Abschlusskummer und Vorfreude

Zeugniszeit. Wo ist eigentlich das Schuljahr hin? Haben wir nicht letztens erst Weihnachtslieder eingeübt?

Wie jedes Jahr droht mich die Menge des „noch zu erledigen“-Stapels zu erdrücken. Ich atme tapfer dagegen an und akzeptiere, dass der Juni eben der neue Dezember ist. Der Trend geht eindeutig zum Sommer: Kindergartenfest, Schulfeste, Bundesjugendspiele, Theatertag, Abschlussfeiern, Abschlussgrillen, Abschlussgottesdienst. Alles schließt ab und benötigt dafür mindestens ein Planungstreffen. Die Koordination eigener Termine und der der Wehwehchen gleicht dem Kreuzworträtsel der Zeit – vielleicht nicht unlösbar, aber knifflig. Zwischendurch Fachnoten (viele…) und Zeugnisse der Viertklässler, diese immerhin überschaubar in Anspruch und Menge. Die Bögen, auf denen ich jedem Schüler einen Abschiedsbrief schreiben möchte, sind noch unberührt. So ganz bin ich noch nicht abzuschließen bereit. Wir sind noch nicht fertig.

Das letzte Sachunterrichtsthema muss noch vorbereitet, der letzte Ausflug geplant werden. Bei so vielen Dingen steht jetzt ein „letztes“ davor. Mündlich habe ich die Zusage des Schulamtes bereits, es fehlt nur noch das passende Schriftstück und meine Versetzung zum neuen Schuljahr ist amtlich. Ich gehe. Wow. Der letzte Schultag wird auch meiner sein.

Ich freue mich so! Aber ich lasse auch viel zurück und habe viel zu verdanken; der Schule, der Chefin, den Kolleginnen. Jede Begegnung hat mich wachsen, mich stärker (oder weicher) werden lassen. In den vergangenen 10 Jahren habe ich mir meine Sporen verdient und Federn gelassen. Und immer wieder gelernt, gelernt, gelernt. Wenn ich nach den Sommerferien an einer neuen Schule starte, dann nicht mehr unerfahren. Ein gutes Gefühl.

Auch ein gutes Gefühl: Der erste Blick auf die neue Schule. Nachmittags, aufgeregt. Ich stand vor dem Tor, habe am Schulhaus hochgesehen und bestätigt gefühlt, was der vormittägliche Blick auf die Homepage der Schule bereits anklingen ließ: Dass dies ein Ort ist, an dem ich richtig sein werde.

Vorfreude.

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25 Kommentare zu „Abschlusskummer und Vorfreude

  1. Liebe Frau Weh,
    ich gratuliere zu der mündlich zugesagten Veränderung und hoffe, dass Sie die Versetzung bald schwarz auf weiß haben werden. Ich freue mich mit Ihnen.
    Vor dem letzten Endspurt stehen bei uns ab nächster Woche Samstag zunächst zwei Wochen Pfingstferien an, doch dann geht es hier gut weiter. Bei uns ist der Juli der neue Dezember. Ich werde dieses Jahr mit einer Kollegin ein Wochenende jenseits von Familien und sonstigem Trubel verbringen und dort die Schulberichte schreiben… diesen Tipp habe ich letztes Jahr hier bei Ihnen gelesen. Ich freue mich auf dieses intensive Arbeitszeit und hoffe, dass Sie die nötige Entlastung für die sonstige Zeit bringt.
    Alles Gute und viele schöne „letzte“ Erlebnisse.
    Liebe Grüße,
    Kathrin aus dem Südwesten

    1. Hallo Kathrin,
      ja, ich erinnere mich an diesen Vorschlag und wünsche Ihnen, dass Sie die Zeit effektiv nutzen können und dennoch (oder gerade deswegen?) auch Zeit für schöne Gespräche und leckeres Essen bleibt 🙂

  2. Liebe Frau Weh,
    genauso ging es mir im letzten Sommer beim Blick auf meine neue Schule. Und nach fast einem Jahr kann ich sagen, dass Schule, Rektorin und Kolleginnen gehalten haben, was der erste Blick versprach :-). Ich gehe inzwischen viel motivierter und mit mehr Lust und Freude in die Schule, als in den Jahren vor meinem Wechsel. Und die chronische Magenschleimhautentzündung ist auch verschwunden. Ich wünsch dir so viel Glück in deiner neuen Schule, wie ich es habe. Du hast es dir verdient!!!
    Ganz Liebe Grüße,
    Heide

    1. Heide, das ist nett, danke! 🙂
      Bisher hat mich mein Bauchgefühl bei solchen Sachen nicht betrogen, ich hoffe, dass es auch hier nicht täuscht. Wie schön, dass du eine Schule gefunden hast, die zu dir passt und umgekehrt!

  3. Liebe Frau Weh!
    Da bekomme ich doch gleich eine Gänsehaut! SOOOOOOO ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man am richtigen Platz ist! Ich kenne es, Gott sei Dank! Genieß es!!! Einen schönen Abschluss in der alten Schule und eine sanfte Landung am neuen, richtigen Platz!
    GlG
    Babette

  4. was ist so anders in deinem neuem Domizil?
    Ich habe schon viele verschiedene Schulen kennen gelernt, keine war wie die vorige und doch kommt es fuer mich nur auf eines an: die Kinder! Wirst du mit einer 1. Klasse beginnen können um alle deine Vorstellungen von Grund auf umsetzen zu können?
    Liebe Grüße aus Wien

    1. Ich weiß noch nicht, welche Klasse ich bekomme. Nächste Woche werde ich einen Termin vereinbaren und hoffentlich schon mehr erfahren. Deine Frage, was so anders ist, kann ich nur schwer beantworten. Es ist das Gefühl (oder vielleicht auch der unbedingte Wunsch), dass diese Schule das Kind in den Mittelpunkt rückt. Nicht das Förderkonzept, nicht die technische Ausstattung, nicht die Methodenvielfalt. Die Homepage lässt es vermuten, die liebevoll gestalteten Fenster und Türen ebenfalls. Ob es dann wirklich so wird, werde ich sehen.

  5. Schade, dann kommst du nicht an ‚“meine“ Schule, denn wir haben kein Tor und so richtig weit hochgucken kann man bei uns nicht wirklich! Trotzdem wünsche ich dir alles Gute für deinen neuen Start! Ich sitze gerade an den Zeugnissen für meine Erstis, jedesmal aufs Neue fällt es mir schwer, den richtigen Anfang zu finden. Mal gucken, ob ich das heute noch hinkriege.
    Liebe Grüße und gutes Gelingen,
    Heike

    1. Hallo Heike,
      danke, es dauert ja noch eine ganze Weile bis es richtig losgeht an der neuen Schule. Aber es war jetzt wirklich an der Zeit für eine Veränderung.

      Die Startschwierigkeiten mit den Zeugnissen kenne ich auch zu gut. Furchtbar… Frohes Schaffen! 😉

  6. Liebe Frau Weh,
    huch, Du schreibst schon wieder meinen Text. Hier auch, vierte Klasse, Abschiedsstimmung, letzte Ausflüge, Abschiedsfeste und Gottesdienste planen und viel, viel Arbeit vorher. Die Termine erdrücken mich fast und ausgerechnet zuhause trubeln dieses Jahr meine eigenen drei und die große Familie drumherum ganz besonders. In meine Abschiedsstimmung mischt sich große Aufregung, denn auch ich werde die Schule wechseln, allerdings muss ich übernächste Woche dafür erst noch eine Prüfung bestehen, damit das klappt. Dieses Abschiedsgefühl gemischt mit Aufregung und Vorfreude ist ein Mix der es in sich hat. Ich versteh Dich gerade so gut und hab Dich heute besonders gerne gelesen. Ich wünsch Dir einen tollen Endspurt.
    Liebe Grüße Jule

    1. Jule, das hört sich ja mächtig nach Karrieresprung an 😉 Übernimmst du eine Schulleitung oder warum die Prüfung? Alles Gute und toi-toi-toi! 🙂

      1. Jaaaa, ich habe mich an meiner vorletzten sehr netten Schule als Konrektorin beworben. Warum ich das getan habe, fällt mir, wenn ich meine to-do-Liste sehe, gerade gar nicht mehr ein… 😉
        LG Jule

        1. Toll! Dann drücke ich ganz fest die Daumen für die Revision! Und was die to-do-Liste anbelangt… da hilft wohl nur durchatmen und abarbeiten 😉

  7. Liebe Frau Weh,
    mir geht es in diesem Jahr genauso. Ich wechsele auf eigenen Wunsch die Schule und habe mir auch erst mal, als ich vom Personalrat nähere Infos bekam, was geplant ist, Homepage und Schule angeguckt. Zwischenzeitlich hatte ich einen Termin mit der Schulleitung und ich freue mich auf die Veränderung. Ich wünsche dir alles Gute an deiner neuen Schule, dass das alte Jahr gut abschließt und deine Erwartungen und Wünsche sich erfüllen.
    Alles Liebe
    Anne

  8. Liebe Frau Weh,
    ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Auch ich wechsel die Schule. Ich gehe in dem Wissen, dass es meinen stressigen Alltag entspannen wird. Ich habe kurze Wege, bin näher an meiner Familie und freue mich auf die Veränderung.
    Aber loslassen kann ich noch nicht. Ich kann meine Klasse nicht bis zum Ende führen und muss sie nun schon nach der 3. Klasse an einen Kollegen übergeben. Wann immer das als Thema aufkommt, kullern bei den Mäusen die Tränen und auch die Eltern überschütten einen mit Ihren Ängsten zum neuen Schuljahr und mit der Sorge, dass ein unbekannter Lehrer kommt, der dann die Bildungsempfehlung schreiben muss. (Nicht das ich vorhabe meinen Nachfolger dabei im Stich zu lassen.) Es gab viele schöne Geschichten in den drei Jahren, aber auch viele traurige und dramatische Entwicklungen und mich lässt das Gefühl nicht los, dass gerade diese Kinder mich noch brauchen würden. Sie haben das noch nicht ganz bewältigt und verlassen sich da ja doch sehr auf einen….. Aber es liegt nicht in meiner Hand.

    Die Freude auf das Neue, auf den Wechsel wird sich wohl nicht so schnell einstellen… Der Zu-erledigen-Stapel erschlägt uns wohl alle und auch ich werde das Gefühl nicht los, dass das zweite Halbjahr vieeel kürzer als das erste war.

    Ich wünsche uns allen ganz viel Kraft, kurze intensive Momente des Durchatmens und noch viele schöne LETZTE Momente.

    1. Liebe Nalinili,
      ja, das kann ich nachvollziehen. Ich habe ja auch lange mit dem Antrag gewartet, aber irgendwann wird es Zeit, um der eigenen Situation willen. Schade, wenn eine Klasse dann nicht bis zum Ende geführt werden kann. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Kinder den Wechsel in der Regel unproblematisch erleben, auch wenn sich im Vorfeld vielleicht Ängste eingeschlichen haben. Mit den Eltern ist das eine ganz andere Sache. Umso schöner, dass du deinen Nachfolger unterstützen möchtest! Denn eine 4 zu übernehmen ist ja auch nicht ganz ohne. Alles Gute für dich! 🙂

    1. Es ist eine Bekenntnisschule. Insofern ist auch das Schulprofil deutlich anders ausgerichtet als an meiner jetzigen Schule. Viel mehr weiß ich noch nicht, ich versuche in den nächsten Tagen die Schulleitung zu erreichen.

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