Von Keksen und anderen Dingen

Mit einer gewissen amüsierten Verwunderung verfolge ich sporadisch die merkwürdige Diskussion, die sich derzeit auf dem ein oder anderen Grundschulblog breitmacht. Da geht es um gute und schlechte Arbeitsmittel, um fehlende Reflexion und um gedankenlose Materialbulimie.

Und um Monthy Python.

Setz dich. Nimm dir ’n Keks, machs dir schön bequem.

Das beliebte Zitat, das in verschiedenen Variationen genannt wird, stammt aus dem nicht unumstrittenen Film Das Leben des Brian und wird – so viel Genauigkeit sollte doch sein – leider oft verändert und schlimmer noch: verkürzt benutzt. Tatsächlich fehlt der Nachsatz, der da lautet

Du Arsch!

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Teil des Zitats unbewusst oder bewusst im laufenden Gedankenaustausch ausgelassen wird (gedacht werden mag er vielleicht sogar an mancher Stelle), nichtsdestotrotz möchte ich mich an der bestehenden Diskussion gerne beteiligen. Nein, leider habe ich keine Zeit, um am 8. April am vom emsigen Herrn Emrich angeregten Grundschulchat zum Thema Rechtschreibung teilzunehmen, obgleich das Thema einer Dringlichkeit und Wichtigkeit nicht entbehrt. Aber ein Abend mit Herrn Weh am Esstisch oder bei einer Folge Mord mit Aussicht auf dem Sofa steht in meiner Prioritätenliste so weit höher. Stattdessen möchte ich mich auf ganz anderer Ebene unterstützend einbringen und trage daher für alle Interessierten ein ganz einfaches Keksrezept bei. Das ist auch für Backanfänger geeignet und lässt sich in großen Mengen passabel verarbeiten. Denn soweit teile ich die Meinung beider Seiten, es gibt kaum ein Problem, das sich nicht mit einem guten Keks angenehm überdenken ließe.

Osterkekse Einfache  Butterplätzchen

150 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 200 g Butter und 1 kleines Ei verrühren. 350 g Mehl, 1 Teelöffel Backpulver und 1 Prise Salz dazugeben und eine Stunde in den Kühlschrank legen. Bei 200 °C ungefähr 10 – 12 Minuten backen.

Dieses Basisrezept lässt sich auf vielerlei Weise verändern, so wie auch guter Unterricht nie nur einem Schema folgt. Ich zum Beispiel nehme gerne etwas verquirltes Eigelb und Hagelzucker, andere rühren Kakao unter. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über andere Dinge hingegen schon. Hervorragend lassen sich die Kekse übrigens mit Marmelade füllen und mit Puderzucker bestäuben.

OstereierkekseMein Basisrezept für guten Rechtschreibunterricht lautet übrigens:

  • ganz viel Training der phonologischen Bewusstheit
  • regelmäßige Übung von Frühstückssätzen
  • Abschreibübungen, nebst Kontrolle und Korrektur
  • Regelbewusstheit
  • Wörterbucharbeit
  • fortlaufende Diagnose des Entwicklungsstandes bezüglich alphabetischer, orthographisch-morphematischer und wortübergreifender Strategien

In diesem Sinne: Guten Appetit!

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18 Kommentare zu „Von Keksen und anderen Dingen

  1. Von ganzem Herzen ein Amen! Ein Halleluja hätte ich gerne noch dazu dazugefügt, was aber in der Fastenzeit bzw. Karwoche ja nicht sein soll. Danke, liebe Fr. Weh!

  2. Ja, ich habe bewusst gekürzt. Aus der Not. Mir ist absolut kein Titel eingefallen. Weder was geistreiches, noch was lustiges, allenfalls etwas ganz sprödes. Da habe ich einfach mal bei den Helden meiner Kindheit/Jugend gewildert. Ganz ohne Arsch, denn auf dem möchte ich am Mittwoch nur sitzen. Mord mit Aussicht habe ich schon durch, von daher drängt sich der Chat als Alternative geradezu auf.

  3. Wunderbar!
    Genau das habe ich mir auch schon so ähnlich gedacht!
    Das aber in so herzerfrischender Sprache zu lesen ist toll.
    Vielen Dank dafür.
    Ist es nicht schade, dass manche sich immer als Oberlehrer aufspielen müssen und anderen das Gefühl geben, weniger gute Lehrer zu sein, nur weil sie gerne aus den vielfältigen Materialien der Blogs das für ihren Unterricht Passende heraussuchen?
    Viele Grüße Malzi

  4. Liebe Frau Weh, es geht einfach nichts über Plätzchen, sie helfen stets!!! Bei uns liegt der Klumpen auch bereit für Osterhäschen und Schäfchen (und da ist die Rechtschreibung auch dabei). Herzliche Grüße!

  5. Oh, du sprichst mir aus der Seele, vielen Dank 🙂
    Und, Mord mit Aussicht kann ich auch zum 27. Mal gucken…, immer gut!
    Liebe Grüße Tina

  6. ! So isses! Danke! Ich chatte nicht gerne. Ist mir zu hektisch. Materialien helfen ungemein. Was man nicht braucht oder mag, muss man ja nicht nutzen.

    Viel interessanter: Was sind denn deine „Frühstückssätze“? Magst du das vielleicht erläutern?

    1. Ab dem 2. Schuljahr diktiere ich den Kindern pro Tag einen Satz. Ein Kind schreibt ihn an die Tafel, wo wir ihn dann anschließend gemeinsam rechtschriftlich auseinander nehmen, kontrollieren und verbessern. Zunächst schauen wir auf Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen, später dann auf Verdopplung, Dehnung, etc. Man kann das bis ins 4. Schuljahr fortführen, dann wird auf Satzglieder etc. geachtet. „Frühstückssatz“ heißt das nur, weil dies der letzte Programmpunkt vor dem Frühstück ist 😉

  7. Liebe Frau Weh,
    wie immer mit einem Augenzwinkern und gaaanz viel Gelassenheit. Trotzdem nimmst du stets dein Gegenüber ernst.
    Es ist wunderbar, deine Texte zu lesen.
    Ich wünsche dir ein frohes Osterfest!
    Susi

  8. Dem Beitrag ist nichts hinzuzufügen … auf den Punkt gebracht in dem typisch Frau Weh Sprachstil,den ich so schätze.
    DANKE
    myway3

  9. Och, so verkehrt find ich kritische Anmerkungen von Florian und den Wunsch nach mehr Qualität und weniger Oberflächlichkeit gar nicht. Klar kann man auch immer wegklicken, was man nicht mag oder braucht, man kann sich aber auch immer mal äußern. So, wie man bei anderen Dingen auch weggucken oder bewusst hinsehen und eingreifen kann. Ob mir der Ton oder die Art und Weise immer entspricht, steht auf einem anderen Blatt, das Anliegen entspricht mir sehr. Nichts desto trotz find ich das Rezept sehr lecker und auch ich hab ein Leben ohne Schule und mit Ferien. Liebe Grüße cubi

  10. Hmm, lecker Kekse. Aber ob die in ökologisch-vollbiologischer Hinsicht noch überzeugen können?? Wo bleibt das Dinkel-Plätzchen?! Einfach Kekse essen ist heute eher nicht mehr korrekt, lol.

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