Hejo, Verzweiflung!

Das Klavier und ich befinden uns im Krieg. Noch ist nicht klar, wer von uns als Gewinner aus dieser Schlacht gehen wird. Mal setze ich meine Finger konzentriert auf viel zu viele schwarze Tasten, mal verleihe ich meiner Frustration lautstarken Ausdruck. Richtige Töne werden im Schneckentempo wiederholt und wiederholt und wiederholt, bis sie sich ins Gedächtnis der Finger eingebrannt haben. Und schuld sind die Giraffenaffen:

Hejo, spann den Wagen an

ist eins der Lieder, das ich jeden Herbst und mit jeder Klasse singe. Es ist ein guter Einstieg ins Kanonsingen, lässt sich auf mannigfaltige Weisen instrumentieren, arrangieren und gestalten und die Kinder lieben es. Ich auch, schließlich wird es meist in E-Moll begleitet, und diese Tonart beherrsche ich aufgrund ihrer Simplizität blind auf jedem in der Schule befindlichen Instrument, egal ob Blockflöte, Gitarre, Glockenspiel oder eben Klavier. Vermutlich könnte ich es sogar auf dem Kamm blasen, aber das habe ich noch nicht ausprobiert. Dann kamen die Giraffenaffen mit ihrer Version um die Ecke und schlichen sich ins Kinderzimmer des Miniwehs und somit auch in meinen Gehörgang. Und nun muss ich das mit den Viertklässlern natürlich ausprobieren. Dumm nur, dass die Giraffenaffen wohl entweder kein E-Moll mögen (obgleich ich das nicht akzeptieren möchte, handelt es sich immerhin doch um eine meiner Lieblingstonarten!) oder aber deutlich begabtere Musiker sind, als ich es bin. Denn sie spielen den Song in Fis-Moll. Fis-Moll! Also bitte! Kann mir mal bitte jemand schnell die Dur-Dominante dieser Tonart nennen? Genau, Cis-Dur: cis, eis, gis. Nee, wat fies!

(Mir ist klar, dass dieser Beitrag für viele Leser ein Rätsel darstellt. Aufgrund jahrelanger Verbundenheit bitte ich in diesem Falle um Verzeihung und gerne auch um tröstenden Zuspruch. Fis-Moll ist echt unmöglich, wenn man jahre-, ach, jahrzehntelang ein Stück in e gespielt hat!)

Natürlich könnte ich die Version auf E-Moll herunterbrechen. Könnte. Tu ich aber nicht, denn ich möchte den neuen Viertklässlern, deren bisheriger Musikunterricht aus dem Singen einiger immer gleicher Lieder bestand, weniger eine Musikstunde bieten, als vielmehr den Ausblick auf eine neue Dimension. Und dafür wäre es doch schön, aus dem zuvor eingeübten Kanon mittels Zuschaltung der CD zur Version von Chima überzugehen. ABER DAS GEHT NUR IN FIIIIIES-MOLL!

Also übe ich. Und übe. Und übe.

Solltet ihr nichts mehr von mir hören, dann hat mich das Klavier wahrscheinlich gefressen. Oder ich habe mir die Finger gebrochen. Oder ich stehe in der Zeitung unter Verschiedenes, weil ich bei den Giraffenaffen vorbeigefahren bin und ihnen Eier ans Auto geworfen habe.

Nah am Wahnsinn grüßt

Fis-Weh

P.S. Die besagte CD der Giraffenaffen finde ich übrigens ganz gut. Ist ja nicht alles in Fis-Moll…

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36 Kommentare zu „Hejo, Verzweiflung!

  1. Mein Sohn (noch nicht einmal anderthalb) liebt die Giraffenaffen auch. 🙂

    Fis ist echt fies… und wenn du die Gitarre nimmst und mit einem Kapodaster spielst?
    Dürfte einiges leichter sein – auch wenn ich noch keine Vorstellung davon habe, wie du das mit der CD und Instrumentalbegleitung deinerseits machen willst. Ich glaube nämlich der Strophenteil klingt „mitgesungen“ eigenartig, weil es so ein Singsang ist – Rap würde ich das jetzt nicht nennen. 🙂

    1. Nee, Rap ist das nicht, ist mir dann auch aufgegangen.
      Und gut, dass du fragst, wie ich das dann tatsächlich machen will – das weiß ich nämlich noch gar nicht. Ups. Da mache ich mir dann heute mal ein paar Gedanken zu 😉

  2. Dann spiel’s doch auf der Gitarre. Ist bestimmt ein Kinderspiel;-)

    Nee, das ist auch nicht gerade meine Lieblingstonart, aber mir würde da ja der Ehrgeiz fehlen. Darum würde ich zu einer pragmatischen Bordunbegleitung tendieren. ..

    Viel Erfolg
    Sabine

    1. Liebe Anne, glaube mir, es IST dramatisch! Besonders für den Rest der Familie. Sogar die Katze geht laufen, wenn ich den Klavierdeckel hebe. Dagegen war das Rückwärtsspielen von Häschen in der Grube reinste Freude.

  3. Ich gehöre zu denjenigen, die musikalisch nicht gebildet genug sind, um im Einzelnen verstehen zu können, wo genau dein Problem liegt. Trotzdem hast du wieder mal so schillernd und köstlich beschrieben, dass es ein unglaubliches Problem zu lösen gilt, dass ich mir deine Nöte an sich durchaus vorstellen kann. Da bleibt mir nur dir zu wünschen, dass du am Klavier all die Phasen durchmachen darst, die es braucht, bis du am Ziel bist. Es dient ja auch wirklich einem guten Zweck. Dir und der restenlichen Familie wünsche ich einen angenehmen Sonntag. LG Gille

    1. Liebe Gille,
      schön, dass du dich meldest: Ich habe ein Riesenproblem auf deinem Blog zu kommentieren. Der will mich einfach nicht. Daher nutze ich deinen Kommentar schamlos aus und teile dir mit, dass ich mich tatsächlich darüber freuen würde, wenn du auf den Silbenbildchen die Bögen rausnehmen würdest und das entsprechende Kästchen freilassen könntest. Ich würde alles SOFORT drucken, laminieren und einsetzen 😉
      Lass es dir im Urlaub gutgehen!

  4. Also mir ist dein Beitrag kein Rätsel, da keiner von mir verlangen sollte aus meinen gewohnten Tonarten zu wechseln. Ich bewundere deinen Elan und dein Durchhaltevermögen – keine Ahnung ob ich durchhalten würde. Also ich wünsche dir Kraft, gute Nerven und vieeeel Fingerspitzengefühl. Und lass uns bitte wissen, wie der Kampf und die Musikstunde ausgegangen sind.
    Liebe Grüße
    Susann

    1. Danke, Susann! Ich habe schon überlegt, ob ich irgendwie unflexibel und in alten Gewohnheiten festgefahren bin, aber wahrscheinlich ist die emotionale und (vor allem) fingertechnische Bindung an eine Tonart gar nicht so unüblich.

  5. Nein, nein, nein. Die haben das nie und nimmer in fis-Moll aufgenommen. Die haben ein Keyboard, das das einfach einen Ganzton höher moduliert hat, die mögen auch e-Moll, nicht verzweifeln! Ich stehe auch nach fast 40 Jahren Klavier noch mit den schwarzen Tasten auf Kriegsfuß, ganz übel! Mit irgendwelchen Computerprogrammen kann man CD-Aufnahmen in der Tonart verändern, aber da kenn ich mich leider nicht so aus. Ich grübele derweil mal weiter, wie ich die Giraffeaffen finde. Ich kannte die noch gar nicht, danke für den Tipp. Interessant und „verwertbar“ finde ich sie auf alle Fälle, aber für gutfinden brauch ich, noch etwas länger 🙂
    Ich bin noch voll im Ferienmodus.
    LG Jule

    1. Jule, ich danke dir so sehr für deinen Kommentar. Das muss es sein, die haben das auch in E-Moll gespielt. Aber warum nur haben sie es dann geswitcht?
      Zu deinem Grübeln bezüglich der Giraffenaffen kann ich nur beisteuern, dass wir (Miniweh und ich) ganz klare Favoriten auf der CD haben und andere Lieder grundsätzlich überspringen. Ich habe die CD noch nie in Gänze durchgehört, das würde mich wahnsinnig machen 😉
      Schöne Ferien!

      1. Ohje, ich fühle mit – fis, wie schrecklich…
        Bezüglich Jules Kommentar fiel mir ein, ob sich denn nicht ein EPiano in der Schule befindet, was man auch einfach einen Ganzton „hochschraubt“ und so in E-Moll spielt, aber Fis-Moll klingt…?!
        Daraus resultierte, wie Jule beschrieb, sicher auch die Aufnahme, à la „das ist mir aber ein bisschen tief zu singen, mach mal einen Ton höher…“ Haha, wie einfach das ist (mache ich es doch selbst immer wieder) und du hast jetzt die Arbeit ;D

        Viel Erfolg weiterhin!

  6. Viel Erfolg beim Einstudieren in Fies-Moll 😉 Allerdings ist es dann doch auch noch DIEEE Gelegenheit, auch mal ein Bananenklavier zum Einsatz kommen zu lassen ^.^ Für die schwarzen Tasten nimmst du dann einfach Schokoriegel! Dann macht es sicher gleich mehr Spaß. Falls die beim vielen Üben schmelzen, hast du immerhin eine Ausrede, warum du so viel Schoki verdrücken darfst 😀

  7. Liebe Frau Weh,
    Wenn ich auf Lieder in fi(e)sen Tonarten treffe, dann hole ich immer meine gute alte Erna (was meine allerliebste Gitarre ist) aus ihrer Tasche, spreche ihr ein bisschen Mut zu und krame dann ihren besten Freund, den Capo aus seiner Verpackung… Vielleicht ist das eine Lösung, bevor dem Klavier oder – schlimmer noch – der Frau Weh noch ein Leid geschieht… 🙂
    (In meinen Klaviertasten befinden sich auch diverse „Bissspuren“, die ihren Entdeckern bildhaft von Übefrust berichten. Mpf.)
    Maximale Erfolge wünscht
    die zur Zeit doch eher „klampfende“ lavandar

        1. Das habe ich mir auch nicht anders gedacht 😉

          Vielen Dank für die netten Wünsche, die heutige Konferenz war jedenfalls schon knackig. Aber alles wird gut…! 🙂

    1. Das elende fis-moll… ein Computerprogramm, welches mir einfällt, ist Audacity, damit könnte man das Stück langsamer setzen und auf e-moll „trimmen“, aber ob das noch so gut wirkt weiß ich auch nicht.
      Die Giraffenaffen kannte ich noch nicht, danke für den Tipp!

  8. Da spricht mir jemand aus der Seele.
    Am Klavier kann man Stunden verbringen, um einigermaßen passende Begleitungen zu Liedern zu finden. Am tollsten ist es, wenn es sich um Tonarten handelt mit mehr Vorzeichen als Finger. Ich kann mir deine Bissspuren am Klavier vorstellen.
    Aber ich kann etwas zur Beruhigung beitragen. Erst kürzlich habe ich eine Geigerin auf einer Hochzeit auf der Orgel begleitet. Nach der Trauung wünschte sich das Paar einen englischen Song. Die Geigerin sollte mit ihrem Instrument dazu improvisieren und das Stück war in Fis-Dur: 6 Kreuze!!!!! Sie hat dann einfach ihre Geige in der passenden Tonart gestimmt und dann dazu improvisiert!!!
    Also auch Profis greifen zu Tricks! Und wenn es gut klingt, na und!
    Also dir noch viel Spaß beim Üben und danke für die tolle Seite! Es ist ein Vergnügen sie zu lesen, auch in den Ferien. Ich denke, dein Hejo ist auch für meine Schüler eine tolle Idee!
    Helene

    1. Ui, da hat die wirklich einfach mal eben so umgestimmt? Ich kenne ja auch eine ganze Menge Geiger, aber die würden so etwas bestimmt NIE tun 😉
      Danke für dein Lob, darüber freue ich mich!
      Wie alt sind deine Schüler?

  9. Bin zwar ohne Kind, aber mit viiiiel Musik und musste herzlich über Deinen Kampf mit dem bösen Fies-Moll lachen. Ich mag ja alle Moll-Tonarten, aber nur zum singen. Beim Selbstspielen (Gitarre oder Klavier) bleibe ich dann eher C-Dur 🙂
    Liebe Grüße und viel Erfolg,
    Herzlichst, Sunny

    1. Hallo Sunny,
      hast du keine Tonart, die du besonders liebst? Ich stehe wirklich auf E-Moll und (was irgendwie lustig ist, denn schwarze Tasten sind schwarze Tasten) sehr, sehr, sehr auf C-Moll. 3 B-chen schocken mich kein bisschen, drei Kreuze hingegen… wuah!
      C-Dur auf der Gitarre finde ich schon schwierig, ich hab so kleine Hände 😉

      1. Tatsächlich mag ich a-Moll am liebsten 😀 ist nämlich genau meine Tonlage. Auf der Gitarre geht es einigermaßen (hab große Hände und spiel auch schon länger), auf dem Klavier verzweifle ich schneller… Ich wollte es immer lernen und jetzt, wo ich es endlich tue, geht es mir nicht schnell genug 😉

      2. DAS Problem kenne ich nur zu gut. Ich liebe den satten Klang meiner guten alten Erna, aber sie musste bei täglichem Einsatz in der Schule dann doch einer jüngeren – und vor allem schmaleren – Artgenossin weichen. Ich hatte ständig Krämpfe in der Hand. Das mag auch daran liegen, dass ich eigentlich in jedem Fach einen Grund gefunden habe, mit den Kindern zu singen – es gab Phasen, da hing mir Erna glatt den ganzen Tag wie eine Wandergitarre auf dem Rücken. Seid ich mich entschlossen habe, eine Gitarre mit einem schmaleren Griffbrett zu kaufen, sind wir dicke Freunde, meine Erna II und ich… mit und ohne Capo 🙂

        PS.: fi(e)s-moll ist e-moll im 4. Bund mit Capo im 2. Bund
        Gutes Gelingen!

  10. Liebe Frau Weh,
    ich bin ja gänzlich unmusikalisch (fis-moll, wuahaha), liebe aber, genau wie meine Schafe, die Musik der Giraffenaffen und BESONDERS dieses Lied. Daher hoffe ich, du schaffst es – zur Not ohne Klavier und mit CD….????

  11. Liebe Frau Weh, das ist ja lustig. Als ich an „Herbst“Lieder für meine 4. Klasse dachte, kam ich sofort auf „Hejo“ (bei uns zu Hause auf Grund des Namens des kleinen Kinder auch gerne mit „Theo“ intoniert) . Danke für den tollen Tipp

  12. P.S.: es muss natürlich Kindes heissen (liegt an der Tabletttastatur). Und wenn es ein Trost ist: ich könnte es höchstens auf der Posaune spielen, aber dann kann ich nicht mit singen 😉

  13. Fis ist fies…und auch ich erfreue den strengschen Ehemann sowie die Nachbarschaft und tierischen Mitbewohner des Öfteren mit dem Üben der Begleitung von vermeintlich einfachen Kinderliedern 😉

  14. Oha, da hatte ich aber ein Brett vorm Kopf …
    Ich hab statt „Dur-Dominante“ „Dur-Tonart“ gelesen und hab mich tagelang gewundert, dass das doch A-Dur sein müsste, und dass das keinem auffällt.
    Lass dich nicht unterkriegen!

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