Saumselig, aber satt und zufrieden!

Oh, ich bin saumselig, ich weiß! Aber es ist nun einmal so, dass ich abends furchtbar geschafft bin, und wenn dann irgendwann alle Schreibtischarbeiten hinter mir liegen, kann ich höchstens noch wie ein Apfel auf das Sofa plumpsen. Ans Bloggen ist da nicht mehr zu denken, ich bitte um Verständnis.

29 Kinder sind – ich werde nicht müde, mich darüber zu echauffieren – wirklich sehr, sehr viele. Noch viel größer ist allerdings die Menge an Arbeitsheften und Schnellheftern, die ich freitags nach Hause schleppe, um sie dann Seite für Seite nachzusehen. (Nur am Rande möchte ich den wirklich witzigen Vater erwähnen, der mich beim Schulfest letzte Woche ansprach, um mir seinen Respekt auszudrücken. Nein, nicht für das wochenendliche Arbeitspensum. Er zeigte sich vielmehr beeindruckt davon, dass ich den von ihm absichtlich eingebauten Fehler in den Hausaufgaben seiner Tochter tatsächlich gefunden habe. O-Ton: „Ich wollte mal sehen, ob Sie wirklich alles nachsehen. Sie machen das ja echt!“ Ja, da habe ich mich sehr anstrengen müssen um nicht unflätig wirklich drüber gefreut. So ein Scherzkeks, ein ulkiger.)

Die Woche war überhaupt stramm. Das Miniweh hat im Kindergarten eine Nestschaukel mit dem Kopf auszubremsen versucht. Die daraufhin gewachsene Beule wies galaktische Ausmaße und eine wirklich hübsche Blaufärbung auf. Dass das arme Ding beim nächtlichen Sturz aus dem Bett auf genau dieser Stelle landen musste, ist nur noch mit Pech zu beschreiben. Allerdings kam dann beim Kühlen im Badezimmer noch eine späte Wespe und ein Stich ins Knie dazu. „Mist-Scheiß-Aa!“, brüllte das Kind und ich konnte es ihm beim besten Willen nicht verdenken, waren dies doch ungefähr die Worte, die auch Herrn Weh und mir durch den Kopf gingen. Da half nur noch der Trosteinsatz von Bügelperlen, über die gebeugt ich das Wochenende verbrachte wie Aschenputtel über der Erbsenschüssel. Allerdings ohne Tauben. Bügelperlen sind die Pest! Übertroffen nur noch von diesen hässlichen Plastikarmbändern, die sich trendige Kinder (und deren noch trendigere Mütter) seit geraumer Zeit häkeln. Wobei man die wenigstens nicht bügeln muss. Bügeln! Ich bügle (bügele?) nicht einmal meine Kleidung und nun schmelze ich bunten Sondermüll an. Verrückt.

Aber egal, ich wollte eigentlich mitteilen, dass ich statt zu bloggen in dieser Woche ein Buch, einen Film, ein Album, ein neues Kleid und eine Milliarde stressbedingter Kalorien geschafft habe. Nur um mal die zeitliche Relation zu klären, was man alles schaffen kann, wenn man mal nicht bloggt.

Gelesen: Gute Geister. Ein tolles Buch! Ich habe gelacht und geweint. Muss mir unbedingt den Film ansehen.

Gesehen: Lunchbox. Anrührend, romantisch und kulinarisch absolut ansprechend. (Daher die Milliarde Extrakalorien. Angeregt vom Film gab es diese Woche Curry satt. Die Wehwehchen betteln schon nach Nudeln. Naja, vielleicht morgen.)

Gekauft, nicht genäht: Oh My Marine Dress. Da ich Erstbesteller war, kam die Lieferung mit einem Lebkuchenherz, auf dem in Zuckerguss für immer stand. Jetzt haben sie mich. Ich LIEBE Lebkuchenherzen. Oh, ich liebe sie wirklich. Vielleicht bestelle ich noch einmal unter falschem Namen. Oder für jedes Wehwehchen einmal. Vielleicht finde ich ja auch etwas für Herrn Weh?

Gehört: Popschutz. Zu erwähnen, dass ich absoluter Stoppokfan bin, werde ich wirklich NIE müde. Schöne Scheibe, wenn auch keine Überraschungen, aber wer will die schon? Ich habe in dieser Woche mit den Erstklässlern in Kunst die Wasserfarben ausprobiert. Glaubt mir, ich möchte bis Weihnachten keine weiteren Überraschungen erleben! In vier Jahren muss ich unbedingt an die Aufnehmer denken!

Dass Wasser immer den direkten Weg nimmt, ist uns letzte Woche bereits wieder in Erinnerung gerufen worden. Da leckte nämlich ein Wasserrohr. Die Wand klafft übrigens immer noch offen, auch ist noch nicht entschieden, ob der Boden noch dran glauben muss. Nein, es wird nicht langweilig. Wie gut also, dass in NRW bereits in vier Tagen die Herbstferien beginnen. Ich glaube, ich habe sie dringend nötig … 😉

Uns allen wünsche ich eine möglichst stressfreie Woche und, ja, ich gelobe Besserung mit der Schreiberei!

Herzliche Grüße

Frau Weh

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14 Kommentare zu „Saumselig, aber satt und zufrieden!

  1. Du guckst wirklich ALLES nach??
    Den Zahn habe ich den Eltern schon beim ersten Elternabend gezogen – somit wäre der absichtlich eingebaute Fehler wohl auch bei mir gar nicht erst passiert.
    Ich gucke am Wochenende
    1. ob alles gemacht ist
    2. ob alles verstanden wurde (und zwar, indem ich den Inhalt überfliege und stichpunktartig kontrolliere)
    Erst, wenn eines der beiden Dinge nicht zutrifft, gucke ich genauer und kontrolliere manchmal auch alles genau – wobei das eigentlich auch nicht stimmt, denn wenn etwas nicht verstanden wurde, ist ja meinst auch alles falsch und ich kann komplette Aufgaben „markern“.
    Auf die Idee jede Aufgabe im Matheheft nachzugucken, wäre ich nie gekommen und in Deutsch muss ja im ersten Schuljahr eh noch nicht jedes Wort stimmen. 🙂

    1. Ja, ich sehe alles nach. Das hat mehrere Gründe:
      Mir wird sonst schnell langweilig.

      Nein, das ist natürlich ein Scherz :mrgreen:

      Ich sehe die Gefahr, dass manche Kinder bei einer Klasse dieser Größe in offenen Arbeitsformen durchrutschen. Dadurch, dass ich jede Woche in den Arbeitsplänen markiere, was noch nicht oder fehlerhaft gemacht wurde, habe ich einen sehr guten Überblick darüber, an welcher Stelle sich jedes Kind befindet und kann sehr früh gegensteuern, z.B. durch entsprechendes Material in den folgenden Freiarbeitsphasen.
      Ich gebe differenzierte HA auf, ohne genaues Nachsehen wäre ich verloren.
      Die Kinder sollen von Anfang an auf absolut ordentliche Arbeitsweise und Heftführung trainieren. Da hilft es enorm, wenn sie wissen, dass ich alles sehe 😉
      Vielleicht muss noch nicht jedes Wort stimmen, aber die Schreibrichtung der Buchstaben sollte es schon tun, da gucke ich zugegeben ziemlich genau hin. Gleiches gilt für die Ziffern. Richtige Rechenaufgaben gibt es bei Flex und Flo zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
      Ja, vielleicht bin ich da ein wenig speziell …

      1. Meine Hausaufgaben sind auch differenziert und um zu sehen, ob ein Kind etwas nicht kann, reicht mir mein grobes Durchsehen auch. Wenn dann in einem Mathepäckchen von zehn Aufgaben eine falsch ist, so what. Ich sehe auch wenig Sinn darin den Kinder diese Fehler anzukreiden, denn wer macht denn keine Fehler?

        Allerdings habe ich auch nur 20 Kinder und somit durchaus auch die Chance es in der Woche schon zu merken, wenn da was nicht klappt.

        Bei der Ordnung, sehe ich auch beim Überfliegen, was nicht ordentlich ist – das wird eben nochmal geschrieben. Und wenn da gehäuft Aufgaben falsch sind und ich weiß, dass das Kind es besser kann, wird auch das nochmal gemacht.

        Aber wenn es dein Gewissen ruhiger macht, dann ist es ja auch gut. Mir ist die Zeit einfach zu schade jeden kleinen Fehler zu finden – bei 29 Kindern wäre es mir das wohl noch mehr. 🙂

        Bei der Schreibrichtung bin ich aber – besonders in Mathe – völlig relaxed.
        So lange sich die Kinder mit ihrer Schreibrichtung nicht im Weg stehen, ist es mir schnuppe, wie genau die Zahlen / Buchstaben geschrieben sind – das ist doch eh von Schreiblehrgang und Schreiblehrgang unterschiedlich und auch wir Erwachsenen halten uns oft nicht an eine einzelne Variante.
        Und bei bereits geschriebenen Zahlen und Buchstaben sieht man doch die Schreibrichtung gar nicht wirklich mehr – sofern sie nicht völlig „kraus“ ist. Dann bestehe ich auch auf Änderung.
        Wenn ein Kind zum Beispiel statt einer acht zwei Kreise malt, bin ich da konsequent, aber ob die nun rechts oder linksrum geschrieben ist, was kümmert es mich? Oder ab ein großes M mit oder ohne absetzen geschrieben ist – ich habe schon beides in Schreiblehrgängen gesehen und wer bin ich da zu urteilen, was besser ist?
        Einschreiten tue ich, wenn von hinten nach vorne geschrieben wird oder so, dass es einer verbundenen Handschrift später im Wege steht.
        Ansonsten: Wenn ein Kind flüssig schreibt, alles gut.

        Aber ich weiß, dass das ein ewiges Thema ist und das an deren Schulen anders gehandhabt wird.

      2. Meine Kinder sind mittlerweile 6. und 9. Klasse, Gym, Niedersachsen…Die Große hatte eine GS-Lehrerin, die wie Sie denkt. Ergebnis: Mappen werden bis heute akkurat geführt und ihre zusammengestellten Unterlagen sind perfekt zum Lernen. Diktate, die in der ersten Klasse mit „Mi, Ma, Mo“ anfingen, haben nie einen Schrecken bedeutet. Ein Hausaufgabenheft führt sie bis heute.
        Die Kleine hatte eine GS-Lehrerin, die alles etwas laxer sah…bei ihr ist nicht verankert, dass Mappenführung, Schriftbild und Sauberkeit unaufgefordert zur Schule einfach dazugehören…
        Sicherlich ist das auch eine Persönlichkeitssache ;-), aber ich denke, dass auch ein Großteil des Fundaments der Arbeitshaltung in der Grundschule gelegt wurde.
        Von daher: Danke, danke, danke für Ihre Arbeit an den Erstklässlern!!!!!

  2. Hallo Frau Weh -oh welch ein Glück -Sie leben noch! Ich habe Sie schon seeeehr vermisst! Ihre Beiträge sind immer so das Salz in der Suppe . Nach 45 Dienstjahren kann ich alles sehr gut nachvollziehen . Aber – trotz allem ist unser Beruf der schönste auf der Welt! Oder? Ich gehe nun in den Ruhestand und weiß jetzt schon : ich werde sie sehr vermissen – all die kleinen und großen Katastrophen ,die schönen und die schweren Stunden , …seufz
    Wünsche Ihnen schöne Herbstferien und viel Durchhaltevermögen ! Es wird besser!

      1. Liebe Frau Weh – ja ich gehe zum Halbjahr in den Ruhestand- zum Leidwesen meiner Chefin. Bei uns herrscht absoluter Personalmangel . Hatte ja gehofft die letzten Monate in Ruhe zu Ende zu bringen -Pustekuchen ! Aber was solls- auch Lehrer können krank werden -nicht war?
        Alles Gute für Sie!

        1. Das stimmt wohl. Mir kratzt es auch akut im Hals. Wie gut, dass in NRW schon wieder Ferien sind!
          Dann genießen Sie trotzdem soweit es eben geht die letzten Monate. Sie werden vermutlich verfliegen…

  3. Hallo
    das arme Miniweh- gute Besserung an dieser Stelle.
    Den Vater finde ich ja schon unverschämt, was erklärt er wohl seinem Kind, wenn er da für die Lehrerin einen Fehler reinmacht????
    Das Buch „Gute Geister“ habe ich auch vor kurzem gelesen und mir ging es wie ihnen.
    Liebe Grüße

  4. Ein herzliches Hallo auch von mir,
    ja, es gibt doch „nette“ Eltern, was?! Da musste ich gleich an meinen lieben KFZ- Mechaniker denken: der hat auch ein kleines Problem mit Konsequenz und Genauigkeit im Umgang mit seinen Kids, aber dem fallen Fehler bei seiner eigenen Arbeit leider nicht auf (Aber vielleicht meint er auch, ich müsste mal die ganze Flotte der ADAC- Engelein kennen lernen- ist bestimmt ganz lieb von ihm gemeint ;-)). Ich finde Deine Konsequenz und Beharrlichkeit auch bewunderndswert und kann sehr gut nachfühlen: 29!!! Aber eine kleine Irritation taucht doch auf: Du steuerst mit Material in den Freiarbeitsphasen evtl. Unsicherheiten entgegen? Dann ist es doch keine Freiarbeit mehr. Auch eine Empfehlung für ein Material von Lehrerseite bedeutet ja ein Eingriff in die freie Entscheidung, was das Kind in welchem Tempo bearbeitet, oder? Doch das nur am Rande… Ich stimme im Übrigen völlig überein, dass besonders am Anfang auf die Heftführung, Ordnung und auch Schreibrichtung geachtet werden muss. Es ist eben nicht beliebig und gibt den Kindern Halt und Sicherheit beim selbstgesteuerten Lernen- völlig richtig! Und: die meisten wissen ja zum Glück nach einiger Zeit „wo es langgeht“, es kann also nur besser werden 😉

  5. Ich lieeeebe deine Posts :-)! Manchmal grinse ich einfach vor mich hin, meistens erkenne ich Situationen, wie es sie eins zu eins auch bei uns gibt (Eltern und so…), gerade jetzt hoffe ich, dass das Mini-Weh alles gut überstanden hat und dann bewundere ich eben mal noch, dass du nebenbei 29 Kinderlein (UFF!) unterrichtest!!! Ich habe „nur“ 25, allerdings aus 5 Schulstufen (Vorschule bis 4. Klasse) und kann mich kaum noch daran erinnern, wie es früher war. Ich mag diesen täglichen Wahnsinn auch nach 29 Jahren noch, an manchen Tagen mehr, an anderen könnte ich schreiend das Haus oder die Klasse verlassen und hin und wieder tu ich es auch (ich meine schreien und so :-D)! Lass uns bitte weiter teilhaben :-)! Ganz liebe Grüße aus Wien von Angela

  6. Dieser hinterlustig eingebaute Fehler des Kontrollfreakvaters brachte mir so manches in Erinnerung. Echt am besten, wenn man sich seinen Humor bewahrt und drüber lachen kann! Was für ein Findefehlerfuchs, ha.
    Es begegnen einem Elterntypen, bei denen man immer noch und wieder was Neues lernen kann (leichte Ironie).
    Auf jeden Fall wünsche ich mir für meinen Enkel eine Lehrerin wie Sie – und Ihnen wünsche ich herzhaft viel Kraft, denn die Anzahl der Kleinen ist echt heftig!

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