünktlichkeit nicht wichtig ist, dass man auch nicht immer alles dabei haben muss. Dass man auch unvorbereitet in den Unterricht kommen kann.

    Ich lese Ihren Blog ja schon eine Weile, Frau Weg, und auch wenn Sie nicht minutiös Ihren Tagesablauf schildern, bin ich doch ziemlich sicher, dass Sie nicht zu der von mir beschriebenen Kategorie Lehrer gehören.
    Vielleicht sind Sie auch noch nicht lange genug dabei 😉
    Ich wollte einfach darauf aufmerksam machen, dass es einreissen kann. Am Anfang nur mal schnell was holen, noch mal schnell auf die Toilette und wenn Sie dann bereits 20 Jahre Lehrerin sind, dann ist es eine Gewohnheit geworden, dann hat man ja auch alles schon 100 mal gemacht, kann die alten Vorlagen nehmen, muss nichts Neues mehr vorbereiten, alles easy. 🙂

    Seien Sie aufmerksam und achten Sie immer wieder mal auf sich eventuell einschleichende Gewohnheiten, dann werden Sie sicher so eine gute und beliebte Lehrerin bleiben.

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
    asty

  20. Ich denke an meine Kindheit zurück. Mit sieben, als ich keine Lust mehr auf Kindergarten hatte (und die Kindergärtnerinnen auch nicht mehr auf mich 🙂 ), wurde ich Schlüsselkind. Ich fuhr alleine mit dem Bus nach Hause, rief meine Mutter im Büro an und war von Schulschluß bis ca. halb sechs, manchmal länger, unbeaufsichtigt. Ich kochte mir sogar mein Mittagessen selbst, ohne die Bude abzufackeln. Ich stromerte mit meiner Freundin durch die Gegend, völlig ohne erwachsene Begleitung.

    Manchmal, wenn ich die Diskussionen über Aufsichtspflicht verfolge, frage ich mich, wie ich überlebt habe.

  21. Die Kinder möchten doch bitte wenigstens in der Schule rund um die Uhr beaufsichtigt sein, denn wir als Eltern lassen sie ja auch nicht, wie wir es selbst damals getan haben, selbstständig zur Schule gelangen, sondern fahren sie mit unseren SUVs. 😉

  22. Ich schließe mich (wie im vorigen Beitrag auch) wahnsinn22 an. Sicherlich mussten wir alle schonmal dringend aufs Klo oder noch etwas kopieren. Aber selbst in diesen 5 min bin ich persönlich recht angespannt und bete, dass nichts passiert – an gemütliche Pläuschchen denke ich da gar nicht. Vielleicht ist das übertrieben, aber man weiß nie was passieren kann.
    Jemand schrieb hier, die Kinder müssten lernen, unbeaufsichtigt zu sein. Ich denke, Kinder können lernen, ihre Fragen und Probleme zurück- und auszuhalten, um sie der Lehrkraft später darzulegen. Aber Kinder können nicht lernen, Konflikte mal eben auf später zu verschieben (insbesondere Stichwort GU). Und auch Unfälle lassen sich leider nicht immer verschieben 😉
    Ein Kind fällt mit einer Schere hin – da ist doch sofort die Frage, wo die Lehrkraft zu der Zeit war. Letztens kam ich ca 5 min zu spät zur Pausenaufsicht und ein Krankenwagen kam gerade auf den Schulhof gefahren – Leute ich sage euch, mein Herz ist in die Hose gerutscht. Es stellte sich zum Glück als Fehlalarm heraus.
    „Kinder müssen sich beaufsichtigt fühlen“ – Wenn ich kopieren gehe, wissen die Kinder, dass ich 5 min weg bin – sie wissen genau dass sie 5 min NICHT beaufsichtigt sind. Deshalb Kollegin Bescheid sagen, die könnte jede Sekunde in den Klassenraum kommen –> folglich fühlen sich die Kinder beaufsichtigt und wissen auch, wer nun für sie zuständig ist.
    Ich bin gegen jede Art von Verhätscheln, aber Unterrichten und Beaufsichtigen ist mein Job und da zieht das Argument m.E. nicht. Der Vergleich des Schulwegs hinkt ebenfalls. Sicherlich können in der U-Bahn oder auf dem Fahrrad mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit schlimme Dinge passieren, aber hier entscheiden sich die Eltern ausdrücklich dafür, dieses Risiko für ihr einzelnes(!) Kind einzugehen.

    Ich will niemanden angreifen – aber mit diesem Thema ist sicherlich nicht leichtfertig umzugehen – zu unser aller eigener (rechtlicher) Sicherheit!

  23. Die Kinder sollen doch zu Selbständigkeit und Verantwortlichkeit erzogen werden. Immer wieder habe ich das Gefühl, dass aber genau diese beiden Aspekte mit dem ersten Schultag von den Kindern wieder abgegeben werden müssen. Ich habe nach dem Vorbereitungsdienst mehrere Monate Praktika an zwei Schulen gemacht, in denen es keine Pausenaufsicht gab. Sprich: In der größeren Schule (ca. 200 Schüler) hatten die Kids zu ganz unterschiedlichen Zeiten Pause, das Gelände war recht weitläufig, die Lehrperson hielt sich normalerweise im Lehrerzimmer auf, manche verließen sogar das Schulgelände um zu rauchen. Die andere Schule war sehr klein (30 Schüler), alle hatten gemeinsam Pause, aber auch hier führte die Lehrerin keine Aufsicht, in der sie ständig die Kinder im Auge hatte oder wusste, wo genau sie sich aufhielten. In beiden Schulen war es den Kindern überlassen, ob sie sich im oder außerhalb des Gebäudes in der Pause aufhalten wollten. In beiden Schulen habe ich während mehrerer Monate keinen Vorfall erlebt, bei dem etwas Schlimmes passiert wäre. Es gab zwar mal Streitereien, die die Kinder aber größten Teils selbständig regelten. Es gab keine Verletzten, keine Prügeleien, keine Sachbeschädigung.
    Später habe ich fast drei Jahre als Vertretungslehererin gearbeitet und in dieser Zeit in 6 unterschiedlichen Schulen (Grund-, Haupt-, Realschule und Gymnasium) gearbeitet und die übliche Pausenaufsicht geführt. In diesen Schulen kam es häufiger zu Vorfällen, die das Eingreifen eines Erwachsenen erforderten. Natürlich immer dann, wenn man gerade nicht hinguckt.
    Diese Erfahrungen bestätigen mich in meiner Ansicht, dass weitaus mehr passiert, wenn die Kids gewohnt sind, fast minütlich unter Aufsicht zu stehen und dann geradezu darauf warten, dass man sie mal gerade nicht im Blick hat.
    Meine Tochter habe ich auch mit 3 Jahren vor dem Haus im Matsch spielen lassen, ohne alle 5 Minuten zu gucken. Ich finde, sie ist recht verantwortungsbewusst und sehr selbständig geworden.

    Verantwortung kann man nur tragen, wenn sie einem nicht weggenommen wird.

  24. Es kommt auf das Alter des Kindes an. Den kleinen Sterngucker beaufsichtige ich noch öfter als die größeren Kinder. Insgesamt vertraue ich den Lehrern und Erziehern, dass sie einschätzen können, ob sie den kindern vertrauen können oder nicht. Mir ist es wichtig, daß die Kinder wissen, wo sie jemanden finden können, falls sie Hilfe brauchen oder etwas passiert. Die Kindern können viel schneller Verantwortung für sich und andere übernehmen, wenn sie es auch dürfen.

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