November oder: Manchmal hast du nur die Wahl zwischen Schitte und Kacke!*

Es ist November. Trist, trübe, wahrlich die Trematode unter den Monaten. Tatsächlich habe ich auch dieses Jahr wieder das Gefühl, der Monat will mir eins reinwürgen. Das Auto kaputt, die Wohnzimmerwand nach wie vor durchlöchert, die Kinder krank. Noch halte ich mich wacker, aber ich spüre schon, es reicht eine winzigkleine Winzigkeit und ich habe genug. So wie von würgenden Erstklässlern, die mir ihr Frühstück entgegenspucken. Ach ja, ich muss nachher noch neues Katzenstreu besorgen! Milch übrigens auch, die fehlt nämlich im Kühlschrank und was ist ein Milchkaffee ohne Milch? Richtig, traurig. Ein Lichtblick ist da, dass mittlerweile alle bis auf zwei Kinder meiner Klasse lesen und dies gerne. Noch lieber bekommen sie natürlich vorgelesen und das sind auch für mich die wenigen Minuten des Tages, die in kontemplativer Stille ablaufen. Liebe Kolleginnen, Mütter und Blogleserinnen ganz anderer Fachrichtungen: Lest vor, es lohnt sich!

Ansonsten gibt es viele Kämpfe zu bestehen: Kämpfe mit dem Eintragen der Hausaufgaben (nein, ich gebe auf gar keinen Fall auf!), mit dem Erledigen der Hausaufgaben (dito) und dem Sinn derselben. Tatsächlich stoße ich nun nach zufriedenen Wochen an Grenzen unserer Lehrwerke. Da hat man gerade – mühevoll – etwas Neues in Mathe eingeführt und anstelle dass nun eine ausreichende Übungsseite folgt, winkt auf der nächsten Seite bereits wieder ein ganz anderes Format. Wer denkt sich das aus? Warum? Ich als Nichtfachmathematiker schüttle meinen hübschen (und ganz sicher bald ergrauten) Kopf und verstehe es nicht so recht. Größer, kleiner, gleich ist nun wirklich nicht für alle Kinder Pipifax, warum wird dies nach nur einer Doppelseite von Tabellen abgelöst?

Nun gut, ich buttere zu. Der lange Atem, den wir bei den Strichlisten bewiesen haben (die mittlerweile übrigens tadellos funktionieren), ist also nach wie vor gefordert. Gut gefällt mir zur Zeit der Sachunterricht, wir experimentieren mit Fred, der Ameise. Wenn ich irgendwann etwas Luft habe, berichte ich darüber, die Kinder lieben es sehr. Mich übrigens auch noch, sogar mit Novemberlaune. „Hier schenke ich dir Trauben“, sagt Jenni und hält mir ihre tropfende Hand in der Frühstückspause entgegen. „Die schmecken immer noch!“

Die Natur hat das mit dem Kindchenschema echt gut hingekriegt. Manche Exemplare wirken selbst dann noch liebenswert, wenn man ihnen die Bröckchen vom Pullover wischt. Was man übrigens nicht von all ihren Erzeugerpaaren behaupten kann. „Sie sollen mehr auf den Leon und den Fakhim aufpassen, dass die mir nix tun, sagt mein Vater! Sonst kommt der und macht das dann.“ Ich lächle milde und lasse mir das Hausaufgabenheft von Kai aushändigen. „Lieber Papa Kai“, schreibe ich in der Pause. „Wie schön, dass Sie sich bereiterklären, uns zu helfen! Ich trage Sie für Mittwoch und Freitag zum Lesedienst ein. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Frau Weh“

Ätsch, November, ich lächle dich wech!

 

* P.S. Großartige Geschenkideen, auch für Lehrer, findet ihr im Atelier von Peter T. Schulz. Ich empfehle unbedingt den dicken Block mit den Olle Hansen Sprüchen. Wer schmunzelt nicht in Angesicht eines solch wahren Gedankens:

Schitte und Kacke

 

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28 Kommentare zu „November oder: Manchmal hast du nur die Wahl zwischen Schitte und Kacke!*

  1. Ach, der Spruch ist soo wahr…

    Zum Thema Mathebuch: vom Grundschulbereich habe ich leider keine Ahnung, die Bücher von Klett fürs Gymnasium (Lambacher Schweizer) haben tatsächlich den Bereich mit den Übungsaufgaben massiv gekürzt. Warum? Weil parallel zum Mathebuch das workbook (oder wie auch immer das für Mathe heißen mag) erhältlich ist, in dem dann viele (aber bei weitem nicht genügend oder besser, genügend gute) Aufgaben zu finden sind. Aus eins mach zwei und verdopple den Gewinn.
    Vielleicht gab es für die Grundschulbücher ähnliche Überlegungen?

    1. Ohhh, Lambacher Schweizer! Damit kämpfe ich gerade mit dem großen Wehwehchen. Bis ich mich darin zurechtgefunden habe und die Erklärungen gefunden habe …
      Wir arbeiten mit differenzierten themengebundenen Heften. Auch da gibt es Zusatzmaterial, aber zumeist als Kopiervorlagen, Karteien etc. Das Problem mit dem zu kurzen Übungsteil ist ganz offensichtlich grundschulmathethypisch. Ich kenne kein Lehrwerk, in dem es nicht vorkommt.

      1. Dann drück ich mal dem großen Wehwehchen (und Frau Weh natürlich auch 🙂 ) die Daumen, die Bücher sind z.T. suboptimal aufgebaut.

        Oh, das sieht aber grundschultechnisch nicht so toll aus. Größer und Kleiner bereiten auch noch vielen Sechst- und Siebtklässlern Schwierigkeiten. Wenn das in den Grundschulbüchern so durchgehetzt wird und die Lehrer damit alleingelassen werden, wundert mich das nicht mehr.

  2. seit den Liebeslieder aus OlleHansensHaus sind so einige Sprüche und Karten nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen….aber da war ich lange alleine mit meiner Vorliebe…kaum eine kannte die:
    und jetzt sprang mir das von dir gepostete „Gedicht“ entgegen: Flashback!! Danke und absolut treffend!!

      1. Ich kenn die Liebeslieder nur als „lyrics“, mit klasse Fotos…
        eine der Lieblingsstellen: Rotwein billig in der Flasche, in dir sieht man Glut und Asche und die ganze Welt auf einmal und sich selbst dazu noch zweimal, Supermarkt 2-Literwein, du kriegst jeden Kummer klein……
        Passt, falls mal wieder nur Schiet oder Kacke angesagt sind

  3. Ja, das Vorlesen! Auch ich lese gern und fast täglich in meiner 3. Klasse vor und kann nur dick und rot unterstreichen, was du dazu schreibst. Es macht so viel mit den Kindern. Zwischendurch denke ich zwar manchmal „Oh, schon wieder eine Viertelstunde rum, ich sollte doch vielleicht mal ‚richtig‘ unterrichten…“, aber eben – diese kontemplative Ruhe! Ganz herzliche Grüße , es ist jedes Mal so schön, etwas von dir zu lesen!
    Uli

  4. Gut gekontert, ich würde gerne Papa Kais Gesicht sehen 🙂 Aber das mit dem Lesen – irgendwie habe ich das als tägliche Institution bisher nicht etabliert bekommen (oder vielleicht zu früh aufgegeben?) Jedenfalls: Im ersten Schuljahr, während des Frühstücks? Nie schön gewesen. (Das Frühstück ist bei uns vor der Hofpause.) Da sind die Kinder, die so gerne hören würden, und dort die, die sich, jetzt aber!, Frau Frrroggy, endlich mal austauschen müssen. Und außerdem gibt es doch immer Dringendes zu tun – entgegen alle Absprachen: Kakaotüten holen oder bringen, Saftpfützen aufwischen, und und und… Im Advent werden wir mal wieder anfangen, am Ende des Morgenkreises. Inzwischen sind sie Zweitklässler. Vielleicht klappt es ja.

    1. Ich gebe zu, ich ziehe das mit dem Vorlesen in der Frühstückspause knallhart durch. Wenn es zu laut wird, höre ich auf und versäume nicht, den Kindern mitzuteilen, dass sie jetzt leider, leider heute nicht mehr erfahren werden, wie es weitergeht. Den Rest erledigt die Gruppendynamik. Natürlich klappt das nicht jeden Tag; Pfützen haben auch wir oft genug. Dann gebe ich nach der Pause eine neue Chance 🙂

  5. Ich hatte heute auch eine wundervolle Vorlesestunde und zwar in einer 5. Klasse auf dem Gymnasium. Ich arbeite dort als Vertretungskraft und die 6. Stunde ist ohne Arbeitsauftrag echt hart. Heute hatte ich die Fünfer in der 5. und 6. Stunde und es war anfangs sehr unruhig und anstrengend. Und dann habe ich mein Vorlesebuch zur Hand genommen….. 🙂

  6. Ja dieser November hat es irgendwie in sich. In meiner Wohnung hat es trotz Heizung sage und schreibe doch 18 Grad (mehr wird es nicht) und vorgestern hat sich eine Fensterscheibe gedacht, ach nö keinen Bock mehr und ist zersprungen. Das einzig Gute an der Sache ist, dass niemanden was passiert ist – wohne nämlich im 4. Stock (ohne Aufzug)

    Aber ganz ehrlich – die paar Novembertage bekommen wir auch noch rum. 🙂

  7. Mann ist das schön, dass so viele schon lesen können! Meine ich ganz ehrlich. Als meine Tochter in die zweite Klasse kam, veranstaltete die Grundschullehrerin ein Lesefest, um zu feiern, dass jetzt alle lesen könnten. Dabei wurde natürlich einiges vorgelesen: das war aber zum Teil so grauenhaft, dass mein Mann und ich uns den ganzen Abend lang fremdgeschämt haben. Es ist also nicht überall so wie bei dir.

    1. Das weiß ich wohl. Trotz dreier sehr langsamer und auf die ein oder andere Weise beeinträchtigter Kinder hatte ich noch kein 1. Schuljahr, das ein solches Tempo vorgelegt hat.

  8. Matheheft, wo auf jeder Doppelseite was Neues kommt statt Übungen zum wiederholen und festigen? Klingt stark nach Flex und Flo.
    Ich habe diese Dinger hassen gelernt, insbesondere in Verbindung mit der flexiblen Eingangsstufe und einer überforderten und teils unmotivierten Mathelehrerin.

    1. Richtig, Flex und Flo. Unser Vorteil ist, dass wir jahrgangsbezogen arbeiten und ich (zumindest noch) nicht überfordert bin. Aber ich lege nicht meine Hand dafür ins Feuer, dass dem so bleibt! 😉

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