Kreisspiele

Ich muss es loswerden: Ich kann keine Kreisspiele.

Also ich kann sie natürlich spielen. Aber ich kann sie mir nicht merken. Es ist wie mit Witzen, da behalte ich auch immer nur die, die ganz besonders pfui sind und die man keinem Menschen erzählen kann. (Nein, ich möchte wirklich nicht wissen, was das über mich aussagt, und ein Beispiel gebe ich hier auch ganz bestimmt nicht.) Das einzige Spiel, das mir immer einfällt, ist Galgenmännchen. Und das ist noch nicht einmal ein Kreisspiel und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist die Zeichnung desselbigen nicht mehr politisch korrekt. (Egal, die Erstklässler und ich lieben es dennoch. Mit Stinkefahne! Und Fliege!) Doch zum Glück für mich und die zahlreich anwesenden kleinen Menschen um mich herum ist uns Hilfe beschieden! Ich habe nämlich im Elementarbereich fremdgeangelt und etwas ganz Entzückendes an Land gezogen.

LieblingsspieleDie Lieblingsspiele-Schatztruhe

In dieser Spielebox befinden sich die Anleitungen von 25 beliebten Klassikern, die wahrscheinlich bei den mitlesenden Erzieherinnen nur ein müdes Lächeln hervorrufen, den Erstklässlern und mir hingegen schon so manches Stundenende versüßt haben. Da gibt es

  • Bello, dein Knochen ist weg
  • Guckt die Maus aus dem Haus
  • Pferderennen
  • Auge, sei wachsam!
  • Schmetterling, du kleines Ding
  • Ich sehe was, was du nicht siehst
  • In den Brunnen gefallen

Lieblingsspiele-Schatztruheund viele, viele mehr. Alle Karten so liebevoll und klar illustriert, dass die Kinder selber in kürzester Zeit den Überblick über die Spielekartei gewinnen und selber aussuchen können. (Ich gestehe, ich liebe diese seltenen Momente, in denen ich mich rausziehen und einfach in Ruhe beobachten kann, sehr.)

Desweiteren gebe ich gerne zu, dass ich seit einiger Zeit Fan der Illustratoren vom Verlag an der Ruhr bin. So bunt, so fröhlich und mit so geringem Kitschfaktor zu zeichnen, finde ich großartig. Fast noch großartiger (und somit Grund genug für diesen Tipp) sind die eigentlichen Spielanleitungen, die sich in der Innenseite der Karten befinden. Die meisten sind nämlich tatsächlich so kindgerecht verfasst, dass man sie direkt vorlesen kann und … tadaa … die Erstklässler sie sogar auf der Stelle verstehen! Wenn das mal keine Leistung ist. Was habe ich schon beim vergeblichen Studium mancher Spielanleitung an Lebenszeit eingebüßt. Hier haben wir also Simplify your Grundschulalltag, ganz klar. Vielleicht sollte ich mich viel öfter bei den Kita-Materialien umsehen? Taler, Taler

Gemeinsames Spiel ist etwas, das leider auch bei mir oft von anderen, vermeintlich wichtigeren Inhalten verdrängt wird. Dabei ist der pädagogische Wert ja unumstritten. Aber häufig denke ich einfach nicht daran oder vertröste die Erstklässler auf später. Später ist dann häufig gar nicht mehr. Jetzt steht aber die Box auf meinem Tisch und raunt mir in besonders passenden Momenten Öffne mich! zu. Da muss das Galgenmännchen dann ein bisschen warten. (Wird ja nicht schlecht. Hö hö.) Das Ganze hat auch so ein bisschen Retrocharme. Taler, Taler, du musst wandern habe ich zum Beispiel schon in meiner eigenen Kindergartenzeit voller Inbrunst geschmettert.

Übrigens schmecken diese unglaublich harten Karamelltaler, die noch von Nikolaus übriggeblieben sind, auch viel besser, wenn sie vorher durch viele, viele warme Kinderhände gegangen sind. Wenn das mal keine Aufforderung zum gemeinsamen Spiel darstellt …!

 

 

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9 Kommentare zu „Kreisspiele

  1. 🙂 Das mit den warmen Karamelltalern klappt im Übrigen auch bei Achtklässlern noch, denen man das Steuersystem des Absolutismus in seiner ganzen Härte und Ungerechtigkeit damit nahebrachte – allerdings nur wenn der designierte roi du France danach noch teilen will 🙂

  2. Liebe Frau Weh. Ich, schon laaaange mitlesende (Ver-) zieherin im Kiga, bin immer sehr amüsiert und angetan von ihren Texten. Vielen Dank an dieser Stelle. Zum aktuellen Post muss ich sagen, dass schon lange eine Verschiebung pädagogischer Möglichkeiten / Notwendigkeiten in Richtung Schule genutzt wird. Nicht uberall, logisch, aber tendenziell steigend. Das liegt m.M. daran, dass im Kiga viel mehr Augenmerk auf den Aufbau basaler Fä. gelegt werden muss und somit das Bedürfnis der Kinder nach „einfachen“ Spielen mit in die GS-zeit genommen wird. Der Kiga spielt und lehrt, aber die aktuelle Situation vieler ( nicht aller ) Kinder ist nicht mehr vom lehren und lernen in der Familie geprägt. Somit findet ein Verschieben der Bedürfniszeit statt. Also liebe mitlesende Lehrer: nutzt die Kitamaterialien mit und eure Koop-kitas.
    Liebe Grüße aus Berlin. Birgit.

  3. Galgenmännchen kenne ich natürlich – aber was bedeutet „Mit Stinkefahne und Fliege“? Die Google-Bildersuche konnte mir leider nicht weiterhelfen! 😀

    1. Haha, konnte sie nicht?
      Wenn das Männchen fertig ist, mache ich noch eine geschwungene Linie über den Kopf, die „Stinkefahne“. Zu allerletzt kommt noch eine kleine Schmeißfliege dazu. Das war es schon 😉

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