Leseeltern?

Insgesamt läuft es gut mit den Erstklässlern, aber die Grenzen, an die ich aufgrund der Klassengröße stoße, sind unübersehbar. Trotz offenen Anfangs und individueller Förderzeit fühle ich mich oft genug gerade so gerüstet, vergleichbar einem durchaus motivierten Feuerwehrmann, dessen Auftrag die Bekämpfung eines Buschbrandes ist, dessen Ausrüstung aber leider nur aus einem Gießkännchen besteht. (Immerhin ist es rosa und hat die Form eines kleinen Elefanten!) Nun gut, das soll kein Jammerartikel werden, denn tatsächlich liegt meine einzige Chance darin, die Gegebenheiten zu akzeptieren und so zu modifizieren, dass sowohl die Schüler, als auch ich selber zu unserem Recht kommen, ohne das Gefühl permanenter Überforderung zu empfinden.

In Mathe lasse ich die Zügel nicht wirklich aus der Hand. Einführungen gibt es für alle Erstklässler gleichzeitig (und bei Bedarf auch ein zweites oder drittes Mal), geübt wird dann auf unterschiedlichen Niveaustufen und in individuellem Tempo. Die Diagnosen werden nicht gleichzeitig geschrieben, aber doch alle im vorgegebenen Zeitrahmen, der maximal eine Woche umfasst, sonst wird mir die Schere zu groß. Langsam muss ich mich um Knobelmaterial bemühen, es wird Zeit die fitten Kinder aus ihrer Komfortzone zu locken. Wieder wird mir bewusst, dass ich zwar durchaus Vertrauen in den generellen Lernwillen und das Lernvermögen der Kinder habe, aber die Rahmenbedingungen mit allgemein gültigen Ziel- und Kompetenzvorgaben am Ende eines festen Zeitraumes der individuellen Entwicklung nicht wirklich viel Luft lassen. Schön und gut, dass wir jedes Kind mitnehmen. Wie schade aber, dass wir es dennoch in ein und dasselbe Raster packen.

Den Deutschbereich habe ich freigegeben, d.h. jedes Kind arbeitet in seinem Tempo an seinen Aufgaben. Die Lernzielkontrollen werden zu unterschiedlichen Zeiten geschrieben, was aber kein Problem darstellt, da ich durch akribische Kontrolle und Listenführung tatsächlich sehr genau über den Lernstand jedes Schülers Bescheid weiß. Zum Basismaterial gibt es Förder- und Fordermaterial, das ich entsprechend anpasse. Das ist kein Problem, da fühle ich mich nach vielen Jahren Anfangsunterricht sicher und durchaus entspannt.

Wo ich definitiv Unterstützung benötige, ist der Lesebereich. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, mit so vielen Kindern zu lesen, denn auch hier variieren die Niveaustufen gewaltig. Mühen sich manche Kinder noch mit dem 1. Lies mal! – Heft ab, so lesen andere bereits selbstständig erste Bücher. Und alle möchten vorlesen, möchten unterstützt und gelobt werden. Ich könnte Klone gebrauchen. Jetzt habe ich an der Schule eine Elternschaft, die durchaus willig und einsatzfreudig ist, und sich gerne als Leseeltern engagieren würde. Aber wie sieht das eigentlich rechtlich aus?

Im Schulgesetzt habe ich nichts dazu gefunden, ob Eltern im Rahmen individueller Förderung eingesetzt werden dürfen. Was ist mit einer Schweigepflicht? Reicht eine mündliche Belehrung der helfenden Eltern aus? Oder lasse ich mir von ihnen unterschreiben, dass keine Information über das Verhalten von Samira oder das Lesevermögen von Can die Schulmauern durchdringt? Und muss ich die anderen Eltern nicht vorher um Einwilligung ersuchen? Oje. Der Chef schüttelt bedenklich den Kopf und ist sich ebenfalls nicht sicher. Zwar gibt es Leseeltern an der Schule, gern gesehen ist es aber nicht.

Vielleicht weiß ja jemand von euch Rat? Wie handhabt ihr das an eurer Schule? Ich würde mich über Infos und Tipps freuen!

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32 Kommentare zu „Leseeltern?

  1. Meine Liebe, weiterhin bin ich der Bewunderung voll ob deines Umgangs mit der Klassen-Situation. Wir haben an der Grundschule tatsächlich so ne Art Schweigepflichtsvereinbarung. Aufgemacht als netter Brief, der von Schulleitg und Leserin, unterschrieben wird.

    Umarmung! H.

    1. Ach du … 🙂
      Aber was soll ich machen? Es ist ja nun einmal so, auch wenn ich es nach wie vor für ein Unding halte, so viele Kinder in eine Klasse zu stecken.
      Ganz liebe Grüße zurück!

      1. Meine Tochter hatte in der 1.Klasse (vor 2 Jahren) auch Eltern als Lesepaten. Wir haben das am Elternabend offen besprochen. Und da dann die Eltern dahinter standen (und das toll fanden), hat auch niemand irgendwie was schlechtes daran gefunden.
        Man kann eine Schweigevereinbarung erstellen. Aber wie haltbar die juristisch ist, ist unklar.
        Mich stört eigentlich nur: müssen wir inzwischen alles juristisch 200% absichern, wenn es doch ganz offensichtlich zum Wohle der Kinder ist?
        Reicht es nicht, dass man das offen am Elternabend bespricht? Wenn nötig mit anonymer Abstimmung?
        Oder die Eltern, die dagegen sind, schicken ihr Kind eben zu keinem Lesepaten? Dann wird doch jeder einzelne Elternwille berücksichtigt und keiner kann mehr motzen.
        Ich wäre auf jeden Fall FÜR Lesepaten und würde das einfach offen thematisieren.

  2. In Berlin sieht man das soweit ich weiß das total locker – Hauptsache, die Kinder lernen lesen. Deine Einwände halte ich aber für völlig berechtigt.

  3. Hallo liebe Frau Weh, bei uns gibt es eine Freiwilligen Agentur, die sich in verschiedenen Bereichen engagiert. An die Schule kommen Lesepaten, „Individualförder“ (für Kinder mit Migrationshintergrund), Rechenpaten… Die Klassenlehrer richten Material her und geben kurze Einweisungen. Vielleicht gibt es so eine Agentur in deiner Stadt auch? Dies scheint rechtlich korrekt zu sein. Liebe Grüße aus Bayern

  4. Früher habe ich das gerne gemacht und auch viele guter Erfahrungen gesammelt. Ich bin das als junge Lehrerin allerdings auch sehr unbedarft angegangen und habe niemandem eine böse Absicht oder fehlendes Feingefühl unterstellt. Heute geht es mir wie dir, 27 kleine und partyfreudige Erstklässler brauchen einfach mehr als zwei helfende Hände und zwei hörende Ohren und wir teilen die Einschätzung, dass wir da mit dem was wir leisten können an unsere Grenzen kommen. Trotzdem würde ich hier im Münsterland meine Eltern so einschätzen, dass sie derartig ehrgeizig um das Wohl ihrer Kinder besorgt sind, dass es rund um Lesemütter schnell die unglaublichsten Gerüchteküchengeschichten geben würde, und sich bald viele unwohl fühlen würden. Der Einblick, den man bekommt, wenn man in einer Grundschulklasse regelmäßig als helfende Hand zu Gast sein darf, ist groß und ich hätte auf Grund der Tatsache, dass einfach sehr viel geredet wird, zu wenig Vertrauen in Helfer aus der Elternschaft. Kein so ganz hilfreicher Beitrag… LG Gille

  5. Hallöchen :-)! Bei uns gibt es seit Jahren sogenannte Lesepaten. Das sind Eltern, Großeltern oder wer auch immer Zeit haben möge. Rechtliche Probleme gibt es meines Wissens nach nur, wenn die Lesepaten „schulfremde Personen“ sind (Diese werden dann namentlich dem Stadtschulrat gemeldet). Wir haben z.B. einen Leseopa, der sich wegen eines Artikels (über die Möglichkeit, ein Lesepate zu werden), bei uns an der Schule gemeldet hat und seitdem unsere Kinder betreut, aber auch vice versa :-)! Er ist nämlich schon ziemlich alt und gebrechlich und hat unsere Schule als „Lebensinhalt und -Mittelpunkt“. Er schläft zum Beispiel immer wieder mal ein und dann kann es schon vorkommen, dass ein Kind, das vorlesen soll, zurück in die Klasse kommt und meint: „Du, der Opa schläft schon wieder.“ Die Antwort darauf ist meistens:“ Dann lies ihm leise vor, damit er nicht aufwacht!“ 😀 Klingt schräg, aber er ist so ein Lieber… Im Normalfall lesen aber eben Eltern oder Großeltern mit den Kindern. Wir haben Listen, auf denen sie die Lesezeit und eventuelle Kommentare eintragen. Dazu sitzen sie mit den Kindern an einem Tisch vor der Klasse. Auch Tandemlesen funktioniert auf diese Art prima. Ich muss allerdings dazu sagen, dass wir eine Mehrstufenklasse sind und auch „nur“ 25 Kinder in der Klasse haben! Alles in allem, eine tolle Idee, die super klappt! Und die Eltern freuen sich auch, „dabei“ zu sein! Liebe Grüße aus Wien, Gela
    p.s.: Ich lieeeeeebe deinen Blog :-)!!!

  6. Liebe Frau Weh,
    ja, das Problem kenne ich auch. Ich hatte in meinem ersten und auch noch im zweiten Schuljahr Leseeltern und auch eine Leseoma. Ich bekam von der Schulleitung ein Formular mit den Belehrungen zur Schweigepflicht. Genau heißt das Formular „Grundsätze für die Mitarbeit von Eltern und anderen geeigneten Personen im Unterricht und an Angeboten der Schule“.Dieses musste unterschrieben werden. Zudem wies ich die Eltern/Oma auch mündlich insbesondere auf die Schweigepflicht hin. Im Formular steht auch noch was über kein Anspruch auf Vergütung, Unfallversicherung ect. drin.
    LG Bille

  7. Ich habe das mit den Eltern im ersten Elternabend sowie in den persönlichen Elterngesprächen zum Thema gemacht…unsere Elternsprecherin hat vor Wochen eine Rundmail mit möglichen Terminen zur Lese-Zeit verschickt….Ergebnis…sie war und ist bisher die Einzige (von 23 Eltern), die „mich“/wohl mehr die Kinder damit unterstützen konnte… unbedingt aktiv werden lassen „Ihre einsatzfreudige Elternschaft“ NEID…wo kein Kläger…also echt, ich verzweifle an den bürokratisch sinnfreien Bestimmungen – wollen wir doch alle nur das Beste am und für das Kind! Zu meiner Schulzeit hingen wir namentlich an Listen im Schulhaus mit Auszeichnungen ect. aus und waren stolz. Da kam auch keiner auf die Idee uns Kindern Synonyme auszuteilen, damit alles anonym bleibt und sich jeder nur für sich selbst freuen darf —> „Kuschelpädagigik“ wie sind Sie denn nur darauf gekommen:-)))))

  8. Liebe Frau Weh, wir arbeiten an unserer Schule seit vielen Jahren mit Lesepaten, das sind Eltern, Omas und Opas und auch ehemalige Kolleginnen. Alle unterschreiben eine Schweigepflichtserklärung, am Elternabend und mit einem Elternbrief wird die Arbeit der Lesepaten erklärt, sollten Eltern jedoch nicht einverstanden sein, dass ihr Kind durch einen Lesepaten gefördert wird, wird dies selbstverständlich akzeptiert (ist in den vergangenen Jahren einmal vorgekommen!) Liebe Grüße aus Bayern

  9. Ich unterrichte eher auf dem Dorf und habe daher auch eher ein ungutes Gefühl, was Eltern als Lesepaten betrifft. Ich denke man sollte auf jeden Fall das Einverständnis der Eltern der betroffenen Kinder haben.
    Sehr gute Erfahrungen haben wir an unserer Schule mit Lesepaten aus der dritten und vierten Klasse. Die fitten Schüler machen das mit einer Engelsgeduld und sehr guten Erfolgen.
    Liebe Grüße
    Silke

  10. Bei uns gibt es die so genannten Lesementoren (Organisation) und eine Leseratten aus der benachbarten Stadtbibliothek. Außerdem haben wir viel Extra-Personal aus einer benachbarten Förderschule und zudem noch eine extra-Leseförderung als Förderstunde. An einer anderen Schule gibt es auch Lesemuttis. Ich denke, mit einer Schweigepflichtserklärung dürfte das alles keine Probleme geben. Außerdem gibt es bei uns Lesepässe, die gegen Perlen für eine Leseraupe eingetauscht werden. Hier ist das dann Aufgabe der Kinder, sich Angehörige zu suchen, die ihnen für 10 Minuten beim lauten Lesen zuhören und das Vorlesen dann mit einer Unterschrift quittieren. Somit sind meistens die Eltern, Großeltern oder andere Bezugspersonen ohnehin im Boot und für die Kinder ist die Leseraupe ohnehin motivierend….

  11. Von mir aus der Uni kenne ich das Projekt Lese-Leo (Hamburg) bei dem es über einen Trägerverein läuft, der dann Lesepaten vermittelt.
    Diese werden dann über den Verein ausgebildet und helfen dann vor Ort in Schulen und Kitas.

    Insbesondere Studenten werden auch von Dozenten angesprochen, die selber noch unterrichten, sodass es dann als Ehrenamt gemacht wird. Vielleicht gibt es ja bei euch in der Nähe auch solche Vereine oder Universitäten wo man Studierende der Pädagogik/Erzwiss/LA finden kann, die so etwas machen und so weit ich es weiß müssen dann eben auch Schweigeklauseln unterschrieben werden. Das ist dann einfach für alle Seiten klarer.

    Bei meinem letzten Seminar des Grundlagenstudiums Sprache ging es auch um das Thema und meine Professorin erzählte, dass es sogar besser für die Kinder sei, wenn es KEINE Eltern seien. Ideal sind wohl auch Vorlesehunde, aber dafür braucht es einen Hund 😉 (Aber zur Not tut es wohl auch ein Kuscheltier :))

  12. bei uns gibt es sowas leider nicht und ehrlich fehlt mir am Abend selber meist die Geduld um dann das stockende Lesen zu verfolgen, … ich weiß, ich sollte, aber es geht echt nicht. Ich würde mir wünschen, dass Vielleicht einige taffe Leute aus dem Altersheim ums Eck einfach mit den Schülern lesen, … so wäre es eine Win WIn Situation

  13. Wir haben an der Schule bisher nur gute Erfahrungen damit gemacht.
    Letztes Jahr haben wir über den Kirchenpfarrbrief auch andere Personen angesprochen. Aufgrunddessen habe ich jetzt eine „Leseoma“, die mit keinem Kind verwandt ist , aber so glücklich ist, wenn sie mit den Kleinen lesen darf. Daher gibt es auch keine Probleme mit Gerüchtn. Für mich bisher die beste Variante.
    Lg Katha

  14. Bei uns in Wien gibt es sogenannte LesepatenInnen. Das kann im Prinzip jede willige und geeignete Person sein. Der Vorteil für uns Lehrer ist, dass diese Personen vom Stadtschulrat genehmigt sind und auch versichert sind. Bei uns ist zum Beispiel im Moment eine pensionierte Lehrerin im Einsatz. Eine wirklich tolle Sache.
    lg
    Anja

  15. Liebe Frau Weh,
    auch bei uns an der Schule gibt es in manchen Klassen Lesemütter, mit denen wir im Vorfeld ein Gespräch führen über vorsichtigen Umgang, sensible Kinder und Zurückhaltung in manchen Fragen. Das Problem der Gerüchteküche kennen wir … aber für alle offene Türen können da nur hilfreich sein.
    Auch über diese Organisation bekommen wir viel Unterstützung – das ist dann auch offiziell gerne gesehen: http://www.die-oberreuter-lesemaeuse.de/. Wir arbeiten schulweit mit einem Leseführerschein aus Texten und dazugehörigen Fragen, die wir selbst zusammengestellt haben. Nach zwöf gelesenen Texten wird ein Tetx bei der Lehrerin gelesen, dann werden die Texte in der nächsten Stufe schwieriger.
    Danke für deinen Blog, das Lesen führt bei mir fast automatisch zu guter Laune!
    LG
    Anke

  16. An der Schule meiner Tochter war es überhaupt kein Problem, dass die Eltern als Lesepaten kamen. Rechtlich wurde da vorher nichts abgeklärt, es gab eine Liste zum Eintragen und fertig. Die Lesepatenschaft ging über ein halbes Jahr, die Kinder wechselten jedes Mal den Paten. Da wurde aber auch nichts getratscht oder aus der Schule hinausgetragen. Allerdings sind die Eltern hier im ländlichen Raum sowieso eng mit der Schule verbunden und jeder kennt jeden und man ist als Elternteil ständig mit irgendwelchen Aufgaben in der Schule betraut ( Brötchen schmieren und verkaufen, Begleitung bei Ausflügen, teilweise Mithilfe bei besonderen Unterrichtsaktivitäten wie Ernteaktionen im Herbst, Mitbringen von Haustieren für den Sachkundeunterricht, Renovierung der Klassenzimmer, etc.).
    Das wirkt sich eigentlich nur positiv auf das Miteinander aus. An der Schule, in der ich arbeite, ist das leider viel schwieriger, da der Einzugsbereich viel größer ist und somit kaum Kontakte zwischen Eltern und Schule bestehen. Da ist es sehr schwierig, irgendwas mit Elternunterstützung zu organisieren. Versuchen würde ich das mit den Lesepaten auf alle Fälle!

  17. Liebe Frau Weh, bei uns in Sachsen ginge das gar nicht mit Eltern. Vielleicht lässt sich aber auf wirklich fitte Viertklässler zurückgreifen? Wir arbeiten mit Wochenplan, wenn man da Kl. 1 und 4 für eine Lesestunde pro Woche koordiniert, kann das gut klappen – der Viertklässler hat (freiwillig) „Lesepate“ o.ä. Auf seinem Plan und das ist auch für alle eine ein-win-Situation.

    Danke für Deinen zauberhaften Blog. Liebe Grüße, Esther

  18. Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin bereits im fünften Lebensjahrzehnt und Mutter zweier Kinder. Obwohl meine beiden das Grundschulalter lange hinter sich haben (Gott sei Dank 🙂 ), interessiert mich das Thema durchaus, zumal ich seit dem letzten Jahr Großmutter bin. Ich kann die Bedenken von Eltern gegen Leseeltern durchaus nachvollziehen. Wenn ich an unsere „Tratschende Mütter Mafia (kurz TMM) zurückdenke und deren Bestreben, die Erfolge der eigenen Kinder möglichst auf Kosten der anderen herauszustreichen, dann hätte die auch keine Verschwiegenheitsverpflichtung von dezenten bis weniger dezenten Hinweisen und „im Vertrauen und ich weiß, du sprichst ja nicht drüber“ Gesprächen dafür zu sorgen, dass auch jeder weiß, dass die oder der „ja immer noch nicht flüssig liest, während ich meinem Kind das Buch ja geradezu aus der Hand reißen muss“ . Und schlussendlich, was ist die Konsequenz für denjenigen, der sich trotz Unterschrift nicht an die Verpflichtung hält? Gut, er wird von den Leseeltern ausgeschlossen. Das war es aber auch schon. Einen Schadenersatz kann man wohl kaum beziffern und ein Berufsverbot, wie es den zur Schweigepflicht verpflichteten Berufsgruppen droht, gibt es nicht. Und denjenigen öffentlich machen, verstößt m. E. auch gegen Datenschutzbestimmungen.
    Was die sog. Lesepässe (Leseraupe) anbelangt, so glaube ich, dass man auch deren Wahrheitsgehalt mit Vorsicht betrachten sollte. Im Bestreben, dem eigenen Kind, Geschwisterchen, Enkel etc. einen vermeintlichen Gefallen zu tun, wird manchen dazu verleiten, auch Lesezeiten zu bescheinigen, die nicht geleistet wurde. Auch bei Antolin wurde hier bei uns schwer gemogelt! M.E. dürfte der noch sicherste Weg sein, Leute dafür zu begeistern, die mit den Kindern weder verwandt noch bekannt sind. In vielen Städten gibt es aber schon Lesepatenprogramme. Frag doch einfach mal ganz unverbindlich beim Schulamt nach, ob es das bei euch schon gibt. Vielleicht kannst du auch bei http://www.aktivpaten.de eine Organisation in deiner Nähe finden.
    Zum Schluss noch: Ich liebe deinen Blog. Mir gefällt vor allem deine Fröhlichkeit und deine Bereitschaft, das Positive bei den dir anvertrauten Kindern zu suchen und zu sehen. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn meine Kinder eine GS-Lehrerin wie dich gehabt hätten. Leider war uns das nicht beschieden. Bessere Erfahrungen haben wir leider (auch nur zum Teil) später machen können. Mach bitte weiter so!
    LG stranger

  19. Liebe Frau Weh,
    ich hatte ein meinen beiden bisherigen Schulen auch immer Leseeltern. Meine Erfahrungen damit sind durchweg positiv. Die Kinder sind hochmotiviert. Ich erkläre den Eltern zu Beginn des Schuljahres, dass ihre Eindrücke unter die Schweigepflicht fallen.
    Natürlich kann man aber Getratsche nicht gänzlich ausschließen. Mir ist es aber in den fünf Jahren meiner Tätigkeit noch nicht zu Ohren gekommen. Viel Glück mit deinen kleinen Lesern. LG, Judith

  20. Ach Du Sch… Die Bildung und Förderung unserer Kinder und der Wille, sich zu engagieren, scheitern an den merkwürdigen Gesetzen dieses Landes? Datenschutz? Ich fasse es nicht. An der Schule meiner Töchter, die sie im Grundschulalter besuchten, gab es nicht nur Leseeltern, sondern auch welche, die noch andere Sachen mit den Kindern machten.

  21. Also ich war in den ersten Schuljahren meiner Kinder ja noch in Elternzeit und da dann als Lesepatin in der Schule tätig. Mal las ich was vor und mal waren die Kinder dran, mir aus ihrem Lieblingsbuch was vorzulesen. Ziel war u.a. einfach nur die Freude am Lesen zu wecken und zu fördern. Und obwohl in der Klasse nie mehr als 10 Schüler waren, hatten einige eben das Lesen schnell begriffen und andere ganz große Probleme.

    Da gabs aber nie irgendwelche rechtlichen Probleme oder Absprachen oder so. Wenn ich als Begleitung zu Fahrten mitfahre, ist das ja auch ok. Und wenn man sich auf den Fahrten dann in Gruppen aufteilt und ich eine übernehme, war das nie ein Thema. Ich dneke, sowas fällt möglicherweise unter Ehrenamtregelung und Ehrenamtliche sind automatisch über den Träger versichert.

  22. Liebe Frau Weh,
    seit ein paar Wochen sind an unserer Schule die Viertklässler, die gut lesen und Erstklässler darin unterstützen können, zu einer festen Lesepaten-Stunde eingeteilt.
    Wir hatten auch früher Leseeltern, aber es kam leider tatsächlich dazu, dass sich von einigen sehr wenigen über das Lesevermögen der Kinder ausgetauscht wurde und daher wurde dieser eigentlich doch so schöne Elterneinsatz gestrichen. Nun sind es die Viertklässler und die verfolgen ihre Aufgabe mit großem Eifer und Stolz. Und die Kleinen lernen die Großen eben durch eine solche Aktion auch direkt besser kennen.
    Im Vorfeld wurde natürlich schon mit den Viertklässlern darüber gesprochen, dass sie diesen „Job“ vertraulich ausführen müssen – aber dies tun sie auch, denn es macht ihnen eben großen Spaß! Liebe Grüße

  23. Ich habe in der Grundschulzeit meiner Kinder auch an vielen Aktivitäten teilgenommen, wie viele andere Eltern auch. Vor allem an Projekttagen mit vielen Stationen sind wir aktiv geworden und haben beispielsweise mit einigen Kindern gekocht oder gebacken, sie im Computerraum unterstützt, Papier geschöpft etc., während die Lehrerin die Aktivitäten im Klassenraum betreut hat. In der fünften Klasse war ich sogar mal als Betreuerin mit auf einer Klassenfahrt. Und ja, im Laufe der Zeit habe ich viel über die Kinder und ihre Familien erfahren, das bleibt ja nicht aus. Bei uns gab es keinerlei Erklärungen, die wir unterschreiben mussten, dennoch gibt es solche Sachen noch heute in der Schule, soweit ich weiß. Es scheint also zu funktionieren.

  24. Lespaten gibt es auch an unseren Grundschulen in BaWü – ich habe erst jetzt durch deinen Blog darüber nachgedacht, ob das irgendwelche Probleme bereiten könnte. Rechtlich geht es ja um die Absicherung der Eltern und Kinder, falls etwas passiert, aber – ich frage ganz naiv – worüber sollen die Lesepaten denn schweigen? Ist es tatsächlich so problematisch, dass Lesepaten private Dinge herum tratschen?

  25. Hallo,
    ich bin selbst Lesemutter an der Schule meins Sohnes (Kleinstadt, Niedersachsen) und da wird das mit den Leseeltern ganz unkompliziert gehandhabt. Die Klassenlehrer fragen, welche Eltern Zeit haben (meist sind es die Gleichen… ;)), sie als Leseeltern im Unterricht zu unterstützen, dann wird geschaut, welcher Termin vom Stundenplan her in Frage kommt und das war’s, rechtlich wird da nichts abgeklärt. Für mich ist es allerdings auch selbstverständlich, dass ich nichts aus der Schule hinausgetrage oder tratsche.
    Es gibt bei uns keine festen „Lesepartner“, die Kinder lesen immer bei der Person, die gerade „frei“ ist, wenn sie dran kommen. Meist kommentieren wir das Gelesene mit +/o/- (je nach Leistung) und ein paar ergänzenden Worten, hin und wieder geben wir nach der Stunde persönlich unser Feedback an die Lehrerin, das war’s aber auch schon.
    Liebe Grüße und viel Erfolg in der Sache!

  26. Vielen Dank euch allen für die Rückmeldungen und Gedankenanstöße!
    Ich werde das Einverständnis der Eltern zur Förderung ihrer Kinder durch Leseeltern einholen. Die helfenden Eltern werde ich mündlich darüber in Kenntnis setzen, dass keine Interna weitergegeben werden dürfen und fertig.
    Interessant, wie vielfältig dieses Thema gehandhabt und gesehen wird.

  27. Liebe Frau Weh, auch bei mir sind Leseeltern hingebungsvoll im Einsatz. In den Kommentaren wurde bereits Einiges gesagt; da bleibt mir nur noch eine Empfehlung: Wir koordinieren die wöchentliche Lesestunde immer über http://doodle.com/de/ (wie übrigens auch andere Termine, Aktionen und Mitbringlisten). Das klappt.
    Ich wünsche noch grandiose Ferien.

  28. Ich bin Niederländerin in Deutschland und habe Sprachen studiert. Bin selbst schon 4 Jahre Lesemama. Mein Sohn hatte Leseschwierigkeiten. Er hat daraufhin 3 Monate Leseschule gemacht in eine andere Schule. Als Mama hab ich dadurch mitgekriegt, wie das sonderpädagogisch geht. Dieses Wissen wende ich jetzt als Lesemama an. Und siehe da, selbst die Kinder die sich schwer tun, packen das Lesen mal so auf. Ich wurde mal vorschlagen, die Eltern da zu schulen.

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