Viele, viele bunte …

Mathe kann man anfassen

Mathe bei den Erstklässlern.

Andächtiges Schmatzen und lautes Abzählen lösen einander ab. (Vielleicht ist es auch auch andersrum. Auf jeden Fall ist es eine bunte Stunde!) Ich habe gerade die Stellenwerttafel eingeführt und dafür tief ins Süßigkeitenregal gegriffen. Mathe war Abifach bei mir, allerdings nicht unbedingt aus freien Stücken. Mit Deutsch, Pädagogik und Musik wäre es ansonsten ein sogenanntes „Puddingabitur“ geworden, da musste was richtiges her. Also das Matheabi und ich … das war so eine Sache. Ich erinnere mich nicht mehr in allen Einzelheiten an die Kurvendiskussion, die ich vor den aufmerksamen Augen der Prüfer an die Tafel kritzelte. Viel präsenter sind mir hingegen die Schokoriegel, die zur Anregung (oder war es Abregung?) des Parasympathikus im Vorfeld gereicht wurden. Hängengeblieben aus drei Jahren Mathe Oberstufe ist also folgendes:

Mathe und Schokolade gehen gut zusammen.

Dieser Satz ist wahr und sollte er wirklich neu bewiesen werden müssen, so tragen die Erstklässler heute das Ihrige dazu bei. Schon die Einführung im Kreis klappt ganz gut, die Partnerarbeit aber wird zum Genuss.

ZehnerbündelungDie zunächst undefinierbar große Menge bunter Schokolinsen muss unkompliziert gebündelt werden. Das Aufschreiben als Zehner und Einer bereitet ebenfalls wenig Probleme.

„Aber was sollen wir jetzt machen?“

Die erwartete Frage beantworte ich, indem ich jedem Partner ein Smartie zuschiebe und selber eins in den Mund stecke. Schnell wird klar, dass nun neu ausgezählt und gebündelt werden muss, habe ich mich doch aus den bestehenden Bündeln bedient. Bei den ganz Schlauen, die schnell feststellen, dass die Gesamtzahl gleichmäßig abnimmt, kann das System mit ein paar zusätzlichen Linsen ins Wanken gebracht werden. Leistung muss sich schließlich auch lohnen, oder? Es wird viel gekichert, mächtig geschmatzt und ganz nebenbei auch gelernt. Denn Mathe und Schokolade … siehe oben.

So wundert es nicht, dass sich am Ende der Stunde Can mit schokoverschmierter Schnute vor mir aufbaut und lauthals verkündet:

„Ich mag Mathe!“

Ich auch, Can. Besonders die mit den kleinen bunten.

StellenwerttafelKopiervorlage aus: Mathe kann man anfassen

 

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24 Kommentare zu „Viele, viele bunte …

  1. Bei uns wurde in der 6. (?) Klasse Bruchrechnen mit einer Tafel Schokolade eingeführt. Also Rechnen an und mit der Tafel und zur Belohnung bei richtiger Rechnung ein Stückchen Schoki. Werd ich wohl auch nie vergessen 🙂

  2. Ist Mathe kann man anfassen gut? Ich geier ja so ein bisschen, aber angesichts meiner gestopft vollen Regale… und dem leeren Geldbeutel… und weil meine ja schon in der Zweiten sind… ach.

    1. Ich finde es ganz gut und kann mir vorstellen, dass sich auch vieles daraus fürs 2. Schuljahr eignet. Allerdings besitze ich auch nur exakt zwei Fachbücher für Mathe 😉

  3. Oh ja – ist das nicht schön! Leider habe ich gerade kein Mathe, aber die Sache mit Mathe und Schokolade kann ich nur bestätigen. Zum Mathestudium gehörten auch Übungswochenenden und da wurde mindestens so viel Schokolade eingepackt wie sonstiges Gespräck! Hat immer geklappt!
    Liebe Frau Weh, vielen, vielen Dank für die tollen Beiträge. Habe gerade die aktuelle Kolumne in der Grundschule gelesen. Es ist ja nun einmal GENAU SO! Danke, liebe Frau Weh! Liebe Grüße, Andrea

    1. Liebe Eva,
      der link funktioniert leider nicht, ich versuche es hinzukriegen. Ich habe übrigens deine Clowns mit dem Miniweh nachgebastelt – es war begeistert! 🙂

  4. Zum Bündeln eignen sich übrigens auch gut die Schachteln der kleinen Bunten. Denn dort müssen immer 10 rein. 😉
    Damit kann man auch umgedreht gut die Zahl benennen lassen. Und der Zehner ist ein Zehner, ohne ihn abzählen zu müssen.

  5. Genau nach diesem Prinzip saß ich als kleiner Erstemester in meiner Mathedidaktik Vorlesung und die Professorin erklärte Stellenwertsystem (allerdings auch das 5er,7er oder was ihr sonst noch einfiel) und hatte mehrere Pakete Maoam dabei. Wenn sie uns was fragte und man richtig antwortete bekam man einen Maoam (vorausgesetzt der vorsitzende fing ihn nicht ab^^) und am Ende gab es die für alle. Das Stellenwertsystem wird also auch von den „Großen“ nur zu gerne mit Süßkram gelernt 🙂

  6. Das ist ja wirklich eine tolle Idee! Dann überlege ich mir jetzt mal, ob ich mir das Buch auch anschaffe. Durch solche Stunden erreicht man bei den Kindern viel mehr – als durch stupide Übungen auf Arbeitsblättern. Das andere Mathe-Fachbuch, welches du hast, ist das auch gut? Ich hab mir im Referendariat eine Fachbuch-Reihe gekauft, aber die spricht mich irgendwie nicht wirklich an…
    Liebe Grüße,
    Birte

    P.S.: Ich lese übrigens deinen Blog wirklich gerne und freue mich jedes Mal, wenn du etwas Neues geschrieben hast 🙂

    1. Hallo Birte,
      lieben Danke für deinen netten Kommentar! Das andere Buch, das ich besitze, ist Kinder & Mathematik von Spiegel und Selter. Lese ich viel drin. Ansonsten arbeite ich eng mit dem Lehrerhandbuch.

  7. Hallo Frau Weh! Hier muss ich mal wieder einen zugegebenermaßen neidischen Kommentar aus Schweden schreiben: So eine lustige, pädagogisch wertvolle und nachhaltige Stunde wäre hier unmöglich. An schwedischen Grundschulen herrscht nämlich absolutes Süßigkeitenverbot – da sich die Schweden anderweitig damit vollstopfen (nachzulesen bei mir unter 2013>Februar>Zwei schwedische Klassiker) und viele Kinder angeblich multipel-hyper-allergisch sind (ich will damit nicht ausschließen, dass manche Kinder wirklich allergisch sind). Das macht es wirklich(!) schwierig, dass man sich da noch was Nettes, Originelles einfallen lässt, zumal einem manchmal auch die Lust verlässt, wenn Lasse ruft: „Du vergisst aber nicht, dass ich eine Fruktose-Allergie habe!“, Ida kräht: „Ich darf keine Zitrusfrüchte essen!“ und Lisa einen A4-Zettel mit einer Allergie-Liste hervorholt. Da kann man nicht mal mit gutem Gewissen Äpfel mitbringen. Seufz, da hab ich manchmal „Heimweh“ nach deutschen Grundschulen, wo zumindest manche Sachen noch ein bisschen ’normaler‘ ablaufen dürfen!
    Herzlichste Grüße aus einem Wintermorgen-mit-Sonne-Stockholm! Barbara

    1. Ach, wie furchtbar!
      Dagegen ist es ja hier … Zucker! 😉
      Ich verzichte mittlerweile generell auf Produkte mit Gelatine und natürlich Nüssen. Gegen Smarties hat zumindest bisher noch niemand Einspruch erhoben. Kann aber alles noch kommen.

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