Apfelzeit

Zum Geburtstag bekomme ich in der Regel von meiner Klasse einen Blumenstrauß. Zu Weihnachten gibt es ein Geschenk. Natürlich ein kleines oder eines, das dem Einsatz in der Schule dient. Alles andere verbietet sich ja (fast) von selbst. So weit, so gut. Dass nun die Zweitklässler vor mir stehen – mitten im Jahr und ohne erkennbaren Anlass – und zwischen sich einen Korb Äpfel balancieren, trifft mich unerwartet.

„In Amerika“, liest Luisa von einem Zettel ab, „schenken die Schüler ihrem Lehrer einen Apfel als Zeichen der Anerkennung und als Dank für die Arbeit.“ Sie schaut von ihrem Zettel auf. „Du hast ja auch manchmal Arbeit mit uns, sagt mein Papa.“ Sie überlegt. „Aber du sagst ja eigentlich immer, dass du nur Freude mit uns hast.“ Ihre Nase kräuselt sich nachdenklich. „Egal. Trotzdem haben wir alle einen Apfel mitgebracht für dich, damit du ganz gesund bleibst und froh. Hier!“ Die Zweitklässler stellen den Korb vor mir auf den Boden.

Ich schlucke ein bisschen. Und atme. Und so.

Weinst du jetzt etwa!?“, fragt Can und schüttelt fassungslos den Kopf. (Erwachsene!)

„Quatsch!“, raunze ich ihn an, „Das ist flüssige Freude.“

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33 Kommentare zu „Apfelzeit

  1. Wie schön ist denn dieser Post? 1Wie toll ist denn dieses Geschenk? 1Ich freue mich so, dass die Eltern „sehen“, was du da machst! Liebe Grüße von Uta, die jetzt „marinierte“ Tasten hat (Olivenöl und Kräuter der Provence), weil sie das schnell schreiben musste.

  2. Oh Gott wie schön! Da krieg ich vor dem Computer Pippi in die Augen!!!!! Mehr Anerkennung für deine Arbeit seitens der Schüler (und mancher Eltern :)) gibt es wohl nicht.
    Einfach genießen – du hast es dir verdient

    Liebe Grüße, Christiane

  3. Ooooh 😍 wie schööön!
    Gerade nach den letzten Posts tut es gut, so etwas Nettes von dir zu hören 😊

    Mir fiel sofort „An apple a day keeps the doctor away“ ein, doch das Lied passt wesentlich besser 👍

  4. Oh, was freue ich mich für dich! Das sind diese unerwarteten Seelenbalsameinheiten, die alles andere für diesen Moment vergessen lassen. Genieße esund vielleicht erinnerst du dich in schwierigeren Zeiten wieder daran?
    Viele liebe Grüße, Kathrin aus dem Südwesten

  5. Es zahlt sich immer wieder alles wieder aus .. 🙂 das gönn ich dir, und das liebe ich an der Arbeit mit Kindern, egal wie kraftintensiv die Wochen vergehen können, irgendwie können einem solche Momente all den Stress und Frust wieder vergessen lassen ❤

  6. „Flüssige Freude“ – ja, sowas in der Art habe ich auch grad im Auge. Heißt dann aber wahrscheinlich flüssige Rührung.

    Frau Weh, das ist so schön, so herzerwärmend – was so ein schlichter Apfel doch für eine Freude sein kann. Ich wünsche dir, dass du das ganz fest in deinem Inneren verankern kannst, um Stärke herauszuziehen, wenn es nötig ist.

  7. Hallo Primimaus,
    seit längerem verfolge ich deinen Blog schon und bin immer wieder erstaunt, mit welchem Elan du deine Schüler durch die gemeinsame Zeit begleitest.
    Es waren schon einige sehr unterhaltsame Erzählungen dabei, bei denen ich geschmunzelt habe.

    Aber nun in der Mittagspause mit „feuchter Freude“ im Großraumbüro zu sitzen, ist was neues. (Kollegin macht spontan aus Sympathie mal mit)

    Danke das ich an diesem Erlebnis teilhaben durfte.

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